• Genealogie

    In d. Fam. (Stammburg a. d. Schwarzen Laber/Oberpfalz) erscheint d. Name Hadamar v. 13.-15. Jh. fast in jeder Generation;
    V Hadamar v. L. (erw. 1287-1337), Bgm. v. Regensburg 1334;
    M Agnes v. Abensberg;
    B Ulrich;
    Elsbeth v. Vaimingen;
    S Hadamar (erw. 1350-1410), Bgm. v. Regensburg 1376-80 u. 1397-1408.

  • Leben

    H. ist – meist gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich – zwischen 1317 und 1354 durch Urkunden bezeugt; weitaus die meisten Nachrichten stammen dabei jedoch aus den Jahren nach 1341. Bis zu diesem Zeitpunkt ist über sein Leben kaum etwas bekannt. In den politischen Auseinandersetzungen der folgenden Jahre stehen H. und Ulrich von Laber in enger Verbindung zum Hofe Kaiser Ludwigs des Bayern und seines Sohnes, Markgraf Ludwigs von Brandenburg. Dieser ernennt H. 1354 zum Rat des Landes.

    Einen Hattmar von Laber nennt Püterich von Reichertshausen 1462 in seinem „Ehrenbrief“ und rühmt ihn als Dichter eines Buches über „Jagd und Buhlschaft“. Dieses Jagdgedicht, eine der literarisch wirksamsten Minneallegorien aus dem frühen 14. Jahrhundert, wird mit gewisser Wahrscheinlichkeit dem 1354 zum Rat ernannten Hadamar zugeschrieben und aufgrund einer historischen Anspielung zwischen 1335 und 1340 datiert. Neben Verfasser- und Einordnungsfragen birgt vor allem die relativ breite Überlieferung noch manches ungelöste Problem, denn die bisher bekannten 18 Handschriften und Fragmente unterscheiden sich in Strophonfolge und -zahl oft beträchtlich; auch an Bearbeitung durch H. selbst wäre zu denken. Das Gedicht bietet gerade dafür viele Ansätze: Den allegorischen Vorgang, eine Jagd mit canifizierten Tugenden, Eigenschaften und Emotionen, in der exemplarisch die entsagungsvolle Werbung um die unerreichbare Gunst einer Dame demonstriert wird, unterbrechen zunehmend weit ausgreifende Lehrgespräche, Reflexionen und Klagen. Sie drängen vor allem im|2. Teil des Gedichtes die Allegorie nahezu völlig zurück, nehmen aber die zentralen Themen Jagd und Minne vielfach gebrochen in sich auf und entfalten sie unter verschiedenen Aspekten.– In Minneauffassung, Stil und Form bleibt H. einer Tradition verpflichtet, die sich mittelbar über den „Jüngeren Titurel“ bis zum Minnesang und zu Wolfram zurückführen läßt, doch setzt gerade er neue Normen für die spätmittelalterliche didaktische Liebesdichtung. Den folgenden Jahrhunderten gilt der Laber oder Löbrer nicht nur als häufig zitierte Autorität in Minnefragen, auch die ihm eigene Verbindung von allegorischem Verrätsein, liedhafter Klage, Reflexion und Lehre und vor allem die anspruchsvolle Form („geblümter“ Stil; Titurelstrophe, die im Spätmittelalter auch oft als Labrers don bezeichnet wird) reizen bis ins 15. Jahrhundert manchen zur Nachahmung.

  • Werke

    W Ausgg.: H.s v. L. Jagd u. drei andere Minnegedichte s. Zeit u. Weise: Des Minners Klage, Der Minnenden Zwist u. Versöhnung, Der Minne-Falkner, hrsg. v. J. A. Schmeller, 1850;
    H.s v. L. Jagd, hrsg. v. K. Stejskal, 1880.

  • Literatur

    ADB 17 (unter Laber);
    K. Stejskal, Zu H. v. L., in: Zs. f. dt. Altertum 22, 1878, S. 263-99;
    E. E. Hese, Die Jagd H.s v. L., 1938;
    Vf.-Lex. d. MA II, V.

  • Autor/in

    Ingeborg Glier
  • Empfohlene Zitierweise

    Glier, Ingeborg, "Hadamar von Laber" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 415 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100817602.html#ndbcontent

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  • Leben

    Laber: Hadamar v. L., Dichter der „Jagd“, der relativ sinnvollsten Allegorie des 14. und 15. Jahrhunderts. Hadamar gehört dem berühmten oberpfälzischen Geschlechte der Herren v. L. an, deren Stammburg auf einem steilen Felsen oberhalb der schwarzen Laber erbaut war und durch ihren mächtigen Thurm sich schon von ferne als der Sitz einer alten edlen Adelsfamilie ankündete. H. v. L. ist in Urkunden und Chroniken bezeugt von 1317—1354. Anfangs, wie es scheint, in Zurückgezogenheit lebend, tritt er erst seit 1341 wieder in die Oeffentlichkeit und gewinnt seine Persönlichkeit besonders seit 1348 an Bedeutung; denn von diesem Jahre ab erscheint er mit seinem (jüngeren) Bruder Ulrich in steter Umgebung der baierischen Herzoge, vor Allem in der Ludwigs, Markgrafen von Brandenburg. Ludwig war aber nicht undankbar für die Anhänglichkeit, die ihm der „lieb getreue“ Hadamar v. L. bewies; er schenkte ihm 1349 für seine treu geleisteten Dienste ein Haus in Ingolstadt und ernannte ihn 1354 zum Rathe des Landes. Noch in demselben Decennium scheint H. gestorben zu sein.

    Die Entstehung der „Jagd“ fällt, wie sich einerseits aus der Erwähnung Herzog Ludwig des grîsen von Decke (Str. 293) als Zeitgenossen, andererseits aus dem Umstande, daß in dem Gedichte noch ein junger, lebenskräftiger und lebensfroher Geist pulsirt, in die Jahre 1335—1340. In welch hohem Ansehen der Dichter der „Jagd“ bei seinen Zeitgenossen und Nachkommen gestanden hat, läßt sich aus einer Reihe von Indicien leicht erkennen. So wird auf „des Laberers buch“ als auf etwas ganz bekanntes hingewiesen; seine Autorität wird herbeigeholt, wenn es gilt, einem Satze einen besonderen Nachdruck zu leihen oder dem Leser eine allbekannte Sentenz ins Gedächtniß zurückzurufen. Sein Werk genießt eine allgemeine Verbreitung, es wird viel gelesen und viel abgeschrieben; Zeuge dessen die bedeutende Zahl und das verschiedene Alter der uns heute noch vorliegenden (mehr oder minder dollständigen 14) Handschriften. Sein Name wird stets mit großer Achtung genannt und mit dem Ausdrucke des höchsten Lobes erwähnt, ja die Bewunderung seiner Nachkommen stellte ihn gleich hoch mit dem größten und tiefsinnigsten Dichter des Mittelalters, mit Wolfram v. Eschenbach. Noch ein weiteres Moment tritt hinzu, das die Bedeutung und Beliebtheit Hadamar's außer jeden Zweifel setzt: die große Zahl von Nachahmungen, die sein Gedicht gefunden. Diese Nachahmungen beziehen sich theils auf die Nachbildung seiner Allegorie, theils auf die seines Stils und seiner Strophe. Schließlich sei erwähnt, daß unseres Dichters Name auch in den Meistersängerschulen fortlebte, daß der Laber oder der Lauber ihnen als hohes Vorbild galt, dessen Ton viel und gern nachgebildet wurde. Hadamar's Gedicht behandelt das ritterliche Liebeswerben unter der Form einer Jagdallegorie. Um einem edlen Wilde nachzujagen, reitet eines Morgens der Minnejäger aus, an der Hand das Herz führend, das ihn auf die rechte Fährte bringen soll. Ihn begleiten überdies, von Knechten gehalten, die Hunde Fröude, Wille, Wunne, Trôst, Staete, Triuwe, Gelücke, Lust, Liebe, Leit, Genâde, Harre. (Doch ist hiermit die Zahl der canificirten Wesen nicht abgeschlossen, da im weiteren Verlaufe der Erzählung noch eine Reihe ähnlicher Jagogesellen eine Rolle spielt.) Der Minnejäger hat eben die Wechselplätze des Wildes besetzen lassen und sich nach den Fährten umgesehen, als er einem erfahrenen Waidmanne begegnet, den er über sein weiteres Beginnen um Rath fragt. Bald darauf findet das Herz die Fährte eines edlen, preiswerthen Wildes, dem nun der Jäger nacheilt. Ihm nahe gekommen entrinnt das Herz und wird vom Wilde verwundet. Zu diesem Unfalle gesellt sich der zweite, daß Wölfe (Merker) erscheinen und die Hunde verjagen. Zu Fuße laufend — denn sein Pferd hat ein Eisen verloren — begegnet unser Held einem zweiten Waidmanne, einem ehrenhaften, biederen Greise, mit dem er ein langes Gespräch führt, während Wille, Staete und Triuwe, das wunde Herz voran, das flüchtige Wild verfolgen, das endlich mit Wunne und Fröude von dem Jäger erreicht wird. Entzückt steht er vor demselben, wagt aber trotz der dringenden Aufforderung eines seiner Knechte nicht, den Hund Ende auf das Wild zu hetzen. Da zeigen sich plötzlich wieder Wölfe, die alle Hunde in die Flucht schlagen; das Wild entflieht. Hierauf abermalige Begegnung und Wechselrede des Jägers. dessen Herz jetzt nur noch tiefer verwundet ist, mit einem dritten und vierten Waidmann. Klagen des Dichters über sein Mißgeschick in die sich jedoch die Hoffnung mischt, Triuwe und Harre werden das Wild ,doch einmal erjagen helfen, beschließen das Gedicht. In diese Allegorie nun, die durch ihre Monotonie und Gleichförmigkeit bald ermüdend wirkt, werden so viele Liebesklagen, Betrachtungen und Sprüche der Lebensklugheit eingeflochten, daß jene, wenn nicht gestört, so doch vielfach unterbrochen erscheint. Aber gerade in dieser Schwäche des Gedichtes liegt die Stärke des Dichters; denn nur in diesen von der eigentlichen Allegorie abgetrennten Stücken läßt H. v. L. seine Kunst im hellen Lichte strahlen: hier zieht er durch überraschende Gleichnisse und Bilder an, hier spricht er in würdig-schöner Form treffende Ansichten über Menschen und Dinge, über Leben und Lieben aus, hier weiß er endlich liebliche Züge, wie sie nur das Volkslied kennt, zu bieten. Die Form des Gedichtes ist die siebenzeilige Strophe des Titurel, wie denn auch der ganze Gedanke durch dessen Jagdstück (Wolfr. Tit. 132 ff., jüng. Tit. bei Hahn 1140 ff.) veranlaßt sein mag.

    • Literatur

      Mone, Badisches Archiv, I. 90—98; Mone, Quellen und Forschungen, I. 221—239; Ausgabe von J. A. Schmeller: Hadamar's von Laber Jagd und drei andere Minnegedichte seiner Zeit und Weise: Des Minners Klage. Der Minnenden Zwist und Versöhnung. Der Minne-Falkner. Stuttgart 1850 (20. Publikation des litter. Vereins); K. Stejskal: Hadamar's von Laber Jagd, mit Einleitung und erklärendem Commentar. Wien, A. Holder 1880. — Ueber die Familie vgl. besonders Plaß: Die Herren von Laber in den Verhandlungen des hist. Vereins von Oberpfalz und Regensburg. XXI. 139—184; K. Stejskal, Zu Hadamar von Laber in d. Zeitschrift für deutsches Alterthum, XXII. 263—299.

  • Autor/in

    Karl Stejskal.
  • Empfohlene Zitierweise

    Stejskal, Karl, "Hadamar von Laber" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 465-466 unter Laber [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100817602.html#adbcontent

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