Lebensdaten
1651 bis 1735
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Zittau
Beruf/Funktion
Komponist ; zittauischer Organist
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 123540682 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krieger, Johann

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Zitierweise

Krieger, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123540682.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans (1621–95), Teppichmacher- u. Garnfärbermeister, S d. Philipp, Teppichmacher u. Garnfärber in N., aus Teppichmacherfam., d. um 1588 aus Creußen in N. zugewandert war, u. d. Margarete Öllinger;
    M Rosina (1624–80), T d. Lederhändlers Hans Phil. Baumeister in N., u. d. Margarete Siepel;
    B Joh. Philipp (s. 2);
    - 1686 Martha Sophia, T d. Lic. med. Gottfried Förster in Löbau;
    5 S, 4 T, u. a. Adolph Gottlob (1698–1738), Organist in Z.

  • Leben

    K. erhielt in Nürnberg Gesangsunterricht durch den Sebalduskantor Heinr. Schwemmer, in dessen Stadtkapelle er als Diskantist mitwirkte. Klavier- und Orgelspiel erlernte er 1661-68 bei Gg. Kaspar Wecker. Die kompositorische Unterweisung war fast gänzlich in die Hand seines Bruders Johann Philipp gelegt, dem er nach Zeitz und 1672 nach Bayreuth folgte, um dann 1674-77 dort dessen Posten als Hoforganist einzunehmen.

    Nach kurzem Aufenthalt in Nürnberg zog er 1677 wiederum zu seinem Bruder nach Halle, erhielt aber schon 1678 die Kapellmeisterstelle bei Heinrich I. Gf. Reuß in Greiz und wurde 1680 Hofkapellmeister Hzg. Christians von Sachsen-Gotha in Eisenberg. Im Frühjahr 1682 übernahm er schließlich das Amt des Direktors des Musikchors in Zittau, in welchem er über ein Halbjahrhundert lang bis zu seinem Tod eine überaus fruchtbare Tätigkeit entfaltete. Auch wirkte er dort als Organist an verschiedenen Kirchen. Neben dem fast gleichaltrigen Joh. Pachelbel steht K. am stärksten in jener sich über 4 Generationen erstreckenden Nürnberger Schultradition, die durch Kantabilität, Liedhaftigkeit und Überlieferungstreue ebenso bestimmt wird wie durch Mangel an affekthaftem Pathos und figürlicher Textausdeutung. Seine Musik für Tasteninstrumente weist darüber hinaus Einflüsse J. J. Frobergers und D. Buxtehudes auf. Die im neuen Typendruckverfahren W. M. Endters veröffentlichte Sammlung „Sechs Musicalische Partien“ (1697) erweitert den Frobergerschen Suitentypus durch Aufnahme modischer Tanzsätze (Menuett, Bourrée, Gavotte), um auch dem Liebhaber gerecht zu werden. Mit der „Anmuthigen Clavier-Übung“ (1699) erwarb sich K. als Kontrapunktist, namentlich als Fugenkomponist, besondere Anerkennung bei den Berufsgenossen seiner Zeit. Hingegen stand er in der Komposition von Kantaten und Opern hinter seinem Bruder und anderen süd- und mitteldeutschen Meistern seiner Generation zurück.

  • Werke

    Weitere W Neue Musical. Ergetzlichkeit (Arien, z. T. aus Opern), 1684;
    8 Opern (nur unvollst. erh.);
    25 dt. od. lat. Kirchenkantaten (etwa 200 weitere verschollen);
    Messen, Messenteile u. Magnificat-Kompp.;
    Fantasien, Präludien, Toccaten, Fugen u. Choralbearbb. f. Klavier od. Orgel;
    4 Suiten u. Caprice f. 5 Instrumente u. Basso continuo.

  • Literatur

    R. Eitner, in: Mhh. f. Musikgesch. 27, 1895;
    M. Seiffert, Gesch. d. Klaviermusik, 1899;
    F. W. Riedel, Qu.kundl. Btrr. z. Gesch. d. Musik f. Tasteninstrumente in d. 2. Hälfte d. 17. Jh., 1960;
    F. Krummacher, Die Überlieferung d. Choralbearbb. in d. frühen ev. Kantate, 1965;
    - s. a. L z. Gesamtfam.

  • Autor/in

    Franz Krautwurst
  • Empfohlene Zitierweise

    Krautwurst, Franz, "Krieger, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 41 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123540682.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Krieger *)Zu S. 165.: Johann K. ist den 1. Januar 1652 zu Nürnberg geboren. Sein Vater war Bürger. Teppichmacher und Garnfärber daselbst. In der Musik, für welche K. von Kindheit auf große Begabung zeigte, wurde Heinrich Schwemmer, Dirigent des Kirchenchors zu St. Sebaldi, sein erster Lehrer. Im Clavierspiel unterwies ihn sodann Georg Caspar Wecker, Organist an derselben Kirche. 1670 soll K. seinem Bruder Johann Philipp K. nach Kopenhagen nachgereist und mit ihm zurückgekehrt sein. Er scheint sich an diesen dauernd angeschlossen zu haben, um unter dessen Leitung die Komposition zu studiren. Er folgte ihm auch nach Baireuth und wurde um 1672 Hoforganist daselbst. Um 1677 brach zwischen den italienischen und deutschen Mitgliedern der markgräflichen Kapelle ein Zwist aus; er endete damit, daß sämmtliche Deutsche, und unter ihnen auch K., ihre Entlassung nahmen. K. weilte nun eine Zeit lang, mit kirchlichen Vocalcompositionen im strengen Stil beschäftigt, in Nürnberg, ging dann über Halle nach Greiz und wurde um 1678 Kapellmeister beim Grafen Heinrich I. daselbst. Als der Graf nach wenigen Jahren starb, eröffneten sich ihm, wol durch Vermittlung seines Bruders, Aussichten auf eine Anstellung am Hofe zu Weißenfels. Doch ehe dieselben sich verwirklichten, gewann ihn Herzog Christian von Sachsen-Gotha als Dirigenten seiner Kapelle in Eisenberg. Der Ruf seiner Tüchtigkeit hatte sich unterdessen so weit verbreitet, daß ihn 1681 der Rath der Stadt Zittau, ohne vorhergegangene Bewerbung und ohne daß K. in Zittau Verbindungen hatte, einlud, die erledigte Musikdirector- und Organistenstelle daselbst anzunehmen. Er that dies und setzte damit der Unruhe seines bisherigen Lebens ein Ziel. Fast 54 Jahre hat er in Zittau gelebt und gewirkt; sein Amt, das sich anfänglich nur auf die Johanniskirche beschränkte, wurde 1701 auch auf die dortige Klosterkirche ausgedehnt. K. blieb bis an den Tod geistig frisch und arbeitskräftig. Noch am 17. Juli 1735 hatte er seines Amtes gewaltet, am Tage darauf verschied er in Folge eines Schlagflusses. An künstlerischer Bedeutung|seinem Bruder Johann Philipp nicht ganz gleich, gehörte er doch zu den trefflichsten Musikern seiner Zeit. Eine Sammlung mehrstimmiger Arien, deren Texte der Zittauische Schulrector Weise verfaßt hatte, erschien 1684 unter dem Titel „Musikalische Ergetzlichkeiten“ und fand allgemeine und dauernde Anerkennung. Auch seine Kirchencantaten, die sich jedoch nur handschriftlich weiter verbreiteten, sind beachtungswürdig. Am freiesten aber entfaltete K. sein Talent als Claviercomponist. Er hat zwei Sammlungen Clavierstücke herausgegeben: „Sechs musikalische Partien“ (1697) und „Anmuthige Clavier-Uebung“ (1699). Wie letzteres Werk für die Entwicklung des Praeludiums und der Fuge, so ist ersteres für die Geschichte der Claviersuite von durchgreifender Bedeutung geworden. Aber nicht nur historische Bedeutung haben diese Compositionen, sondern einen absoluten, dauernden Werth, der auch von unserer Zeit wieder allgemein anerkannt werden wird, wenn wir erst gelernt haben die Musik des 17. Jahrhunderts gebührend zu beachten. K. steht als Claviercomponist mit Joh. Kuhnau ungefähr auf gleicher Höhe. Wie Seb. Bach einen gewissen Anschluß an diesen gewahren läßt, so Händel an jenen. Krieger's „Anmuthige Clavier-Uebung“ befand sich unter den wenigen Musikalien, welche Händel aus Deutschland mit nach England nahm, und er hat es selbst ausgesprochen, daß er seinen Clavierstil zu einem guten Theile nach Krieger's Arbeiten gebildet habe. K. hatte außerdem noch eine große Menge Partien, Choräle und Tonstücke anderer Gattung componirt und bei sich aufgespeichert, in der Erwartung, daß einer seiner Söhne sie nach seinem Tode herausgeben würde. Dies ist nicht geschehen und die Handschriften sind verloren gegangen.

    • Literatur

      Mattheson, Ehrenpforte. — Chrysander, Händel III, S. 211.

  • Autor/in

    Spitta.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spitta, "Krieger, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 459-460 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123540682.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA