Jakob, Alfons
- Lebensdaten
- 1884 – 1931
- Geburtsort
- Aschaffenburg
- Sterbeort
- Hamburg
- Beruf/Funktion
- Neuropathologe ; Neurologe ; Psychiater
- Konfession
- römisch-katholisch
- Normdaten
- GND: 129273589 | OGND | VIAF: 77388855
- Namensvarianten
-
- Jakob, Alfons Maria
- Jakob, Alfons
- Jakob, Alfons Maria
- Jacob, Alfons
- Jacob, Alfons Maria
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Jakob, Alfons Maria
1884 – 1931
Neuropathologe
Alfons Jakob wirkte seit 1909 in der neurologisch-psychiatrischen Forschung in München bei Emil Kraepelin (1856–1926) und Alois Alzheimer (1864–1915) sowie seit 1911 in der Hamburger Klinik Friedrichsberg. Er veröffentlichte grundlegende Arbeiten zur Histopathologie des Nervensystems, zur Syphilis des Zentralen Nervensystems, zu extrapyramidalen Erkrankungen und zur Anatomie des Kleinhirns. International bekannt wurde er durch die Beschreibung der spastischen Pseudosklerose, später als Creutzfeldt-Jakob-Krankheit bezeichnet.
Lebensdaten
Alfons Jakob, Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg (InC) -
Autor/in
→Felicitas Söhner (Düsseldorf)
-
Zitierweise
Söhner, Felicitas, „Jakob, Alfons“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd129273589.html#dbocontent
Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in Aschaffenburg 1903 studierte Jakob Medizin an den Universitäten in München, Berlin und Straßburg (Elsass, heute Strasbourg, Frankreich). Früh spezialisierte er sich auf Psychiatrie und Neuropathologie. 1909 wurde er bei Robert Wollenberg (1862–1942) in Straßburg zum Dr. med. promoviert mit einer Arbeit zur Pathogenese der Pseudobulbärparalyse, in der er 115 Literaturfälle analysierte und einen eigenen klinisch-pathologischen Fall untersuchte.
Seit Dezember 1909 arbeitete Jakob als Assistenzarzt in der Psychiatrischen Klinik München bei Emil Kraepelin (1856–1926) und Alois Alzheimer (1864–1915) und beschäftigte sich mit neuroanatomischen Studien. Auf Empfehlung von Alzheimer und Kraepelin wechselte er 1911 an die Psychiatrische Klinik der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg in Hamburg, wo er als Assistenzarzt bei Wilhelm Weygandt (1870–1939) tätig war. Nach dem Tod des Neurologen und Prosektors Theodor Kaes (1852–1913) übernahm Jakob 1914 die Leitung des neuroanatomischen Labors. Während des Ersten Weltkriegs diente er von 1915 bis 1918 als Leiter der neurologisch-psychiatrischen Abteilung eines Kriegslazaretts in Brüssel.
1919 habilitierte sich Jakob an der neu gegründeten Universität Hamburg für Neurologie und Psychiatrie und hielt seine Antrittsvorlesung als Privatdozent im Januar 1920 zum Thema „Die Bedeutung der Histopathologie des Nervensystems für die Erforschung der Geisteskrankheiten“. Parallel eröffnete er eine eigene Praxis in Hamburg. 1924 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt. Im selben Jahr reiste er in die USA, um an der Columbia University zu lehren. 1928 unternahm er eine ausgedehnte Vortragsreise durch Südamerika, wo er in Rio de Janeiro einen dreimonatigen Kurs in Neuropathologie abhielt und u. a. in Argentinien, Chile und Uruguay Vorlesungen hielt.
Jakob entwickelte sich aufgrund grundlegender Studien zur Neuropathologie der Syphilis und zur Malariatherapie bei progressiver Paralyse zu einem der führenden europäischen Neuropathologen. Seine „Normale mikroskopische Anatomie des Kleinhirns“ im „Handbuch der mikroskopischen Anatomie des Menschen“ (1928) von Möllendorf galt lange als Standardwerk. Besonders interessierten ihn die extrapyramidalen Erkrankungen. 1920 beschrieb er erstmals die spastische Pseudosklerose, eine neurodegenerative Erkrankung, die 1922 nach ihren Erstbeschreibern als Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) benannt wurde. Hans Gerhard Creutzfeldt (1885–1964) hatte unabhängig von Jakob 1920/21 in Breslau (Niederschlesien, heute Wrocław, Polen) die bislang unbekannte Krankheit ebenfalls klinisch und histopathologisch beschrieben. Jakob präsentierte fünf Fälle dieser Krankheit, die durch progressive Demenz, motorische Störungen und charakteristische neuropathologische Veränderungen gekennzeichnet ist. Obwohl die Ursache der CJD erst Jahrzehnte später als Prionenerkrankung identifiziert wurde, legte Jakob mit seiner Beschreibung den Grundstein für die Erforschung dieser Krankheitsgruppe. Zudem war er an der Erstbeschreibung der Alpers-Krankheit, einer schweren neurodegenerativen Erkrankung im Kindesalter, beteiligt.
Jakobs neuroanatomisches Labor in Hamburg entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem internationalen Zentrum der Forschung. Er bildete zahlreiche Forschende aus und nutzte in der Lehre eine Sammlung von über 7000 Laternenbildern. Jakob verband klinische Beobachtungen mit pathologischen Befunden und setzte sich für eine enge Verzahnung von Anatomie und klinischer Symptomatik ein. Zu seinen Schülern zählen u. a. Hermann Josephy (1887–1960), Walter Kirschbaum (geb. 1894) und Richard Löwenberg (1898–1954).
Jakobs Forschungen zu neurodegenerativen Erkrankungen sind bis heute relevant; seine Lehrtätigkeit in Europa und Südamerika prägte eine ganze Generation von Neuropathologen, sodass er als einer der bedeutendsten Neuropathologen des frühen 20. Jahrhunderts gilt. In den folgenden Jahrzehnten wurde seine Arbeit insbesondere im Hinblick auf die nosologische Abgrenzung der von ihm beschriebenen Fälle und angesichts der ethischen Debatten um neurodegenerative Erkrankungen auch kritisch diskutiert.
| 1922 | Bezeichnung Creutzfeld-Jakob-Krankheit |
| 1999 | Alfons Maria Jakob-Medaille für Verdienste um das Fach Neuropathologie der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie |
Nachlass:
nicht bekannt.
Weitere Archivmaterialien:
Stadtarchiv Aschaffenburg, Reg. H 16, Eintrag Nr. I/J 144, Eintrag Nr. I/J 71, Eintrag I/J 133 u. AM 4864. (genealogische Informationen)
Stadtarchiv Nürnberg, C27/III, Eintrag Nr. 1153/855. (Heiratsregistereintrag)
Staatsarchiv Hamburg, 361-6 IV 1312. (Personalakte)
Monografien:
Die extrapyramidalen Erkrankungen mit besonderer Berücksichtigung der pathologischen Anatomie und Histologie und der Pathophysiologie der Bewegungsstörungen, 1923.
Normale und pathologische Anatomie und Histologie des Grosshirns (mit besonderer Berücksichtigung der Histopathologie der Psychosen und extrapyramidalen Erkrankungen), 2 Bde., 1927/29.
Curso de anatomia pathologica do systema nervoso, 21934.
Artikel:
Zur Symptomatologie, Pathogenese und pathologischen Anatomie der ‚Kreislaufspsychosen’, in: Journal für Psychologie und Neurologie 14 (1909), S. 209–248 u. 15 (1909), S. 99–132.
Die Pathogenese der Pseudobulbärparalyse, in: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten 45 (1909), S. 1097–1228. (Diss. med.)
Zur Klinik und pathologischen Anatomie des chronischen Alkoholismus zugleich ein Beitrag zu den Erkrankungen des Kleinhirns, in: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie 13 (1912), S. 132–152.
Über eine eigenartige herdförmige Erkrankung des Zentralnervensystems, in: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie 57 (1920), S. 1–18.
Die Bedeutung der Histopathologie des Zentralnervensystems für die Erforschung der Geisteskrankheiten, in: Münchener medizinische Wochenschrift 67 (1920), S. 875–878.
Über eigenartige Erkrankungen des Zentralnervensystems mit bemerkenswertem anatomischem Befunde (Spastische Pseudosklerose-Encephalomyelopathie mit disseminierten Degenerationsherden), in: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 70 (1921), S. 132–146.
Über eigenartige Erkrankungen des Zentralnervensystems mit bemerkenswertem anatomischem Befunde (Spastische Pseudosklerose-Encephalomyelopathie mit disseminierten Degenerationsherden), in: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie 64 (1921), S. 147–228.
Über eine der multiplen Sklerose klinisch nahestehende Erkrankung des Zentralnervensystems (spastische Pseudosklerose) mit bemerkenswertem anatomischem Befunde. Mitteilung eines vierten Falles, in: Medizinische Klinik 17 (1921), S. 372–376.
Über drei eigenartige Krankheitsfälle des mittleren Alters mit bemerkenswertem anatomischem Befunde und ihre klinischen und anatomischen Beziehungen zur spastischen Pseudosklerose und zu metencephalitischen Prozessen, in: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 81 (1924), S. 192–204.
The Anatomy, Clinical Syndromes and Physiology of the Extrapyramidal System, in: Archives of Neurology and Psychiatry 13 (1925), S. 596–620.
Über den Befund von miliaren Gummen bei der Paralyse, in: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie 102 (1926), S. 313–319.
Referatenteil, Nerven- und Geisteskrankheiten. Die Cytoarchitektonik der Hirnrinde des erwachsenen Menschen. Von C. Freiherrn von Economo und G. N. Koskinas, in: Berliner Klinische Wochenschrift 5 (1926), S. 37 f.
Die Histopathologie im Dienste der psychiatrischen Krankheitsforschung, in: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten 81 (1927), S. 68–98.
Bücherbesprechungen. Strümpell und Jakob, Icones neurologicae. in: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 98 (1927), S. 154–157.
Das Kleinhirn, in: Wilhelm von Möllendorf (Hg.)/Max Bielschowsky/Siegfried Thomas Bok/Richard Greving/Alfons Jakob/Giovanni Mingazzini/Philipp Stöhr/Cécile Vogt/Oskar Vogt (Bearb.), Handbuch der mikroskopischen Anatomie, 1928, S. 674–916.
Investigaciones de anatomía cerebral y neuro-psiquiatría clínica, in: Revista Médeica Germano-Ibero-Americana 1 (1928), S. 159–169.
Reisebrief aus Südamerika, in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 55 (1929), S. 281 f., 320 f. u. 365–368.
Alfons Jakob/Amadeo Fialho/End. Lib. Villela, Über die Veränderungen im Zentralnervensystem bei Gelbfieber, in: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 111 (1929), S. 111–116.
Die Syphilis des Gehirns und seiner Häute, in: Oswald Bumke (Hg.), Handbuch der Geisteskrankheiten, 11. Bd., T. 7, 1930, S. 349–416.
Über eigenartige frühinfantil einsetzende Erkrankungen des Groβhirns mit besonderer Bevorzugung der grauen Substanz (Grosshirnrinde, Striatum, Pallidum und Thalamus). in: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 11 (1930), S. 240–253.
Concepcão actual da esclerose multipla, in: O Brasil-Médico. Revista Semanal de Medicina e Cirurgia 45 (1931), S. 1101–1103.
Artikel:
George Boris Hassin, Alfons Maria Jakob (1884–1931), in: Webb Haymaker (Hg.), The Founders of Neurology, 1953, S. 184–186.
Kai Sammet, Alfons Jakob (1884–1931), in: Journal of Neurology 255 (2008), H. 11, S. 1852 f.
Lazaros C. Triarhou, Alfons Maria Jakob (1884–1931). Neuropathologist par Excellence, in: European Neurology 61 (2009), S. 52–58. (Onlineressource)
Sabine Schuchert, Creutzfeldt und Jakob waren beide einem Rätsel auf der Spur, in: Deutsches Ärzteblatt 116 (2019), H. 49, S. 60. (Onlineressource)
Nachrufe:
Wilhelm Weygandt, Zum Andenken an Professor Jakob, in: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 123 (1931), S. I–IV.
Fritz Lüthy, Alfons Jakob, in: Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie 29 (1932), S. 189–191.
Medaille. (Onlineressource)