Lebensdaten
1151 oder 1152 bis 1190
Sterbeort
auf der Rückfahrt vom Kreuzzug von Akkon bei Zypern
Beruf/Funktion
Landgraf von Thüringen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100952526 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ludwig der Fromme
  • Ludwig III. der Fromme
  • Ludwig III.
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Zitierweise

Ludwig III., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100952526.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Ludowinger (s. NDB 15);
    V Landgf. Ludwig II. d. Eiserne v. Th. ( 1172, s. NDB 15);
    M Jutta (Claricia) v. Schwaben ( 1191);
    Om Kaiser Friedrich I. Barbarossa ( 1190, s. NDB V);
    B Friedrich ( n. 1213), Propst v. St. Stephan zu Mainz (spätestens 1171, resign. 1178), später Gf. v. Ziegenhain (spätestens 1186, Lukardis, T d. Gf. Gosmar III. v. Ziegenhain), Gf. Heinrich Raspe III. v. Hessen ( 1180), Hermann I. ( 1217), Pfalzgf. v. Sachsen, Landgf. v. Thüringen (s. NDB VIII);
    - 1) 1174 ( 1186) Margarete, T d. Gf. (Dietrich II. ?) v. Kleve, 2) um 1186 Sophia ( 1198), Wwe d. Kg. Waldemar I. v. Dänemark (1131–82), T d. Fürsten Roman v. Halicz (Galizien), verstoßen um 1187;
    T aus 1) Jutta ( n. 1208, v. 1190 Dietrich v. Wettin, Gf. v. Groitzsch).

  • Leben

    Als ältester Sohn folgte L. seinem Vater in der Landgrafschaft nach. Die Verwaltung der ludowingischen Besitzungen in Hessen und am Rhein übernahm der zweite Bruder Heinrich Raspe III. als Graf von Hessen. In mehrjährigen Kämpfen mit den Söhnen Mgf. Albrechts des Bären eroberte L. Weimar und, gemeinsam mit Hzg. Heinrich dem Löwen, das askan. Aschersleben. Über den wohl 1175 abgeschlossenen Frieden ist nichts bekannt. In Thüringen führte der Versuch der Grafen von Tonna-Gleichen und Schwarzburg und der mainz. Stadt Erfurt, das wachsende Übergewicht der Ludowinger zurückzudrängen, zu schweren Verwüstungen; er endete mit der Niederlage der Angreifer (1178).

    L. setzte die stauferfreundliche Politik des Vaters und Großvaters an der Seite seines Oheims Kaiser Friedrichs I. Barbarossa fort. Nach der Schlacht bei Legnano befand er sich im Sommer und Herbst 1176 beim Kaiser in Italien. Aber erst spät trat er zu den Gegnern Heinrichs des Löwen, dem er bisher nahegestanden hatte, über. Mit seinem jüngsten Bruder Hermann nahm er an der ergebnislosen Belagerung der welfischen Burg Haldensleben teil (Okt. 1179). Auf dem Reichstag zu Gelnhausen (April 1180), auf dem der Kaiser über die Reichslehen des geächteten Herzogs zu verfügen begann, wurde L. mit der Pfalzgfsch. Sachsen als zweitem Reichsfürstentum belehnt. In den folgenden Kämpfen zwischen Welfen und Staufern gerieten L. und Hermann bei Weißensee (14.5.1180) in die Gefangenschaft Heinrichs des Löwen. Erst nach anderthalbjähriger Gefangenschaft in Braunschweig und Segeberg erhielten sie, wohl kurz vor Heinrichs Unterwerfung (Nov. 1181), die Freiheit wieder. L. begleitete den Kaiser auf seinem letzten Italienzug (1184). In Verona erwirkte er von Papst Lucius III. für die Äbte des Familienklosters Reinhardsbrunn das Recht, die Mitra zu tragen.

    Nach dem Tode seines Bruders Heinrich Raspe III. (1180, wahrsch. 18.7.) vereinigte L. die gesamten ludowingischen Besitzungen in seiner Hand, verkaufte allerdings zwischen 1180 und 1188 die weit im Westen gelegenen, aus der gisonischen Erbschaft stammenden Güter an Erzbischof Philipp von Köln. Auch verzichtete er auf die Würde des Pfalzgrafen von Sachsen, die der Kaiser seinem Bruder Hermann übertrug (1181). Planmäßig und rücksichtslos bemüht, seine Territorien zu|erweitern und die Landeshoheit auszubauen, geriet er mit dem Abt von Hersfeld, dem Erzbischof von Mainz und dem Markgrafen von Meißen in Auseinandersetzungen, in die wiederholt der Kaiser schlichtend eingreifen mußte. Die Bemühungen des 1183 zurückgekehrten Erzbischofs Konrad I. von Mainz um Wiedergewinnung der unter dem Vorgänger verlorengegangenen mainzischen Besitzungen stießen auf den entschiedenen Widerstand L.s, führten sogar zum offenen Kampf. 1186 errichtete der Erzbischof in Hessen die Burg Heiligenberg (östl. Fritzlar), der Landgraf die Burg Grünberg.

    Auf dem „Hoftag Jesu Christi“ zu Mainz (März 1188) nahm neben dem Kaiser auch L. das Kreuz, doch begleitete er Friedrich Barbarossa im folgenden Jahre nicht auf dem Landweg, sondern zog durch Italien und schiffte sich in Brindisi nach Tyrus ein (Aufbruch Ende Juni 1189). Er beteiligte sich an den Kämpfen in Akkon. Schon leidend, unternahm er Anfang Okt. 1190 die Rückkehr, starb aber auf dem Schiff. Nachfolger des söhnelosen Landgrafen wurde sein jüngster Bruder Pfalzgf. Hermann von Sachsen.

    L. verkörperte das Idealbild des staufischen Reichsfürsten. Seinen Beinamen der Fromme erhielt er wohl am Anfang des 14. Jh. in Reinhardsbrunn. Die weiblichen Tugenden seiner ersten Gemahlin Margarete von Kleve, von der er sich 1186 angeblich wegen zu naher Verwandtschaft scheiden ließ, schilderte der auf dem Hochzeitsfest (1174) anwesende Dichter Heinrich von Veldeke in seiner „Eneide“.

  • Literatur

    M. Frommann, Landgf. L. III., d. Fromme v. Th. (1152–90), in: Zs. d. Ver. f. thür. Gesch. u. Altertumskde. 26, 1908, S. 175-248;
    - s. a. L z. Ludwig IV.
    , S. 423.

  • Portraits

    Grabmal, 14. Jh., aus d. Kloster Reinhardsbrunn jetzt in d. Georgenkirche in Eisenach.

  • Autor/in

    Walter Heinemeyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinemeyer, Walter, "Ludwig III." in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 421 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100952526.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ludwig III., der Fromme, Landgraf von Thüringen, 1172—1190, Sohn des Vorhergehenden, überließ für eine Reihe von Jahren (bis 1180) die hessischen Besitzungen seinem dritten Bruder Heinrich Raspe II. Nach dessen Tode nennt er sich bisweilen Landgraf von Thüringen und Hessen. Den Beinamen des Frommen verdankte er seiner Fürsorge für die Klöster des Landes und seiner Ergebenheit gegen die Curie, indessen hielt ihn seine Frömmigkeit weder davon ab den kirchlichen Stiftern (Hersfeld, Mainz) gegenüber sein Besitzthum nach Kräften zu wahren und zu vermehren, noch wurde er durch sie zu einer mehr als vorübergehenden Untreue gegen den Kaiser, seinen Oheim, bewogen. Gleich zu Anfang vereinigten sich ihre Interessen gegenüber den Söhnen Albrechts des Bären. Der Kaiser wünschte Bernhard von Anhalt die Burg Plötzkau zu entziehen, ein Bruder Bernhards, Hermann, mochte als Inhaber der weimarorlamündeschen Besitzungen den Landgrafen zum Angriff reizen, so kam es zur Fehde zwischen L. und den drei Askaniern Bernhard, Dietrich von Werben und Hermann von Orlamünde. Diese verwüsteten Thüringen, der Landgraf dagegen zerstörte Weimar (zwischen 1172 und 1174) und belagerte dann auch Werben. Eine Verwundung, die er dabei erhielt, zwang ihn die Fehde abzubrechen. Als aber 1175 Graf Bernhard von Anhalt die Feindseligkeiten erneuerte, fand L. an Heinrich dem Löwen einen starken Bundesgenossen, sie bekämpften vereinigt Bernhard in seinem eigenen Land und zerstörten Aschersleben. L. allein nahm Helfta bei Eisleben mit List. Nach solchen Mißerfolgen scheinen die Askanier Frieden gesucht zu haben. 1177 war L. siegreich in einer Fehde gegen Erfurt und dessen Verbündete, die Grafen von Gleichen und Schwarzburg. Drei Burgen des letzteren nahm er mit Sturm, das waren in wenigen Jahren glänzende Erfolge, die seinen Namen gefürchtet, seine Freundschaft werthvoll erscheinen lassen mußten. Deshalb bemühten sich auch die Gegner Heinrichs des Löwen, die endlich mit dem Welfen Abrechnung halten wollten, eifrig L. von seinem früheren Kampfgenossen abzuziehen. L. erntete freilich in dem Krieg gegen Heinrich trotz aller persönlichen Tüchtigkeit, die der Erfurter Annalist nicht genug rühmen kann, wenig Lorbeeren. Noch ohne Heinrich abzusagen, nahm er 1179 an der verunglückten Belagerung von Haldensleben Theil. Vor Beginn des neuen Kampfes im nächsten Jahre wurden ihm auf dem Reichstage zu Gelnhausen die Würde eines Pfalzgrafen von Sachsen und die dazu gehörigen Reichslehen zu Theil — durch den Tod des Pfalzgrafen Adalbert von Sommersenburg waren sie erledigt. Vielleicht war diese Verleihung der Preis, um welchen sich L. ganz von Heinrich lossagte, dem eben auf jenem Tage seine Herzogthümer abgesprochen worden waren. Während Heinrich im Frühjahr die Umgegend von Goslar verwüstete, war der Landgraf in sein Gebiet eingefallen; da wendete sich Heinrich gegen Thüringen. Sofort folgten ihm L. und sein Bruder Hermann zum Schutz ihres Landes mit zahlreichem Heer, Bernhard von Anhalt, der neue Herzog von Sachsen schloß sich ihnen an, aber in der Schlacht von Weißensee am 14. Mai 1180 erlitten sie von Herzog Heinrich eine völlige Niederlage, die Thüringer waren sofort dem Angriff gewichen und L., der „wie ein zweiter Maccabäus kämpfte“, vermochte nicht das Geschick zu wenden, ja er fiel sogar mit seinem Bruder und mehreren Hundert der Seinigen in die Gefangenschaft des Welfen. Dessen Sturz konnte freilich bei der Einigkeit zwischen Fürsten und Kaiser dadurch nur wenig verzögert werden, der Feldzug Friedrichs nach Sachsen im nächsten Jahre nöthigte Heinrich einzulenken. Um den Kaiser friedlich zu stimmen, entließ er im Sommer 1181 seine Gefangenen, den Landgrafen und dessen Bruder Hermann, der Erfurter Reichstag im November 1181 entschied endgültig den Sturz seiner Macht. Auf dem Erfurter Reichstag verständigte sich L. mit seinem Bruder Hermann unter Billigung des Kaisers dahin,|daß Hermann die Pfalzgrafschaft Sachsen übernahm, dafür aber an L. die Erbschaft Heinrich Raspes in Hessen allein überließ. Kaiser Friedrich vermittelte, daß die Hersfelder Lehen, die nach dem Tode Heinrichs dem Stifte heimgefallen waren, L. möglichst ungeschmälert verblieben. Ueberaus günstig war den Landgrafen das Pontificat Christians von Mainz (1165—1183) gewesen. Während der streitbare Erzbischof Thüringer Herkunft tief in die Händel Italiens verwickelt war, hatten sie sich manchen Uebergriff erlauben dürfen, nun aber kehrte Konrad von Wittelsbach auf den Mainzer Erzstuhl zurück und kam in dem Bestreben die entfremdeten Besitzungen wieder an sich zu ziehen, immer aufs Neue in Conflict mit L. Wir hören 1184 und 1186 von feindlichen Zusammenstößen. Stets war L. bereit mit gewaffneter Hand allen denen entgegen zu treten, die neben ihm in Thüringen einen Platz behaupten oder erwerben wollten. Markgraf Otto von Meißen hatte durch Kauf Landbesitz in Thüringen an sich zu bringen gesucht, da brach L. zu Anfang des Jahres 1184 gegen ihn los und führte den unkriegerischen Markgrafen gefangen nach der Wartburg. Auf die Klage der sächsischen Fürsten wider den Friedensbrecher erwirkte der Kaiser die Freilassung des Markgrafen und weiter suchte der Sohn des Kaisers, Heinrich VI., im Sommer zu Erfurt auch zwischen L. und Erzbischof Konrad zu vermitteln. Beide begleiteten den Kaiser auf seinem letzten Zuge nach Italien. Die Reinhardsbrunner Tradition berichtet von hohen Ehren, welche Papst Lucius bei der Zusammenkunft mit dem Kaiser in Verona dem Abt von Reinhardsbrunn auf Fürsprache des Landgrafen gewährte. Wenn aber L. in dem folgenden letzten Streite Friedrichs mit der Curie unter den Gegnern des Kaisers auf Seiten des Kölner Erzbischofs stand, so war sicher nicht blos Ergebenheit gegen den Papst, sondern auch ein hochentwickeltes Selbstgefühl des Landgrafen, dem die Beschränkung durch das starke Kaiserthum Friedrichs in seinen Unternehmungen gegen Mainz und Meißen lästig geworden sein mochte, an dieser Oppositionsstellung schuld. Indessen zu offener Erhebung gegen Friedrich ist er nicht geschritten: im Sommer 1187 war er sichtlich mit dem Kaiser ausgeföhnt und nahm auf dem „Hoftag Christi“ im März 1188 mit dem greisen Oheim das Kreuz. Aber auch bei der Ausübung seines Gelübdes bezeugte der Landgraf seine Selbständigkeit — er schloß sich nicht dem Zuge des Kaisers durch Ungarn an, der mancherlei Gefahren in sich barg, sondern nahm den Weg durch Italien und dann zur See von Brindisi nach Tyrus. Bei der Belagerung von Akkon (1189—90) verrichtete er Wunder der Tapferkeit, die, von den Zeitgenossen gepriesen, Anfang des 14. Jahrhunderts Verherrlichung in einem deutschen epischen Gedicht fanden. Ein chronisches Leiden nöthigte ihn Anfang October 1190 das heilige Land zu verlassen, aber er sollte die Heimath nicht Wiedersehen. Auf dem Meere ist er am 16. October gestorben, in Cypern wurden die verweslichen Reste beigesetzt, seine Gebeine fanden in Reinhardsbrunn am Weihnachtsfest 1190 die letzte Ruhestätte. Unter den weltlichen Fürsten seiner Zeit ist er einer der bedeutendsten und mächtigsten. Auf dem großen Mainzer Fest zu Pfingsten 1184 hatte nur der König von Böhmen und der Kölner Erzbischof ein zahlreicheres Gefolge als der Landgraf, den tausend und mehr Ritter begleitet hatten. Der Sturz des Welfen begünstigte die Entwickelung der landgräflichen Macht. L. nimmt zwischen seinem Vater, dem treuen Parteigänger der Staufer und seinem Bruder Hermann, dem Urbild dynastischer Selbstsucht, eine Mittelstellung ein.

    • Literatur

      Knochenhauer, Geschichte Thüringens.

  • Autor/in

    Wenck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wenck, Karl, "Ludwig III." in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 593-594 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100952526.html#adbcontent

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