Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Verleger
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 1020695927 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schöningh

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Zitierweise

Schöningh, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020695927.html [16.12.2018].

CC0

  • Leben

    Ferdinand (I) (1815-83, s. ADB 54; Westfäl. Köpfe, 1963), der Gründer des Verlagshauses, wurde als 2. Sohn des Justizamtmanns Jakob (1781–1833), Dr. iur., in Meppen (Emsland) geboren. Nach vierjährigem Gymnasialbesuch in seiner Heimatstadt, einer Buchhändlerlehre bei seinem Großvater mütterlicherseits in Münster und zwölf weiteren Jahren Berufserfahrung in Münster und Soest erwarb er 1846 die Konzession für eine kath. Buch- und Kunsthandlung, die am 12.4.1847 mit den Schwerpunkten Wissenschaft, Pädagogische Literatur und Textsammlungen in Paderborn eröffnet wurde. 1848 gründete er einen Zeitungs- und Zeitschriftenverlag, in dem seit Aug. 1848 das wöchentliche „Westfälische Kirchenblatt für Katholiken“, seit April 1875 dann täglich das „Westfälische Volksblatt“ erschienen. 1850 bezog das Unternehmen ein neues Gebäude und richtete dort 1858 auch eine Druckerei ein, 1866 kaufte Ferdinand ein eigenes Verlagshaus am Paderborner Rathausplatz (Erweiterung 1883). Wissenschaftlich zunächst ausschließlich auf theol. Literatur konzentriert, erweiterte er sein Sortiment bald um Philosophie und Belletristik. Im Schulbereich machte er sich durch Textausgaben der griech., röm. und dt. Klassiker sowie durch z. T. über viele Jahrzehnte immer neu aufgelegte Lehrbücher für Deutsch, Geschichte, Latein und Mathematik einen Namen. Seit 1861 verlegte er auch Zeitschriften wie „Chrysologus“ (1861-1939), die „Blätter für kirchliche Wissenschaft und Praxis“ (seit 1867) und „Gymnasium“ (seit 1883). Bis zu seinem Tod hatte der ambitionierte Verleger 673 Werke veröffentlicht, u. a. die „Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands“ von Joseph v. Eichendorff, Werke von Luise Hensel, den Bestseller Friedrich Wilhelm Webers „Dreizehnlinden“ (ca. 600 000 Exemplare) sowie Texte des mit der Familie befreundeten „Hausautors“ Adolph Kolping und von Autoren des politischen Katholizismus wie Franz Joseph Ritter v. Buß oder August Reichensperger.

    Ferdinand (II) (1856–1925) übernahm 1883 das Erbe des Vaters zunächst allein. Seit 1891 vergrößerte und modernisierte er den Verlag zusammen mit seinem jüngeren Bruder Josef (* 1860, s. Wenzel; Rhdb.). Er konzentrierte sich auf den Verlag und die Buchhandlungen, Josef war für die Zeitung und die Buchdruckerei verantwortlich. Mit der seit 1889 eingerichteten „Wissenschaftlichen Handbibliothek“ deckte Ferdinand das gesamte damals aktuelle Spektrum der kath. Theologie ab. 1896 umfaßte das Verlagsprogramm bereits 1420 Werke.

    Nachdem der für die Geschäftsführung vorgesehene Ferdinand (III) im Sept. 1914 gefallen war, übernahm dessen jüngerer Bruder Eduard (Ps. Anterson, F. A. Rixius, Durade) (1888-1966, s. Kosch, Lit.-Lex.3; Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1936-1970) im Okt. 1925 die Verlagsleitung und führte das Unternehmen bis 1933 in die erste Reihe der bedeutenden Verlage Deutschlands. Im Dritten Reich wurde er Opfer von Enteignung und Verboten: 1934 erschien das letzte zugelassene Schulbuch, 1936 mußte das „Westfälische Volksblatt“ abgegeben werden, 1943 stellte Eduard die verlegerische Tätigkeit vollends ein. 1945 waren sämtliche Verlagsgebäude und technischen Betriebe durch Bomben zerstört, die Lagerbestände vernichtet. In einer beeindruckenden Gemeinschaftsaktion schufen die Familie und die Mitarbeiter die baulichen und technischen Voraussetzungen für einen Neubeginn. Eduard legte den Schwerpunkt auf das Schulbuchprogramm und erst in zweiter Linie auf die Wissenschaft, z. B. die Augustinus- und Aristoteles-Ausgaben, die seit 1940 bzw. 1947 erscheinen, oder die Friedrich Schlegel-Ausgabe (seit 1958). Das „Westfälische Volksblatt“, das seit dem 1.11.1949 wieder erscheinen konnte, wurde nach seiner Rückerstattung verkauft.

    Ferdinand (IV) (1923–2000, s. FAZ v. 29.11.1993 u. 26.5.2000; SZ v. 27.5.2000) expandierte seit 1966 ohne Beschränkung auf kath. Schrifttum und setzte damit die Linie seines Vaters fort. Der Verlag wuchs durch Beteiligungen und Übernahmen (1970 UTB; 1974 Wilhelm Fink Verlag mit d. Reihe „Poetik u. Hermeneutik“ u. d. Zs. „Poetica“). Als er 1989 die Geschäftsführung seinem Sohn Ferdinand (V) (1953-2004, s. FAZ v. 18.8.2004) übergab, behielt er die Leitung des Wilhelm-Fink-Verlags. Im Verlauf der Umstrukturierung wurden 1990 vier Buchhandlungen und 2002 der Schulbuchverlag, der seit 1945|die herausragende Stellung im Verlag eingenommen hatte, verkauft. Das wissenschaftliche Verlagsprogramm mit den Schwerpunkten Geschichte, Theologie, Literaturwissenschaft und Philosophie ist seitdem neuer zentraler Verlagsboreich. Seit dem Tod Ferdinands (V) wird der Verlag von zwei Geschäftsführern geleitet.

    Franz Josef (1902–60, s. Trümmerzeit in München, hg. v. F. Prinz, 1984; H.-G. Richardi, Am Anfang war d. Ende, 2001; SZ v. 25.7.2002; Kosch, Lit.-Lex.3; Munzinger), Dr. oec. publ., ein Vetter Eduards, trat 1935 in München in die Redaktion von Carl Muths Zeitschrift „Hochland“ ein, die 1941 verboten wurde und die er nach dem Krieg weiterführte. Zusammen mit Edmund Goldschagg (1886–1971) und August Schwingenstein (1881–1968) wurde er Herausgeber der „Süddeutschen Zeitung“, die am 6.10.1945 erstmals erschien.

  • Literatur

    ADB 54;
    Vinz/Olzog/Hacker, Dok. dt.sprachiger Verlage, 121995, S. 641 f.;
    FS 150 J. Verlag Ferdinand Schöningh 1847-1997, 1997 (P);
    K.-E. Jeismann, Auch e. westfäl. Sonderweg, Bibliophile Dynasten, Zum 150j. Jub. d. Verlags Ferdinand Schöningh, in: FAZ v. 13.5.1997;
    G. Jäger, in: Gesch. d. dt. Buchhandels im 19. u. 20. Jh., I/1, 2001, S. 415-17;
    LGB.

  • Autor/in

    Karl-Joseph Hummel
  • Empfohlene Zitierweise

    Hummel, Karl-Joseph, "Schöningh" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 416-417 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1020695927.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA