Lebensdaten
um 1706 bis 1762
Geburtsort
(Braunschweig?)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Münzfachmann
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100284531 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Graumann, Johann Philipp
  • GRauman, Joh. Philip
  • Grauman, J. P.
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Zitierweise

Graumann, Johann Philipp, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100284531.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    1750 N. N.

  • Leben

    G., an sich Kaufmann und Edelmetallieferant, war vermutlich längere Zeit in Hamburg tätig, kurze Zeit sicher auch in Holland. 1741 wurde er braunschweigischer Handels- und Münzkommissar mit der Aufgabe: Verbesserung der Einkünfte und des Handels, Gehalt 1000 Reichstaler. In Braunschweig gestaltete er 1747 das Münzwesen um, wich von dem Leipziger 12-Taler-Fuß ab und prägte Goldstücke im Werte von 5 Reichstalern, sogenannte Karl d'or, auch ließ er die ganze Münzstätte umbauen. Durch seine 1749 erschienene erste geldtheoretische Schrift, die ihn bereits als einen guten Geldtheoretiker zeigte, wurde Friedrich|der Große auf ihn aufmerksam und holte ihn nach Berlin, weil er erkannt hatte, daß er allein mit dem preußischen Münzwesen nicht fertig wurde, das seit der Zeit Friedrich Wilhelms I. sehr im argen lag. Ende 1749 befand sich G. bereits in Berlin; dem Generaldirektorium wurde eröffnet, daß er zum Aufseher aller Münzen ernannt sei. Am 23.1. erhielt er seine Bestallung als Geheimer Finanz-, Kriegs- und Domänenrat und als Generaldirektor aller Münzen bei einem Gehalt von 6000 Reichstalern. Noch 1750 erfolgten im Einvernehmen mit dem König die Reformen, die Preußen ein solides, lebensfähiges, den zeitgemäßen Anforderungen entsprechendes, vom Ausland unabhängiges Münzsystem gegeben haben, das anderthalb Jahrhunderte gültig blieb und schließlich die Grundlage für das deutsche Reichsmünzsystem wurde. Den jetzt geschlagenen Münzfuß nannte man nach ihm den G.schen 12-Taler-Fuß, wobei vor allem wichtig war, daß der bisherige Rechnungstaler wirklich als „Reichstaler“ ausgeprägt wurde im Gewicht von 16,704 g Feinsilber mit den entsprechenden Unterstufen; Dreier und Pfennige wurden zuerst in Kupfer geschlagen.

    Zunächst versuchte man einen schroffen Bimetallismus, was aber nicht durchführbar war. Seine Versprechungen, möglichst viel Münzgewinn für den Staat zu schaffen, Berlin zum größten Wechselplatz in einem großen Teil Europas zu machen, konnte er nicht halten. Auch eine Ermäßigung der Münzkosten war nicht durchführbar. Der Fehler lag im Wesen des Merkantilismus, Geldmünzen sollten nach denselben Grundlagen behandelt werden, wie etwa Tuch- oder Leinenfabrikation. Friedrich II. ließ G. bereits 1754 fallen, aber 1757, 1758, 1759 hören wir von ihm in den Akten, es sind Klagen von ihm wegen des nicht gezahlten Quartalsgehaltes.

    G. ist niemals ein preußischer Beamter geworden, in gewisser Weise Jünger von John Law, von großer Unbeständigkeit und Unruhe, hatte immer neue Pläne, ohne die alten zu Ende zu führen. „Er huldigte Venus wie Bacchus.“ Doch haben alle seine Pläne und Arbeiten einen gewissen großartigen Zug, er besaß kaufmännisches Talent, Fleiß, Selbstbewußtsein und einen gewaltigen Optimimus. Er war ein großer Geldtheoretiker, in Deutschland der bedeutendste seiner Zeit. Seine Erkenntnisse hat er in verschiedenen Schriften niedergelegt, zuletzt in „Briefen von dem Geld, dem Wechsel und dessen Kurs etc.; besonders vom englischen Münzwesen“ (Berlin 1762).

  • Literatur

    ADB IX;
    F. Frhr. v. Schrötter, Das preuß. Münzwesen im 18. Jh., in: Acta Borussica, Münzgeschichtl. T., 2. Bd., 1908, s. Register (mit allen Aktenangaben);
    ders., Die Münzverwaltung Friedrichs d. Gr., in: Hohenzollern-Jb. 15, 1911, S. 91-99.

  • Autor/in

    Arthur Suhle
  • Empfohlene Zitierweise

    Suhle, Arthur, "Graumann, Johann Philipp" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 8 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100284531.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Graumann: Johann Philipp G., Münzmeister, war geboren um das J. 1690 zu Braunschweig, widmete sich dem Handel und war eine Zeit lang in Holland als Kaufmann beschäftigt. Seine gründlichen und ausgebreiteten|Kenntnisse im Geldwesen, welche er in einer Reihe von Münzschriften niederlegte, sowie sein klarer und scharfer Blick für die Mißstände des europäischen Geldwesens seiner Zeit lenkten schon frühzeitig die Aufmerksamkeit der braunschweig-lüneburgischen Regierung auf ihn, die ihn auch als Commerciencommissarius für den Staatsdienst gewann. Im J. 1750 von Friedrich II. als preußischer Geh. Finanz- und Domänenrath und Generaldirector des Münzwesens nach Berlin berufen, wurde er der Schöpfer des nach ihm benannten neuen preußischen Münzfußes (preußisch Courant), wornach anstatt 12 Thaler, wie nach dem sogenannten Leipziger Fuße gerechnet wurde, 14 Thaler aus der feinen Mark ausgebracht wurden. Die Gründe, welche zu dieser Veränderung führten, zeigen treffend den nur auf das praktische Bedürfniß gerichteten Sinn Graumann's, der sich durch die theoretischen Bedenken gegen seinen Münzfüß nicht irre machen ließ. Durch stärkere Legirung des Silbers (12löthiges) sollte vor Allem das Ausströmen des für den preußischen Staat geprägten Geldes aufgehalten werden, was auch wirklich bis zum Anfang unseres Jahrhunderts gelang; es sollte außerdem dadurch der bereits übliche Rechnungsthaler zu 24 Groschen auch in einem bequemen Geldstücke dargestellt und damit die Zahlung allgemein erleichtert werden. Aber freilich sollte auch durch den geringen Unterschied des neuen Münzfußes gegenüber dem kurz vorher von mehreren deutschen Staaten eingeführten Conventions- oder 20 Guldenfuß eine factische Gleichwertigkeit der preußischen Thaler mit den Conventionsthalern herbeigeführt und dadurch den preußischen Käufern auf Kosten der Verkäufer der Conventionsländer ein ungebührlicher Vortheil zugeführt werden. Die gleichfalls mit dieser Münzreform verfolgte Absicht, Gold dadurch zu niederen Preisen ankaufen zu können, daß man die Pistole, welche mit 5 Thalern Conventionsgeld bezahlt wurde, 5 preußischen Thalern gleichsetzte, wurde jedoch bei dem vorwiegend internationalen Charakter des Goldgelbes nicht erreicht. Als Münztheoretiker und Schriftsteller über Geldwesen hat sich G. besonders durch seine gesammelten Briefe vom Gelde, welche in seinem Todesjahre (1762) erschienen, die Anerkennung der Nachwelt erworben, obgleich dieselben durch übermäßige Anwendung einer münztechnischen Terminologie selbst einfache Fragen sehr dunkel und dem Laien unverständlich erörtern und vielfach principielle Irrthümer über die Functionen des Geldes, sowie über die Gesetze des Geldwerthes enthalten, in deren Erkenntniß G. entschieden hinter seinen vorgeschrittensten Zeitgenossen (Hume, Justi) zurücksteht.

    • Literatur

      Graumann's verschiedene Münzschriften sind verzeichnet in Meusel's Lexikon. Vgl. Ersch u. Gruber. Roscher, Geschichte d. Nat.-Oekonomik, S. 420.

  • Autor/in

    Inama.
  • Empfohlene Zitierweise

    Inama von Sternegg, Theodor, "Graumann, Johann Philipp" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 605-606 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100284531.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA