Lebensdaten
1732 bis 1795
Geburtsort
Preßburg
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Mineraloge
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 100132820 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fichtel, Johann Ehrenreich von
  • Fichtel, Ehrenreich von
  • Fichtel, Johann Ehrenreich von

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Zitierweise

Fichtel, Ehrenreich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100132820.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gottlieb Fichtl, k.k. Hptm.;
    1763 Eleonora (1740–1817), T d. Obereinnehmers Ernst Buch in Kronstadt;
    1 S, Leopold ( 1810), war im Auftrag d. k.k. Hof-Naturalien-Cab. als Sammler tätig u. Mithrsg. e. grundlegenden mikropaläontolog. Werkes.

  • Leben

    Nach Gymnasialstudien in Preßburg und an anderen Schulen Ungarns wandte sich F. den|Rechtswissenschaften zu. 8 Jahre arbeitete er in der Advokatur. Während dieser mit häufigen Reisen verbundenen Tätigkeit erwarb er sich eine gute Kenntnis seines Heimatlandes. 1759 trat er in Hermannstadt beim Wirtschaftsdirektorium der sächsischen Nation in Siebenbürgen ein und betätigte sich von nun an – mit einigen Unterbrechungen – in der Verwaltung des Großfürstentums, seit 1787 als siebenbürgenscher Gubernialrat. Je eine Reise führte F. durch Slavonien, durch das Littorale und in das kroatisch-türkische Grenzgebiet. – Wahrscheinlich durch seinen Freund, den Mathematiker und Mineralogen Johann Fridwalszky (†1784), Abt und Kanonikus zu Zips, angeregt, befaßte sich F. neben seinen Berufsgeschäften auch mit den Naturwissenschaften. Im Rahmen von Reisenotizen beschrieb er unter genauer Fundortangabe Fossilien, fertigte Tabellen an mit der Beschreibung vornehmlich vulkanischer und metamorpher Gesteine und gab genaue Aufzeichnungen über Nichterze und Erze, dabei besonders auf Salz- und Goldvorkommen eingehend. Als vortrefflicher und kenntnisreicher Beobachter – seine Sammlung war in bezug auf Golderze eine der damals vollständigsten der Monarchie – verfaßte er umfangreiche Arbeiten, die ihn zum Begründer der mineralogischen, geologischen und paläontologischen Erforschung des Gebietes Siebenbürgen-Karpaten machen.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. u. a. d. Ges. naturforschender Freunde zu Berlin.

  • Werke

    Btr. z. Mineralgesch. v. Siebenbürgen, 2 Bde., Nürnberg 1780;
    Mineralog. Bemerkungen v. d. Karpathen, 2 Bde., Wien 1791/94, 21816;
    Nachr. v. e. in Ungarn neu entdeckten ausgebrannten Vulkan, Berlin 1793;
    Mineralog. Aufsätze, Wien 1794.

  • Literatur

    ADB VI;
    M. J. Ackner, in: Mineral. Siebenbürgens, Vorwort S. 4, Hermannstadt 1855;
    J. L. Neugeboren, in: Geschichtliches üb. d. siebenbürg. Paläontol. u. d. Lit. derselben, in: Archiv d. Ver. f. siebenbürg. Landeskde., NF III, 3. H., Kronstadt 1859, S. 431-64;
    K. A. v. Zittel, in: Gesch. d. Geol. u. Paläontol., 1899, S. 127 ff.;
    Meusel. Verstorb. Schriftst. III;
    Ersch-Gruber I, 43;
    Nouv. Biogr. 17;
    Wurzbach IV;
    Pogg. I. – Zu S Leopold: L. J. Fitzinger, in: Gesch. d. k.k. Hof-Naturalien-Cab. z. Wien, in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien, math.-naturwiss. Kl., 57, 1. Abt., 1868, bes. S. 1040 f., 1064 (W) u. ö.;
    K. A. V. Zittel, in: Gesch. d. Geol. u. Paläontol., 1899, S. 796;
    H. Küpper, Österreichs Btrr. z. Entwicklung d. Mikropaläontol., in: Erdölzs. 75, 1959, H. 5, S. 114-21;
    – zu J. Fridwalszky:
    Pogg. I;
    Wurzbach IV.

  • Autor/in

    Martin Kirchmayer
  • Empfohlene Zitierweise

    Kirchmayer, Martin, "Fichtel, Ehrenreich von" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 125 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100132820.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fichtel: J. Ehrenreich v. F., österreichischer und siebenbürgischer Staatsbeamter und ausgezeichneter Mineraloge, geb. 29. Sept. 1732 zu Preßburg im Königreich Ungarn; gest. zu Wien 4. Febr. 1795, verlor frühe seinen Vater, erhielt aber dessen ungeachtet eine sorgfältige Erziehung und studirte theils an dem Gymnasium seiner Vaterstadt, theils an andern Mittelschulen Ungarns. Nach absolvirten Gymnasialstudien wandte er sich den Rechtswissenschaften zu und widmete sich sodann der Advocatur, die er auch durch acht Jahre ausübte.

    Eine Reise nach Siebenbürgen wurde für ihn die Veranlassung, eine Anstellung in Hermannstadt zu suchen, welche ihm auch im J. 1759 bei dem eben errichteten Wirthschaftsdirectorium der sächsischen Nation zu Theil wurde, wo er Actuar ward. Nach einander diente F. hierauf seit 1762, wo dieses Directorium aufgehoben wurde, abwechselnd in Wien und Hermannstadt und seit 1787 bleibend in Siebenbürgen als Gubernialrath, als damals das Thesaurariat und die Kammer in Siebenbürgen in das vereinigte Gubernium verwandelt wurde.

    Als siebenbürgischer Gubernialrath machte er im Auftrage des Kaisers Joseph II. im Mauthgeschäfte zwei große Reisen durch Slavonien und das Litorale. Die Herstellung der alten Landesverfassung nach dem Tode des Kaisers Joseph alterirte Fichtel's amtliche Stellung in Siebenbürgen nicht. Eine amtliche Reise, welche F. im J. 1794 im October und November bei schlechter Witterung in das kroatisch-türkische Grenzrevier zu machen hatte, legte durch ihre Anstrengungen bei gänzlicher Entbehrung jeglicher Bequemlichkeit den Grund zu einer Krankheit, welche sein Ende beschleunigte, das am 4 Febr. 1795 in Wien erfolgte. Aus dieser Verwendung Fichtel's im Staatsdienste läßt sich entnehmen, wie groß das Vertrauen war, welches man in sein Talent, in seinen Scharfblick und in seine Redlichkeit setzte.

    Leider waren es, wie er selbst schreibt (Vorbericht zu der „Nachricht von den Versteinerungen des Großfürstenthums Siebenbürgen“ S. 11) nur flüchtige Mußestunden, welche er daneben zur Erweiterung der siebenbürgischen Landeskunde in mineralogischer Hinsicht — einer Richtung auch von großem volkswirtschaftlichem Interesse — verwenden konnte und durfte. Zur Hälfte des vorigen Jahrhunderts lagen in Ungarn und noch mehr in Siebenbürgen die Kenntniß der Natur und naturwissenschaftliche Studien gänzlich darnieder (Vorbericht Fichtel's S. 5 f. u. S. 12); in dieser Richtung wurde F. bahnbrechend. Sein Sammeleifer fand stets neue Befruchtung durch immer währenden wissenschaftlichen Verkehr mit den berühmtesten deutschen Mineralogen damaliger Zeit. Zum Sammeln hatte nun freilich niemand bessere Gelegenheit als F., da ihn seine häufigen Dienstreisen in Ungarn und Siebenbürgen gerade in solche Gegenden führten, die durch Mineralreichthum sich auszeichneten. Fichtel's Bemühungen um die Mineralogie|und Geognosie Siebenbürgens insbesondere fanden in Deutschland die wärmste Anerkennung. Im J. 1775 ernannte ihn die Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin zu ihrem Ehrenmitgliede und dieser ihm zu Theil gewordenen Anerkennung verdanken wir sein Hauptwerk, indem er dadurch zur Abfassung seines „Beitrages zur Mineralgeschichte“ von Siebenbürgen veranlaßt wurde (Vorbericht Fichtel's S. 11), in deren erstem Theil Nachricht von den siebenbürgischen Versteinerungen, in einem Anhange eine Beschreibung des Berges Büdösch und endlich eine allgemeine Tabelle der siebenbürgischen Mineralien und Fossilien, und im zweiten eine Geschichte des Steinsalzes und der Salzgruben in Siebenbürgen gegeben wird. Dieser Ernennung folgte im J. 1781 die zum Mitgliede der ökonomischen Societät zu Leipzig und der Societät der Bergkunde.

    Fichtel's Verdienst um die siebenbürgische Paläontologie ist von dem Unterzeichneten in dem Aufsatz „Geschichtliches über die siebenbürgische Paläontologie“ (Archiv des Vereins für siebenb. L.-Kunde, N. Folge, Bd. 3) eingehend gewürdigt. In der That ist F. als der Vater der siebenbürgischen Paläontologie zu betrachten; er hat das von ihm geordnete und nach Localitäten beschriebene Material bei weitem zum größten Theile selbst gesammelt, in der Angabe und Beschreibung der Oertlichkeiten, wo Funde gemacht wurden, ist er so genau, daß man nach seinen Angaben dieselben auch heute auffinden kann.

    Im Druck erschienen folgende Schriften von ihm: „Beitrag zur Mineralgeschichte von Siebenbürgen“, 2 Thle. 1780. 4. a. Nachricht von den Versteinerungen des Großfürstenthums Siebenbürgen. b. Geschichte des Steinsalzes und der Salzgruben im Großfürstenthum Siebenbürgen; „Mineralogische Bemerkungen über die Karpathen“, 2 Thle. 1791 und 1794, 2. Aufl. 1816, mit einer Karte; „Mineralogische Aufsätze“, 1794; „Nachrichten von einem in Ungarn entdeckten ausgebrannten Vulcan“, 1793, zuvor in den Schriften der Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin (IX. Bd. 1. St.) abgedruckt. Ob es unser F. war, der mit J. P. C. Moll die „Testacea microscopica aliaque minuta ex generibus Argon. et Nautili delineata et descripta“ beschrieb, die in Wien 1803 in 4. mit 24 Tafeln erschienen, bleibt zweifelhaft, da dieser Mitherausgeber sich nach Heinrich G. Bronn (Nomenclator palaeontologicus p. XLII) nicht J. E. F. sondern L. F. schrieb.

    • Literatur

      Schlichtegroll's Nekrolog auf das J. 1795, 2. Bd. S. 346. — Allgem. Litteraturzeitung 1795, Intelligenzblatt Nr. 33. —
      Meusel, Lexikon. —
      Ersch und Gruber, Encyklopädie, 1. Sect. 43. Th. S. 476. —
      Oesterr. National-Encyklopädie (von Graeffer und Czikann), 2. Bd. S. 137. — Wurzbach, Biogr. Lex.

  • Autor/in

    Neugeboren.
  • Empfohlene Zitierweise

    Neugeboren, Johann Ludwig, "Fichtel, Ehrenreich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 771-772 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100132820.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA