Lebensdaten
1850 bis 1915
Geburtsort
Pillau (Ostpreußen)
Sterbeort
Fredeburg (Sauerland)
Beruf/Funktion
Begründerin von Landfrauenschulen
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 101853831 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kortzfleisch, Ida von

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kortzfleisch, Ida von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101853831.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1814–95), preuß. Oberst, S d. Friedrich (1758–1836), auf Worplak u. Hermenhagen, u. d. Charlotte Sophie v. Lebbin;
    M Pauline (1818–1900), T d. Rittmstrs. Joh. Anton Franz v. Talatzko, auf Pohiebels usw., u. d. Wilhelmine v. Fresin; ledig.

  • Leben

    K. wuchs in Königsberg auf, bis der Vater nach Stralsund und dann nach Anklam in Pommern versetzt wurde. Im Kriege 1870/71 übernahm sie die wirtschaftliche Leitung eines Kriegslazaretts in Anklam, eine Arbeit, die das begabte und tatendurstige Mädchen mit großer Befriedigung erfüllte. Danach erlaubten die Eltern ihr ein Jahr der Malausbildung in Berlin, doch danach mußte sie ins Elternhaus zurückkehren und das für unverheiratete Mädchen aus gutem Hause übliche Dasein als Haustochter führen. Sie fühlte sich dabei höchst unglücklich, da ihrem Bildungstrieb und ihrer Schaffenskraft keine entsprechende Arbeit geboten wurde. Während eines Aufenthalts bei Verwandten auf ostpreußischen Gütern kam ihr der Gedanke, daß für den Beruf der Landfrau, der so vielseitige Aufgaben praktischer und organisatorischer Art gestellt waren, geordnete Lehreinrichtungen geschaffen werden müßten. In der „Täglichen Rundschau“, Hannover, veröffentlichte sie 1894 ihre Gedanken über ein weibliches Dienstjahr und eine „Wirtschaftliche Frauen-Hochschule“, die viel Aufsehen erregten und Zustimmung fanden. Eine aus ihrem Freundeskreis gestartete Werbeaktion brachte eine stattliche Geldsammlung zusammen, es bildete sich der „Verein zur Errichtung Wirtschaftlicher Frauenschulen auf dem Lande“, der die finanzielle Grundlage für die Verwirklichung von K.s Plan bot. Die erste Frauenschule wurde 1897 in Niederofleiden in Hessen gegründet, aus Raumgründen aber 1900 nach Reifenstein in Thüringen verlegt. Der Lehrplan wurde von K. zusammen mit der Vorsitzenden des Frauenbildungsvereins, Auguste Förster, ausgearbeitet und sah nicht nur Kochlehre, sondern auch eine Gesamtbildung der jungen Mädchen vor. Sehr bald entstanden neue „Maidenschulen“ (unter anderem Maidburg in Posen, Scherpingen in Westpreußen, Weilbach und Obernkirchen in Hessen). Ähnliche Schulen schlossen sich dem Verbande an und übernahmen Lehrplan und Tradition der „Reifensteiner Schulen“. Sie erhielten bald staatliche Anerkennung und staatliche Zuschüsse eine Entwicklung, die K. einerseits begrüßte, da ihr Lebenswerk so in die Breite wirken konnte, andererseits bedauerte, da sie die persönliche Prägung ihrer pädagogischen Arbeit abschwächen mußte. Ihre Schulen bestehen noch heute („Reifensteiner Verband für haus- und landwirtschaftliche Frauenbildung“).

  • Werke

    Der freiwillige Dienst in d. Wirtsch. Frauen-Hochschule, 1895;
    Weibl. Dienstpflicht, Vorträge, 1907;
    Unsere 12j. Erfahrung in d. Wirtsch. Frauenschulen auf d. Lande, 1909;
    Das Maidenbuch, 1910.

  • Literatur

    A. v. Heydekampf, I. v. K., ihr Leben u. Werk, 1927;
    E. Heimpel, I. V. K., Frauenbewegung u. Frauendienstpflicht, 1932;
    I. v. K. u. ihr Werk, die dt. Landfrauenschule, 1950;
    Altpr. Biogr. III.

  • Autor/in

    Gertrud Schröder-Lembke
  • Empfohlene Zitierweise

    Schröder-Lembke, Gertrud, "Kortzfleisch, Ida von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 605 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101853831.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA