Lebensdaten
1799 bis 1856
Geburtsort
Dortmund
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Industrieller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 137913796 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mallinckrodt, Gustav

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Zitierweise

Mallinckrodt, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137913796.html [07.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor (1774–1822), Handelsherr in D., Erbe d. Fa. Joh. Frdr. Mallinckrodt (1812 aufgelöst), mit s. Schwager Hermann Meininghaus Gründer d. Fa. Mallinckrodt u. Meininghaus, S d. Friedrich (1734–1814, s. Gen. 2);
    M Sophie (1777–1801), T d. Esaias Fabricius (1751–1824), Tuchfabr. u. Ältester d. luth. Gemeinde in Burscheid, u. d. Elisabeth v. Clermont;
    Ov Arnold (s. 2);
    - 1) Wehringhausen 1823 Henriette (1804–24), 2) ebd. 1827 Emilie (1809–84), beide T d. Georg Strohn (1763–1822), Lederfabr. u. Kaufm., u. d. Anna Maria Strohn; 1. Ehe kinderlos, 2 S, 1 T aus 2) Gustav v. M. (preuß. Adelsanerkennung 1902, 1829-1904), GKR, Großindustrieller in K.;
    E Gustav v. M. (1859-1939), Dr. iur., Industrieller, Mitglied d. Provinziallandtags (s. Rhdb., P).

  • Leben

    M. gehörte zu jenen prot. Unternehmern, die im zweiten Viertel des 19. Jh. nach Köln einwanderten und hier die Entwicklung des Wirtschaftslebens entscheidend prägten. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Dortmund bis zum Einjährigen, einer kaufmännischen Lehre in Lippstadt und einjähriger Tätigkeit als Commis in Lübeck begründete M. im November 1820 zusammen mit J. F. Voigt ein Commissions- und Speditionsgeschäft in St. Petersburg. 1823 trat er als Teilhaber in die von der Witwe des kurz zuvor verstorbenen Georg Strohn geführte Gerberei und Lederhandlung in Hagen-Wehringhausen ein und heiratete die ältere Tochter Henriette, die früh starb, danach deren Schwester Emilie. 1825 liquidierte M. die Wehringhauser Firma und vereinigte sie mit der von ihm mit Heinrich Vollmann wegen der günstigen Standortbedingungen in Krombach/Siegerland begründeten Sohllederfabrik. Mit ihr verband er sehr früh einen Wildhäutehandel, der die Siegerländer Gerbereien belieferte. 1836 veranlaßte ihn die fortschreitende Konzentration des Handels mit den vom La Plata eingeführten Wildhäuten, nach Köln überzusiedeln, wo sein Importgeschäft binnen kurzer Zeit große Bedeutung erlangte und dazu beitrug, daß die Stadt zu einem der wichtigsten europ. Wildhäuteumschlagplätze vor der Jahrhundertmitte wurde. Zugleich beteiligte sich M. an den unternehmerischen Initiativen, die von dem Kreis um Gustav Mevissen zur Entwicklung des Verkehrswesens, der Industrie und des Versicherungs- und Finanzwesens im rhein.-westfäl. Raum von Köln ausgingen. Seit 1844 wirkten beide im Direktorium der Rhein. Eisenbahn-Gesellschaft zusammen, wobei M. vor allem bei der Projektierung der Verbindung von Bonn nach Koblenz und Bingen hervortrat. Besonders fruchtbar war ihre Kooperation auf dem Gebiete des Bergbaus, bei dem sich Mevissens organisatorische Fähigkeiten mit dem technischen Fachwissen M.s verbanden, das dieser als Teilhaber an Siegerländer Berg- und Hüttenwerken erworben hatte. Seit 1845 wirkten sie bei der Begründung und dem Ausbau des Kölner Bergbau-Vereins zusammen, wobei M. in den ersten Jahren die technische Oberleitung übernahm. Mit dieser Unternehmung, die allerdings erst 1849 ihre endgültige Form erhielt, blieb die Familie M.s auch nach dessen Tod eng verbunden. Andere mit Mevissen projektierte Unternehmungen, wie z. B. die Begründung einer „Kölnischen Bank“, die der Bereitstellung von Kapital für Industrie, Handel und Landwirtschaft dienen sollte, waren dagegen angesichts der restriktiven staatlichen Konzessionspolitik vor der Märzrevolution zum Scheitern verurteilt.

    In der vormärzlichen politischen Bewegung des rhein. Wirtschaftsbürgertums, das auf liberale Reformen in Staat und Wirtschaft Preußens hinwirkte, stand M. neben Mevissen in vorderster Linie. Bereits 1841 hatte er zu den Mitbegründern der ersten Rhein. Zeitung gehört und gegen deren Unterdrückung durch die preuß. Regierung protestiert. Seit 1845 war er im Sinne der liberal-bürgerlichen politischen Bewegung vor allem im Siegerland tätig. Während der Revolutionsjahre stand M. im Lager des gemäßigt-liberalen Bürgertums, das eine freiheitliche politische und wirtschaftliche Entwicklung, den konstitutionellen Staat schließlich und die nationale Einigung unter preuß. Führung erstrebte. Das weitgehende Scheitern dieser Ziele sah er vor allem in der Politik der deutschen Fürsten und der demokratischrepublikanischen Bewegung begründet, doch übte er auch scharfe Kritik am liberalen Bürgertum, das, anstatt sich den Fürsten und der „Anarchie“ entgegenzustellen, um den Preis der Freiheit und Einigung Deutschlands ins Lager der Regierenden übergegangen sei. Die Möglichkeit, in einem parlamentarischen Amte politisch wirksam zu werden, erhielt M. erst nach dem Einsetzen der Reaktion in Preußen. 1850 wurde er für den Kreis Arnsberg in die Erste Kammer gewählt, blieb aber während seiner dreijährigen Abgeordnetentätigkeit mit den wenigen Gesinnungsgenossen zu völliger politischer Ohnmacht verurteilt.

    Seine letzten Lebensjahre waren daher wieder vorwiegend durch unternehmerische Aktivitäten bestimmt. Ende 1848 begründete M. zusammen mit seinem Vetter Moritz und seinem späteren Schwiegersohn Heinrich Heymann in Burscheid eine Tuchfabrik, die bis zu ihrer Liquidation 1859 reüssierte und für ihre Produkte öffentliche Anerkennung fand. Schon vorher war er mit Mevissen an der Umwandlung des vor dem Konkurs stehenden Bankhauses Abraham Schaaffhausen in eine Aktienbank mit der Funktion der Industrieförderung im westdeutschen Raum beteiligt. Sie sicherte vor allem die Kapitalbeschaffung für die Unternehmungen, die durch Mevissen und seinen Freundeskreis begründet wurden. M. war dabei an der Entstehung der Lebensversicherungsgesellschaft Concordia von 1852, der Köln. Maschinenbau-Aktiengesellschaft von 1855 und besonders an der Erschließung des Siegener Erzbergbaus durch mehrere Kapitalgesellschaften beteiligt. Von den Siegerländer Unternehmungen sollte er allerdings nur noch die Begründung des Köln-Müsener Bergwerksvereins 1856 erleben.

  • Literatur

    F. Zunkel, in: Rhein.-Westfäl. Wirtsch.biogrr. XII, 1986, S. 96-120 (P);
    H. C. Scheibler u. K. Wülfrath, Westdt. Ahnentafeln, 1939, S. 67-123 (P).

  • Autor/in

    Friedrich Zunkel
  • Empfohlene Zitierweise

    Zunkel, Friedrich, "Mallinckrodt, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 733 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137913796.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA