Lebensdaten
1797 – 1861
Geburtsort
Öhringen (Hohenlohe)
Sterbeort
Hall (heute Schwäbisch Hall)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Zeichenlehrer ; Buchillustrator
Konfession
evangelisch-lutherisch,seit 1830 General Church of New Jerusalem (New Church)
Normdaten
GND: 116813288 | OGND | VIAF: 57376301
Namensvarianten
  • Gräter, Johann Heinrich Franz
  • Graeter, Franz
  • Gräter, Francis
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Zitierweise

Gräter, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116813288.html [20.05.2024].

CC0

  • Der Zeichner, Literat und politische Aktivist Franz Gräter engagierte sich seit 1816 in der burschenschaftlichen Bewegung. In den 1820er Jahren zu vierjähriger Haft verurteilt, lebte er von 1826 bis 1842 im Exil in den USA, wo er sich als Zeichenlehrer und Buchillustrator einen Namen machte. Zurück in Deutschland, trat er während der 1848er-Revolution für eine demokratische, auf Volkssouveränität basierende Republik ein.

    Lebensdaten

    Geboren am 9. Juni 1797 in Öhringen (Hohenlohe)
    Gestorben am 30. Juli 1861 in Hall (heute Schwäbisch Hall)
    Konfession evangelisch-lutherisch; seit 1830 General Church of New Jerusalem (New Church)
  • Lebenslauf

    9. Juni 1797 - Öhringen (Hohenlohe)

    - 1811 - Hall

    Schulbesuch

    Gymnasium St. Michael

    1814 - 1815 - Heilbronn

    Ausbildung als Graveur (abgebrochen)

    1815 - 1816 - Stuttgart

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Obergymnasium

    1816 - 1820 (?) - Tübingen

    Studium der Evangelischen Theologie (vermutlich ohne Abschluss); Mitgründer und Vorstandsmitglied der Burschenschaft „Arminia“

    Universität

    1817 - 1824

    Teilnahme an Burschenschaftsfesten

    Februar 1821 - Mai 1821 - Novara; Alessandria; Genua (alle Italien); Marseille; Lyon, Grenoble (alle Frankreich); Genf, Chur (beide Schweiz)

    Reise in die Schweiz und nach Italien; Kontakt zu italienischen Revolutionären

    1821 - 1823 - Ludwigsburg; Stuttgart

    Soldat

    3. württembergisches Infanterieregiment

    Herbst 1823 - Tübingen

    Studium der Medizin (ohne Abschluss)

    Universität

    27.9.1824 - Tübingen

    Verhaftung wegen Verdachts der Teilnahme an staatsverbrecherischen Verbindungen

    1824 - 1826 - Festung Hohenasperg

    Inhaftierung; Verurteilung zu vier Jahren Haft

    1826

    vorzeitige Freilassung; Emigration

    1826 - 1829 - Northampton (Massachusetts, USA)

    Lehrer für Deutsch und Zeichnen

    Roundhill School

    1829 - 1831 (?) - Cambridge (Massachusetts, USA)

    Lehrer für Zeichenkunst und neuere Sprachen

    Harvard University

    1834 - 1839 - Boston (Massachusetts, USA)

    Zeichenlehrer

    Temple School

    1839 - New York

    Übersiedlung

    1842 - Stuttgart

    Rückkehr nach Württemberg

    10.1.1845 - Hall

    Ausweisung nach Hall; Aufenthalt im Spital, danach im Armenhaus

    1848 - Hall

    Aktivist

    Vaterländischer Verein; Demokratischer Verein bzw. Volksverein

    30. Juli 1861 - Hall (heute Schwäbisch Hall)
  • Genealogie

    Vater Friedrich Franz Gräter 1753–1815 Bijoutier (Goldschmied) in Hall
    Großvater väterlicherseits Johann Benignus Gräter 1712–1792 Pfarrer in Geißlingen
    Großmutter väterlicherseits Juliana Maria Barbara Gräter, geb. Reinhard 1718–1755
    Mutter Anna Barbara Gräter, geb. Sulzer 1770–1807
    Großvater mütterlicherseits Hans Jakob Sulzer 1746–1797 Salzfactor in Winterthur
    Großmutter mütterlicherseits Anna Maria Sulzer, geb. Schele
    Heirat 2.11.1834
    Ehefrau Elizabeth Mason Gräter, geb. Goodwin 1813–1875
    Schwiegervater Isaac Goodwin 1786–1832 Rechtsanwalt in Boston (Massachusetts, USA)
    Schwiegermutter Elizabeth Goodwin, geb. Hammat 1789–1877
    Sohn Albert Gräter 1835–1909 Maler, Zeichner, Sprachlehrer
    Sohn Johann Benignus Gräter 1838–1895 Missionar
    Sohn Immanuel Gräter 1841–nach 1891 Lehrer, Schulleiter
    Sohn Ludwig (Lewis) Michael Gräter 1843–1899 Lehrer
    Tochter Anna Gräter 2.8.1848–7.10.1848
    Sohn Victor Gräter 1850–1883
    Sohn Otto Gräter 1852–1855
    Sohn Edward Louis Fridolin Gräter 1857–1889
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Gräter, Franz (1797 – 1861)

    • Vater

      Friedrich Franz Gräter

      1753–1815

      Bijoutier (Goldschmied) in Hall

      • Großvater väterlicherseits

        Johann Benignus Gräter

        1712–1792

        Pfarrer in Geißlingen

      • Großmutter väterlicherseits

        Juliana Maria Barbara Gräter

        1718–1755

    • Mutter

      Anna Barbara Gräter

      1770–1807

      • Großvater mütterlicherseits

        Hans Jakob Sulzer

        1746–1797

        Salzfactor in Winterthur

      • Großmutter mütterlicherseits

        Anna Maria Sulzer

    • Heirat

      • Ehefrau

        Elizabeth Mason Gräter

        1813–1875

  • Biografie

    Gräter besuchte das Gymnasium in Hall und das Obergymnasium in Stuttgart. Nach dem Abitur studierte er seit 1816 Evangelische Theologie in Tübingen. Hier beteiligte er sich im Dezember 1816 an der Gründung der Burschenschaft „Arminia“, als deren Delegierter er auf dem Jenaer Burschentag vom Oktober 1818 bei der Gründung der „Allgemeinen deutschen Burschenschaft“ mitwirkte. Auch auf dem Burschentag vom September/Oktober 1820 in Dresden nahm Gräter als Vertreter der Tübinger Burschen teil, obwohl die „Arminia“ bereits 1819 verboten worden war. Nach der Rückkehr vom Dresdener Burschentag reiste Gräter im Februar 1821 in die Schweiz, angeblich, um dort die ihm angebotene Stelle eines Privatlehrers an einer Schule in Mollis (Kanton Glarus) anzutreten, vermutlich aber mit der Absicht, nach Norditalien zu gehen, um sich dort den italienischen Aufständischen gegen die österreichische Herrschaft anzuschließen. Anfang März reiste Gräter in Begleitung des italienischen Carbonaro Joachim de Prati (1790–1863) weiter nach Genua, wo sie erfuhren, dass der italienische Aufstand von österreichischen Truppen niedergeschlagen worden war. Gräter kehrte deshalb über Marseille und die Schweiz nach Württemberg zurück und trat dort als Soldat in die Armee ein.

    1823 nahm Gräter seinen Abschied und begann im Herbst das Studium der Medizin in Tübingen, das er nicht abschloss. Er engagierte sich abermals in der Burschenschaft, wurde im September 1824 wegen der Mitgliedschaft im geheimen radikaldemokratischen „Jünglingsbund“ festgenommen, auf der Festung Hohenasperg inhaftiert und im Mai 1825 zu vier Jahren Haft verurteilt. 1826 erfolgte seine vorzeitige Entlassung unter der Auflage, in die USA auszuwandern.

    In Northampton nahe Boston (Massachusetts) fand Gräter eine Anstellung als Lehrer für Deutsch und Zeichnen an der Round Hill School, an der auch der 1824 aus Deutschland emigrierte Karl Ludwig Beck (1798–1866) als Latein- und Turnlehrer tätig war. 1828 oder 1829 siedelte Gräter nach Boston über, wo er als Sprach- und Zeichenlehrer an der Harvard University arbeitete und privaten Zeichenunterricht gab. Zu seinen Schülerinnen gehörte Sophia Peabody (1809–1871), die spätere Ehefrau des Schriftstellers Nathaniel Hawthorne (1804–1864). Von 1834 bis 1839 war Gräter Zeichenlehrer an der Temple School in Boston und beteiligte sich als Illustrator an mehreren Büchern; so fertigte er etwa die Zeichnungen für den 1837 von Charles T. Jackson (1805–1880) veröffentlichten „Atlas of Plates, Illustrating the Geology of the State of Maine“ an. In seiner Zeit in Northampton und Boston stand Gräter im engen Kontakt mit der deutschen Emigrantenkolonie um Karl Follen (1796–1840) und Beck und war 1835 Mitgründer und Vorstandsmitglied der „German Society“ in Boston.

    1839 zog Gräter mit seiner Familie nach New York, wo er in wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen lebte. Nach einer Amnestie kehrte er 1842 nach Deutschland zurück und ließ sich in Stuttgart nieder, doch gelang es ihm nicht, eine neue berufliche Existenz aufzubauen. Gesundheitlich angeschlagen, verfiel Gräter dem Alkohol. Anfang 1845 wurde er nach Hall ausgewiesen, wo er von der Armenfürsorge lebte. Mit dem Beginn der Revolution 1848 wurde er wieder politisch aktiv und spielte eine führende Rolle im „Vaterländischen Verein“ und im „Demokratischen Verein“ in Hall. Er nahm an Volksversammlungen teil und forderte den Sturz des Königs sowie die Einführung der Republik. Bei der Niederschlagung der Revolution im Herbst 1848 wurde Gräter nicht verhaftet, möglicherweise weil er zu dieser Zeit schon schwer erkrankt war. Er wurde jedoch als „staatsgefährdende Person“ unter Polizeiaufsicht gestellt. Seine private Existenz war zu dieser Zeit bereits durch seine Trunksucht und Schulden ruiniert. Das letzte Jahrzehnt seines Lebens verbrachte Gräter in Armut in Hall.

    Gräter war von 1816 bis zu seiner erzwungenen Emigration 1826 einer der politisch aktivsten Burschenschafter, der im engen Kontakt mit anderen republikanisch gesinnten politischen Oppositionellen wie Wilhelm Snell (1789–1851), Follen,Samuel Gottlieb Liesching (1786–1864) und Karl Völker (1796–1884) gegen das repressive System der Restaurationszeit agitierte. Er war ein von liberalen und republikanischen Prinzipien überzeugter politischer Aktivist, dem zwar der politische und berufliche Erfolg letztlich versagt blieb, der aber in der demokratischen Tradition des deutschen Vormärz eine wichtige Rolle als Agitator spielte.

  • Auszeichnungen

    1830 Mitglied der Boston Society
    1835 Mitgründer und Vorstandsmitglied der German Society, Boston
  • Quellen

    Nachlass:

    Tagebuch von Franz Gräter 1840–1845. (Privatbesitz)

    Weitere Archivmaterialien:

    Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg, E 319 Bü 2. (Protokoll der Spezialuntersuchungskommission über die Vernehmung des Beschuldigten Johann Heinrich Franz Gräter aus Schwäbisch Hall 1824)

    Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, E 146 Bü 8486 (Politische Persönlichkeiten, Anfangsbuchstabe F–Z, 1825–1858); E 146 Bü 1955 alt. (Gesuch von Franz Gräter um Wiederaufnahme als württembergischer Staatsbürger vom 9.12.1842)

    Special Collections, Raymond H. Folger Library, University of Maine, Orono, Maine.

  • Werke

    Autor:

    Francis Graeter, Mary’s Journey. A German Tale, 1829; dt. Mariens Reise. Novelle, Abdruck in: Morgenblatt für gebildete Stände Nr. 186–200 v. 5.8.–21.8.1830, S. 741–798.

    Der Eulenthurm. Novelle, Abdruck in: Morgenblatt für gebildete Stände Nr. 158–162 v. 3.7.–8.7.1830, S. 629–648.

    Francis Graeter, German and English Phrases and Dialogues. For the Use of Students in the German Language, 1831.

    Francis Graeter, Hydriatics, or Manual of the Water Cure, Especially as Practised by Vincent Priessnitz in Graefenberg. Compiled and Translated from the Writings of Charles Munde, Dr. Oertel, Dr. Bernhard Hirschel and other Eye-Witnesses and Practitioners, 1842.

    Illustrator:

    Charles Beck, A Treatise on Gymnasticks, Taken Chiefly from the German of F. L. Jahn, 1828.

    Sarah P. Doughty, Rose and Her Lamb and Other Tales, 1831.

    Lydia Mary Child, The Oasis, 1834.

    Charles T. Jackson, Atlas of Plates, Illustrating the Geology of the State of Maine, Accompanying the First Report on the Geology of That State. Published by Order of the Legislature of Maine, 1837.

  • Literatur

    Mary LeBaron Stockwell, Descendants of Francis LeBaron of Plymouth, 1904.

    Max Doblinger/Georg Schmidgall, Geschichte und Mitgliederverzeichnisse burschenschaftlicher Verbindungen in Alt-Österreich und Tübingen 1816 bis 1936. Mit einer Einf. v. Paul Wentzcke, 1940.

    Stuart Macdonald, The History and Philosophy of Art Education, 1970.

    Eugen Wendler, Friedrich List und die „Demagogengesellschaft“ von 1825 auf dem Hohenasperg, in: ders., Friedrich List im Zeitalter der Globalisierung, 2014, S. 43–56.

    Ingeborg Forssmann, Franz Gräter und Elizabeth Goodwin, in: Suhlenfege 1 (1995), S. 11–16.

    Thomas Oelschlägel, Hochschulpolitik in Württemberg 1819–1825. Die Auswirkungen der Karlsbader Beschlüsse auf die Universität Tübingen, 1995.

    Peter Hubert (Hg.), Franz Gräter (1797–1861) – Literat und Revolutionär, hg. im Auftrag des Hällisch-Fränkischen Museums. Begleitheft zur Ausstellung, 1998. (P)

    Megan Marshall, The Peabody Sisters. Three Women Who Ignited American Romanticism, 2005.

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Porträt, undatiert (Familienbesitz), Abbildung in: Peter Hubert (Hg.), Franz Gräter (1797–1861) – Literat und Revolutionär, hg. im Auftrag des Hällisch-Fränkischen Museums. Begleitheft zur Ausstellung, 1998.

  • Autor/in

    Jürgen Müller (Frankfurt am Main)

  • Zitierweise

    Müller, Jürgen, „Gräter, Franz“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/116813288.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA