Wolff, Emmy

Lebensdaten
1890 – 1969
Geburtsort
Bernburg an der Saale
Sterbeort
Haslemere (Surrey, England)
Beruf/Funktion
Frauenrechtlerin ; Sozialpädagogin ; Wohlfahrtspflegerin ; Publizistin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 117449954 | OGND | VIAF: 313232078
Namensvarianten

  • Wolf, Emmy
  • Wolff, Emmy
  • Wolf, Emmy

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Zitierweise

Wolff, Emmy, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117449954.html [17.01.2026].

CC0

  • Wolff, Emmy (auch Wolf)

    1890 – 1969

    Frauenrechtlerin, Sozialpädagogin, Wohlfahrtspflegerin, Publizistin

    Emmy Wolff war eine bedeutende Vertreterin der bürgerlichen Frauenbewegung in der Weimarer Republik. Sie hatte zentrale Positionen in sozialen sowie pädagogischen Bereichen inne und engagierte sich – auch publizistisch – in der Ausbildung von Frauen für die soziale Arbeit und Wohlfahrtspflege.

    Lebensdaten

    Geboren am 25. Dezember 1890 in Bernburg an der Saale
    Gestorben am 9. November 1969 in Haslemere (Surrey, England)
    Grabstätte Brookwood Cemetery (Zentralfriedhof) in Woking (Surrey, England)
    Konfession jüdisch
  • 25. Dezember 1890 - Bernburg an der Saale

    - bis 1904

    Schulbesuch

    Höhere Töchterschule

    - bis ca. 1910 - Schweiz

    Schulbesuch

    École Supérieure

    1915 - 1918 - Leipzig

    Ausbildung zur Jugendpflegerin

    Hochschule für Frauen

    1919 - 1920 - München

    Studium der Sozialwissenschaften

    Universität

    1920 - 1922 - Frankfurt am Main

    Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Abschluss: Diplom für Sozial- und Verwaltungsbeamte)

    Universität

    1924 - Frankfurt am Main

    Promotion (Dr. rer. pol.)

    Universität

    1925 - 1933 - Berlin-Charlottenburg

    Lehrerin für Wohlfahrtspflege sowie Kinder- und Jugendliteratur

    Jugendheim

    1927 - 1933 - Berlin

    Redakteurin

    Die Hilfe (Zeitschrift)

    1927 - 1931 - Berlin

    Geschäftsführerin; Herausgeberin der Jahrbücher

    Bund Deutscher Frauenvereine

    1928 - 1933 - Berlin

    Dozentin für Sozialpädagogik

    Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit

    1930 - 1933 - Berlin

    Lehrerin

    Wernerschule des Roten Kreuzes

    1933

    Verlust aller Ämter und Lehrtätigkeiten aufgrund der NS-Rassengesetze

    1935 - 1956 - Haslemere (Surrey, England)

    Emigration; Schulleiterin mit Hilde Lion (1893–1970); Lehrerin für Deutsch, Französisch und Literatur

    Stoatley Rough School (Internatsschule für deutsche Flüchtlingskinder)

    9. November 1969 - Haslemere (Surrey, England)

    Wolff wuchs in einer jüdischen Familie des gehobenen Bürgertums in Bernburg an der Saale auf und besuchte bis 1904 eine Höhere Mädchenschule sowie anschließend eine École supérieure in der Schweiz. 1911 schrieb sie sich gegen den Willen ihres Vaters an der im selben Jahr von Henriette Goldschmidt (1825–1920) gegründeten Hochschule für Frauen in Leipzig ein und absolvierte eine Ausbildung zur Wohlfahrtspflegerin.

    1919 nahm Wolff ein Studium der Sozialwissenschaften in München auf und übersiedelte 1920 nach Frankfurt am Main, um Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Sozialpolitik zu studieren. Sie engagierte sich während ihres Studiums für Frauenvereine und Jugendorganisationen, u. a. als Geschäftsführerin des Hauptverbands Bayerischer Frauenvereine. 1924 wurde Wolff mit der von Christian Jasper Klumker (1868–1942) betreuten Studie „Ein Mädchenklub und der Herkunftskreis seiner Mitglieder. Ein Beitrag zum Problem der Erfassung schulentlassener weiblicher Jugend durch die Jugendpflege“ zur Dr. rer. pol. promoviert.

    1925 übersiedelte Wolff nach Berlin und wurde im selben Jahr persönliche Referentin der Führungspersönlichkeit im Bund Deutscher Frauenvereine (BDF), Gertrud Bäumer (1873–1954). Von 1927 bis 1931 war Wolff Geschäftsführerin des BDF, redigierte die Verbandszeitschrift „Die Hilfe“ und gab das „Jahrbuch der Frauenbewegung“, das Publikationsorgan des BDF, heraus. Wolffs Publikationen – erschienen v. a. in der von Bäumer herausgegebenen, bürgerlich-gemäßigten Zeitschrift „Die Frau“ – umfassten Frauenporträts, Gedichte, Tagungsberichte sowie fachliche Texte, etwa zu den Themen Familie, Jugend sowie Mütter- und Arbeiterinnenschutz. Wolffs frauenbewegtes Engagement wandte sich v. a. an Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse; zu ihren Hauptforderungen gehörte die Einführung einer sozialen Mutterschutzgesetzgebung.

    Seit 1925 bildete Wolff als Dozentin am Sozialpädagogischen Seminar Anna von Gierkes (1874–1943) Frauen im Bereich der Wohlfahrtspflege aus. Parallel dazu unterrichtete sie an der Sozialen Frauenschule in Berlin, an der Werner-Schule des Roten Kreuzes sowie an der Deutschen Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit, an der auch Hilde Lion (1893–1970) arbeitete, die um 1925 Wolffs Lebensgefährtin wurde.

    Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 verlor Wolff aufgrund der NS-Rassengesetze alle Ämter. 1935 emigrierte sie nach England, wo sie bis 1956 mit Lion die interkonfessionell und international ausgerichtete Stoatley Rough School in Haslemere (Surrey) leitete, die als Internat für deutsche Flüchtlingskinder fungierte. Bis 1938 bereisten beide Frauen mehrmals Deutschland, um die Emigration von Kindern nach England zu organisieren.

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Universitätsarchiv Frankfurt am Main, Abt. 156 Nr. 1008. (Promotionsakte)

    Ida-Seele Archiv, Dillingen an der Donau. (Korrespondenz)

    Archiv der London School of Economics and Political Science, Library School. (Schulakten)

    Monografien:

    Ein Mädchenklub und der Herkunftskreis seiner Mitglieder. Ein Beitrag zum Problem der Erfassung schulentlassener weiblicher Jugend durch die Jugendpflege, 1924. (ungedr. Diss. rer. pol., Frankfurt am Main)

    Frauengenerationen in Bildern, 1928.

    Aufsätze und Artikel:

    Die sozialen Jugendgemeinschaften, ihr Werden und ihr Ziel, in: Die Frau 28 (1920), S. 65–70.

    Von Köln bis Corvey. Rückschau und Überblick, gelegentlich der Zusammenkunft des „Neuen Kreises für Frauenfragen“ in Corvey, in: Die Frau 30 (1922/23), S. 46‒52.

    Studentinnen im Tagesroman von heute, in: Die Frau 36 (1928), S. 482.

    „Frauen in Not“. Betrachtungen zu einer Kunstausstellung, in: Die Frau 39 (1931), S. 99–104.

    Die Frau im Deutschen Volk. Gesamteindruck der Ausstellung, in: Die Frau 40 (1932), S. 421–432.

    Hymnen an die Einsamkeit, in: Der Morgen. Monatszeitschrift der deutschen Juden 11 (1935/36), H. 11, S. 490.

    Peter Reinicke, Die Deutsche Akademie für pädagogische und soziale Frauenarbeit und ihre Jahreskurse, in: Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit 3 (1987), S. 210‒222.

    Sigrid Dauks, Das „Frauenstudium“ in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zwischen 1890 und 1933 am Beispiel der Pädagogin Emmy Wolff, in: Elisabeth Dickmann (Hg.), Politik und Profession. Frauen in Arbeitswelt und Wissenschaft um 1900, 1996, S. 121–152.

    Manfred Berger, Art. „Wolff, Emmy“, in: Hugo Maier (Hg.), Who is who in der Sozialen Arbeit, 1998, S. 367 f.

    Manfred Berger, Art. „Wolff, Emmy, Dr. rer. pol.“, in: Eva Labouvie (Hg.), Frauen in Sachsen-Anhalt. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon vom 19. Jahrhundert bis 1945, Bd. 2, 2019, S. 452 f.

    Sabine Toppe, Emmy Wolff, in: Digitales Deutsches Frauenarchiv, 2024. (P) (Onlineressource)

  • Autor/in

    Mette Bartels (Kassel) / Tamara Block (Kassel)

  • Zitierweise

    Bartels, Mette / Block, Tamara, „Wolff, Emmy“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117449954.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA