Lebensdaten
1888 – 1968
Geburtsort
New York City
Sterbeort
Dunedin (Neuseeland)
Beruf/Funktion
Mediziner ; Internist
Konfession
jüdisch, seit Oktober 1907 evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 121153010 | OGND | VIAF: 42687005
Namensvarianten
  • Griesbach, Walter Edwin
  • Griesbach, Walter
  • Griesbach, Walter Edwin
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Griesbach, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121153010.html [25.02.2024].

CC0

  • Walter Griesbach war durch Studien zum Stoffwechsel von Zucker, Fettsäure und Harnsäure sowie durch hämatologische Arbeiten international bekannt, ehe er 1938 nach Neuseeland emigrierte. Trotz schwieriger Bedingungen in Dunedin fand er durch seine Forschungen, u. a. zur Schilddrüse, weltweite Anerkennung.

    Lebensdaten

    Geboren am 7. Oktober 1888 in New York City
    Gestorben am 10. August 1968 in Dunedin (Neuseeland)
    Grabstätte Friedhof St. Clair Bay (seine Asche wurde verstreut) in Dunedin
    Konfession jüdisch, seit Oktober 1907 evangelisch-lutherisch
  • Lebenslauf

    7. Oktober 1888 - New York City

    1895 - 1897 - Hamburg

    Schulbesuch

    Thomsen-Vorschule

    1897 - 1906 - Hamburg

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Wilhelm-Gymnasium

    1906 - 1911 - Freiburg im Breisgau; Kiel; München

    Studium der Humanmedizin (Abschluss: Staatsexamen)

    Universität

    1909 - 1909 - Frankfurt am Main

    studienbegleitende Anstellung als Assistent

    Chemisch-Physiologisches Institut der Universität

    1911 - 1912 - Freiburg im Breisgau

    Praktisches Jahr

    Medizinische Klinik

    1912 - 1913 - Frankfurt am Main

    Praktisches Jahr; Volontär

    Medizinische Klinik

    1912

    Approbation

    1912 - Freiburg im Breisgau

    Promotion (Dr. med.)

    Universität

    1913 - 1914 - Frankfurt am Main

    Chemisch-Physiologisches Institut

    1914 - 1916 - Wiesbaden

    Städtisches Krankenhaus, Medizinische Station und Stoffwechsel-Laboratorium

    1916 - 1918 - Frankreich; Russland; Italien

    Kriegsdienst als Truppenarzt (zuletzt Bataillonsarzt)

    1919 - 1921 - Hamburg

    Sekundärarzt

    Allgemeines Krankenhaus Sankt Georg; Pharmakologisches Institut der Universität

    1922 - 1938 - Hamburg

    Facharzt für Innere Medizin

    Privatpraxis

    1922 - 1925 - Hamburg

    Lungenfürsorgearzt; Lehrer

    Krankenpflegeschule

    1924 - Hamburg

    Habilitation für Pharmakologie

    Medizinische Fakultät der Universität

    1924 - 1930 - Hamburg

    Privatdozent

    Pharmakologisches Institut der Universität

    1926 - 1934 - Hamburg

    Oberarzt

    Allgemeines Krankenhaus Sankt Georg

    1930 - 1934 - Hamburg

    nichtbeamteter außerordentlicher Professor

    Medizinische Fakultät der Universität

    1934 - Hamburg

    Entzug der Lehrbefugnis

    Medizinische Fakultät der Universität

    1938 - 1938 - Hamburg

    Leitender Oberarzt der Inneren Abteilung

    Israelitisches Krankenhaus

    1938

    Entzug der Approbation

    1939 - 1961 - Dunedin (Neuseeland)

    Anstellung für Lehre und Forschung (1953 Research Officer Endocrinology Research und Honorary Lecturer in Endocrinology)

    Thyroid Research Department der Otago Medical School

    1946

    britischer Staatsbürger

    10. August 1968 - Dunedin (Neuseeland)
  • Genealogie

    Vater Samuel Albert Griesbach gest. 1894 aus Beverungen (Westfalen); Kaufmann; Teilhaber der Importfirma Lamb & Griesbach
    Großvater väterlicherseits Isaac Griesbach Kaufmann
    Großmutter väterlicherseits Rahel Griesbach, geb. Katz
    Mutter Rosa Anna Griesbach, geb. Seeligmann aus Altona bei Hamburg
    Großvater mütterlicherseits Siegfried Seeligmann Vereinsbankbesitzer
    Großmutter mütterlicherseits Henriette Seeligmann, geb. Bauer
    Bruder Georg(e) Albert Griesbach geb. 1890
    Schwester Alice Henriette Friederike Griesbach geb. 1894
    Heirat Dezember 1924 in Hamburg
    Ehefrau Olga Griesbach, geb. Hallenstein geb. 1899 aus Krempe (Holstein); Kindergärtnerin
    Schwiegervater Henry Michaelis Hallenstein gest. 1922 Lederfabrikant
    Schwiegermutter Zara Beatrice Hallenstein, geb. Gotthelf
    Kinder keine
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Griesbach, Walter (1888 – 1968)

    • Vater

      Albert Griesbach

      gest.·1894

      aus Beverungen (Westfalen); Kaufmann; Teilhaber der Importfirma Lamb & Griesbach

      • Großvater väterlicherseits

        Isaac Griesbach

        Kaufmann

      • Großmutter väterlicherseits

        Rahel Griesbach

    • Mutter

      Rosa Griesbach

      aus Altona bei Hamburg

      • Großvater mütterlicherseits

        Siegfried Seeligmann

        Vereinsbankbesitzer

      • Großmutter mütterlicherseits

        Henriette Seeligmann

    • Bruder

      Georg e Griesbach

      geb.·1890

    • Schwester

      Alice Griesbach

      geb.·1894

    • Heirat

      in

      Hamburg

      • Ehefrau

        Olga Griesbach

        geb.·1899

        aus Krempe (Holstein); Kindergärtnerin

  • Biografie

    Griesbach, der aufgrund beruflicher Verpflichtungen der Eltern in New York City geboren wurde, zog 1894 nach dem Tod des Vaters mit seiner Mutter und den Geschwistern nach Hamburg, wo er in einem wohlhabenden Umfeld aufwuchs. Nach dem Abitur am Hamburger Wilhelm-Gymnasium 1906 studierte er Medizin an der Universität Freiburg im Breisgau sowie je ein Semester an den Universitäten in Kiel und München. In Freiburg im Breisgau legte er sämtliche Examina ab und wurde 1913 bei Hermann Straub (1882–1938) und Theodor Paul Axenfeld (1867–1930) mit der Dissertation „Über Milchsäurebildung im lackfarbenen Blute“ zum Dr. med. promoviert. Griesbach war wiederholt schon als Student sowie 1913/14 als Assistent am Chemisch-Physiologischen Institut der Universität angestellt und wurde hier v. a. von Gustav Embden (1874–1933) in die medizinische Forschung eingeführt. Er entfaltete zügig eine rege Publikationstätigkeit und legte, teils als Koautor 1913/14, sieben Zeitschriftenpublikationen vor.

    Nach zwei Jahren als Assistent am Städtischen Krankenhaus Wiesbaden bei Wilhelm Weintraud (1866–1920) wurde Griesbach 1916 zum Kriegsdienst eingezogen; aus dem Ersten Weltkrieg kehrte er mit einer Herzmuskelschädigung zurück. Er zog nach Hamburg, wo er als Sekundärarzt im Allgemeinen Krankenhaus Sankt Georg und insbesondere am dort untergebrachten Pharmakologischen Institut der Universität bei Arthur Bornstein (1881–1932) seine akademische Karriere vorantrieb. 1922 ließ er sich als Facharzt für Innere Medizin nieder, war weiter als wissenschaftlicher Assistent am Pharmakologischen Institut tätig und lehrte an der Krankenpflegeschule. Er beschäftigte sich in dieser Zeit mit den physiologischen und pathologischen Zuständen des Fettsäure-, Harnsäure- und Zuckerstoffwechsels. Aufgrund seiner Arbeiten zur Glykolyse und seinen Forschungen zu den gerade entdeckten Hormonen, die an diesem Prozess beteiligt sind, entwickelte sich die Diabetesforschung zu seinem Schwerpunkt.

    Nach der Habilitation für Pharmakologie bei Bornstein 1924 wurde die Habilitationsschrift „Über die Gesamtblutmenge“, in der Griesbach auch eine klinisch praktische Methode zur Blutvolumenbestimmung (Kongorotmethode) vorstellte, 1928 in das „Handbuch der normalen und pathologischen Physiologie“ aufgenommen. In seiner Antrittsvorlesung 1924 sprach Griesbach „Über Insulin“. Mit der Habilitation schied er aus dem Krankenhausdienst aus, übernahm 1926 eine Oberarztstelle am Allgemeinen Krankenhaus Sankt Georg und betrieb seine private Arztpraxis.

    Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde dem 1907 vom Judentum zum evangelisch-lutherischen Glauben konvertierten, gleichwohl sich als Agnostiker verstehenden Griesbach im März 1934 aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ die Lehrbefugnis entzogen. Er verlor die Stelle am Krankenhaus, durfte aber als „jüdischer Krankenbehandler“ seine Praxis weiterführen. Im Mai 1938 übernahm er die Leitung der Inneren Abteilung des Israelitischen Krankenhauses, doch wurde ihm im September 1938 die Approbation entzogen. Bestärkt durch eine Warnung des Berliner Pharmakologen Wolfgang Heubner (1877–1957) emigrierte Griesbach mit Ehefrau und Schwiegermutter Ende 1938 über London, New York City, Perth, Melbourne und Sydney nach Wellington (Neuseeland), wo er am 24. April 1939 eintraf.

    Eine Anstellung am Thyroid Research Department der Otago Medical School in Dunedin (Neuseeland) ermöglichte Griesbach Forschung und Lehre. Seine finanzielle Situation blieb trotz eines Stipendiums der Carnegie Corporation angespannt, zumal Griesbach bis 1945 nur eine halbe bezahlte Stelle innehatte. Dank der Unterstützung des Dunediner Dekans und späteren Nobelpreisträgers John Carew Eccles (1903–1997) erhielt er 1945 eine reine Forschungsstelle. 1946 wurde er britischer Staatsbürger in Neuseeland.

    Griesbach erlangte mit Herbert D. Purves (1908–1993) und Thomas H. Kennedy aufgrund ihrer Hormon- und Schilddrüsenforschung weltweit Beachtung. Das Team entdeckte die Produktionsorte aller sechs Hypophysenvorderlappenhormone. Bei den grundlegenden vergleichenden Studien zu Struktur und Funktion von Schilddrüse und Hypophyse übernahm Griesbach vorrangig die histologischen Arbeiten. Darüber hinaus forschte Griesbach zu endokrinen Tumoren in Schilddrüse und Hypophysenvorderlappen.

    Seit 1957 erhielt Griesbach „Wiedergutmachungszahlungen“ der Bundesrepublik. 1960 reiste er erstmals wieder nach Deutschland. Eine Station war der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin in Wiesbaden, wo er auf Einladung von Hans-Hermann Bennhold (1893–1976), der sich als Hamburger Schüler Griesbachs verstand, über die Regulation der Schilddrüsentätigkeit (1960) sprach. Nach dem Ende der NS-Zeit hatte es anderthalb Jahrzehnte gedauert, ehe man Griesbachs Forschungsleistungen in Deutschland zu würdigen begann, was 1967 zur Aufnahme in die Leopoldina führte.

  • Auszeichnungen

    1913 Auszeichnung der Manfred Bernhard Schiffschen Stipendienstiftung in Anerkennung der Arbeiten zu Laborbiologie und -pathologie
    1953 Research Officer Endocrinology Research und Honorary Lecturer in Endocrinology der Otago Medical School, Dunedin (Neuseeland)
    1967 Mitglied der Leopoldina
    2017 schweizerische Griesbach-Hallenstein-Stiftung zur Förderung des akademischen Nachwuchses in der Frauenheilkunde
  • Quellen

    Nachlass:

    Privatbesitz.

  • Werke

    Über Acetessigsäure in der Leber diabetischer Hunde. 2. Mitteilung, in: Biochemische Zeitschrift 37 (1910), S. 34–37.

    Über Milchsäurebildung aus Kohlenhydrat im lackfarbenen Blute, in: Biochemische Zeitschrift 55 (1913), S. 457–467. (Diss. med.)

    Walter Griesbach/Horst Straßner, Zur Methodik der Blutzuckerbestimmung, in: Hoppe-Seyler‘s Zeitschrift für Physiologische Chemie 88 (1913), S. 199–209.

    Gustav Embden/Walter Griesbach/Ernst Schmitz, Über Milchsäurebildung und Phosphorsäurebildung im Muskelpresssaft, in: Hoppe-Seyler‘s Zeitschrift für Physiologische Chemie 93 (1914), S. 84–93.

    Über Serumtherapie des Scharlachs, in: Therapeutische Monatshefte 33 (1919), S. 22–26.

    Über die Blutharnsäure beim Menschen, in: Münchener Medizinische Wochenschrift 42 (1920), S. 617.

    Eine klinisch brauchbare Methode der Blutmengenbestimmung, in: Münchener Medizinische Wochenschrift 43 (1921), S. 1289–1291.

    Über die Zuckerverbrennung in der überlebenden Leber. II. Mitteilung. Insulin und Adrenalin, in: Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin 43 (1924), S. 371–375.

    Über die Gesamtblutmenge, in: Albrecht Bethe/Gustav v. Bergmann/Walter Griebsach (Hg.), Handbuch der normalen und pathologischen Physiologie, Bd. 6: Blut und Lymphe, T. 2, 1928, S. 667–699. (Habilitation)

    Indische Krankenhäuser, in: Die medizinische Welt 37 (1930), S. 1–14.

    Studies on Experimental Goitre II. Changes in Anterior Pituitary of Rat, Produced by Brassica Seed Diet, in: British Journal of Experimental Pathology 22 (1941), S. 245–249.

    Herbert D. Purves/Walter Griesbach, Observations on Acidophil Cell Changes in Pituitary in Thyroxine Deficiency States. Acidophil Degranulation in Relation to Goitrogenic Agents and Extrathyroidal Thyroxine Synthesis, in: British Journal of Experimental Pathology 27 (1946), S. 170–179.

    Effect of Acetamidofluorene on Thyroids of Rats Treated with Methylthiouracil and Thyroxine, in: British Journal of Cancer 4 (1950), S. 133–138.

    Über die Darstellung von zwei Typen von Basophilen in der Rattenhypophyse. Ein Beitrag zur Lokalisation der Hypophysenhormone, in: Klinische Wochenschrift 31 (1953), S. 926–930.

    Herbert D. Purves/Walter Griesbach, Changes in the Basophil Cells of Rat Pituitary after Thyroidectomy, in: Journal of Endocrinology 13 (1956), S. 365–375.

    Regulation der Schilddrüsentätigkeit, in: Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin 66 (1960), S. 48–56.

    Basophil Adenomata in the Pituitary Glands of the 2-Year-Old Male Long Evans Rats, in: Cancer Research 27 (1967), S. 1813–1818.

  • Literatur

    George A. Griesbach, Some Notions and Memories, 1980.

    Viola Angelika Schwarz, Walter Edwin Griesbach (1888–1968). Leben und Werk. Pharmakologe, Stoffwechselpathologe und Endokrinologe, 1999. (P, Qu, W)

    Ralf Forsbach/Hans-Georg Hofer, Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin in der NS-Zeit, 2015, S. 40 f. (P)

    Ralf Forsbach/Hans-Georg Hofer, Internisten in Diktatur und junger Demokratie. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin 1933–1970, 2018. (P)

    Duncan D. Adams/Muriel Bell/Herbert D. Purves, Obituary. Walter Edwin Griesbach, in: New Zealand Medical Journal 68 (1968), S. 188.

    Anna von Villiez, Art. „Walter Griesbach“, in: dies. (Hg.), Mit aller Kraft verdrängt. Entrechtung und Verfolgung „nicht arischer“ Ärzte in Hamburg 1933 bis 1945, 2009, S. 282 f.

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Fotografie, Abbildung in: Ralf Forsbach/Hans-Georg Hofer, Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin in der NS-Zeit, 2015, S. 40 und dies., Internisten in Diktatur und junger Demokratie. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin 1933–1970, 2018, S. 188.

    Fotografien, Abbildung in: Viola Angelika Schwarz, Walter Edwin Griesbach (1888–1968). Leben und Werk, 1999, S. V u. 178–181.

  • Autor/in

    Ralf Forsbach (Köln)

  • Zitierweise

    Forsbach, Ralf, „Griesbach, Walter“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/121153010.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA