Lebensdaten
1771 bis 1810
Geburtsort
Rostock
Sterbeort
Rostock
Beruf/Funktion
Altphilologe ; lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 100098959 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dahl, Johann Christian Wilhelm
  • Dahl, J. C. G.
  • Dahl, J. C. W.
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Zitierweise

Dahl, Johann Christian Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100098959.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Rostocker Handwerkerfamilie;
    V Joachim (od. Joh.) Frdr.;
    M Kath. Dorothea Cramer;
    1808 Friederika Sophia Maria, T des Prof. der Theol. Johann Christian Petersen ( 1806); kinderlos.

  • Leben

    Durch Gymnasialunterricht (H. J. Lasius) vorwiegend in klassischen Sprachen ausgebildet, lernte D. mit starker Sprachbegabung auch moderne Sprachen. 1788-92 trieb er in Rostock weitgespannte Studien klassischer Philologie, Geschichte, Mathematik, Orientalistik bei O. G. Tychsen und Theologie bei Chr. D. A. Martini und J. Kasp. Velthusen. 1791 publizierte er den Rostocker Pergamentkodex mit Texten von Sallust und Eutropius. 1792 bis 1793 hörte er in Jena, 1793/94 bei K. F. Eichhorn in Göttingen. Nach der theologischen Abschlußprüfung widmete D. sich bis 1795 im Elternhaus wissenschaftlichen Studien (Amos), war dann zwei Jahre Hauslehrer in Güstrow und habilitierte sich nach Rückkehr in Rostock für klassische Philologie. Dem 1798 zum Magister Promovierten wurde 1802 die Professur für Griechische Sprache und Literatur übertragen. Nach Martinis Fortgang wurde er 1804 ordentlicher Professor in der Theologischen Fakultät (1807 D. theol. daselbst). Sein früher Tod wird wohl mit Recht auf Überarbeitung und Überanstrengung zurückgeführt. - D. verbindet große geistige Weite mit unermüdlicher, nicht immer Zersplitterung vermeidender Strebsamkeit und starker geistiger Begabung. Die klassisch-philologische Schulung ließ ihn in biblischer Exegese auf die Versionen der Bibel zurückgreifen. Als Bibelforscher ist D. streng historisch-kritisch eingestellt und zeigt in modern anmutenden Gedanken und Formulierungen starken Sinn für die historische Bedingtheit biblischer Aussagen. Nach Einrückung in die Theologische Fakultät engte er seine philologische Arbeit auf Philo und Josephus ein, für letzteren eine vollständige Übersetzung planend. In praktisch-theologischen Fragen ist er gemäßigter Rationalist, dessen religiöses Sensorium die Eigenart des biblischen Wunders anerkennt und den Nützlichkeitsstandpunkt der rationalistischen Predigt verwirft. 1807 Mitglied des Konsistoriums geworden, widmete er sich nüchterner und tapferer Behandlung von Kirchenführungsproblemen. Seine Bedeutung liegt, abgesehen von der exegetischen Leistung, die um 1850 noch anerkannt war, nicht so sehr in dem Reichtum originaler, lange nachwirkender Gedanken als vielmehr in der typischen Repräsentation der allgemein-geistigen, theologischen und kirchlichen Situation seiner Zeit, der auch das Streben nach umfassender Bildung und Leistung zu eigen ist.

  • Werke

    Amos, neu übers. u. erl., Göttingen 1795;
    Observationes philologicae atque criticae ad quaedam prophetarum minorum loca, subjuncta vernacula Chabacuci interpretatione, Neustrelitz 1798;
    Sallusts Catilina, hrsg. 1800;
    Chrestomathia Philoniana, 1800/02;
    Animadversiones criticae in Taciti Agricolam, 1802;
    Theocriti carmina, 1804;
    De authentia epistolarum Petrinae posterioris atque Judae, Diss. Rostock 1807;
    Versuch einer kirchl. Statistik, 1809;
    Lehrb. d. Homiletik, 1811 (hrsg. v. J. B. Krey).

  • Literatur

    ADB IV;
    Autobiogr. Darst. (lat.) in d. Widmungsschr. v. Ziegler, „De sensu nominis epistolarum catholicarum“ anläßl. der Doktorpromotion, 1807 (W-Verz.);
    J. B. Krey, in: Vorrede z. Hdb. d. Homiletik, 1811 (Biogr. Bemerkungen, W-Verz.);
    ders., Andenken an d. Rostockschen Gelehrten a. d. letzten 3 Jhh., 1816, 8. Stück, S. 55 ff. (durch Mitt. persönl. Erinnerungen wertvoll; Angabe d. Signa, die D. bei Rezensionen verwendete);
    ders., Die Rostockschen Theologen seit 1523, 1817, S. 61 ff. (Angabe d. v. D. gehaltenen Vorlesungen, W-Verz.);
    J. Ph. Gabler, Journal f. auserles. theol. Lit. 1804-11, V, S. 662;
    K. Schmaltz, KG Mecklenburgs, 1952, S. 235 f.

  • Autor/in

    Hans Bardtke
  • Empfohlene Zitierweise

    Bardtke, Hans, "Dahl, Johann Christian Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 477 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100098959.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dahl: Johann Christian Wilhelm D., geb. 1771 zu Rostock, 1802 daselbst Professor der classischen Philologie, 1804 Professor der Theologie, 1807 Consistorialrath, 1810 (Pierer, Universallexikon VII, 54). In seinen „Observationes philol. atque crit. ad quaedam prophet. min. loca“, 1798 und in seinem „Amos“ neu übersetzt und erläutert, 1795 erwies er sich als Vertreter einer freieren historisch-grammatischen Auslegungsmethode. Er fand zuerst die richtige Zeitbestimmung der Weissagungen des Amos, indem er (Einl. S. 6 ff.) zeigte, daß in 2. Kön. 15 wahrscheinlich ein Fehler der Zahl stecke und daher die Angabe 2. Kön. 14, 23 den Vorzug verdiene und sonach Usia im 15. Jahr Jerobeams zur Regierung gekommen sei, welcher Ansicht Hitzig und Ewald beigetreten sind. — Zweifelhafter sind seine Untersuchungen über die Anordnung der Orakel (S. 16 ff.). Bekannt ist auch seine „Chrestomathia Philoniana“, Hamburg 1800, 2 Bde., welche die historischen Schriften Philo's umfaßt (nach Delaunay Philon d'Alexandrie, Paris 1867, S. 72, ist sie sogar ins Französische übersetzt worden). — Von philologischen Arbeiten erschienen: Sallust's „Catilina“, 1800, „Animadversiones in Taciti Agricolam“, 1802, Theokrit's Idyllen 1804. — In Meyer's Gesch. der Schrifterklärung V, 740 werden Untersuchungen über das Verhältniß des Judasbriefes zum zweiten Brief Petri erwähnt und bei Meusel, Gel. Teutschl., Bd. X, S. 562 ein „Versuch einer kirchlichen Statistik der herzogl. mecklenb.-schwerin.-güstrow'schen und mecklenb.-strelitz. Länder etc.“, 1809.

  • Autor/in

    Siegfried.
  • Empfohlene Zitierweise

    Siegfried, "Dahl, Johann Christian Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 691 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100098959.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA