Jaeger, Richard
- Lebensdaten
- 1913 – 1998
- Geburtsort
- Schöneberg (heute Berlin)
- Sterbeort
- Bonn
- Beruf/Funktion
- Politiker ; Bundesminister der Justiz ; Vizepräsident des Bundestags ; Bürgermeister ; Jurist
- Konfession
- römisch-katholisch
- Normdaten
- GND: 117058092 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Jaeger, Richard
- Jäger, Richard
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Jaeger, Richard
1913 – 1998
Politiker, Bundesminister der Justiz, Vizepräsident des Bundestags
Richard Jaeger war frühes Mitglied der CSU, 1946/47 Mitgründer der Jungen Union Oberbayern und in der Kommunal-, bayerischen Landes- und Bundespolitik tätig. Im Bundestag war er u. a. von 1953 bis 1965 Vorsitzender des Verteidigungsausschusses und beteiligt an der Ausgestaltung einer neuen Wehrverfassung. Für die westdeutschen Streitkräfte schlug er den von Hasso von Manteuffel (1897–1978) eingebrachten Namen „Bundeswehr“ vor.
Lebensdaten
Richard Jaeger, Imago Images (InC) -
Autor/in
→Frank Käser (Berlin)
-
Zitierweise
Käser, Frank, „Jaeger, Richard“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117058092.html#dbocontent
Jaeger besuchte die Volksschule in Solln (heute München) und erhielt 1933 das Abitur am humanistischen Theresien- und Maximiliansgymnasium in München. Anschließend studierte er bis 1936 Rechtswissenschaften in München, Berlin und Bonn. Während seines Studiums war er in der katholischen Jugend- und Studentenbewegung aktiv. 1936 legte Jaeger das Erste, 1939 das Zweite juristische Staatsexamen ab. Von 1933 bis 1945 Mitglied, seit 1941 Rottenführer der SA, war er 1938 bis 1945 Mitglied des NS-Rechtswahrerbunds und leistete von 1938 bis 1945 Militär- und Kriegsdienst, 1940 unterbrochen durch die Ernennung zum Gerichtsassessor und 1943 zum Amtsgerichtsrat in Weilheim (Oberbayern). Im Mai 1945 geriet Jaeger kurzzeitig in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft und nahm im Juni 1945 seine Tätigkeit als Amtsgerichtsrat in Weilheim wieder auf.
Seit Januar 1946 war Jaeger CSU-Mitglied und Rechtsreferent im Landessekretariat der CSU, schied aber im selben Jahr aufgrund seiner Einstufung im ersten Spruchkammerverfahren als „Mitläufer“ wieder aus. In einem zweiten Verfahren wurde er im Januar 1947 als „Entlasteter“ eingestuft und im Anschluss 1947 Regierungsrat und persönlicher Referent des bayerischen Kultusministers Alois Hundhammer (1900–1974).
Jaeger wurde 1948 Bürgermeister in Eichstätt und im selben Jahr mit der rechtswissenschaftlichen Arbeit „Die staatsrechtliche Bedeutung der Gegenzeichnung im Deutschen Rechtsstaat 1871 bis 1945“ bei Willibalt Apelt (1877–1965) in München zum Dr. iur. promoviert. 1949 wechselte er für den Wahlkreis Fürstenfeldbruck als Abgeordneter in den Bundestag, dessen Mitglied er bis 1980 durchgehend blieb. 1952 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses zum Schutz der Verfassung, in der zweiten Wahlperiode war er Vizepräsident des Bundestags und Vorsitzender des Ausschusses für Fragen der europäischen Sicherheit (seit 1956 Ausschuss für Verteidigung); in diesen Positionen verblieb er bis 1965. Als Ausschussvorsitzender war Jaeger seit 1953 maßgeblich an der Entstehung einer neuen bundesdeutschen Wehrverfassung beteiligt, die eine auf dem Grundgesetz fußende Soldatengesetzgebung, eine Wehrpflicht sowie eine Kontrolle der Streitkräfte durch das Parlament als Kernelemente vorsah. Auf seinen Vorschlag hin wurde der von Hasso von Manteuffel (1897–1978) im Verteidigungsausschuss eingebrachte Name „Bundeswehr“ für die neuen Streitkräfte eingeführt. Als Verteidigungspolitiker war Jaeger gegen eine Neutralisierung und einen Atomwaffenbesitz der Bundesrepublik und setzte sich für eine enge Bindung an den Westen in NATO und Europa ein. Vor diesem Hintergrund lehnte er die Ostverträge von 1972 ab, da diese für ihn unvereinbar waren mit einem deutschen Wiedervereinigungsprozess, der nach seiner Überzeugung nur über eine Westbindung führen könne. Jaeger vertrat eine katholisch-konservative Grundhaltung, befürwortete die Wiedereinführung der Todesstrafe für Gewaltverbrechen und Mord und setzte sich in den 1960er und 1970er Jahren für die Abschaffung der Verjährungsfristen für Mord und NS-Verbrechen ein.
Im Kabinett Erhard II war Jaeger 1965/66 Bundesminister der Justiz; in seiner Amtszeit wurde das Strafrecht teilreformiert. Von 1967 bis 1976 war er erneut Vizepräsident des Bundestags und von 1984 bis 1990 Leiter der bundesdeutschen Delegation bei der Menschenrechtskommission in Genf.
| 1942 | Ostmedaille |
| 1957–1990 | Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft |
| 1959 | Bayerischer Verdienstorden |
| 1967 | Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland |
| Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich |
Teilnachlässe:
Archiv für Christlich-Soziale Politik der Hanns-Seidel-Stiftung, München. (weiterführende Informationen)
Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin. (weiterführende Informationen)
Weitere Archivmaterialien:
Bundesarchiv, Berlin-Lichterfelde, R 9 361-III Berlin Document Center (personenbezogene Unterlagen der SS und SA) u. R 9 361-III/5 67820 8. (Sachakte zu Richard Jaeger, P)
Staatsarchiv München, Spruchkammer-Akte Richard Jaeger Spruchkammern Karton 3119.
Auf dem Weg zur Demokratie. Gedanken zur bayerischen Selbstbesinnung, Herbst 1945, in: Klaus-Dietmar Henke/Hans Woller, Lehrjahre der CSU. Eine Nachkriegspartei im Spiegel vertraulicher Berichte an die amerikanische Militärregierung, 1984, S. 145–186.
Die staatsrechtliche Bedeutung der ministeriellen Gegenzeichnung im Deutschen Reichsstaatsrecht 1871–1945, 1948. (Diss. iur.)
Soldat und Bürger, Armee und Staat. Probleme einer demokratischen Wehrverfassung, 1956, 31963.
Fritz Erler/Richard Jaeger, Sicherheit und Rüstung, 1962.
Richard Jaeger, Bundestagsreden, Vorw. v. Alfons Goppel, hg. v. Leo Wagner, 1969.
Leonhard M. Hruschka, „Auf dem Weg zur Demokratie“. Richard Jaeger 1945–1949, in: Renate Höpfinger (Hg.), Bayerische Lebensbilder, Bd. 1, 2002, S. 71–136. (P)
Renate Höpfinger, Richard Jaeger (1913–1998), in: Jürgen Aretz/Rudolf Morsey/Anton Rauscher (Hg.), Zeitgeschichte in Lebensbildern, Bd. 12, 2007, S. 115–127.
Christiane Reinecke, Art. „Jaeger, Richard“, in: Rudolf Vierhaus/Ludolf Herbst (Hg.), Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949–2002, Bd. 1, 2002, S. 382 f.
Hans Erich Volkmann (Hg.), Der Bundestagsauschuss für Verteidigung. Der Ausschuss zur Mitberatung des EVG-Vertrages, Juli bis Dezember 1952, 2006, S. 987. (Onlineressource)
Bruno Thoß (Hg.), Der Bundestagsausschuss für Verteidigung. Der Ausschuss für Fragen der europäischen Sicherheit, Januar 1953 bis Juli 1954, 2010, S. 1206. (Onlineressource)
Burkhard Köster (Hg.), Der Bundestagsauschuss für Verteidigung. Der Ausschuss für Fragen der europäischen Sicherheit, September 1954 bis Juli 1955, 2014, S. 1127. (Onlineressource)
Dorothee Hochstetter/Dieter H. Kollmer (Hg.), Der Bundestagsausschuss für Verteidigung. Der Ausschuss für Fragen der europäischen Sicherheit/Ausschuss für Verteidigung, Juli 1955 bis Januar 1956, 2017, S. 1109. (Onlineressoure)
Fotografien, Archiv für Christlich-Soziale Politik, NL Jaeger Ph. 19 u. Bundesarchiv R 9 361-III/5 67820.