Lebensdaten
1649 bis 1725
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Weißenfels
Beruf/Funktion
Komponist ; Musiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100833136 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krieger, Johann Philipp

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Zitierweise

Krieger, Johann Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100833136.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Johann (s. 1);
    - Weißenfels 1684 Rosine Helene (1666–1716), T d. Joh. Nicolai, magdeburg. Kreissekr. in Halle, u. d. Eleonore Sophie Stütz; 9 K, u. a. Joh. Gotthilf (1687- n. 1743), Hoforganist als Nachf. K.s in W., Joh. Philipp (1693|-1775), Univ.buchhändler in Gießen, Joh. Rosina ( Gottfried Grünewald, 1673–1739, Hofkapellmeister in Darmstadt, s. MGG V);
    E Christian (1746–1825), Univ.buchhändler u. -buchdrucker in Marburg.

  • Leben

    K. erlernte vom 8. Lebensjahr an in seiner Vaterstadt das Spiel auf Tasteninstrumenten bei Joh. Dretzel und auf Streich- und Blasinstrumenten bei Gabriel Schütz. Schon mit 9 Jahren komponierte er. 14jährig ging er nach Kopenhagen, um sich bei Joh. Schröder als Organist und bei Kaspar Förster d. J. als Komponist zu vervollkommnen. Dort erreichte ihn 1667 ein Ruf nach Christiania (Oslo), den er aber ausschlug. Gegen 1669 kehrte er nach Nürnberg zurück, hielt sich 1670/71 am Hof in Zeitz auf und war dann einige Jahre lang Hoforganist und Vizekapellmeister in Bayreuth. Der wichtigste Abschnitt seines Bildungswegs begann, als er sich (vermutlich 1674) mit einem Stipendium des Markgf. Christian Ernst von Bayreuth nach Italien begab, wo er u. a. Padua, Ferrara, Bologna, Florenz und Neapel besuchte. In Venedig studierte er Komposition bei Joh. Rosenmüller sowie Klavier bei Giambattista Rovettini und knüpfte Beziehungen zu Francesco Cavalli, Giovanni Legrenzi und Pietro Andrea Ziani an. Besonderen Einfluß gewann auf ihn Bernardo Pasquini in Rom, dessen Förderung ihm sogar Zugang zur Orgel der Päpstl. Kapelle verschaffte. Auf der Rückreise nach Bayreuth verweilte K. in Wien, um u. a. die in Italien erworbenen Musikalien noch durch Kompositionen von Joh. Heinr. Schmelzer und Joh. Kaspar Kerl(l) zu ergänzen.

    Nach kurzen Aufenthalten in Frankfurt a. M., Darmstadt und Kassel wurde K. 1677 Kammerorganist und 1678 Vizekapellmeister des Hzg. August von Sachsen-Weißenfels in Halle. Dessen Nachfolger, Hzg. Johann Adolph I., verlegte die Hofhaltung nach Weißenfels, wo K., 1680 zum Kapellmeister ernannt, die Hofmusik neu einrichtete und bis zu seinem Tod leitete. Der hohe künstlerische Rang der Hofkapelle zeitigte eine Blüte der deutschen Oper, die, zumindest bis 1716, als K. in der Opernkomposition durch seinen Schüler Joh. Aug. Kobelius (1674–1731, s. MGG VII, W, L) entlastet wurde, in Weißenfels ihre bedeutendste Pflegestätte neben Hamburg erhielt. Von K.s eigenen Opern, welche auch in Ansbach, Braunschweig, Eisenberg, Halle und Hamburg aufgeführt wurden, haben sich außer einigen Libretti nur 2 gedruckte Sammlungen „Auserlesene Arien“ (1690, 1692) erhalten. Überragende Bedeutung erlangte K. auch als Kantatenkomponist. Seiner Initiative ist in Zusammenarbeit mit dem Weißenfelser Hofprediger Erdmann Neumeister, dessen 1. und 5. Kantaten-Jahrgang er vollständig vertonte, die Entstehung der madrigalischen Kantate und die Einführung madrigalischer Dichtung in die Kirchenmusik überhaupt zu verdanken. Ein Musikalienverzeichnis des Weißenfelser Hofes, in das K. alle von ihm aufgeführten geistlichen Vokalwerke mit Daten und Anlässen notierte und das mit über 2 800 Titeln eine der ergiebigsten zeitgenössischen Musikgeschichtsquellen darstellt, enthält an die 2 000 eigene, deutsch oder lateinisch textierte Kantaten K.s; von ihnen sind, neben einer gedruckten Sammlung „Musicalischer Seelen-Friede“ (1697), nur rund 60 überkommen. K.s instrumentalem Schaffen gibt die Einbeziehung ital. und franz. Formen und Satztechniken in den deutschen Musikstil das Gepräge. Ohne Zweifel ist K. einer der führenden deutschen Komponisten der Generation vor Bach und Händel und einer ihrer wichtigsten Wegbereiter gewesen.

  • Werke

    Weitere W XII Suonate a due Violini, 1688;
    XII Suonate a … Violino e Viola da Gamba, 1693;
    Lustige Feld-Music auf vier… Instrumenta, 1704;
    Sonaten f. mehrere Instrumente;
    Toccata u. Fuge, Passacaglia, Aria mit Variationen f. Klavier od. Orgel;
    Missa, Gloria u. 2 Magnificat;
    Gelegenheitskompp.;
    vollst. Verz. in: MGG VII.

  • Literatur

    J. G. Doppelmayr, Hist. Nachr, v. d. Nürnberg. Mathematicis u. Künstlern, 1730;
    A. Werner, Städt, u. fürstl. Musikpflege in Weißenfels b. z. Ende d. 18. Jh., 1911;
    M. Seiffert, Einl. zu DDT 53/54, 1916;
    R. Wagner, Btrr. z. Lebensgesch. J. Ph. K.s u. s. Schülers Nik. Deinl, in: Zs. f. Musikwiss. 8, 1925/26;
    R. Brockpähler, Hdb. z. Gesch. d. Barockoper in Dtld., 1964. - Zur Gesamtfam.:
    ADB 17;
    J. Mattheson. Grundlage e. Ehrenpforte, 1740;
    H. E. Samuel, The Cantata in Nürnberg During the 17th Century, phil. Diss. Cornell Univ. Ithaca/New York 1963;
    F. Krummacher, Die Überlieferung d. Choralbearbb. in d. frühen ev. Kantate, 1966;
    MGG VII (W, L);
    Riemann u. Erg.bd.

  • Autor/in

    Franz Krautwurst
  • Empfohlene Zitierweise

    Krautwurst, Franz, "Krieger, Johann Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 41-42 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100833136.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Krieger *)Zu S. 165.): Johann Philipp K., älterer Bruder von Johann K., ist den 26. Februar 1649 zu Nürnberg geboren. Den ersten Clavierunterricht erhielt er durch Johann Drechsel, einen Schüler Froberger's. In seinem 16. Jahre kam er zu dem Kammerorganisten Johann Schröder nach Kopenhagen und war fünf Jahre hindurch dessen Stellvertreter im Dienst an der deutschen Kirche zu St. Peter. Während dieser Zeit unterwies ihn der Kapellmeister Caspar Förster in der Composition. König Friedrich III., der Krieger's Talenten Beachtung schenkte, wollte ihn in Kopenhagen fesseln. Doch wünschten Krieger's Eltern seine Rückkehr, die um 1670 erfolgte. Von Nürnberg wurde er nach Baireuth gezogen, dort zum markgräflichen Kammerorganisten und bald darauf zum Kapellmeister gemacht. 1672 erhielt er Urlaub zu einer Studienreise nach Italien. Er ging zunächst nach Venedig und studirte bei Rosenmüller Composition; in Rom nahm er den zweiten längeren Aufenthalt und wurde Abbatini's und Pasquini's Schüler in der Composition und im Clavierspiel. Von da begab er sich nach Neapel und kehrte über Rom, Venedig (wo er wiederum zu Studienzwecken länger verweilte) nach Deutschland zurück. In Wien erhob ihn Kaiser Leopold in Anerkennung seiner Kunstfertigkeit in den Adelsstand. K. nahm nun in Baireuth seinen verlassenen Posten zwar wieder ein, doch nur für kurze Zeit. Nachdem ihm die erbetene Entlassung gewährt worden war, scheint er eine Weile auf Reisen innerhalb Deutschlands zugebracht zu haben. Am 12. December 1677 ernannte ihn der zu Halle residirende Administrator des Erzstifts Magdeburg, Herzog August von Sachsen, zum Kammermusikus und Kammerorganisten mit 230 Thalern Gehalt. Es ist K. augenscheinlich schwer geworden in diese verhältnißmäßig untergeordnete Stellung einzutreten. Er bat, ihn direct vom Herzog abhängen zu lassen, da er dem Kapellmeister David Pohle nicht untergeben sein wolle; er berief sich auf sein „durch mühsames Reisen und unermüdeten Fleiß erlangtes Renommé“ und auch darauf, daß er schon beim Markgrafen von Baireuth als Kapellmeister gedient habe. Aber seine Verhältnisse müssen wol zwingend gewesen sein, denn als man auf feine Wünsche nicht einging, fügte er sich. Unter dem 12. Februar 1679 wurde er übrigens schon zum Vicekapellmeister ernannt mit einem Gehalte von 500 Thalern. K. ist im Dienste dieses Fürstenhauses, der nachherigen Sachsen-Weißenfelsischen Linie, sein Leben lang verblieben. Am 18. März 1712 rückte er zum wirklichen Kapellmeister auf; zu gleicher Zeit wurde sein Sohn Johann Gotthilf Kammermusikus und Kammerorganist. Er war auch beim Herzog Christian von Sachsen-Gotha|zu Eisenberg Kapellmeister „von Haus aus“. Den 6. Februar 1725 ist er gestorben. Die Compositionen, welche K. herausgegeben hat, sind zum Theil Kammertrio's für Streichinstrumente und Baß, zum Theil Suiten für drei Oboen und Fagott, vorzugsweise den damaligen Militärorchestern bestimmt ("Luftige Feldmusik“, Nürnberg, Endter. 1704), theils weltliche und kirchliche Sologesangstücke. Seine Thätigkeit erstreckte sich aber auch auf die Oper und die vielstimmige Kirchenmusik. Man weiß von sechs Opern, die er zum Theil für den braunschweigischen Hof geschrieben hat. Zuverlässig hat er aber deren viel mehr componirt, da auch am Hofe zu Weißenfels während seiner Zeit die Oper mit Vorliebe gepflegt wurde. Als Kirchencomponist ist er zunächst deshalb von Bedeutung, weil er den Anstoß für Erdmann Neumeister's madrigalische Cantatendichtungen gab, die eine neue Form protestantischer Kirchenmusik begründeten. Neumeister selbst stellte ihn im J. 1700 über alle anderen damals lebenden Kirchencomponisten. Eine ziemlich beträchtliche Anzahl seiner Kirchencompositionen bewahrt in Handschriften die königliche Bibliothek zu Berlin. In allen Werken, die vorliegen, zeigt er sich als ein mit bedeutender eigner Erfindungskraft begabter, technisch sehr gewandter und vielseitiger Tonsetzer. Aber noch ist das Material zu lückenhaft, um ein einigermaßen sicheres Bild dieses ausgezeichneten Tonmeisters zu zeichnen, aus den Mattheson noch im J. 1740 den Spruch aus Jesus Sirach 39 anwandte: „Dieweil er lebet hat er einen größeren Namen denn andere tausend, und nach seinem Tode bleibet ihm derselbe Name.“

    • Literatur

      Acten des sächsischen Staatsarchivs zu Dresden. — Mattheson, Ehrenpforte. — Spitta, J. S. Bach I, S. 467.

  • Autor/in

    Spitta.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spitta, "Krieger, Johann Philipp" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 458-459 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100833136.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA