Gerz, Alfons

Lebensdaten
1913 – 1995
Geburtsort
Düsseldorf
Sterbeort
Velden bei Venlo (Niederlande)
Beruf/Funktion
Journalist ; Leiter und Chefredakteur des Sport-Informations-Dienstes
Normdaten
GND: 119134764 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Gerz, Alfons

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Zitierweise

Gerz, Alfons, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd119134764.html#indexcontent [06.11.2026].

CC0

  • Gerz, Alfons

    1913 – 1995

    Journalist, Leiter und Chefredakteur des Sport-Informations-Dienstes

    Alfons Gerz war ein Vorreiter des Sportjournalismus und erwarb bleibende Verdienste für die Professionalisierung der deutschsprachigen Sportpublizistik. Bedeutung erlangte er seit 1945 v. a. als Gründer, Chefredakteur und Gesamtleiter des Sport-Informations-Dienstes (SID), der sich durch Sachlichkeit, Neutralität und gründliche Recherchearbeit auszeichnete und unter der Führung von Gerz zur weltweit größten Sport-Nachrichtenagentur avancierte.

    Lebensdaten

    Geboren am 16. Mai 1913 in Düsseldorf
    Gestorben am 27. März 1995 in Velden bei Venlo (Niederlande)
    Grabstätte Nordfriedhof in Düsseldorf
  • 16. Mai 1913 - Düsseldorf

    1932

    Abitur

    1932 - ca. 1933 - Köln

    Studium der Germanistik, Musik- und Theaterwissenschaft (ohne Abschluss)

    Universität

    1933 - Berlin

    Volontär

    Wolff’sches Telegraphenbüro

    1935 - 1945 - Berlin

    Angestellter

    Deutsches Nachrichten-Büro

    1.5.1937 - 1945

    Mitglied

    NSDAP

    1945 - Düsseldorf

    Mitarbeiter

    Pressebüro Roebel

    1945 - 1973 - Düsseldorf; Neuss

    Gründer; Chefredakteur

    Sport-Informations-Dienst (SID)

    1964 - 1969 - Köln

    Lehrbeauftragter

    Deutsche Sporthochschule

    1972 - 1989 - Neuss

    Gesamtleiter; Mehrheitsgesellschafter

    SID GmbH & Co. KG

    seit 1983 - Köln

    Honorarprofessor

    Deutsche Sporthochschule

    1988 - nahe Düsseldorf

    Übersiedlung

    27. März 1995 - Velden bei Venlo (Niederlande)

    Gerz engagierte sich seit Ende der 1920er Jahre in der katholischen Jugendbewegung, u. a. als Mitglied des Sportverbands „Deutsche Jugendkraft“. Nach dem Abitur 1932 begann er ein Studium der Germanistik, Musik und Theaterwissenschaft an der Universität Köln, ehe er 1933 als Volontär an das Wolff’sche Telegraphenbüro in Berlin wechselte. Dieses wurde 1934 verstaatlicht und ging in dem neu gegründeten und von Otto Mejer (1888–1959) geleiteten Deutschen Nachrichtenbüro auf, für das Gerz von 1935 bis 1945 tätig war. Zum 1. Mai 1937 trat Gerz der NSDAP bei und diente während des Zweiten Weltkriegs u. a. als Presseoffizier in der 6. Armee.

    Nach Kriegsende erhielt Gerz mit der britischen Presselizenz Nr. 4 vom 15. September 1945 die Erlaubnis zur Gründung des Sport-Informations-Dienstes (SID) in Düsseldorf. Als deutschlandweit erste rein auf den Sport konzentrierte Nachrichtenagentur arbeitete der SID anfangs mit der von Arnold Wehrle (1899–1975) gegründeten und geführten Nachrichtenagentur „Sportinformation“ in Zürich sowie mit dem Pressebüro Roebel in Düsseldorf zusammen. Der SID bot den Sportredaktionen bundesdeutscher Tageszeitungen, Radiosender und Fernsehstationen tagesaktuelle Informationen zu allen bedeutenden, nationalen und internationalen Sportereignissen.

    Seit 1972 war Gerz Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer der SID GmbH & Co. KG, für die Mitte der 1980er Jahre u. a. rund 20 festangestellte Redakteure, 300 freiberufliche Mitarbeiter sowie ca. 400 Auslandskorrespondenten tätig waren. Zu Gerz’ langjährigen Mitarbeitern zählten u. a. die Sportjournalisten Ulrich Kaiser (1934–2015), Werner Rabe (geb. 1950) und Wolfgang Uhrig (geb. 1940). Unter der Ägide von Gerz wurden mehrere Tochterunternehmen gegründet, darunter proSport (1970), die Olympische Sportbibliothek (1970), der proSport Presseservice (1975), die COSMOS Sport und Freizeit Promotion GmbH (1981) sowie die ISM Sportvertriebs GmbH (1987). Nach Gerz’ Tod wurde der SID 1998 zu einer Tochtergesellschaft der französischen Nachrichtenagentur Agence France-Presse.

    Von 1964 bis 1969 war Gerz Dozent an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHK), an der er 1978 einen Fonds in Höhe von 25 000 DM (seit 1983 50 000 DM) zur Ausbildung des sportjournalistischen Nachwuchses einrichtete und im Mai 1983 eine Honorarprofessur erhielt. 1984 initiierte er mit dem Rektor der DSHK, Dietrich R. Quanz (geb. 1936), die Gründung des Instituts der Alfons-Gerz-Gesellschaft für publizistische Medien und Sport e. V., das später zum hochschuleigenen Institut für Sportpublizistik (heute Institut für Kommunikations- und Medienforschung) wurde. Zu den von Gerz geprägten Sportjournalisten zählen u. a. Erich Acker (1941–2006) und Hans-Dieter Krebs (1932–2016).

    1956–1986 Mitglied des Sportbeirats (später Wissenschaftlicher Beirat) des Deutschen Sportbunds
    1973 Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
    1979 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
    1983 Honorarprofessor der Deutschen Sporthochschule, Köln
    1993 Bronzene Medaille der Deutschen Sporthochschule, Köln
    Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Präsidiums des Deutschen Sportbundes e. V., Frankfurt am Main
    Vorsitzender des Verbands der Westdeutschen Sportpresse

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv, Berlin-Lichterflede, 9 361-IX KARTEI/10850 938. (NSDAP-Gaukartei)

    Archiv der Deutschen Sporthochschule, Köln. (u. a. Memorandum zum Aufbau eines Forschungsinstituts für Sportpublizistik, April 1984; Dokumentation zur Entwicklung des Fachgebiets Sportpublizistik, ca. 1986)

    Alfons-Gerz-Gesellschaft für publizistische Medien und Sport e. V., Neuss.

    Ingo Lamberty, 40 Jahre vergessener Meinungsführer. Der „sport-informations-dienst“ (sid), ein Monopolist in Sportnachrichten, in: Medium 15 (1985), H. 8, S. 34–37.

    Hansjoachim Höhne, Alfons Gerz und seine vielfältigen Aktivitäten. SID: Sport und Kommerz in der Grauzone, in: Artikel 5. Das Wirtschaftsmagazin der Print-Medien 3 (1988), H. 3, S. 67–69.

    Friedrich Mevert, Alfons Gerz. Prägende Gestalt der Sportpublizistik, in: ders. (Hg.), 50 Jahre Deutscher Sportbund. Geschichte, Entwicklung, Persönlichkeiten, 2000, S. 171 f. (P)

    Christoph Fischer, Gütezeichen Sport-Informations-Dienst. Alfons Gerz machte eine Idee zur publizistischen Tat, in: Ellen Bertke/Heike Kuhn/Karl Lennartz (Red.), Olympisch bewegt. Festschrift zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Manfred Lämmer, 2003, S. 339–344.

    N. N., Art. „Gerz, Alfons“, in: Who is Who der Deutschen Sporthochschule Köln, hg. v. Carl und Liselott Diem-Archiv, 22011, S. 53 f. (P)

    Gerhard Trosien, Art. „Gerz, Alfons“, in: ders. (Hg.), Pioniere, Unternehmer & Manager der Sportbranche in Deutschland, 2023, S. 26 f. (P) (Onlineressource)

    Fotografie, ca. 1980, Abbildung in: Who is Who der Deutschen Sporthochschule Köln, hg. v. Carl und Liselott Diem-Archiv, 22011, S. 53.

    Fotografie, ca. 1990, Abbildung in: Gerhard Trosien (Hg.), Pioniere, Unternehmer & Manager der Sportbranche in Deutschland, 2023, S. 26. (Onlineressource)

  • Autor/in

    →Gerhard Trosien (Oberursel)

  • Zitierweise

    Trosien, Gerhard, „Gerz, Alfons“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119134764.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA