Lebensdaten
1684 bis 1742
Geburtsort
Augsburg
Beruf/Funktion
Kartograph ; Mathematiker ; Historiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100352243 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haas, Johann Matthias
  • Hasius, Johann Matthias
  • Haase, Johann Matthias
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Orte

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Zitierweise

Hase, Johann Matthias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100352243.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Salomon Sefried (* 1644), Math.-Lehrer am St. Anna-Gymnasium in A.;
    M Anna Hedwig Metzger aus Breisach.

  • Leben

    Bereits vom Vater bekam H. die ersten Anregungen zu seinem späteren Beruf. Wohl schon an der Universität Helmstedt, die er zunächst zum Studium der Theologie seit 1701 besuchte, und dann besonders in Leipzig wandte er sich den mathematischen Disziplinen zu (Magisterarbeit: Specimen algebrae ad artem fortificatoriam applicatae, Leipzig 1707). Während einer mehrjährigen Erziehertätigkeit in Augsburg und Leipzig beschäftigte er sich mit Geographie und Kartenkunde. 1717 veröffentlichte er die wichtige Schrift „Sciagraphia methodi projiciendi sphaeras et delineandi mappas“. Mit einer Dissertation „De tubis stentoreis …“ (gedruckt Leipzig 1719) wurde er promoviert. 1720 erhielt H. einen Ruf als Professor der Mathematik nach Wittenberg, wo er bis zu seinem Lebensende als anerkannter Vertreter der theoretischen und praktischen Kartographie wirkte. Nach dem Urteil E. D. Haubers gebührte ihm damals unter den Geographen in Deutschland unstreitig der Preis. Der Kartenverlag M. Seutter in Augsburg ließ H. von der Karte „Suevia“ des J. de Michal (1725) den Teil, der sich auf das Hochstift Augsburg bezog, verbessern. Später gehörte H. dem wissenschaftlichen Stab des Homannschen Kartenverlags zu Nürnberg an, wo er seine Mitarbeit mit der Einrichtung von 16 Spezialkarten von Schlesien begann. H. führte beim Verlag die stereographische Horizontalprojektion ein, deren Vorzüge gegenüber der sinusoidalen Projektion und der auf Meridian und Äquator bezogenen er auseinandersetzt (Begleitworte zur Karte Russiae Imperium, 1739). Auch 1739 erschien der Atlas mit umfangreichem beschreibendem Text „Regni Davidici at Salomonicaei descriptio geographica et historica, una cum delineatione Syriae et Aegypti“. Hervorhebenswert sind H.s Kontinentalkarten, vor allem die Afrikakarte von 1737, die in bezug auf Gesamtlage und Flüsseverlauf einen wesentlichen Fortschritt gegenüber der älteren Karte von J. B. Homann, aber auch der Afrikakarte von Delisle darstellt und H. ebenbürtig in den Rang der großen französischen Kartographen stellt. D'Anvilles bekannte Afrikakarte erschien erst 1749.

    Den größten Teil der von H. entworfenen Karten gab der Verlag freilich erst nach H.s Tode in dem Werk „Homanisch-Hasischer Gesellschaftsatlas“ 1747 heraus. H.s „Atlas historicus comprehendens imperia maxima seu monarchias orbis antiqui“ (1750, in 6 Teilen, 3. Teil bereits 1746) diente noch 1813/14 als Grundlage für den von Ch. Fembo, dem Inhaber des Homannschen Verlages, herausgegebenen Historischen Atlas mit chronologischen Tabellen und mit 28 Landkarten über die großen Reiche vom ägyptischen Imperium bis zum Russischen Reich unter Peter dem Großen.

  • Werke

    Weitere W u. a. mehrere Karten, z. T. aufgrund nachgelassener Entwürfe H.s v. anderen gefertigt: Europa, Ungarn, Rußland, Asien, China, Türkei, Kleinasien, Afrika.

  • Literatur

    ADB X (unter Hasius);
    E. D. Hauber, Zusätze u. Verbesserungen … u. d. Abriß u. Versuch e. umständl. Historie d. Land-Charten insgemein …, 1726, S. 4, 50, 78;
    ders., Nützlicher Discours v. d. gegenwärtigen Zustand d. Geogr., bes. in Teutschland, Ulm 1727, S. 75, 151 Anm., 176, 178 f.;
    J. M. Franz, Homann, Vorschläge v. d. nöthigen Verbesserungen d. Weltbeschreibungswiss …, Nürnberg 1747;
    Ch. Sandler, Die homänn. Erben, in: Zs. f. wiss. Geogr. 7, 1890, S. 418-48;
    L. Bagrow, Die Gesch. d. Kartogr., 1951, S. 346;
    F. X. Pröll u. G. Hirschmann, Joh. Bapt. Homann u. s. Erben, 1964 (Kat., W);
    W. Bonacker, J. M. H., s. Leben, s. Schrr. u. Karten, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Schwaben 59/60, 1967, S. 271-309;
    Pogg. I.

  • Autor/in

    Fritz Schnelbögl
  • Empfohlene Zitierweise

    Schnelbögl, Fritz, "Hase, Johann Matthias" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 21 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100352243.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hasius: Johann Matthias H. (auch Haas, Haase und Hase genannt), Kartograph und historischer Geograph. Geboren zu Augsburg am 14. Januar 1684, ebendaselbst am 24. September 1742. Sohn eines Lehrers der Mathematik am Gymnasium zu Sa. Anna, empfing H. auf dieser Anstalt seinen ersten Unterricht, der ihn schon frühe in die Mathematik einführte. Diese Wissenschaft betrachtete er auch als sein Hauptstudium auf den Universitäten zu Helmstädt und Leipzig, welche er seit 1701 als Student der Theologie besuchte. 1707 wurde er in Leipzig Magister mit einer Abhandlung, die, seltsam genug für einen Theologen, ein „Specimen algebrae ad artem fortificatoriam applicatae“ war. Als Erzieher verweilte er darauf längere Jahre in Augsburg und Leipzig und wandte sich in dieser Stellung zuerst der Geographie und dem Kartenzeichnen zu; einige seiner selbstgezeichneten Karten aus dieser Zeit sind den Schulausgaben von Sincerus beigegeben. 1720 erhielt er einen Ruf als Professor der Mathematik nach Wittenberg, von wo außer mathematischen und astronomischen Arbeiten seine ersten größeren Werke zur historischen Geographie oder zur Anwendung der Geographie auf die Geschichte ausgingen. Er warf sich von da an mit Eifer auf die Kartographie, trat mit dem Homann'schen Verlag in Verbindung und hat durch seine größeren historischen Kartenwerke, wie auch durch einzelne seiner Zeit vielbenutzte Karten, die er herausgab (Ungarn, Rußland, China, Afrika) mit dazu beigetragen, die deutsche Kartographie auf selbständigen Wegen den französischen Mustern nahe zu bringen, ohne diese sclavisch nachzustechen. Seine „Karte von Schwaben“ gehört zu den besseren deutschen Specialkarten des vorigen Jahrhunderts. Größere Arbeiten: „Descriptio geogr. et hist. regni Davidici et Salomonaei“ (1739), „Phosphorus Historiarum s. Prodromus theatri summorum imperiorum“ (1742), — „Historiae universalis politicae idea plane nova ac legitima tractationem summorum imperiorum exhibens“ (1743, Auszug a. d. vorigen), „Tabula Hungariae“ (1744) und „Atlas historicus comprehendens imperia maxima seu monarchias orbis antiqui“ (1750, der dritte Theil bereits 1746 erschienen), erschienen nach seinem Tode. Zu der Ausführung seines Planes einer deutschen Gesellschaft für Kartographie, den er in der Arbeit „Sciagraphia methodi projiciendi sphaeras et delineandi mappas“ niedergelegt, ist er leider nicht gekommen.

    • Literatur

      Hirsching, Historisch-litterarisches Handbuch, Bd. II. Abth. II. 225 f.

  • Autor/in

    Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratzel, Friedrich, "Hase, Johann Matthias" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 743-744 unter Hasius [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100352243.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA