Lebensdaten
1729 – 1819
Geburtsort
Sundwig (Hemer, Grafschaft Mark, Preußen)
Sterbeort
Brüssel Paris
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Bankier ; Händler ; Kaufmann ; Reeder
Konfession
evangelisch-reformiert
Normdaten
GND: 1109772238 | OGND | VIAF: 136147095014025080416
Namensvarianten
  • Romberg, Johann Bernhard Friedrich
  • Romberg, Friedrich Baron von Romberg; Romberg, Friedrich
  • Romberg, Friedrich von
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Zitierweise

Romberg, Friedrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1109772238.html [27.02.2024].

CC0

  • Friedrich von Romberg war der wohl erfolgreichste deutschstämmige Unternehmer des 18. Jahrhunderts, dessen geschäftlicher Aufstieg in den österreichischen Niederlanden in der zweiten Jahrhunderthälfte europaweit als spektakulär empfunden wurde. Sein intensives Engagement im transatlantischen Sklavenhandel in den 1780er Jahren führte zum Niedergang seiner Firma und trug vermutlich dazu bei, dass er kaum in der Erinnerungskultur Belgiens oder Deutschlands präsent ist.

    Lebensdaten

    Geboren am 5. August 1729 in Sundwig (Hemer, Grafschaft Mark, Preußen)
    Gestorben am 1819 in Brüssel oder Paris
    Konfession evangelisch-reformiert
    Friedrich von Romberg (InC)
    Friedrich von Romberg (InC)
  • Lebenslauf

    5. August 1729 - Sundwig (Hemer, Grafschaft Mark, Preußen)

    um 1740 - um 1750 - Iserlohn

    Lehre

    Fa. Johann Heinrich Kissing Co.

    um 1750 - 1755 - Augsburg

    Angestellter

    1755 - Brüssel

    Auswanderung; Firmengründung

    Frères Romberg, ab 1779 Romberg & fils

    1766 - Brüssel

    Erhalt des Transitoktroi für Ostende – Luxemburg

    1768/70 - Stephanopel (Hemer, Grafschaft Mark, Preußen, heute Märkischer Kreis)

    Beteiligung

    Garnbleiche des Johann Theodor Lürmann (1734–1788)

    1766 - 1778 - Brüssel

    Expansion der Geschäftstätigkeit auf Spedition, europäischen Seehandel, Finanzgeschäfte

    Frères Romberg

    1780 - Gent (Österreichische Niederlande, heute Belgien)

    Gründung einer Transportfirma für den Landhandel nach Frankreich

    Romberg & Consors

    1780 - Tervuren (Österreichische Niederlande, heute Belgien)

    Erwerb einer Kattundruckerei

    Romberg, Basse, Schaveye

    1780 - 1782 - Nordwestfrankreich

    intensive Transporttätigkeit für Frankreich (Seekriegsmaterial, Salz, Tabak)

    1782 - Brügge (Österreichische Niederlande, heute Belgien)

    Errichtung der ersten Seeversicherung in den österreichischen Niederlanden

    1782 - 1810 - Machelen (Österreichische Niederlande, heute Belgien)

    Erwerb des Schlosses Beaulieu

    1783 - Bordeaux (Frankreich)

    Gründung einer Kolonialhandelsfirma

    Romberg, Bapst & Cie.

    1784 - Wien

    Baron

    1786 - Brüssel

    Aufbau einer weiteren Kattundruckerei

    Chartreuse

    1786 - 1789 - Brüssel

    Einsatz gegen Verschärfung Transitregularien in den österreichischen Niederlanden

    1788 - Brüssel

    erste Deklaration der Zahlungsunfähigkeit

    Romberg & fils

    1793 - Bordeaux

    Beginn des Insolvenzverfahrens der im Kolonialhandel spezialisierten Tochterfirma

    Romberg, Bapst & Cie.

    1794 - 1797 - Brüssel

    Heereslieferant

    Sambre- und Maas-Armee

    1797 - Brüssel

    Rückzug aus dem Geschäft; Übernahme der Firma durch den ältesten Sohn

    Romberg & fils

    1800 - Emden

    gescheiterter geschäftlicher Neuanfang als Spediteur für Preußen

    1810 - 1811 - Brüssel

    Zwangsverkauf von Beaulieu; zeitweise Schuldhaft

    1819 - Brüssel Paris
  • Genealogie

    Vater Johann Romberg 1675–1779 Holzrichter in Hemer, lokaler Unternehmer; wahrscheinlich illegitimer Spross der gleichnamigen lokalen Adelsdynastie
    Mutter Elisabeth Romberg-Habich 1688–1768 aus Schwerte
    Schwester Josina-Wilhelmina Romberg geb. 1718
    Bruder Friedrich Arnold Romberg 1716–1796 aus Sundwig, Bürgermeister in Arnsberg
    Bruder Johann Carl Luther Edmund Romberg geb. 1721
    Bruder Johann Arnold Ernst Romberg 1723–1753
    Bruder Wienold Gaspar Romberg geb. 1726
    Bruder Johann Christian Wienold Romberg 1732–1779 wanderte mit Friedrich Romberg 1755 nach Brüssel aus und begründete dort mit ihm Frères Romberg
    1. Heirat 12.7.1759 in Brüssel
    Ehefrau Sophie Luise Huyssen 1735–1785
    Schwiegervater Heinrich Huyssen 1690–1757 Unternehmer in Essen
    Schwiegermutter Maria Christina von Außem 1700–1782
    Sohn Jean François Frédéric Chrétien Romberg 1760–1809
    Sohn Henri Dietrich Bernard Romberg 1762–1784
    Sohn Ferdinand Louis Adolphe Romberg 1764–1787
    Tochter Jeanne-Catherine Romberg geb. 1767 kurz nach Geburt verstorben
    Tochter Hélène-Louise Romberg geb. 1775 kurz nach Geburt verstorben
    2. Heirat 26.5.1799 in Machelen
    Ehefrau Marie-Thérèse Buot 1770–1820
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Romberg, Friedrich von (1729 – 1819)

    • Vater

      Johann Romberg

      1675–1779

      Holzrichter in Hemer, lokaler Unternehmer; wahrscheinlich illegitimer Spross der gleichnamigen lokalen Adelsdynastie

      • Großvater väterlicherseits

      • Großmutter väterlicherseits

    • Mutter

      Elisabeth Romberg-Habich

      1688–1768

      aus Schwerte

      • Großvater mütterlicherseits

      • Großmutter mütterlicherseits

    • Schwester

      Josina-Wilhelmina Romberg

      geb. 1718

    • Bruder

      Friedrich Arnold Romberg

      1716–1796

      aus Sundwig, Bürgermeister in Arnsberg

    • Bruder

      Johann Carl Luther Edmund Romberg

      geb. 1721

    • Bruder

      Johann Arnold Ernst Romberg

      1723–1753

    • Bruder

      Wienold Gaspar Romberg

      geb. 1726

    • Bruder

      Johann Christian Wienold Romberg

      1732–1779

      wanderte mit Friedrich Romberg 1755 nach Brüssel aus und begründete dort mit ihm Frères Romberg

    • 1.·Heirat

      in

      Brüssel

      • Ehefrau

        Sophie Luise Huyssen

        1735–1785

    • 2.·Heirat

      in

      Machelen

      • Ehefrau

        Sophie Luise Huyssen

        1735–1785

  • Biografie

    Romberg wurde nach Abschluss der Elementarschule um 1740 Lehrling beim Handelshaus Kissing in Iserlohn und in der Folge Angestellter bei dem Kattunfabrikanten Johann Heinrich Schüle (1720–1811) in Augsburg. 1755 wanderte er nach Brüssel aus, wo er mit seinem jüngeren Bruder die Firma „Frères Romberg“, ab 1779 „Romberg & fils“, gründete. Im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens florierte die Firma durch den Handel mit Nürnberger Metallwaren, Leinwand aus Schlesien und Kattunen aus Augsburg und Hamburg sowie von hochwertigen Textilien aus Ostindien und England. 1766 ersteigerte Romberg den „Transitoktroi“, der der Firma im Gegenzug für deren Aktivierung des Transithandels über die Österreichischen Niederlande wichtige Erleichterungen und zeitweilige Privilegien für den Warenverkehr zwischen Ostende und Luxemburg brachte. Das Ziel der Brüsseler Regierung war, den Hafen Ostende zu fördern und die Abhängigkeit von den Häfen der nördlichen Niederlande zu senken. Romberg gelang es in der Folgezeit, ein effizientes Speditionssystem von England über Ostende bis Venedig und Neapel aufzubauen, das aufgrund seines Erfolgs international Aufsehen erregte.

    In den späten 1770er Jahren wurde Romberg auch im Finanzgeschäft aktiv. Seine seit den späten 1760er Jahren angeschaffte Flotte von Paketbooten zwischen London und Ostende erweiterte er angesichts des internationalen Seekriegs seit 1778 rasant. In den frühen 1780er Jahren waren von den 327 Schiffen der fünf bedeutendsten Ostender Reeder 153 auf den Namen Romberg registriert – der Großteil im Fernhandel im Einsatz. Romberg wurde 1782 auch Haupteigner einer Seeversicherung in Brügge. In den 1780er Jahren erwarb oder erbaute er Textilfabriken in den Österreichischen Niederlanden, in denen er moderne Techniken der frühen Industrialisierung in Anwendung brachte. Um diese Zeit betrug nach Rombergs eigenen Angaben das Aktivkapital seiner Firma etwa 20 Millionen Gulden.

    Rombergs Flotte erhielt seit den frühen 1780er Jahren Ordern für die Versorgung von Kuba und Saint-Domingue mit Sklaven. Dies besorgte seine 1780 für den Landhandel mit Frankreich gegründete Genter Tochterfirma „Romberg & Consors“, die dabei hohe Verluste erlitt. Im Oktober 1783 wurde die Firma de facto nach Bordeaux verlegt, dort in „Romberg, Bapst & Cie.“ umbenannt und besonders im Kolonial- und Sklavenhandel und beim Kauf von Plantagen in Saint-Domingue aktiv. Dabei investierte die Bordelaiser Tochterfirma fast 12 Millionen Livres in die kolonialen Unternehmungen, was sie im Laufe der 1780er Jahre zu einer der bedeutendsten Reedereien und Kolonialunternehmungen Frankreichs machte. Rombergs Nobilitierung 1784 durch Kaiser Joseph II. (1741–1790) beruhte neben seinen Leistungen im Speditionswesen und seinen Fabrikgründungen auch explizit auf seinen Aktivitäten im Sklavenhandel.

    In der zweiten Hälfte der 1780er Jahre geriet Rombergs Firmenimperium in eine Krise. Die Kapitalabflüsse von Brüssel nach Bordeaux sowie ausbleibende Renditen der Tochterfirma bedrohten die Mutterfirma zu einer Zeit, als der Transithandel in den Österreichischen Niederlanden neuen Restriktionen unterworfen wurde. In den späten 1780er Jahren veräußerte Romberg daher seine Textilfabriken. Mit dem Ausbruch der Haitianischen Revolution 1791 und den europäischen Revolutionskriegen 1792/93 erlitt die Firma schwerwiegende Verluste, so dass sie Mitte der 1790er Jahre stark geschrumpft war. Um 1795/97 war Romberg als Militärunternehmer für die Sambre- und Maas-Armee des französischen Direktoriums tätig. 1797 zog er sich zugunsten seines ältesten Sohnes aus der Firma zurück.

    Als der Sohn 1809 starb, erwirkten dessen Gläubiger erfolgreich den Zugriff auf Rombergs Privatvermögen, so dass dieser 1810 sein 1782 erworbenes Schloss Beaulieu bei Machelen verkaufen musste und zeitweise in Brüsseler Schuldhaft geriet. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Romberg in materiell schwierigen Umständen, hauptsächlich in Verneuil, dem Heimatort seiner zweiten Ehefrau Marie-Thérèse Buot. 1819 starb er, angeblich in Brüssel, wahrscheinlich aber in Paris.

  • Auszeichnungen

    1784 Erhebung in den Freiherrenstand
    Von-Romberg-Straße, Hemer (Westfalen)
  • Quellen

    Nachlass:

    Prozessakten, umfangreiche Korrespondenzen und Rechnungsbücher in:

    Bibliothèque royale de Belgique, Brüssel.

    Archives de l’État en Belgique, Brüssel.

    Archives nationales de France, Paris.

    Archives de Paris.

    Archives départementales de la Haute-Garonne, Bordeaux.

    Gedruckte Quelle:

    Ortschronik von Hemer, 1842.

  • Werke

    Mémoire des faits de Frédéric Romberg, Brüssel 1810, Bibliothèque royale de Belgique, Signatur: IMP G 2077.

    Mémoire des faits. Pour relever le souvenir d’un négociant étranger qui est venu établir son commerce et son industrie dans la Belgique, Brüssel 1810, Bibliothèque royale de Belgique, Signatur: II 89.453 A R2 / 11.

  • Literatur

    Monografien:

    Françoise Thésée, Négociants bordelais et colons de Saint-Domingue. Liaisons d'habitations, la maison Henry Romberg, Bapst et Cie., 1783–1793, 1972.

    Myriam Rahisa Kabamba, Quelques aspects des activités commerciales du négociant Frédéric Romberg dans les Pays-Bas autrichiens (1766–1797), Diss. Université libre de Bruxelles, 1989.

    Wolfgang Henninger, Johann Jakob von Bethmann 1717–1792. Kaufmann, Reeder und kaiserlicher Konsul in Bordeaux, 2 Bde., 1993.

    Saskia Claessens, Frederik Romberg (1729–1819). Een biografische en bedrijfshistorische studie, met nadruk op de katoenmanufactuur te Brussel in de tweede helft van de achttiende eeuw, Diss. Universiteit Gent, 1996.

    Klaus Weber, Deutsche Kaufleute im Atlantikhandel 1680–1830. Unternehmen und Familien in Hamburg, Cádiz und Bordeaux, 2004.

    Aufsätze:

    John G. Everaert, Commerce d’Afrique et traite négrière dans les Pays-Bas autrichiens, in: Revue française d’histoire d’outre-mer 62 (1975), S. 177–185.

    Roger de Peuter, Note sur le grand commerce à Bruxelles à la fin de l’époque Autrichienne, in: Etudes sur le XVIIIe siècle 4 (1977), S. 27–32.

    Wilfried Reininghaus, Johann Theodor Lürmann und die Garnbleiche von Stephanopel bei Hemer. Merkantilismus, Kaufleute und örtliche Rivalitäten im 18. Jahrhundert, in: Der Märker 41 (1992), H. 4, S. 147–162.

    Claude Anspach, Frédéric baron de Romberg. Seigneur de Machelen Sainte-Gertrude 1729–1819, in: Le Parchemin 291 (1994), S. 161–181. (P)

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Porträt im Privatbesitz der Nachfahren Friedrich (von) Rombergs, Abbildung in: Claude Anspach, Frédéric baron de Romberg, 1994.

  • Autor/in

    Magnus Ressel (Frankfurt am Main)

  • Zitierweise

    Ressel, Magnus, „Romberg, Friedrich von“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/1109772238.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA