Lebensdaten
1783 bis 1857
Geburtsort
Greifenberg (Pommern)
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 100169252 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kastner, Karl Wilhelm Gottlob

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Kastner, Karl Wilhelm Gottlob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100169252.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Gottlob (1751–1829), Rektor in G., Feldprediger, dann Pfarrer in Swinemünde, S d. Stadtmaurermeisters Joh. Siegfried in G.;
    M Dorothea Juliane Susanne (1760-n. 1829), T d. Kaufm. u. Ratsherrn Joh. Joachim Laurens in G. u. d. Florentine Helene verw. Kayser geb. Müller;
    Ladenburg 1806 Franziska Susanne Charl. (1785-n. 1823), T d. Administrationsrats Philipp Christian Heddaeus in Heidelberg u. d. Christine Friederike Römer;
    5 K.

  • Leben

    K. absolvierte in Swinemünde die Apothekerlehre und studierte dann in Jena Chemie, wo er nach der Promotion zum Dr. phil. (1804) die venia legendi erhielt. 1805-12 war er Professor der Chemie in Heidelberg und 1812-18 in Halle, danach bis 1821 Professor der Chemie, Pharmazie und Physik in Bonn und von 1821 bis zu seinem Tode Professor der Chemie und Physik in Erlangen.

    Man könnte K., der schon durch seine Studienzeit in Jena eng mit der Romantik verbunden war, als den Hauptvertreter der „romantischen“, das heißt naturphilosophisch ausgerichteten Chemie in Deutschland bezeichnen. Er galt zu seiner Zeit als der bedeutendste deutsche Chemiker. Ihm lag daran, die Naturwissenschaften als Ganzes zu betrachten, und so beschränken sich weder seine Vorträge und Vorlesungen noch seine Forschungen auf die Chemie, sondern berühren auch andere Bereiche, insbesondere die Physik. Nach K. sollte gerade der Chemiker das enge Ineinandergreifen von Wissenschaft, Technik und Wirtschaft erkennen und fördern. – Aus dieser Betrachtungsweise der „Gesamtschau“, die ihm als einem der letzten noch möglich war, was sowohl seine breit angelegten Lehr- und Nachschlagebücher als auch seine programmatischen Forderungen ausweisen, leitet sich K.s eigentliche, über seine Zeit hinausreichende Bedeutung ab. Zudem war er ein mitreißender Lehrer und Redner, der noch in den 40er Jahren fast alle großen Vorträge über die Chemie im Rahmen der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte hielt. Daß sich sein Lehrgut bei zahlreichen Schülern, so zum Beispiel bei Liebig, wiederfindet, und daß sein Nachruhm in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts dennoch verblaßte und sein Wirken kritisiert wurde, läßt sich letzten Endes auf die von ihm selbst geforderte Weiterentwicklung der Chemie zurückführen. K., der als Freiwilliger an den Befreiungskriegen teilnahm, stellte Kriegerwitwen den Reinerlös seiner Zeitschrift „Der Teutsche Gewerbsfreund“ (Band 1-4, 1815-24) zur Verfügung.

  • Werke

    u. a. Btrr. z. Begründung e. wiss. Chemie, 2 Bde., 1806 f.;
    Grundriß d. Chemie, 1807;
    Grundriß d. Experimental-Physik, 2 Bde., 1809 f., 21820-22;
    Chem. Hdwb., 2 Bde., 1813;
    Grundzüge d. Physik u. Chemie, 1821, 21832 f.;
    Hdb. d. Meteorol., 3 Bde., 1821-25;
    Theorie d. Polytechnochemie, 2 Bde., 1827 f.;
    Hdb. d. angew. Naturlehre, 21 Lfgg., 1835–49. Hrsg.: Archiv f. d. gesamte Naturlehre (darin Archiv f. Chemie u. Meteorol. 1-9, seit 1830) 1-27, 1824-35;
    Berlin. Jb. f. d. Pharmacie 17-21 (zugl. Dt. Jb. f. d. Pharmacie 2-6), 1816-20.

  • Literatur

    ADB 15;
    R. Schmitz, Die dt. pharmazeut.-chem. Hochschulinstitute, 1969;
    O. Kratz, Betrachtungen z. Rolle d. Chemie auf d. Verslgg. Dt. Naturforscher u. Ärzte b. z. Gründung d. Dt. Chem. Ges., in: Wege d. Naturforschung 1822-1972 im Spiegel d. Verslgg. Dt. Naturforscher u. Arzte, 1972;
    Dt. Apotheker-Biogr. I,1975, S. 313 f.;
    Pogg. I.

  • Autor/in

    Otto Krätz
  • Empfohlene Zitierweise

    Krätz, Otto, "Kastner, Karl Wilhelm Gottlob" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 324 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100169252.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kastner: Karl Wilhelm Gottlob K., geb. am 31. October 1783 in Greifenberg in Pommern, am 13. Juli 1857 in Erlangen. Erst Pharmaceut, später, nachdem er in Jena studirt, Professor der Chemie in Heidelberg, Halle, Bonn und Erlangen. Hier war er geraume Zeit einer der anregendsten und beliebtesten Lehrer, wie überhaupt seine Bedeutung besonders auf diesem Gebiet zu suchen ist. In seinen Vorträgen umfaßte er die gesammten Naturwissenschaften, hauptsächlich Chemie und Physik. Er erfreute sich besonderer Verehrung der Jugend, auch hervorgerufen durch seine Theilnahme an den Freiheitskriegen. Er ist der Verfasser eines „Grundriß der Chemie“ (Heidelberg 1807), eines „Grundriß der Physik“ (ibid. 1809—1810), eines „Chemischen Handwörterbuchs“ (Halle 1813), eines „Handbuchs der Meteorologie“ (Erlangen 1821—25) etc. Ferner der Herausgeber des „Deutschen Gewerbsfreund“ (Halle 1815—1824), des „Archivs für die gesammte Naturlehre“ (Nürnberg 1824—1829), des „Archivs für Chemie und Meteorologie“ (Nürnberg 1830—1835).

    • Literatur

      Poggendorff, Biogr. Wörterbuch, I. 1231. Augsburger Allgem. Zeitung 1857 Nr. 199.

  • Autor/in

    Ladenburg.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ladenburg, Albert, "Kastner, Karl Wilhelm Gottlob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 15 (1882), S. 439 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100169252.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA