Hellner, Franz Xaver
- Lebensdaten
- 1819 – 1901
- Geburtsort
- Ronsdorf (heute Wuppertal)
- Sterbeort
- Köln
- Beruf/Funktion
- Gold- und Silberschmied ; Goldschmied
- Konfession
- römisch-katholisch
- Normdaten
- GND: 119170574 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Hellner, Franz Xaver
- Hellner, Franciscus Xaverius
- Hellner, Franz X.
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Hellner, Franz Xaver
1819 – 1901
Gold- und Silberschmied
Franz Xaver Hellner war einer der führenden Vertreter der sakralen Gold- und Silberschmiedekunst des Historismus. Von 1844 bis 1894 leitete er in Kempen (Niederrhein) eine der größten und produktivsten Werkstätten für liturgische Geräte und Reliquiare im neogotischen Stil. Seine Kunden waren katholische Auftraggeber im Rheinland, in den Niederlanden und Belgien.
Lebensdaten
Franz Xaver Hellner (InC) -
Autor/in
→Birgitta Falk (Aachen)
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Zitierweise
Falk, Birgitta, „Hellner, Franz Xaver“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119170574.html#dbocontent
Über Hellners Kindheit und Ausbildung ist nichts bekannt. Nach seiner Heirat 1844 übernahm er die Goldschmiedewerkstatt seines Schwiegervaters Carl Benedict Godfroyd (1755–1834) in Kempen (Niederrhein), die er im folgenden Jahr in „Etablissement Franz Xaver Hellner – Kempen a/Rhein“ umbenannte. Nach französischer Besetzung, Säkularisation und wirtschaftlicher Stagnation gewann das Gold- und Silberschmiedehandwerk im Rheinland in den 1840er Jahren mit der Restaurierung und Neuanfertigung liturgischer Geräte für die katholische Kirche wieder an Bedeutung, wobei historische Formen und traditionelle Arbeitstechniken nachgefragt wurden.
Hellner begann mit dem Aufbau eines Kundenkreises für Kirchensilber. Einen Schub erhielt seine Werkstatt 1854, als der Bischof von Münster Johann Georg Müller (1798–1870) ihm eine schriftliche Empfehlung für seine Geschäftskarte ausstellte. 1858/60 restaurierte Hellner im Auftrag einer vom Christlichen Kunstverein für Deutschland ernannten Kommission, der u. a. Friedrich Baudri (1808–1874), Vincenz Statz (1819–1898) und Franz Bock (1823–1899) angehörten, den um 1170 fertiggestellten Heribertschrein aus St. Heribert in Köln-Deutz, ein Hauptwerk der rhein-maasländischen Kunst der Romanik. 1862 beteiligte sich Hellner mit 38 Werken an der „Ausstellung von neuern Meisterwerken mittelalterlicher Kunst“ in Aachen, was zu einer Ausweitung seiner Bekanntheit und Auftragslage führte. Es folgte die Teilnahme an Kunst- und Gewerbeausstellungen in Mechelen (Flandern, 1864), Trier (1865), München (1876) und Düsseldorf (1880). In den 1860er Jahren erreichte Hellner am Niederrhein eine nahezu marktbeherrschende Stellung im Bereich kirchlicher Goldschmiedearbeiten. Unter den Goldschmieden des Historismus orientierte er sich am engsten an Vorbildern der Gotik.
Der Utrechter Priester Gerardus Wilhelmus van Heukelum (1834–1910) förderte seit 1858 Hellners Wirken in den Niederlanden und stellte die geschäftliche Verbindung zum Gold- und Kupferschmied Gerard Bartel Brom (1831–1882) her. Seit 1865 vertrieb Brom von Utrecht aus die Erzeugnisse der Kempener Werkstatt im niederländischen Raum. In den 1860er Jahren weitete Hellner seinen Export nach Belgien aus und schuf 1870 für die Kirche St. Nicolas in Brüssel einen großen Reliquienschrein für die Gebeine der Märtyrer von Gorkum.
Hellner beschäftigte seit den 1870er Jahren in seiner Werkstatt acht bis zehn Gesellen und mehrere Lehrlinge, was ihm ermöglichte, neben Unikaten auch qualitativ hochwertige Objekte, z. B. Leuchter, in Serie zu fertigen. Seine Geschäftskarte von 1878 führte nahezu 3000 in Kempen hergestellte Werke an. Zwischen 1844 und 1894 kann man unter Einschluss der Serienfertigungen 8000 bis 10 000 Objekte annehmen.
Hellners Arbeiten zeichneten sich v. a. nach 1860 durch ein dreiteiliges Formenrepertoire aus: genaue Kopien und in Struktur und Dekor leicht variierende Nachbildungen gotischer Goldschmiedearbeiten, Variationen gotischer und gotisierender Stilelemente und Versatzstücke sowie fantasievolle, gleichwohl stileinheitliche Neuschöpfungen, bei denen man von einer Konstruktion des Mittelalters sprechen kann. Zahlreiche Entwürfe Hellners stammten von dem Architekten und Diözesanbaumeister des Erzbistums Köln Heinrich Johann Wiethase (1833–1893). Andere Objekte entstanden nach Gipsabgüssen sowie Fotografien und Zeichnungen in Publikationen zur christlichen Kunst. Zu den Produkten aus Hellners Werkstatt zählten kirchliche Geräte aus Gold und Silber mit Edelsteinbesatz ebenso wie schlichte liturgische Objekte aus vergoldetem oder versilbertem Messing. Besonders aufwendige Arbeiten waren ein großer Altaraufsatz für die Kirche St. Dionysius in Krefeld (1887) und drei getriebene Madonnenfiguren für Kirchen in Zwolle (Overijssel, 1886), Hengelo (Overijssel, 1891) und Köln (1892). Hellners Frömmigkeit bezeugen Stiftungen: 1869 schenkte er der Kempener Propsteikirche ein Ziborium, das mit seinen Dekoren und romanisierenden Motiven von den strengen neogotischen Vorgaben abwich.
1894 wurde der Betrieb an den Neffen Richard Hellner (1864–1944) verkauft, der im selben Jahr eine Filiale in Köln eröffnete; die Kempener Werkstatt wurde 1898 an den Goldschmied und Juwelier Wilhelm van Zadelhof verkauft. Noch bis 1910 wurden alle Werke Richard Hellners mit der Signatur F. X. Hellner gekennzeichnet.
Bekannte Mitarbeiter und Schüler Hellners waren Franz Wilhelm van den Wyenbergh (1854–1932) und Jan Hendrik Brom (1860–1915). Der größte Teil seiner erhaltenen Arbeiten befindet sich heute im Besitz katholischer Kirchen im Rheinland, in den Niederlanden und Belgien. Weitere Objekte werden im Museum für Sakralkunst in Kempen gezeigt.
| 1880 | Bronzene Staats-Medaille der Gewerbe- und Kunstausstellung, Düsseldorf |
| 1890–1894 | Mitglied des Kunst- und Altertumsvereins Kempen |
| 1894 | Ehrung bei der Feier des 50. Firmenjubiläums, Kempen |
| 1989 | Hellnerstraße, Kempen (weiterführende Informationen) |
| 1989/90 | Gedenkmedaille des Kreises Viersen (weiterführende Informationen) |
| 2004 | Franz-Hellner-Straße, Viersen-Dülken (weiterführende Informationen) |
Nachlass:
nicht bekannt.
Weitere Archivmaterialien:
Historisches Archiv der Stadt Köln, Abt. 1108, Akte 3. (Briefe Hellners an Heinrich Wiethase)
Katholiek Documentatie Centrum Nijmegen, Arch.-Nr. 218–3717. (Korrespondenz)
Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Nebenstelle Brühl, Ronsdorf G 1819 (Geburtsurkunde); Ronsdorf H 1819 (Heiratsurkunde Hellner/Feldmann) u. Ronsdorf G 1822–1834. (Geburtsregister Familie Hellner); Nebenstelle Kalkum, Notar Heinrichs, Rep. 255, Nr. 4852 (Testament Hellners v. 3.12.1846); Notar Meckel, Rep. 1706, Nr. 17848 (Testament Hellners v. 8.11.1871); Notar Scherer, Rep. 1690, Nr. 12249 (Testament Hellners v. 13.11.1887) u. Notar Scherer, Rep. 1692, Nr. 17867 (Kaufvertrag zwischen Hellner u. Richard Hellner, 1894).
Stadtarchiv Kempen, PA 310, S. 152 u. 154. (Wahl zum Stadtverordneten v. Kempen 1872 u. 1875)
Standesamt Kempen. (Heiratsurkunde Hellner/Godfroyd v. 14.6.1844)
Gold- und Silberschmiedearbeiten:
Heribertschrein, St. Heribert in Köln-Deutz, 1862. (Restaurierung)
Reliquienschrein für die Märtyrer von Gorkum, St. Nicolas in Brüssel, 1870.
Prachtmonstranz, St. Mariae Geburt in Kempen, 1880.
Madonnenfigur, Onze Lieve Vrouw ten Hemelopneming in Zwolle (Overijssel), 1886.
Altaraufsatz, St. Dionysius in Krefeld, 1887.
Madonnenfigur, St. Lambertus in Hengelo (Overijssel), 1891.
Madonnenfigur, St. Maria in der Kupfergasse in Köln, 1892.
Werkverzeichnis:
Birgitta Falk, Etablissement Franz Xaver Hellner Kempen a/Rhein 1844–1894. Eine rheinische Goldschmiedewerkstatt im Historismus, 1994, S. 217–370.
Monografien und Sammelbände:
Hildegard Lütkenhaus, Sakrale Goldschmiedekunst des Historismus im Rheinland. Ein Beitrag zu Gestalt und Geschichte retrospektiver Stilphasen im 19. Jahrhundert, 1992, S. 80–82.
Birgitta Falk, Etablissement Franz Xaver Hellner Kempen a/Rhein 1844–1894. Eine rheinische Goldschmiedewerkstatt im Historismus, 1994. (Begleitbuch zur Ausstellung) (Q, W, L, P)
Wolfgang Cortjaens, Rheinische Altarbauten des Historismus. Sakrale Goldschmiedekunst 1870–1918, 2002, S. 33, 69, 71, 128, 147, 156, 161, 166, 193 f., 196, 301, 394, 438 u. 443.
Naar de middeleeuwen. Het aartsbischoppelijk museum in Utrecht vanaf het begin tot 1882, hg v. d. Stichting Aartsbisschopelijk Museum und dem Museum Cathariineconvent in Utrecht, 2012, S. 26, 28, 59, 60, 82 u. 124.
Aufsätze:
Karl Bernd Heppe, Goldschmiedekunst. Werkstätten in Düsseldorf und am Niederrhein, in: Eduard Trier/Willy Weyres (Hg.), Kunst des 19. Jahrhunderts im Rheinland, Bd. 5, 1981, S. 33 u. 37.
Jakob Hermes, Gold- und Silberschmiede in Kempen, in: Heimatbuch des Kreises Viersen 32 (1981), S. 192–205. (Onlineressource)
Josef Reuter, Franz Xaver Hellner. Sein Engagement für die Kempener Pfarrgemeinde, in: Heimatbuch des Kreises Viersen 32 (1981), S. 206–210. (Onlineressource)
Carl-Wilhelm Clasen, „mein Etablissement, das erste dieser Branche...“. Der Goldschmied Franz Xaver Hellner in Kempen am Niederrhein, in: Weltkunst 60 (1990), H. 6, S. 814–818.
Birgitta Falk, Familienbande. Zu den verwandtschaftlichen Beziehungen von Kempener Goldschmiedefamilien im 18. und 19. Jahrhundert, in: Heimatbuch des Kreises Viersen 45 (1994), S. 178–184. (Onlineressource)
Lori van Biervliet, Pugin, Hellner en Bethune in een neogotisch jubeljaar, in: Handelingen van het Genootschap voor Geschiedenis 132 (1995), H. 1-2, S. 151–164.
Gisbert Knopp, Die Silbermadonna des Franz Xaver Hellner und ihr Vorbild in der Bonner St. Marien Kirche, in: Heimatbuch des Kreises Viersen 48 (1997), S. 252–262. (Onlineressource)
Maria Kapp, Franz Xaver Hellner. Zwei neuaufgefundene Werke in kirchlichen Sammlungen, in: Weltkunst 69 (1999), H. 2, S. 312 f.
Birgitta Falk, Das „Etablissement F. X. Hellner Kempen a/Rhein“, in: Elisabeth Friese (Hg.), Soli Deo Gloria. Das Museum für Niederrheinische Sakralkunst in der Paterskirche Kempen, 2005, S. 88–108.
Ausstellungskataloge:
Werner Schäfke (Hg.), Goldschmiedekunst des Historismus in Köln, Ausstellung im Kölnischen Stadtmuseum, 1980, S. 129–132.
Annette Fimpeler (Hg.), Kirchenschmuck des Historismus aus Rheinland und Westfalen, Ausstellung in der Evangelische Stadtkirche Unna, 1987, S. 91–105.
Ausstellung:
Etablissement Franz Xaver Hellner Kempen a/Rhein 1844–1894. Eine rheinische Goldschmiedewerkstatt im Historismus, Ausstellung im Städtischen Kramer-Museum und im Museum für Niederrheinische Sakralkunst, Kempen, 1994.
Fotografien, um 1860, Katholiek Documentatie Centrum Nijmegen, Abbildungen in: Birgitta Falk, Etablissement Franz Xaver Hellner Kempen a/Rhein 1844–1894. Eine rheinische Goldschmiedewerkstatt im Historismus, 1994, Abb. 58 u. 59, S. 77 f.
Fotografie v. Peter Schiffer, um 1900, Städtisches Kramermuseum, Kempen, Inv.-Nr. E 557, Abbildung in: Birgitta Falk, Etablissement Franz Xaver Hellner Kempen a/Rhein 1844–1894. Eine rheinische Goldschmiedewerkstatt im Historismus, 1994, Frontispiz.