Lebensdaten
erwähnt um 1480 , gestorben 15. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Bearbeiter der Geschichte vom Fuchs Reinaert
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 100945562 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hinrek
  • Hinrek van Alkmer
  • Alckmer, Hinrek van
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Zitierweise

Hinrek van Alckmer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100945562.html [17.11.2018].

CC0

  • Leben

    Aus der Angabe H.s in der niederdeutschen Übersetzung des „Reinke de Vos“, daß er als „scholemester vnde tuchtlerer“ des Herzogs von Lothringen die Geschichte vom Reineke Fuchs „vth walscher vnde franßösescher sprake ghesocht vnde vmmegesath“ habe, schloß man, daß H. der Verfasser des „Reinke de Vos“ gewesen sei. Besonders seit Gottscheds Prosa-Übersetzung „Heinrichs von Alkmar Reineke der Fuchs …“ (1752), wußte man nicht anders. J. Grimms Ansicht, H. sei nicht der Verfasser gewesen, sondern habe eine niederländische Vorlage nur „einer gelinden umarbeitung“ unterzogen, wurde 1854 durch die sogenannten Culemannschen Fragmente (Cambridge, Universität-Bibliothek) bestätigt. – Diese mittelniederländischen Fragmente enthalten schon Bucheinteilung und Kapitelüberschriften des „Reinke de Vos“, so daß H. Niederländer gewesen sein muß, worauf auch der Name Alckmer hinweist (Alcmere 1063, 1083 und 1148, erst 1132 auch Alkmare, heute Alkmaar, nördlich Amsterdam). – In H.s Fassung fand die mittelniederländische Geschichte vom Fuchs „Reinaert“ (13. Jahrhundert; stark erweitert als „Reinaert II“ oder „Reinaerts Historie“, 14. Jahrhundert, Druck 1479) erst ihre starke Verbreitung. H. hat den „Reinaert II“ umgearbeitet, in Bücher und Kapitel eingeteilt und mit Einleitungen (Glossen) versehen (um 1480, nicht erhaltener Druck 1487?, teilweise überliefert in den Culemannschen Fragmenten). Auf die niederdeutsche Übersetzung „Reinke de Vos“ (1498, hochdeutsch 1544) dieses Textes und Gottscheds Prosa-Übersetzung geht Goethes „Reineke Fuchs“ (1794) zurück; H.s Fassung bildet somit die eigentliche Achse der niederländisch-deutschen „Reinaert-“ und „Reineke-Fuchs“-Überlieferung.

    Seit Grimm und besonders nach der Entdeckung der Culemannschen Fragmente galt es, H. als Fürstenerzieher im Dienste eines Herzogs von Lothringen zu ermitteln. Zuerst wies J. Scheltema 1826 einen H. von A. in Urkunden von 1477 und 1481 nach. Grimm glaubte, dieser H. von A. sei im Gefolge der niederländischen Herzogstochter Philippa von Egmont, die 1485 René II. von Lothringen heiratete, in lothringische Dienste getreten. Nach F. Prien hat Grimms Vermutung die meiste Wahrscheinlichkeit für sich. Er lehnt einen in einigen Stellen einer Handschrift des Fraterhauses in Zwolle 1457-78 nachgewiesenen H. von A. als Verfasser ab. Seitdem ist dieser H. von A. nicht mehr in die Debatte gekommen, wohl aber ein dritter H. von A., den J. W. Muller, danach D. Th. Enklaar zuerst zweifelnd, dann allmählich mit größerer Sicherheit als Rechtsanwalt in Utrecht und Ratsherrn des Bischofs David von Burgund 1467 und 1471-77 nachgewiesen und als Verfasser in Betracht gezogen haben. Weil dieser H. von A. aber nicht gut in die französische Umgebung des lothringischen Hofes hineinpaßt, hält Enklaar die Angabe H.s, er sei „scholemester“ und „tuchtlerer“ am lothringischen Hof, am Ende gar für eine Mystifikation. Seitdem ist es still geworden um H.; J. Flinn widmet ihm nur noch eine kurze Notiz.

  • Literatur

    ADB I (unter Alkmer);
    J. Grimm, Reinhart Fuchs, 1834;
    F. Prien, Zur Vorgesch. d. Reinke de Vos, in: Btrr. z. Gesch. d. dt. Sprache u. Lit. 8, 1882;
    ders., in: Reinke de Vos, hrsg. v. dems., 1887, 21925 v. A. Leitzmann, 31960 v. W. Steinberg;
    J. W. Muller, in: Tijdschr. voor Nederlandse Taal- en Letterkde. 7, 1887;
    ders., ebd. 41, 1922;
    D. Th. Enklaar, ebd. 50, 1931;
    K. Breul, in: The Cambridge Reinaert Fragments (Culemann Fragments), hrsg. v. dems., 1927;
    W. Foerste, in: Münstersche Btrr. z. nd.dt. Philol. (Nd.dt. Stud. 6), 1960;
    J. Flinn, Le Roman de Renart dans la lit. française et dans les littératures étrangères au Moyen Age, 1963, S. 669 f.;
    W. Krogmann, in: Nd.dt. Jb. 87, 1964;
    Vf.-Lex. d. MA III, V (unter Reinke de Vos).

  • Autor/in

    Cola Minis
  • Empfohlene Zitierweise

    Minis, Cola, "Hinrek van Alckmer" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 186 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100945562.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Alkmer: Hinrek van A. (Alckmaar, Alcmair) war nach der Prosaeinleitung zum „Reinke de Vos“ Schulmeister und Zuchtlehrer des Herzogs von Lothringen und übertrug auf dessen Bitten das Gedicht aus welscher und französischer Sprache in die deutsche, wobei er es in vier Theile schied. J. Grimm, Reinhart Fuchs CLXXV., zeigt, daß diese Angabe wenigstens nicht im vollen Umfange haltbar ist. Möglich ist nur, daß der ebenda CLXXVI. nach Scheltema in Utrechter Urkunden von 1477 und 1481 aufgewiesene Hendrik van Alkmaar „mit Philippa van Egmond, der Tochter Herzog Adolfs von Geldern, die sich 1485 dem Renat II., Herzog von Lothringen, vermählte, in lothringische Dienste ging und den seit 1486 geborenen herzoglichen Kindern als Lehrer zugegeben wurde"; und daß er den „Reinaert", welchen Willem vor 1250 verfaßt und ein Unbekannter um 1350 fortgeführt hatte, in vier Bücher theilte und mit der Prosaglosse versah, welche im „Reinke“ niederdeutsch vorliegt. Von dem niederländischen Original des „Reinke“ sind nur Bruchstücke erhalten, die Senator Culemann entdeckt und H. Hoffmann in den „Horae belgicae“ XII., Hannover 1862, abgedruckt hat.

  • Autor/in

    Martin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Martin, "Hinrek van Alckmer" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 342 unter Alkmer [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100945562.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA