Lebensdaten
1828 bis 1903
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Charlottenburg
Beruf/Funktion
Politiker ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 101135262 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Samarow, Gregor (Pseudonym)
  • Morgan, Walter (Pseudonym)
  • Geyern, Detlev von (Pseudonym)
  • mehr

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Zitierweise

Meding, Oskar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101135262.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Ferdinand (1774–1838), Reg.präs. in K., S e. Gutsbes. in Kallningken b. Niederung (Ostpreußen) u. d. Regina Cynthius ( 1831);
    M Emilie (1801–79), T d. Kreissteuereinnehmers Frdr. Wilh. Pottien in Tapiau u. d. Johanne Louise Wilhelmi;
    1854 Emilie ( 1881), T d. Karl Ludwig Theodor Frhr. v. Schlotheim (1796–1869), Landrat in Minden, u. d. Melanie Gfn. v. Wietersheim (1803–76);
    1 S, 3 T.

  • Leben

    M. besuchte das Gymnasium in Marienwerder und – nach dem frühen Tod des Vaters – in Köslin. Er studierte Rechtswissenschaft in Königsberg, Heidelberg und Berlin; in Heidelberg schloß er sich dem Corps der Saxoborussen an. 1851 wurde er Auskultator beim Appellationsgericht in Marienwerder, trat dann in den Verwaltungsdienst ein und war gleichzeitig für den Ministerpräsidenten Otto v. Manteuffel in Presseangelegenheiten tätig. Während er hierfür Lob erntete, versagte er als Verwaltungsreferendar vollkommen. Daher wurden seine wiederholten Gesuche um Zulassung zur Assessorprüfung abgelehnt. Auf Empfehlung Manteuffels gelang es ihm 1859 jedoch, in Hannover als Assessor und Pressereferent angestellt zu werden.

    Da M. bald in persönlichen Kontakt zum blinden Kg. Georg V. trat, von dem er besonders hoch geschätzt wurde, und unter dem Ministerium Windthorst-Hammerstein 1863 zum Regierungsrat und Referenten im Gesamtministerium mit persönlichem Vortrag beim König ernannt wurde, hatte er nun die Stellung, die seinem völlig unbürokratischen Wesen entsprach. Trotz des Widerstandes althann. Kreise – auch der Adelsfamilie v. Meding – blieb M. bis zum Ende des Kgr. Hannover der maßgebliche Pressesprecher der Regierung. Nach eigenen (späteren) Angaben wollte er 1866 einen friedlichen Ausgleich mit Preußen; in Wirklichkeit bestärkte er den König in seiner starren Haltung und folgte ihm ins Exil nach Hietzing bei Wien (Memoiren zur Zeitgeschichte, 1880–84).

    1867-69 fungierte M. als inoffizieller Gesandter Georgs V. in Paris. Er wollte in Frankreich eine Welfenlegion mit hann. Offizieren als Kommandanten aufbauen, die im Falle eines vorhersehbaren franz.-preuß. Krieges an der Seite Frankreichs dem König sein Reich zurückerobern sollte. Die Aktivitäten M.s trugen wesentlich zur Sequestrierung des Vermögens des Königs von Hannover durch die preuß. Regierung bei. Als Bismarck im Zusammenhang mit der Verwendung der welf. Gelder von „bösartigen Reptilien“ sprach, kam es zur Bezeichnung „Reptilienfonds“. Erst Wilhelm II. hat 1892 bestimmt, daß die Zinsen aus dem Welfenfonds künftig an den Chef des Hauses Hannover gezahlt wurden.

    M., der in Paris Beziehungen zu antipreuß. Kreisen unterhielt, lebte auf Kosten seines Königs auf „großem Fuß“; noch nach 1880 liefen Prozesse wegen nicht bezahlter Mieten. Auf Veranlassung des Kronprinzen Ernst August wurde er Anfang 1870 aus den Diensten des welf. Herrscherhauses entlassen. Daraufhin wechselte M. auf die preuß. Seite und bot Bismarck die Preisgabe der – großenteils von ihm selbst organisierten – Machenschaften gegen die preuß. Herrschaft|in Hannover an. Außerdem bat er um die Übernahme der hann. Offiziere, die inzwischen mittellos in Frankreich lebten und von Napoleon III. in Algier angesiedelt werden sollten, in preuß. Dienste. M. erhielt fortan die Pension eines hann. Gesandten und ein Douceur in unbekannter Höhe, den Offizieren wurde, nachdem sie den Treueid auf den preuß. König geleistet hatten, eine jährliche Pension von 1200 Talern zuerkannt. Dem hann. Königshaus galt M. seither als charakterloser Verräter. Bismarck hingegen imponierte Ms. Unverfrorenheit; er erwog, ihn als Pressechef zu übernehmen. 1873 zog M. zunächst nach Berlin, dann kaufte er das „Alte Amtshaus“ des Landdrosten von Wohldenberg bei Hildesheim, wo er bis 1896 lebte.

    Seine Erlebnisse als hann. Politiker schilderte M. 1872-76 in einer Folge von fünf Romanen: „Um Szepter und Kronen“, „Europ. Minen und Gegenminen“, „Zwei Kaiserkronen“, „Kreuz und Schwert“, „Held und Kaiser“. Sie erzielten einen ungeheueren Erfolg, zumal M. in ihnen die zeitgenössischen Staatsmänner namentlich vorführte, zum Teil wahrheitsgetreu, zum Teil geschickt verfälscht. M.s Erfolg war so sensationell, daß ihm der Verleger Otto Janke 1875 für den Roman „Die Römerfahrt der Epigonen“ – gemeint ist der Frankfurter Fürstentag von 1863, dem Preußen fernblieb – 20 000 Mark bezahlt haben soll. Für das Buch „85 Jahre in Glaube, Kampfund Sieg, Ein Menschen- und Heldenbild Kaiser Wilhelms I.“ dankte ihm der Kaiser und fügte selbst einige Ergänzungen sowie Berichtigungen hinzu (21889). Sein Roman „Höhen und Tiefen“, eine kritische Beleuchtung der Sozialverhältnisse in Berlin, erlebte in franz. Übersetzung bis 1889 sieben Auflagen. Sein Studentenroman „Die Saxoborussen“ (1885) wurde von Wilhelm Meyer-Förster unter dem Pseudonym Samar Gregorow in dem satirischen Roman „Die Saxo-Saxonen“ (1886) verspottet.

    M., den Theodor Lessing als den unbürgerlichsten Mann, dem er je begegnet sei, geschildert hat (Einmal und nie wieder, 1935), hatte überhaupt kein Verhältnis zum Geld. Obwohl er zeitweise über immense Einnahmen verfügte, wuchs sein Schuldenberg. 1896 kam es zum Konkurs und zum Verkauf seines Besitzes auf dem Wohldenberg. M. zog nach Charlottenburg. Seine Gesandtenpension wurde für dauernd verpfändet, den Lebensunterhalt mußte M. durch seine Schriftstellerei bestreuen. Insgesamt schrieb er 66 Romane in 142 Bänden, von denen einige bis ins vierte Jahrzehnt dieses Jahrhunderts neu aufgelegt wurden. M. starb völlig verarmt; seine Töchter erhielten seit 1905 von Wilhelm II. eine Gnadenpension.

  • Literatur

    G. G. Ruppelt, O. M. (Gregor Samarow) u. d. Wohldenberg, biograph. Notizen üb. e. Politiker u. Schriftsteller aus d. 19. Jh., in: Unser Hildesheimer Land II, 1977 (L, P);
    BJ VIII, 1905, S. 263 f.;
    Nachlaß im Bes. d. Vf.

  • Autor/in

    Adalbert Brauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Brauer, Adalbert, "Meding, Oskar" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 601 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101135262.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA