Lebensdaten
1835 bis 1910
Geburtsort
Kiel
Beruf/Funktion
Archäologe ; Professor der Archäologie in Greifswald, Tübingen und Straßburg
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 101110464 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Michaelis, Adolf

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Michaelis, Adolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd101110464.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav Adolph (1798–1848, s. Gen. 1);
    M Julie (Juliane) (1806–92, s. W), T d. Jakob Jahn (1770–1844), Advokat am Ober- u. Landger. in K. u. Syndikus d. Klosters Preetz, u. d. Juliane Friederike Sophia Trendelenburg (1776–1852);
    Ur-Gvv Johann David (s. 1);
    Om Otto Jahn (1813–69), klass. Philologe, Archäologe u. Musikforscher (s. NDB X);
    1) Luise (1841–69), T d. Eduard Schmidt v. der Launitz (1797–1869), Bildhauer (s. NDB 13), u. d. Therese v. Soiron (1803–61), 2) Berlin 1874 Minna (1842–1924), T d. Friedrich Adolf Trendelenburg (1802–72), Philosoph (s. ADB 38), u. d. Ferdinande Becker (1811–93); Gvm d. 2. Ehefrau Karl Ferdinand Becker (1775–1849), Pädagoge u. Sprachwissenschaftler (s. NDB I); Schwager d. 2. Ehefrau Friedrich Adler (1827–1908), Architekt u. Archäologe (s. NDB I);
    1 S aus 1), 3 S, 1 T aus 2).

  • Leben

    M. besuchte 1844-53 die Kieler Gelehrtenschule. Nach dem Abitur studierte er klassische Philologie und Archäologie, zunächst in Leipzig, wo sein Onkel, der Archäologe Otto Jahn, tätig war. 1854/55 setzte er sein Studium in Berlin fort, wo er besonders bei Eduard Gerhard, August Boeckh und Ernst Curtius Vorlesungen hörte. 1857 wurde er in Kiel bei P. W. Forchhammer mit einer philologischen Arbeit zu Horaz promoviert. Anschließend ging M. für drei Jahre nach Rom, wo er als Hauslehrer bei dem Bremer Bildhauer Carl Steinhäuser tätig war. 1860 erhielt er zusammen mit Alexander Conze das in diesem Jahr erstmals vergebene Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts. Beide reisten nach Griechenland, und M. kehrte von dort im Frühjahr 1861 über die Toskana und Florenz zurück, kürzere Museumsreisen nach London und Paris schlossen sich an. 1861 habilitierte sich M. in Kiel für die Fächer klassische Philologie und Archäologie. Als Professor für Archäologie und Leiter der Abgußsammlung wurde er im Herbst 1862 nach Greifswald berufen, von dort ging er 1865 als o. Professor für klassische Philologie und Archäologie und Direktor der Archäologischen Sammlung nach Tübingen. Im Herbst 1872 folgte er einem Ruf als o. Professor für Archäologie und Leiter der Antiken- und Abgußsammlung nach Straßburg, wo er bis zu seinem Tode tätig war.

    In seiner Zielrichtung und Arbeitsweise war M. stark von dem Philologen August Boeckh und dem Archäologen Otto Jahn beeinflußt. Antike Topographie und Museographie, ferner Antikenrezeption und Geschichte der Archäologie standen im Zentrum seiner Forschung. Bereits in den ersten Studiensemestern war er von Otto Jahn zur Publikation|der Münchener Vasensammlung mit herangezogen worden. Sein Interesse für Museographie erfuhr dann in Berlin weitere Förderung durch Eduard Gerhard, für dessen „Griechische Mythologie“ M. das Register erstellte. Nach eigenen kleineren Arbeiten zu Antiken in Neapel (1858), Athen (1861) und London (1862) standen vor allem die engl. Privatsammlungen im Vordergrund. Auf Vorarbeiten folgte 1882 eine bis heute nicht überholte umfängliche Monographie „Antique Sculptures in Great Britain“ (1882, Nachträge 1884/85). Ein zweiter wichtiger Interessensbereich wurde vermutlich durch die schon während des Studiums geknüpfte Bekanntschaft mit Alexander Conze angeregt, die griech. Topographie unter besonderer Berücksichtigung Attikas und Athens. Während der Reisebericht von der Stipendiatenreise (1861) noch in der Tradition archäologischer Erfahrungsberichte steht, versuchte M. bereits 1860 eine umfassende Synthese aus archäologischen und philologischen Quellen (Pausanias) für die Kenntnis der Athener Akropolis zu geben (Arx Athenarum a Pausania descripta, 21880, 31901). Seine Forschungen über Athen fanden einen Höhepunkt in der mustergültigen archäologisch-philologischen Gesamtdokumentation des Parthenon unter Einschluß der Denkmalsgeschichte (Der Parthenon, 1871).

    Im wissenschaftsgeschichtlichen Bereich erschloß M. vor allem ältere Quellen und Skizzenbücher, darunter diejenigen von J. G. Transfeld (1876) und Heemskerck (1891), mit römischen Ansichten, sowie den Codex Escurialensis (1902, 1906). Zwar war M. nicht der erste, der sich mit älteren Skizzenbüchern beschäftigte, aber er hat wohl am konsequentesten deren enorme Bedeutung für die Archäologie erfaßt. Von der gleichen Zielsetzung geprägt sind seine Forschungen zur Geschichte berühmter Sammlungen. Neben die Untersuchungen zu den engl. Sammlungen traten Arbeiten über das Schicksal der frühen Belvedere-Sammlung des Vatikan (1890) und der capitolinischen Sammlung in Rom (1891); mehrfach behandelte er auch die Geschichte der Straßburger Sammlung.

    Nach einigen frühen Arbeiten zu Winckelmann (1865, 1867), zu Goethe (1899) und zur Geschichte wissenschaftlicher Institutionen publizierte er 1906 als ein Kernstück archäologischer Forschungsgeschichte „Die archäologischen Entdeckungen des neunzehnten Jahrhunderts“ (21908). Postum erschien 1913 eine Biographie Otto Jahns mit der Edition von Briefen. Für die 4. Auflage des Handbuchs der Kunstgeschichte von Anton Springer bearbeitete M. den Band „Das Altertum“ neu; hierin zeigt er sich deutlich als Systematiker, der der Kunstarchäologie im engeren Sinne fernstand. Er gab noch fünf weitere, z. T. wesentlich ergänzte Auflagen dieses Werkes heraus (91911).|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Cambridge, Edinburgh); Mitgl. d. Zentraldirektion d. Dt. Archäolog. Inst. (1874), Ehrenmitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien (1877), ausw. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. München (1878) u. Kopenhagen (1902), korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Göttingen (1879), Berlin (1888) u. d. Institut de France.

  • Werke

    Weitere W Bemerkungen üb. d. Komposition d. Giebelgruppen am Parthenon, 1870;
    Gesch. d. Archäolog. Inst. 1829-1879, 1879 (ital. 1879, 21912;
    engl. 1889);
    Über d. Entwicklung d. Archäol. in unserem Jh., 1881;
    Julie Michaelis geb. Jahn u. d. Ihren, Fam.erinnerungen, 1893, Nachdr. 1988 – W-Verz. in: A. M. z. Gedächtnis (s. L), S. 31-51. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Berlin, Briefarchiv d. Dt. Archäolog. Inst.

  • Literatur

    Alm. d. Ak. d. Wiss. Wien 1911, S. 450-53;
    E. Petersen, in: Zs. f. bildenden Kunst, NF 22, 1911, H. 8;
    B. Sauer, in: Die Heimat 22, 1912, S. 148-53 (P);
    A. M. z. Gedächtnis, hrsg. v. d. wiss. Ges. in Straßburg, 1913 (P);
    H. Döhl, in: Biogr. Lex. f. Schleswig-Holstein u. Lübeck VII, 1985, S. 134-36;
    ders., in: R. Lullies u. W. Schiering (Hrsg.), Archäologenbildnisse, 1988, S. 61 f. (P).

  • Portraits

    Gem., um 1857 (München, Priv.bes.);
    Relief v. A. Marzolff (Straßburg, Archäolog. Mus.).

  • Autor/in

    Hartmut Döhl
  • Empfohlene Zitierweise

    Döhl, Hartmut, "Michaelis, Adolf" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 429-430 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd101110464.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA