Lebensdaten
1604 bis 1676
Geburtsort
Butzbach (Hessen)
Sterbeort
Gießen
Beruf/Funktion
Professor der Theologie
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 100153003 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Haberkorn, Peter

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Zitierweise

Haberkorn, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100153003.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Althess., vorwiegend im Forstdienst tätige Beamtenfam. aus Allendorf;
    V Andreas (1574–1617), Schreinermeister in B., S d. Hermann ( 1613), aus Allendorf, Pfarrer in Wieseck;
    M Catharina (1575–1616), T d. Balthasar Braubach in B.;
    Marburg 19.8.1633 Elisabetha Cath. (1617–84), T d. Theologen Justus Feuerborn ( 1656, s. NDB V);
    11 K, u. a. Heinr. Peter (1639–1711), Oberappellationsgerichtsrat in Dresden, Prof. d. Rechte, Joh. Balthasar (1646–1706), Prof. d. Theol. in Erfurt, 1686 Gen.sup. in Güstrow, Katharina ( Johs. Scheibler, 1628–89, Prof. d. Theol. in G.).

  • Leben

    Früh elternlos, besuchte H. die Schule in Butzbach, von 1620 an das Gymnasium in Ulm. 1625 in Marburg immatrikuliert, erwarb er dort 1627 den Magistergrad. 1629 erhielt er ein Stipendium, vervollkommnete seine Ausbildung in Köln, Jena, Leipzig und Straßburg (1631) und wurde 1632 ordentlicher Professor der Physik in Marburg. 1633 zum D. theol. promoviert, kam er 1633 als Hofprediger Georgs II. nach Darmstadt. 1636 siedelte er mit dem Hof nach Gießen über; 1643 erfolgte seine Ernennung zum Superintendenten der Gießener Diözese. 1650 zum 2. ordentlichen Professor der Theologie in Gießen berufen, rückte H. nach dem Tode seines Schwiegervaters 1658 in die 1. theologische Professur auf. Er erhielt die Gießener Fakultät sowie die Landgrafschaft Hessen in der Treue zur lutherischen Orthodoxie. Als sprachenkundiger Wissenschaftler und bedeutender Kirchenmann, als Kenner der Philosophie und der lutherischen, reformierten, katholischen und rabbinischen Theologie, als großer Apologet lutherischen Glaubens gegenüber Juden (Judenkonvente), Katholiken (Rheinfelser Religionsgespräch von 1651), Kalvinisten, Schwärmern und dem Helmstedter Vermittlungstheologen G. Calixt gehört H. zu den „tüchtigsten hessen-darmstädter Theologen aller Zeiten“ (Diehl). In seiner Person begegnet uns eine Orthodoxie, die barocker Weltanschauung und Lebensstimmung verhaftet ist: der Mensch steht hier in Kämpferhaltung dem Leben gegenüber (W. Flemming). So ist auch der orthodoxe Theologe seines Glaubens nur im kämpferischen Einsatz gewiß. Die pietistische Polemik gegen H. („Der Feuerborn und Haberkorn, die haben die ganze Welt verworrn“) verkennt das Streben der lutherischen Orthodoxie.

  • Werke

    Dogmat.-apologet. Abhh., Dissertationen, Predigten s. Strieder V, S. 212-21, VI, S. 519, 523, IX, S. 386.

  • Literatur

    ADB X;
    H. Heppe, KG beider Hessen II, 1876, S. 213 ff.;
    Die Univ. Gießen 1607-1907, 1907, I, S. 273 f., 373, 429, II, S. 38, 256;
    W. Diehl, Hassia Sacra I, 1921, S. 223, II, 1925, S. 87-90;
    E. Kredel, Grabschrr. v. Gießener Univ.angehörigen, in: Nachrr. d. Gießener Hochschulges. 6, 1928, H. 3, S. 26 ff.;
    W. Flemming, Dt. Kultur im Za. d.|Barock, in: Hdb. d. Kulturgesch. I. Abt., Bd. 5, 1937;
    W. Philipp, Das Bild d. Menschheit im 17. Jh. d. Barock, in: Studium Generale 14, 1961, S. 721-42;
    H. Steitz, Gesch. d. Ev. Kirche in Hessen u. Nassau II, 1962, S. 151 ff.;
    W. J. Becker, Gießener Theologen, in: Hess. Heimat 14, 1963;
    Strieder V, S. 205-25;
    PRE;
    RGG.

  • Portraits

    Ludwigs-Univ.-Justus-Liebig Hochschule 1607-1957, 1957, S. 144 f. (Abb. d. Grabmals);
    Gem. (früher Univ. Gießen, Phot. ebd.).

  • Autor/in

    Karl Dienst
  • Empfohlene Zitierweise

    Dienst, Karl, "Haberkorn, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 390 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100153003.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Haberkorn: Peter H., eifriger Verfechter der lutherischen Orthodoxie im 17. Jahrh. — wahrscheinlich ein Abkömmling des alten fränkischen Adelsgeschlechts v. Haberkorn — war am 9. Mai 1604 zu Butzbach in der Wetterau als Sohn eines dortigen Schreinermeisters geboren. Da die Eltern frühzeitig starben, veranlaßte es der damalige Prediger zu Butzbach (nachheriger Superintendent zu Gießen) Joh. Dieterichs, daß der verwaiste Knabe nach Ulm zum Besuche des dortigen Gymnasiums geschickt wurde, dessen Rector der Bruder des Dieterichs war. Nach Beendigung der Gymnasialstudien besuchte H. seit 1626 die Universitäten Marburg, Leipzig und Straßburg und hielt sich dann schließlich noch, lediglich um die Streittheologie der Katholiken von diesen selbst zu erlernen, ein halbes Jahr in Köln auf. Im J. 1632 nach (dem damals im hessen-darmstädtischen Besitze befindlichen) Marburg zurückgekehrt machte er sich bald durch seinen mit großer Gelehrsamkeit gepaarten Feuereifer für das lutherische Dogma bemerklich, und erhielt infolge dessen 1633 die Stelle eines Hofpredigers zu Darmstadt. Hier erkannte Landgraf Georg II. die Bedeutung des Mannes und ernannte ihn daher im Januar 1643 zum Superintendenten in Gießen, sowie, als die hessen-darmstädtische lutherische Hochschule von Marburg nach Gießen zurückverlegt war, zum ordentlichen Professor der Theologie und der hebräischen Sprache an derselben. Von dieser Stellung aus lag nun H., um die Mauern Zions zu hüten, im ununterbrochenen Kampfe mit Papisten und Reformirten. So lange er lebte, galt daher die lutherische Kirche des Landes als wohlverwahrt. In den trostlosen synkretistischen Streitigkeiten, welche durch den Unionismus des großen Helmstädter Theologen Georg Calixt veranlaßt waren, spielte daher H. zwar eine hervorragende aber keine erfreuliche Rolle. In seinem Werke „Anti-Syncretismus“ führt H. aus, daß der Teufel selbst das Princip der die confessionellen Gegensätze mißachtenden Religionsmengerei sei. Wie zwischen Christus und Belial, Licht und Finsterniß, Wahrheit und Lüge, so sei auch zwischen lutherischer und reformirter Lehre keine Zusammenstimmung möglich. Haberkorn's Theilnahme an dem Religionsgespräch zu Rheinfels mit (reformirten und) katholischen Theologen war durchaus erfolglos, weil der zum Uebertritt zum Katholicismus schon vor dem Beginne des Gesprächs entschlossene Landgraf Ernst von Hessen-Rotenburg (von welchem dasselbe veranstaltet war) durch seine das Colloquium betreffenden Dispositionen dasselbe zu einer leeren Formalität gemacht hatte. H. — nach dem Tode seines Schwiegervaters Feuerborn (1658) Professor primarius der Gießener Facultät — starb im April 1676.

    • Literatur

      Vgl. Strieders Hess. Gelehrten-Lexikon Bd. IX, S. 205—211, wo auch seine Schriften aufgezählt sind.

  • Autor/in

    Heppe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heppe, Heinrich, "Haberkorn, Peter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 268 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100153003.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA