Lebensdaten
1768 bis 1825
Geburtsort
Dortmund
Sterbeort
Dortmund
Beruf/Funktion
Publizist ; Dortmunder Historiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 100199054 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mallinckrodt, Arnold

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Zitierweise

Mallinckrodt, Arnold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100199054.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1734–1814), Tuchhändler in D., S d. Tuchhändlers Friedrich (1698–1762) u. d. Anna Barop;
    M Dorothea (1736–98), T d. Dietrich Wilhelm Mallinckrodt (1690–1738), Pastor in D., u. d. Anna Dorothea Meier; a Dortmund Sibylla Mallinckrodt (1771–1827, Cousine);
    4 S, 1 T, u. a. Wilhelm (1795–1817), Tuchhändler in D., Eduard (1804–59), Tuchhändler in D., Emil (1806–1892), Generalbevollmächtigter s. Vt Gustav Mallinckrodt in d. USA;
    N Gustav (s. 3);
    E Edward (1851–1928), Dr. iur. h. c., 1882 Gründer u. Leiter d. Mallinckrodt Chemical Works, North Carolina, Gründer u. Präs. d. National Ammonia Corp. in St. Louis, Stiftung d. Mallinckrodt Chemical Institute d. Harvard University, bedeutender Mäzen, Wilhelmine (1842–70, 1864 Carl Wiskott, 1833–93, Großkaufm. in D.).

  • Leben

    Nach seinen juristischen Studien in Jena, die er 1788 mit dem Doktorexamen abgeschlossen hatte, wurde M. 1794 in den regierenden Rat seiner Vaterstadt aufgenommen. 1795 erschien seine Schrift „Versuch über die Verfassung der kayserlichen und des heiligen römischen Reiches freyer Stadt Dortmund“, in der er ein Bürgerblatt ankündigte, das der Hebung des Interesses für Staat und öffentliches Wohl und damit der Förderung von „Gemeingeist und edlem Patriotismus“ dienen sollte. Diese Zeitschrift gab er 1796 zunächst unter dem Titel „Magazin von und für Dortmund“ und 1797-99 als „Magazin für Westfalen“ heraus. Da das Magazin jedoch nur vierteljährlich erschien und auch finanziell nicht einträglich war, gründete M. 1798 eine weitere Zeitschrift, die als „Westfäl. Anzeiger“ zweimal wöchentlich herauskam. Im Sinne der Aufklärung verstand sie sich als „Vaterländisches Archiv zur möglichst schnellen Verbreitung alles Wissenswürdigen und Nützlichen für Menschenwohl, häusliche und bürgerliche Glückseligkeit, in politischer und moralischer Hinsicht“. Wegen verschärfter Zensur trat M. 1809 als Herausgeber zurück. In den 12 Jahren seiner Tätigkeit wurden von ca. 600 Autoren etwa 700 Aufsätze veröffentlicht, die M. größtenteils zuvor geprüft und notfalls auch überarbeitet hatte. Unter den|Autoren befanden sich Franz v. Fürstenberg, Friedrich Ludwig v. Vincke, Friedrich Heinrich Jacobi und Johann Heinrich Jung-Stilling. In eigenen Aufsätzen äußerte sich M. mit großer Freimütigkeit über politische Angelegenheiten Westfalens, was häufig – besonders wenn er auf Mängel in der preuß. Verwaltung hinwies – den Unwillen der Behörden erregte.

    M., der seit 1803 in Dortmund als Regierungs- und Präfekturrat tätig war, arbeitete außerdem als Anwalt ländlicher Grundbesitzer und gab in einer Verlagsbuchhandlung, deren Teilhaber er 1799-1816 war, verschiedene kleine Schriften heraus, wie Bauernkalender (1811–13) oder auch 1811 anonym „Beobachtungen und Ansichten, Kleine Beiträge fürs praktische Leben“. Eine schriftstellerische Tätigkeit in größerem Umfange nahm er erst mit dem Beginn der Befreiungskriege 1813 auf. So erschienen 1814 in zwei Bänden „Was thun bei Deutschlands, bei Europas Wiedergeburt?“ sowie der „Versuchte Entwurf einer Landesverfassung für Staaten deutschen Stammes“.

    Nachdem er 1816 noch einmal einen Jahrgang eines „Neuesten Magazins, der Geographie, Geschichte, Statistik, überhaupt der genauen Kunde Westfalens gewidmet“ herausgegeben hatte, hielt sich M. nach seiner Habilitation 1817-19 in Jena als Privatdozent auf. In dieser Zeit entstanden mehrere Schriften über das Privatrecht, sowie ein „Umriß meiner Vorlesungen über praktisches Geschäftsleben“. Da sich die Hoffnung auf eine Professur in Jena zerschlug, wurde M. 1819 vorübergehend Redakteur des von Görres begründeten „Rhein. Merkur“. Noch im selben Jahr zog er sich jedoch auf sein Gut Schwefe bei Soest zurück.

  • Werke

    Weitere W De praescriptione scrvitutum extinctiva inprimis, Diss. Jena 1788;
    Kurzer Unterricht üb. Testamente u. deren Aufnahme, f. Nicht-Juristen, nach Grundsätzen d. preuß. Rechts, 1798;
    Über Dtld.s Lit. u. Buchhandel, allen Gelehrten u. Buchhändlern ans Herz gelegt, 1800;
    Berufung an's Publikum gegen e. öffentl. Angriff in Beziehung auf d. Rechtsverhältnisse d. Bauernstandes, 1806;
    Belehrung d. Bauernstandes üb. d. demselben v. Sr. K. K. Majestät durch d. beiden Verordnungen v. 12.12.1808 u. 13.9.1811 verliehenen Rechte u. üb. dessen Pflichten gegen d. bisherigen Hofherren, 1812;
    Ist d. aufgehobene Besitz üb. d. aufhebende Gesetz u. üb. den Kaiser?, 1812;
    Zwei Reclamationen auf Grund d. kaiserl. Decrets v. 28.3.1812, f. e. Leibgewinner u. e. Zeitgewinner, 1812;
    Über d. neuen Urkk., welche d. Bes. v. Bauerngütern aufzustellen haben, 1812;
    Die Veranlassungen in Beziehung auf d. Verfügung v. 30.8.1813 rücksichtl. e. Schreibens an d. Herrn Min. Röderer, 1813;
    Vater Jacob, d. reich gewordene Bauer, e. Hdb. f. d. Bauernstand, 1814;
    Bemerkungen üb. Dtld.s Lit. u. Buchhandel, 1815;
    Der Bauernstand an seinen gerechten König, Friedrich Wilhelm III., üb. d. gutherrl. u. bäuerl. Rechts-Verhältnisse, mit bes. Hinsicht auf d. Gfsch. Mark u. d. Prov. Westphalen, 1816;
    Thue recht u. scheue niemand, Berufung an d. Publicum gegen e. öffentl. Angriff in Beziehung auf d. Rechtsverhältnisse d. Bauernstandes, 1816;
    Berufung d. Öffentlichkeit an d. Öffentlichkeit, 1817;
    Preßfreiheit, Preußens Grundton, 1817;
    Leitfaden zu Vorlesungen üb. d. dt. Privatrecht, 1818;
    Ein merkwürdiger Prozeß, in zwei Prozeßarten, 1818;
    Zeitgegenstände, kl. Btrr. üb. Staatsvfg. u. Staatsverwaltung, 1. u. 2. H., 1818;
    Über d. rechte Abh. d. dt. Privatrechts, 1819;
    Ein Angriff d. preuß. Staatsztg. u. e. Verteidigung in Aktenstücken, Ein Btr. z. Gesch. d. Zeit, Insbes. z. Verwaltung ders., 1819;
    Leitfaden zu Vorlesungen üb. d. dt. Privatrecht, 1819;
    Beredsamkeit, ein Bedürfnis unserer Zeit, 1819;
    Über Beredsamkeit überhaupt, u. üb. geistl., Staats- u. gerichtl. Beredsamkeit insbes., 1821;
    Landwirthsch. Taschenbuch zu leichter u. zweckmäßiger Notizführung, zunächst f. Westphalen u. d. Rheinlande, 1824.

  • Literatur

    ADB 20;
    E. Maurmann, A. M., Sein Leben u. Wirken (1768–1825), Diss. Münster 1921;
    A. Meininghaus, Die Ahnen d. westfäl. Publizisten Dr. iur. utr. A. M., in: Mitt. d. Westdt. Ges. f. Fam.-kde. 6, 1930, Sp. 319-31;
    G. Sandgathe, Der „Westfäl. Anz.“ u. d. pol. Strömungen s. Zeit (1798–1809), 1960;
    W. Schulte, Westfäl. Köpfe, 21977 (P);
    Kosch, Biogr. Staatshdb. II, 1963.

  • Autor/in

    Silvia Backs
  • Empfohlene Zitierweise

    Backs, Silvia, "Mallinckrodt, Arnold" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 732 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100199054.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mallinckrodt: Arnold M., dortmundischer Lokalhistoriker, bedeutender Publicist und politischer Schriftsteller, geb. am 27. März 1768 zu Dortmund, am 12. Juni 1825. Er gehörte einer alten Dortmunder Patrizierfamilie an, die, ursprünglich heimisch auf Burg Mallinckrodt bei Witten a. d. Ruhr, schon im 16. Jahrhundert nach Dortmund übergesiedelt war und der auch die sonst bekannt gewordenen M. entstammen. Den Adel hat die Familie in Dortmund abgelegt. Für die Lebensverhältnisse Mallinckrodt's bin ich mit Ausnahme weniger Notizen auf die aus seinen Schriften sich ergebenden Data angewiesen. Auch der anonyme Verfasser des unten anzuführenden Nekrologs klagt über die Vergeblichkeit seiner Bemühungen, etwas Vollständigeres über sein Leben zu erlangen und erklärt das Wenige nur geben zu wollen, damit sein Name nicht fehle. Im J. 1788 erlangte er zu Jena den juristischen Doctortitel durch eine „Dissertatio inauguralis de praescriptione servitutum exstinctiva“. Es folgt: „Versuch über die Verfassung der Kaiserlichen und des heiligen Römischen Reichs freyen Stadt Dortmund. Von Arn. Mallinckrodt, Doctor der Rechte und Mitglied des Raths.“ 2 Bändchen. Dortmund 1795. Im Anschluß hieran erschien unter seiner Redaction, ohne daß diese jedoch auf dem Titel bemerkbar gemacht wäre, 1796 das „Magazin von und für Dortmund“ in vier Jahresheften, mit Aufsätzen Mallinckrodt's und Anderer zur Geschichte und Verfassung von Dortmund. Seit 1797 heißt der Titel „Magazin für Westfalen“, die Zahl der jährlichen Hefte steigt auf sechs, Plan und Mitarbeiterschaft erweitern sich. Seit 1799 erscheint der bekannte westfälische Historiker Weddigen, Pfarrer in Kleinbremen, als Mitherausgeber. Inzwischen hatte M. im Juli 1798 jene für das geistige Leben Nordwestdeutschlands auf Decennien hin so bedeutende Wochenschrift, den „Westfälischen Anzeiger“ ins Leben gerufen, dessen Redacteur er bis 1803 und im J. 1805 war. Anfang 1799 wurde er Theilhaber einer Verlagsbuchhandung zu Dortmund unter der Firma „Gebrüder Mallinckrodt", die 1816 an Wundermann überging. Er bemerkt jedoch 1813 in der weiter unten anzuführenden „Vernehmlassung“, daß er nur „stiller Gesellschafter einer Buchhandlung sei, deren er schon längst gern erledigt worden wäre“. In diesem Verlage erschien von ihm herausgegeben 1810 der Nachlaß des Pfarrers Möller zu Elsey bei Limburg a. d. Lenne und später der Nachlaß Seidenstücker's, ferner 1811 (anonym): „Beobachtungen und Ansichten. Kleine Beyträge für's praktische Leben“, 1811—13 drei Bauernkalender, 1814 „Vater Jakob, der reich gewordene Bauer“. Inzwischen war er 1803, als Dortmund durch den Reichsdeputationshauptschluß an Nassau-Oranien kam, von diesem Staate zum Regierungsrath zu Dortmund ernannt worden, und noch in einem vom 2. Juli 1815 datirten Flugblatte „An meine Mitbürger“ vertheidigt er sich gegen Verdächtigungen in Bezug auf diese Thätigkeit. Aus diesem Flugblatte geht zugleich hervor, daß er auch in der nachfolgenden Franzosenzeit in Dortmund in der Verwaltung thätig war und sich namentlich um die städtischen Finanzen Verdienste erworben hatte. Auch rühmt er sich hauptsächlich bewirkt zu haben, daß Dortmund Departementsstadt wurde. Auf sein Wirken in dieser Zeit beziehen sich ferner zwei andere Flugschriften: „Vernehmlassung des vormaligen Regierung- und Präfekturraths Dr. A. Mallinckrodt zu Dortmund in Beziehung auf die Verfügung des Herrn Vicepräsidenten des Tribunals zu Dortmund vom 30. August 1813“, d. d. 18. September 1813, und „Vernehmlassung auf den Erlaß des Herrn Vicepräsidenten Richter vom 20. October 1813“. Beide beziehen sich auf seine Thätigkeit als Anwalt ländlicher Grundbesitzer. Inzwischen war die große Katastrophe von 1813 eingetreten und die Ostermesse 1814 brachte von M. das erste Bändchen der Schrift „Was thun bei Deutschlands, bei Europas Wiedergeburt?" Er widmet dasselbe „den hohen Verbündeten des großen, ehrwürdigen Bundes für Wahrheit und Recht, für Menschen-, Bürger- und Staatenwohl mit dem freudigen Hochgefühl: Es wird besser werden in der Welt!“ Einige Hauptparagraphen dieser Schrift, deren Tendenz schon obige Widmung errathen läßt, hatte er schon unter dem 23. December 1813 als Broschüre unter gleichem Titel ausgehen lassen; ein zweites Bändchen erschien ebenfalls noch 1814, desgleichen „Versuchter Entwurf einer Landesgrundverfassung für Staaten deutschen Stammes“, Leipzig 1814. Im folgenden Jahre erschien: „Bemerkungen über Deutschlands Litteratur und Buchhandel“, Dortmund; 1817 „Berufung der Oeffentlichkeit an die Oeffentlichkeit“, Dortmund; „Preßfreiheit, Preußens Grundton"; 1818 „Zeitgegenstände, kleine Beyträge über Staatsverfassung und Staatsverwaltung“. — Bald nach der preußischen Occupation Dortmunds hatte ihn ein öffentlicher Protest gegen das Exerciren und Trommelschlagen der Truppen während des Gottesdienstes in einen Proceß mit dem General Thielmann verwickelt. Wahrscheinlich auf diesen Proceß bezieht sich die mir nicht zugängliche Schrift „Ein merkwürdiger Proceß in zwei Proceßakten“. Dortmund 1818. Im J. 1819 erschien „Ein Angriff der preußischen Staatszeitung und eine Vertheidigung in Aktenstücken. Ein Beytrag zur Geschichte der Zeit, insbesondere zur Verwaltung in derselben“, Jena. Der Angriff betraf eine Nachricht in dem Westfälischen, damals Rheinisch-Westfälischen, Anzeiger über einen Militärexceß; die Schrift enthält einen ausführlichen Briefwechsel über den Gegenstand zwischen M. und dem Geh. Staatsrath v. Stägemann in Berlin. „Endlich gehört noch diesen politischen Bestrebungen an die Schrift „Beredsamkeit ein Bedürfniß unsrer Zeit“, Jena 1819. Daneben war er in diesen Jahren auf seine ältesten Bestrebungen zurückgekommen, indem er 1816 in vier Jahresheften ein „Neuestes Magazin, der Geographie, Geschichte, Statistik, überhaupt der genauen Kunde Westfalens gewidmet“, Dortmund in der Wilh. Mallinckrodt'schen Verlagsbuchhandlung, herausgab. Hiervon scheint jedoch|nur dieser eine Jahrgang erschienen zu sein. Während der Jahre 1817—1819 versuchte er sich als juristischer Universitätslehrer, indem er sich als Privatdocent in Jena habilitirte. Dieser Wirksamkeit entstammen die Schriften „Leitfaden zu Vorlesungen über deutsches Privatrecht"; „Ueber Behandlung des deutschen Privatrechts"; „Umriß meiner Vorlesungen über praktisches Geschäftsleben“, sämmtlich Jena 1819. Im J. 1819 finden wir ihn vorübergehend als Redakteur des Neuen Rheinischen Merkur; dann zog er sich als Landwirth auf sein Gut Schwede bei Soest zurück. Hier schrieb er „Ueber Beredsamkeit überhaupt und über geistliche, Staats- und gerichtliche Beredsamkeit insbesondere“, Schwelm bei M. Scherz. 1821. Seine letzten Lebensjahre brachte er in seiner Vaterstadt Dortmund zu. In den aufgeführten Schriften tritt uns überall das Bild eines bedeutenden, kenntnißreichen Mannes von großer Thätigkeit und edelster Gesinnung entgegen, dessen Wirken, als nicht nur für seine nähere Umgebung bedeutend und segensreich, sondern auch für seine Zeit charakteristisch, eine eingehendere Erforschung und Darstellung verdienen möchte.

    • Literatur

      Eine kurze anonyme Skizze seines Lebens in: Neuer Nekrolog der Deutschen III. 2 (1825), Ilmenau 1827 S. 1472 ff. unter Nr. 175.

  • Autor/in

    Döring.
  • Empfohlene Zitierweise

    Döring, "Mallinckrodt, Arnold" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 141-143 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100199054.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA