Lebensdaten
1874 bis 1943
Geburtsort
Bonn
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Tropenmediziner und -hygieniker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 101597991 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mühlens, Peter

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Zitierweise

Mühlens, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101597991.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter (1844–1901), Weinhändler in B., S d. Peter Mühlenz, Faßbinder in Röttgen b. B., u. d. Anna Maria Amend;
    M Agnes (1843–1917), T d. Heinrich Hunold, Ackerer in Beuel, u. d. Anna Gertrud Claser;
    Charlotte Wagner;
    3 T.

  • Leben

    M. studierte 1893-98 Medizin in Bonn. Nach Promotion und Approbation war er zwölf Jahre lang in der Kaiserl. Marine tätig. Auslandskommandos führten ihn 1900/01 nach China (Boxer-Aufstand) und 1903/04 nach Australien, in die Südsee und nach Ostasien, wissenschaftliche Kommandos wiederholt an das Hamburger Tropeninstitut und das Institut für Infektionskrankheiten „Robert Koch“ in Berlin. 1906 gelang es M., die erste Spirochäten-Reinkultur (Spir. dentium) zu züchten. Es folgte 1909 die Züchtung des Syphiliserregers (Spir. pallida) in Reinkulturen. Für seine wissenschaftlichen Leistungen, insbesondere seine Malariastudien, verlieh ihm das preuß. Kultusministerium 1909 den Professortitel. 1911 schied M. aus dem aktiven Marinedienst aus und wurde Mitarbeiter Bernhard Nochts am Hamburger Tropeninstitut. 1912-14 war er mehrfach zur Erforschung und Bekämpfung der Malaria in Palästina. Als Armeehygieniker zunächst der türk., 1915-18 der bulgar. Armee verbrachte er den größten Teil des 1. Weltkriegs auf dem Balkan. Nach der Niederlage Deutschlands und dem Versailler Friedensschluß setzte sich M. nachdrücklich für das Ansehen des Deutschen Reichs und der deutschen Wissenschaft ein und suchte ihrer internationalen Isolation entgegenzuwirken. 1921/22 leitete er die Hilfsexpedition des Deutschen Roten Kreuzes in die Hunger- und Seuchengebiete Rußlands. Im März 1922 nahm er als deutscher Delegierter an der Europäischen Sanitätskonferenz in Warschau teil. Im selben und im darauffolgenden Jahr hielt er sich auch zur Malariabekämpfung in Dalmatien auf. 1924-31 unternahm er drei längere Forschungs- und Vortragsreisen nach Süd- und Mittelamerika. Als Leiter der Klinischen Abteilung des Hamburger Tropeninstituts führte M. 1921 das neue Trypanosomenmittel Bayer 205/“Germanin“ (gegen die afrikan. Schlafkrankheit) und die Amöbenruhrbehandlung mit Yatren 105 in die therapeutische Praxis ein. Er war darüber hinaus maßgeblich an der klinischen Erprobung der Malariapräparate Plasmochin und Atebrin beteiligt.

    M. war ein international anerkannter Malariaexperte und zeitweilig Mitarbeiter der Malariakommission des Genfer Völkerbundes. Auch nach Ende der Weimarer Republik blieb er eine wichtige Figur deutscher auswärtiger Kulturpolitik. 1933 führte ihn eine mehrmonatige Studien- und Vortragsreise nach China und Japan. Weitere Vortragsreisen unternahm er 1934 nach Spanien, 1935 nach Portugal und 1936 nach Bulgarien. Im Mai 1939 war M. Führer der Reichsdelegation bei den Jubiläumsfeierlichkeiten der Univ. Sofia. Mit der Übernahme der Leitung des Hamburger Tropeninstituts im Mai 1934 (kommissarisch im September 1933) wurde ihm das Ordinariat für Tropenmedizin übertragen, nachdem er seit 1925 als Honorarprofessor und zuvor als Privatdozent der Hamburgischen Universität gelehrt hatte (1938-40 Dekan der Med. Fakultät). Seit 1936 hatte M. den Vorsitz der Deutschen Tropenmedizinischen Gesellschaft inne. Er verknüpfte seine wissenschaftliche Arbeit mit dem politischen Ziel der Wiedererlangung der ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika. 1938 unternahm er eine Studienreise nach Westafrika, vor allem nach Kamerun. M. war Vorsitzender des Ausschusses für Tropenmedizin und Medizinalwesen im Reichskolonialrat. In seiner Person manifestiert sich auf idealtypische Weise die Kontinuität vom Kolonialismus des Kaiserreichs zum Expansionsstreben des „Dritten Reichs“. Vor 1933 einige Jahre Mitglied der DVP und seit 1937 der NSDAP, arrangierte sich M. nicht nur mit dem nationalsozialistischen Staat, sondern war sehr bemüht, sich und sein Institut im „Dritten Reich“ zu profilieren. Er arbeitete mehrfach mit führenden Hygienikern der Waffen-SS zusammen. Während des 2. Weltkriegs war M. – im Range eines Flottenarztes z. V. – Beratender Hygieniker des Sanitätschefs der Kriegsmarine und hygienischer Berater der bulgar. Armee. Bis zu seinem Tod war er regelmäßig zur Seuchenbekämpfung auf dem Balkan tätig (Bulgarien, Thrazien, Mazedonien).|

  • Auszeichnungen

    Prof. E. h. (Nat.univ. Mexiko); Ehrenmitgl. d. Ak. d. Univ. San Salvador u. d. Med. Ak. Madrid; Mitgl. d. Leopoldina (1935); Dr. med. h. c. (Sofia).

  • Werke

    Krankheiten u. Hygiene d. warmen Länder, Ein Lehrb. f. d. Praxis (mit E. Nauck, H. Vogel u. H. Ruge), 5., völlig neu bearb. Aufl., 1942, türk. 1945 (21925;
    11912: R. Ruge u. M. zur Verth, Tropenkrankheiten u. Tropenhygiene);
    Die Plasmodien (Die Malariaerreger u. d. Plasmodien d. Tiere), in: Hdb. d. Pathogenen Protozoen, hrsg. v. S. v. Prowazek, fortgef. v. W. Nöller, III, 1921, S. 1421-1636;
    Rückfallfieber, in: Hdb. d. pathogenen Mikroorganismen, begr. v. W. Kolle u. A. v. Wassermann, hrsg. v. W. Kolle, R. Kraus, u. P. Uhlenhuth, VII/1, 1929, S. 383-486;
    Verschiedene als pathogen angesehene Spirochäten, ebd. VII/2, 1930, S. 753-812;
    mehr als 250 weitere med. Fachartikel, kultur- u. kolonialpropagandist. Publikationen. – W-Verz. bis 1939: Archiv d. Bernhard-Nocht-Inst. f. Tropenmed., Hamburg.

  • Literatur

    Dt. Koloniallex. II, 1920;
    G. Olpp, Hervorragende Tropenärzte in Wort u. Bild, 1932, S. 285 f. (P);
    A. Hauer, in: Dt. med. Wschr. 69, 1943, S. 549 f. (P);
    H. Lippelt, in: Dt. Ärztebl. 73, 1943, S. 172 (P);
    W. Mohr, in: FF 1943, S. 271 f.;
    F. Weyer, in: Zs. f. hygien. Zool. u. Schädlingsbekämpfung 35, 1943, S. 153-57 (P);
    ders., in: Zs. f. Tropenmed. u. Parasitol. 5, 1954, S. 273-75;
    S. Wulf, Das Hamburger Tropeninst. 1919-1945, Auswärtige Kulturpol. u. Kolonialrevisionismus nach Versailles, 1994 (P);
    BLÄ (fehlerhaft);
    Rhdb. (P). – Eigene Archivstud.

  • Portraits

    Phot. im Archiv d. Bernhard-Nocht-Inst. f. Tropenmed., Hamburg.

  • Autor/in

    Stefan Wulf
  • Empfohlene Zitierweise

    Wulf, Stefan, "Mühlens, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 285 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101597991.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA