Lebensdaten
1201 oder 1202 bis 1275
Geburtsort
in Altbayern
Sterbeort
Niederalteich
Beruf/Funktion
Abt von Niederaltaich ; Chronist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100946046 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hermann
  • Hermann, Niederaltaich
  • Hermann, Niederaltaich, Abt
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Zitierweise

Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100946046.html [18.11.2018].

CC0

  • Leben

    H. wurde in der Klosterschule von Niederaltaich erzogen, trat als Mönch in das Kloster ein, versah unter Abt Dietmar das Amt des Kustos und war mehrfach mit Missionen an den Kaiser nach Verona und nach Rom betraut. Als er 1242 die Leitung des Klosters übernahm, das soeben durch den Tod seines Vogtes, des Graf Albert von Bogen, von seinem ärgsten Bedrücker befreit war, widmete er sich mit Erfolg der wirtschaftlichen Gesundung des Klosters. Das von ihm angelegte „Urbarium et Codex hirsutus“ und die Schrift „De rebus suis gestis“ (1242-73) berichten von seinen Maßnahmen. Nicht weniger war er, zeitweise in Zusammenarbeit mit Albert der Große, um das geistige Leben und die Klosterzucht in Niederaltaich und benachbarten Klöstern bemüht. Das bezeugt die Tatsache, daß fünf Mönche aus Niederaltaich zu Äbten anderer Klöster gewählt wurden, vor allem aber H.s literarisches Werk, das der Geschichte von Niederaltaich und den Ereignissen seiner Zeit gewidmet ist. Die Geschicke|des Klosters in Vergangenheit und Gegenwart behandeln „De institutione monasterii Altahensis“ (741-1271), „De spoliatione monasteriorum per Arnolfum ducem Bawariae“ und „De advocatis Altahensibus“ (900-1273), in dem die üblen Auswirkungen des mittelalterlichen Vogteiwesens geschildert werden, während er in der „Genealogia Ottonis II ducis Bavariae“ (1170-1250) dem Nachfolger der Grafen von Bogen als Vogt ein freundlicheres Denkmal setzte. Sein wirksamstes Werk sind die „Annales“ (1137-1273), die, das annalistische Schema immer wieder durchbrechend, die allgemeine Geschichte behandeln und zu den wichtigsten Quellenwerken des 13. Jahrhundert gehören, die weit verbreitet und mehrfach fortgesetzt wurden (unter anderem von Eberhard von Regensburg). Die Wirren der Zeit werden hier mit großer Unparteilichkeit bei grundsätzlich kirchentreuer Haltung dargestellt. Aus Krankbeitsgründen dankte H. 1273 ab, nach seinem Tod widmete ihm sein Kaplan Heinrich Steoro, später Abt von Metten, einen lobenden Nachruf ( XVII, 408).

  • Werke

    Weitere W De spoliatione monasteriorum per Arnolfum ducem Bawariae, ed. J. F. Böhmer, in: Fontes rerum Germanicarum III, 1853, S. 563 ff.;
    Urbarium et Codex hirsutus, ed. S. Herzberg-Frünkel, s. L, S. 62-130 (Auszüge);
    alle übrigen ed. Ph. Jaffé, in: 17, S. 369-407.

  • Literatur

    ADB XII;
    J. Chmel, Hermannus Altahensis, in: Archiv f. österr. Gesch.qu. 1, 1848, S. 1-72;
    B. Braunmüller, H., Abt v. N., in: Verhh. d. Hist. Ver. f. Niederbayern 10, 1876, S. 247-328;
    ders., Abt H. v. N., in: Progr. d. Studienanstalt Metten, 1876;
    P. Kehr, H. v. Altaich u. s. Fortsetzer, Diss. Göttingen 1883;
    Lorenz I, S. 176-84;
    E. Michael, Gesch. d. dt. Volkes III, 1903, S. 350 ff.;
    S. Herzberg-Fränkel, Die wirtsch.-geschichtl. Qu. d. Stifts Niederaltaich, in: MIÖG Erg.h. 8, 1909, S. 1 ff., 10, 1928, S. 162 ff.;
    J. Hemmerle, Die Benediktinerklöster in Bayern, 1951, S. 87 f.;
    J. Klose, Das Urkk.wesen Abt H.s v. N. (1242–73), 1967.

  • Autor/in

    Franz-Josef Schmale
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmale, Franz-Josef, "Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 648 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100946046.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hermann, von 1242 bis 1273 Abt der ansehnlichen Abtei Nieder-Altaich zwischen Regensburg und Passau, ist 1200 oder 1201 geboren und hat schon zu Lebzeiten des Abtes Dietmar eine ansehnliche Stellung eingenommen, wurde mit wichtigen Gesandtschaften betraut. Nach der Abdankung des alten Abtes zu dessen Nachfolger erwählt, hat er vorzüglich dem ökonomischen Zustande der Reichsabtei seine Sorgfalt und Energie zugewandt, wobei es ihm zu Statten kam, daß nach dem Aussterben der Grafen von Bogen die Vogtei an die Herzoge von Baiern gekommen war. In vertrauten Beziehungen zu diesen und zu dem König Ottokar von Böhmen, der bald siegreichen päpstlichen Partei ungehörig, gelang es ihm, sein Stift zu hoher Blüthe zu bringen. Von seiner Thätigkeit und Umsicht zeugen die noch erhaltenen Aufzeichnungen über die Verhältnisse, Besitzungen und Einkünfte des Klosters, die Urkundenbücher, welche auch Landfrieden u. A. enthalten und darin seine wichtige politische Stellung erkennen lassen. Hierdurch wurde es ihm auch zur Notwendigkeit, einen Ueberblick über die Geschichte zu erhalten; er ließ ältere Chroniken sammeln, ergänzte sie und fügte eine Darstellung der Zeitgeschichte hinzu, in welcher zusammenfassende Ueberblicke seine Hand erkennen lassen, während anderes nur in seinem Auftrag eingezeichnet sein mag. Natürlicher Weise steht die locale, vorzüglich baierische Geschichte ganz im Vordergrund; es ist aber auch nur zu bemerklich und für uns bedauerlich, daß er über die wichtigsten Gegenstände, wie namentlich die Thätigkeit des päpstlichen Agenten Albert Behaim, dem er doch nahe gestanden hatte, absichtlich Schweigen beobachtet. Die tieferen Gegensätze der Parteien berührt er nicht, und so werthvoll uns seine Mittheilungen sind, so wenig können sie uns doch ganz befriedigen. Nachdem H. 1273 auf seine Würde verzichtet hatte, starb er am 31. Juli 1275. Sein Geschichtswerk wurde viel benutzt und fand verschiedene Fortsetzer.

    • Literatur

      Ausg. von Jaffé. Mon. Germ. SS. XVII, 351—605. Neue Forts. ib. XXIV, 49. O. Lorenz, Geschichtsqu., I. 146, II. 336. Wichert im Neuen Archiv, I. 369—393. Braunmüller in den Verhandlungen des hist. Vereins von Niederbaiern, XIX. Heft 3.

  • Autor/in

    W. Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Hermann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 164 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100946046.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA