Kilian, Hannes

Lebensdaten
1909 – 1999
Geburtsort
Ludwigshafen am Bodensee (heute Bodman-Ludwigshafen)
Sterbeort
Wäschenbeuren bei Göppingen
Beruf/Funktion
Bildjournalist ; Fotograf
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119529564 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Kilian, Hans Friedrich
  • Kilian, Hannes
  • Kilian, Hans Friedrich
  • Cilian, Hannes
  • Cilian, Hans Friedrich

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Zitierweise

Kilian, Hannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd119529564.html#indexcontent [31.08.2026].

CC0

  • Kilian, Hannes (eigentlich Friedrich Hans Kilian)

    1909 – 1999

    Bildjournalist, Fotograf

    Hannes Kilian war ein herausragender deutscher Fotoreporter und Theaterfotograf. Stets auf berufliche Unabhängigkeit bedacht, veröffentlichte er seine Bilder nach dem Zweiten Weltkrieg in nahezu allen bundesdeutschen illustrierten Zeitschriften sowie in einschlägigen Magazinen in Großbritannien und den USA. Sein in zahlreichen Bildbänden gesammeltes fotografisches Werk ist eine bedeutende visuelle Quelle der deutschen Nachkriegszeit.

    Lebensdaten

    Geboren am 13. November 1909 in Ludwigshafen am Bodensee (heute Bodman-Ludwigshafen)
    Gestorben am 1. Dezember 1999 in Wäschenbeuren bei Göppingen
    Grabstätte Friedhof in Wäschenbeuren
    Konfession evangelisch
  • 13. November 1909 - Ludwigshafen am Bodensee (heute Bodman-Ludwigshafen)

    1921 - 1926 - Überlingen am Bodensee

    Schulbesuch (ohne Abschluss)

    Gymnasium

    1926 - 1928 - Überlingen

    Schulbesuch

    Handelsschule

    1928 - 1931 - Kreuzlingen (Kanton Thurgau)

    Ausbildung zum Fotografen

    1931 - 1933 - Luzern

    Mitarbeiter

    Photographie Helios (Fotoatelier, seit 1934 Photo-Optik Grau)

    1.8.1932 - 1945

    Mitglied

    NSDAP

    1933 - 1936 - Neapel

    Übersiedlung; Fotograf

    Kunsthaus Bowinkel; Edizione Sommer (Verlag)

    1936

    Mitglied

    Reichsausschuss der Bildberichterstatter im Reichsverband der Deutschen Presse

    seit 1936 - Stuttgart

    freiberuflicher Fotograf und Bildjournalist

    1936 - 1938 - Paris

    Reiseführer; Besuch der Weltausstellung; Standfotograf bei Regisseur René Clair (1898–1981)

    1938 - Stuttgart

    Übersiedlung; freiberuflicher Bildjournalist

    April 1941 - 1945 - Ostfront; Baltikum; Stuttgart

    Kriegsdienst, u. a. als Kriegsberichterstatter; Verwundung; Lazarett

    Wehrmacht

    Juli 1945 - 1999 - v. a. Stuttgart

    freiberuflicher Fotograf und Bildjournalist; Theaterfotograf

    1950 - 1973 - Europa; USA; Israel; Naher Osten; Sowjetunion; Japan

    zahlreiche Reisen

    1. Dezember 1999 - Wäschenbeuren bei Göppingen

    Kilian wuchs in einfachen Verhältnissen auf und musste 1926 den Besuch des Gymnasiums in Überlingen am Bodensee abbrechen, da die Familie das Schulgeld nicht mehr zahlen konnte. Von 1928 bis 1931 absolvierte er eine Lehre als Fotograf in Kreuzlingen (Kanton Thurgau) und fand danach eine Anstellung bei dem von Eugen Grau (1904–1974) geführten Atelier Photographie Helios (seit 1934 Photo-Optik Grau) in Luzern, ehe ihm 1933 vor dem Hintergrund von Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit die Arbeitserlaubnis in der Schweiz entzogen wurde. Am 1. August 1932 trat er in Ludwigshafen am Bodensee der NSDAP bei.

    Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme suchte Kilian seine berufliche Zukunft in Italien und war seit 1933 Mitarbeiter der Edizione Sommer, einem von Giorgio Sommer (1834–1919) gegründeten Verlag und Postkartenvertrieb in Neapel, für den er v. a. Fotografien städtischer Bau- und Kunstwerke anfertigte. 1936 übersiedelte er nach Stuttgart und arbeitete in der Folgezeit als freiberuflicher Bildjournalist u. a. für die „Stuttgarter Illustrierte“ und das „Schwäbische Bilderblatt“. Von 1936 bis 1938 hielt sich Kilian in Paris auf, wo er die Weltausstellung 1937 fotografierte, ästhetisch bemerkenswerte Nachtbilder der Stadt anfertigte und 1938 kurzzeitig als Standfotograf in dem Filmstudio des Regisseurs René Clair (1898–1981) arbeitete.

    Im April 1941 zum Kriegsdienst einberufen, erhielt Kilian in Potsdam seine militärische Ausbildung, wurde einer Propagandakompanie zugeteilt und fotografierte zerstörte Städte während des Vormarschs der Wehrmacht auf Leningrad (Sowjetunion, heute St. Petersburg, Russland). Nach einer schweren Verwundung und einem Lazarettaufenthalt in Riga aus dem Militärdienst entlassen, hielt sich Kilian seit Februar 1944 wieder in Stuttgart auf, wo er im März und Juli desselben Jahres die verheerenden Folgen der Luftangriffe auf die Stadt fotografisch dokumentierte.

    Seit Juli 1945 arbeitete Kilian als freiberuflicher Fotograf in Stuttgart und fertigte zunächst v. a. Porträts für Ausweisdokumente an. Im Herbst 1945 erhielt er von den US-amerikanischen Besatzungsbehörden die Erlaubnis, als Fotoreporter tätig zu werden, und bereiste mehrfach Berlin. Seine hier sowie in Stuttgart und Köln entstandenen Fotografien illustrieren eindrücklich und facettenreich den Alltag der Deutschen nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reichs“; sie zeigen Kriegszerstörung, Schwarzmarkt, Kriegsheimkehrer und -invalide ebenso wie Wiederaufbau, erstarkende Industrie, aufstrebendes mittelständiges Gewerbe, rasantes Anschwellen des Verkehrs und steigenden Wohlstand infolge der Währungsreform. Neben den von den Westalliierten lizensierten Magazinen „Heute“, „Kristall“, „Quick“, „Stern“, „Constanze“, „Bunte“ und „Spiegel“ wurden Kilians Bilder und Reportagen auch in „Picture Post“, „Time Magazine“ und „Newsweek“ veröffentlicht.

    Zu den bedeutenden Persönlichkeiten, die Kilian in den ersten zwei Jahrzehnten der Bundesrepublik porträtierte, zählen u. a. die Bildenden Künstler Max Ackermann (1887–1975), Willi Baumeister (1889–1955) und Otto Dix (1891–1969), die Schriftsteller Erich Kästner (1899–1974) und Thomas Mann (1875–1955), die Politiker Ludwig Erhard (1897–1977) und Ernst Reuter (1889–1953) sowie die Schauspielerinnen und Schauspieler Gary Cooper (1901–1961), Elisabeth Flickenschildt (1905–1977), Gina Lollobrigida (1927–2023) und Adolf Wohlbrück (1896–1967). Seit den 1950er Jahren unternahm Kilian in Eigenregie zahlreiche Reisen u. a. nach Jerusalem, Beirut, Lissabon, Rom, Venedig, London, Paris, New York City und Moskau.

    Kilians fotografischer Stil mit Bildern, in denen oft das Davor und Danach mitschwingt und die sich durch ein außergewöhnliches Gespür für Bewegung auszeichnen, prädestinierten ihn für die Theaterfotografie. Internationale Beachtung fanden v. a. seine seit 1961 entstandenen Fotografien des Stuttgarter Balletts unter dem Choreografen John Cranko (1927–1973) mit weltberühmten Tänzerinnen und Tänzern wie Richard Cragun (1944–2012), Marcia Haydée (geb. 1937), Birgit Keil (geb. 1944), Egon Madsen (geb. 1942) und Rudolf Nurejew (1938–1993). Die 1974 initiierte, ausschließlich mit Kilians Bildern bestückte Wanderausstellung „Stuttgart Ballett – John Cranko“ des Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen war in über 80 Ländern zu sehen.

    Nach dem Tod Kilians wurde dessen fotografisches Werk in mehreren Retrospektiven gewürdigt, u. a. in einer Sonderausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg (Stuttgart, 2004), im Martin-Gropius-Bau (Berlin, 2009), im Museum Moderne Kunst (Passau, 2013), in der Galerie Johannes Faber (Wien, 2014) und in der Galerie Johanna Breede PHOTOKUNST (Berlin, 2019/20).

    Nachlässe:

    Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart. (fotografischer Nachlass, ca. 50 000 Negativfilme, 40 000 Diapositive und 800 Vintages)

    Familienbesitz. (persönlicher Nachlass)

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, R 9 361-IX KARTEI 20110 817. (NSDAP-Mitgliedskartei)

    Bildbände:

    Alt Mexiko, Alt Peru, 1948.

    Rhodos. Porträt einer Insel, 1959, 31966.

    Stuttgart, 1961, 21966, engl. 1961.

    Menschen in Deutschland, 1964.

    Internationales Ballett auf deutschen Bühnen, 1968.

    Harmonie der Bewegung, 1968.

    Marcia Haydée. Porträt einer großen Tänzerin, 1975.

    John Cranko. Ballett für die Welt, 1977.

    Stuttgarter Ballett, 1980, 21981.

    Der Freischütz. Opernaufführung, 1981.

    Die Zerstörung. Stuttgart 1944 und danach, 1984.

    Kindheit in Stuttgart in den 50er Jahren, 1997.

    Bildergeschichten Hannes Kilian. Fotografien / Reportagen 1944 bis 1974, hg. v. Haus der Geschichte Baden-Württemberg, 2004. (P)

    Klaus Honnef (Hg.), Hannes Kilian. 1909–1999, 2009. (P)

    Bibliografie:

    Klaus Honnef (Hg.), Hannes Kilian. 1909–1999, 2009, S. 348–350.

    Klaus Honnef (Hg.), Hannes Kilian. 1909–1999, 2009. (P)

    Dieter Vorsteher/Heike Hartmann (Hg.), Menschen, Orte, Zeiten. Fotografie am Deutschen Historischen Museum, 2009, S. 146 u. 362.

    zahlreiche Fotografien v. Gundel Kilian (geb. 1928), z. T. abgedruckt in: Klaus Honnef (Hg.), Hannes Kilian. 1909–1999, 2009, S. 345–347.

  • Autor/in

    Klaus Honnef (Bonn)

  • Zitierweise

    Honnef, Klaus, „Kilian, Hannes“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119529564.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA