• Genealogie

    V Martin (um 1638-1709), Rektor in Zehdenick, dann Oberpfarrer u. Sup. zu T., S d. Heinr. (1605–68), Sup. u. Propst zu T., u. d. Anna (T d. Sup. Gabriel Woltersdorff in T.);
    M N. N. ( vor 1699);
    1) Eva Dor. Dahlenheim, 2) Joh. Margaretha Gräffin (Grewin) (1681–1758);
    5 S, 2 T aus 1), 1 S, 2 T aus 2).

  • Leben

    Verläßliche Nachrichten setzen mit F.s letzten, schon in Berlin verbrachten Schuljahren ein. Während Schulzeit und Studium stand seine musikalische Entwicklung unter dem Einfluß des Buxtehudeschülers F. D. Klingenberg (Organist an Sankt Nicolai), des Marienkantors M. P. Hennigsen, F. W. Zachows (Halle) und J. Schelles (Leipzig). F. wirkte 1694 als Organist in Soldin, erhielt 1695 die Kantorenstelle an der Neustadt und 1704 am Friedrich-Werderschen Gymnasium Berlin, die er bis 1742 innehatte. F.s Bedeutung liegt auf den Gebieten des Unterrichtswesens, der Musiklehre und der Musikanschauung der Bachzeit. Eingaben an Magistrat und König geben nicht nur Einblick in schulische Mißstände, sie zeigen auch den um Recht und Stand besorgten Kantor. Dementsprechend wird die musica theoretica, practica et poetica ergänzt um die musica polemica. In Anlehnung an religiöse Auffassungen Speners gilt es nach F. als Aufgabe der Musik, einen Vorgeschmack der Ewigkeit zu geben; allein die Musik ist nicht mehr göttlich aufgrund mathematisch-physikalischer Gesetzlichkeiten, sondern das Göttliche wird unmittelbar in einer guten Komposition erlebt. Musica theoretica faßt F. als Gesangslehre und musica practica als das Singen selbst auf. An Werckmeister anknüpfend gelten für F. nur noch cantus durus et mollis, wobei er die Benennungen alterierter Töne durch Anhängen der Endsilben is beziehungsweise es und –s konsequent durchführt. – Als Verehrer Matthesons zeigt er sich in seiner Musikanschauung allem Neuen aufgeschlossen; trotz Kritik an Überspitzungen bejaht er die Bestrebungen der Hamburger Oper; unter Ausschaltung spezifisch opernhafter Elemente verteidigt er die Kirchenkantate, und in Bachs Orgelkunst erblickt er nicht nur Virtuosität, sondern schöpferisches ingenium der Komposition.

  • Werke

    W Schrr. (meist anonym od. pseudonym mit fingiertem Druckort): Musikal. Trichter …, Frankfurt an d. Spree [Berlin] 1706;
    Musica vocalis in Nuce …, Berlin 1715;
    Musikal. Strigel …, Athen an d. Pleiße [Leipzig] o.J.;
    Das in unsern Opern-Theatris u. Comoedien-Bühnen Siechende Christentum u. Siegende Heidenthum …, Canterbury [Berlin] 1728;
    Gerechte Wagschal …, Altona 1728;
    Die an d. Kirchen Gottes gebauete Satans-Capelle, Cölln am Rhein [Cölln b. Berlin] 1729;
    Die von d. Pforten d. Hölle bestürmete, aber vom Himmel beschirmete ev. Kirche, Berlin 1730.

  • Literatur

    C. v. Winterfeld, Der ev. Kirchengesang III, 1847;
    A. C. Müller, Gesch. d. Friedrich-Werderschen Gymnasiums, 1881;
    H. Reimann, Musikal. Rückblicke I, 1900;
    C. Sachs, Musikgesch. d. Stadt Berlin b. z. J. 1800, 1908;
    G. Schünemann, Gesch. d. dt. Schulmusik, 1928, 21931;
    C. v. Ledebur, Tonküntlerlex., 1861;
    M. Ruhnke, in: MGG IV, Sp. 1120-31 (W, L);
    Riemann.

  • Autor/in

    Anneliese Liebe
  • Empfohlene Zitierweise

    Liebe, Anneliese, "Fuhrmann, Martin Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 725 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100479340.html#ndbcontent

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