Lebensdaten
1861 bis 1935
Geburtsort
Kornwestheim (Württemberg)
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Schuhfabrikant ; Inhaber der Salamander-Schuhgesellschaft mbH
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1012363619 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sigle, Jacob
  • Sigle, Jakob
  • Sigle, Jacob
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Zitierweise

Sigle, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012363619.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Christoph (1832–99), Landwirt u. Fronmeister d. Gde. K., S d. Jakob Friedrich, Amtsdiener in K.;
    M Elisabeth Hammer (1837–90);
    Ur-Gvv Johann Georg, Metzger u. Schultheiß in K.;
    3 B u. a. Christoph, Ernst (1872–1960) unternahm 1896 e. Reise in d. USA, um dort Verfahren d. industr.|Schuhfertigung kennenzulernen, beide Mitarb. v. S.;
    1) Kornwestheim 1885 Karoline Wilhelmine Kübler (1863–1920), aus Oppenweiler, 2) Kornwestheim 1920 Klara Franziska Becker, aus W.;
    1 S aus 1) Jakob (1897?-1917 ⚔), 4 T aus 1) (4 früh †), 4 Taus 2), u. a. Karoline, Mitarb. v. S.

  • Leben

    S. absolvierte nach dem Besuch der Volksschule eine Schuhmacherlehre in Kornwestheim. Die Gesellenzeit verbrachte er 1878–81 in Marbach/Neckar, 1881–84 absolvierte er seinen Militärdienst in Ulm, zuletzt als Kompanieschuster. Anschließend arbeitete er in Stuttgart bei einem Leistenmodelleur, wo er die Methode kennenlernte, anstelle individueller Maßanfertigung bestimmte Größen auf Vorrat zu produzieren. 1885 machte er sich in Kornwestheim als Meister mit einer teilweise maschinell ausgestatteten Werkstätte selbständig, 1889 gründete er mit seinem Bruder Christoph die Firma „Gebrüder Sigle“, die mit 25 Arbeitskräften täglich bis zu 30 Paar Schuhe herstellte. Den Wendepunkt zur industriellen Fertigung und neuen Verkaufsorganisation markierte die Bekanntschaft mit dem Stuttgarter Handelsvertreter Max Levi (1868–1925), den S. 1891 in das nun „J. Sigle & Cie“ genannte Unternehmen aufnahm. Levi war für die kaufmännische Seite, S. für die Fabrikation zuständig.

    Durch zwischen 1896 und 1913 unternommene Reisen nach Amerika mit Besichtigung der dortigen Schuhindustrie erhielt S. Anregungen für eine Spezialisierung im Angebot, rationellere Organisation der Herstellung (u. a. Einsatz v. Mietmaschinen), Eingliederung von Zulieferbetrieben und Aufbau einer eigenen Kunstlederproduktion (Marke „Melvo“, 1919). Bis 1903 war die Belegschaft auf 404 Mitarbeiter angewachsen. 1904 gewann S. einen Wettbewerb des Berliner Schuhhändlers Rudolf Moos um einen preisgünstigen Stiefel, der diesen Stiefel fortan mit dem Markennamen „Salamander“ zum Einheitspreis von 12,50 RM in Deutschland und im Ausland vertrieb. Dazu wurde 1905 die „Salamander-Schuhgesellschaft mbH“ mit Sitz in Berlin gegründet mit je 50% Beteiligung von „J. Sigle und Cie“ und Moos, 1909 übernahm „J. Sigle und Cie“ das Unternehmen vollständig, Rudolf Moos wurde mit einer Mio. Goldmark abgefunden. Gleichzeitig wurde ein eigenes Filialnetz etabliert, das 1909 bereits 26 Geschäfte umfaßte, und ein System selbständiger Alleinverkäufer unterhalten. Das Unternehmen war 1913 die größte dt. Schuhfabrik, mit der Einführung eines orthopädischen „Fußarzt-Schuhs“ durch S. (1924) expandierte es zur größten orthopädischen Schuhfabrik der Welt. Das 1916 in eine AG umgewandelte Unternehmen, in welchem Max Levi Vorsitzender, S. stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrats und technischer Leiter des Werks war, firmierte mit dem Zusammenschluß der drei Werke in Kornwestheim, Türkheim (gegr. 1917) und Berlin (gegr. 1905) seit 1930 als „Salamander AG“ (Aktienkapital 32 Mio. Reichsmark), S. übernahm den Aufsichtsratsvorsitz. Er war sozialpolitisch engagiert, setzte 1905 die Arbeitszeit auf 53 Wochenstunden herab und gab 1912 als erster Schuhfabrikant in Deutschland seinen Beschäftigten eine Woche bezahlten Urlaub. Ferner gründete er für seine Beschäftigten eine Wohnungsbaugesellschaft und eine Stiftung zur Förderung von Bildung und Ausbildung.

    Das Unternehmen wuchs nach S.s Tod weiter, 1949 wurde die Kinderschuhproduktion aufgenommen, in den 1960er Jahren die Auslandsexpansion begonnen und 1967 mit ca. 18 000 Mitarbeitern der Höchststand erreicht. Seitdem geriet „Salamander“ u. a. durch Importware auf dem dt. Markt und durch die Präsenz in Osteuropa (Sowjetunion, Tschechien), die hohe Verluste brachte, in Absatzkrisen. Nach erneuter Umsatzsteigerung in den 1980er Jahren wurde das Unternehmen, inzwischen ein Mischkonzern, mehrfach verkauft, zuletzt 2005 an die „Egana-Goldpfeil (Holdings) Limited“, Hongkong.

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger v. Kornwestheim (1916) u. Türkheim (1933); bayer. GKR (1926).

  • Literatur

    G. v. Klass, Salamander, Gesch. e. Marke, 1966;
    H. Sturm, in: Lb. Schwaben VII, 1960, S. 396–410 (P);
    Rhdb. (P);
    Nassau. Biogr.;
    Qu
    Archivbestand d. Salamander AG (Y 110) im Wirtsch.archiv Baden-Württ., Stuttgart.

  • Portraits

    Zeichnung v. R. Müller-Graefe, 1960 (Stuttgart, Wirtsch.archiv Baden-Württ.)

  • Autor/in

    Jutta Hanitsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Hanitsch, Jutta, "Sigle, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 402-403 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012363619.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA