Elisabeth Renata von Lothringen

Lebensdaten
1574 – 1635
Geburtsort
Nancy (Lothringen, heute Frankreich)
Sterbeort
Augustiner-Chorherrenstift Ranshofen bei Braunau am Inn
Beruf/Funktion
Herzogin von Bayern ; Kurfürstin
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 118836218 | OGND | VIAF: 266632722
Namensvarianten

  • Elisabeth Renata von Lothringen
  • Renata, von Lothringen
  • Renate, Bayern, Herzogin
  • Renata, Bavaria, Ducissa

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Zitierweise

Elisabeth Renata von Lothringen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118836218.html [16.04.2026].

CC0

  • Elisabeth Renata von Lothringen

    1574 – 1635

    Herzogin von Bayern, Kurfürstin

    Die Heirat Elisabeth Renatas von Lothringen 1595 mit dem designierten Thronfolger Maximilian I. von Bayern (1573–1651) stärkte die dynastische Verbindung zwischen dem wittelsbachischen Haus Bayern und dem Haus Lothringen. Als Herzogin setzte sie das karitative Engagement ihrer Tante Renata von Lothringen (1544–1602) in Bayern fort und trat v. a. in Altötting als Stifterin auf.

    Lebensdaten

    Geboren am 9. Oktober 1574 in Nancy (Lothringen, heute Frankreich)
    Gestorben am 4. Januar 1635 in Augustiner-Chorherrenstift Ranshofen bei Braunau am Inn
    Grabstätte St. Michael (Wittelsbachergruft) in München
    Konfession römisch-katholisch
    Elisabeth Renata von Lothringen (InC)
    Elisabeth Renata von Lothringen (InC)
  • 9. Oktober 1574 - Nancy (Lothringen, heute Frankreich)

    Juni 1593 - Nancy (Lothringen, heute Frankreich)

    Hof des Herzogs von Lothringen

    6.2.1595 - Nancy

    Hochzeit mit Maximilian I.

    März 1595 - Frühjahr 1596 - Landshut

    Reise; Aufenthalt

    Hoflager

    Frühjahr 1596 - München

    Übersiedlung

    Residenz

    4.2.1598 - 1635

    Herzogin von Bayern

    1607 - u. a. Altötting (Oberbayern)

    Stifterin

    Klöster

    1623 - 1635

    Kurfürstin

    4. Januar 1635 - Augustiner-Chorherrenstift Ranshofen bei Braunau am Inn

    Elisabeth wuchs am französisch geprägten Hof des Herzogtums Lothringen in Nancy (Lothringen, heute Frankreich) auf. Die Heirat mit ihrem Cousin Maximilian I. von Bayern (1573–1651), dem ältesten Sohn ihrer mit Wilhelm V. von Bayern (1548–1626) verheirateten Tante Renata von Lothringen (1544–1602), verfestigte die seit 1568 bestehende dynastische Verbindung des Hauses Lothringen mit dem Herzogtum Bayern, durch welche die Wittelsbacher auch mit den Königen von Frankreich, Dänemark, Schottland und Spanien verschwägert waren. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter 1575 nahm Elisabeths Großmutter Katharina von Medici (1519–1589) Einfluss auf ihre höfische Erziehung.

    Zur ersten Begegnung zwischen Elisabeth und Maximilian kam es im Juni 1593, als dieser sich im Rahmen einer Kavalierstour durch Europa am lothringischen Hof aufhielt. Die Heiratsverhandlungen wurden im Sommer 1594 abgeschlossen; die Prinzessin erhielt eine Mitgift von hunderttausend Goldkronen, Kleidung und Schmuck und verzichtete auf alle Erbansprüche in Lothringen. Am 6. Februar 1595 fand in Nancy die prachtvolle Hochzeit statt; am 12. März trafen die Neuvermählten in Landshut ein, wo sie ein einjähriges Hoflager bezogen, ehe im Frühjahr 1596 die Übersiedlung nach München in die neue Residenz, die Wilhelminische Veste, erfolgte.

    Nach der Abdankung Herzog Wilhelms V. zugunsten seines Sohns und dessen Herrschaftsantritt am 4. Februar 1598 fungierte Elisabeth als Herzogin von Bayern. In der Residenz verfügte sie über einen eigenen Wohnbau und besoldete Bedienstete unter der Leitung einer Obersthofmeisterin. Seit 1617 war Philipp Kurtz zu Senftenau (gest. 1639/40) ihr Frauenhofmeister.

    Da die Ehe kinderlos blieb, wurde Elisabeth Badekuren und Exorzismen unterzogen; die Kinderlosigkeit schwächte ihre Stellung am Münchner Hof. Zudem stand sie im Schatten ihrer als fromm geltenden Tante Renata, die in München durch ihr karitatives Engagement beliebt war. Auch Elisabeth trat als fromme, mitunter als asketisch beschriebene Herzogin in der Öffentlichkeit auf und führte die wohltätige Arbeit ihrer Tante fort, jedoch ohne eigene Akzente zu setzen. Mit ihrem Ehemann engagierte sie sich v. a. in der katholischen Marienverehrung, die in Wallfahrten zum Ausdruck kam, u. a. 1598 nach Altötting. 1607 stiftete Elisabeth dort „Unserer Lieben Frau“ für eine ewige tägliche Messe 6000 Gulden sowie zwei Messgewänder und zwei kostbare Silberleuchter. Die luxemburgischen Jesuiten Johannes Buslidius (1554–1627) und Adam Contzen (1571–1635) waren ihre Beichtväter am Münchner Hof, 1631 gefolgt von dem Lothringer Johannes Vervaux (1586–1661), der in seinen lateinischen „Annalen des bayerischen Volkes“ (1662/63) auch ihr erster Biograf wurde. Der jesuitische Hofprediger Jeremias Drexel (1581–1636) widmete ihr seinen „Tugendspiegel der Kurfürstin Elisabeth“ (1636).

    Maximilian I. bezog Elisabeth nicht in politische Entscheidungen ein und ließ sie auch nicht an Sitzungen des Geheimen Rats teilnehmen wie etwa sein Sohn Ferdinand Maria von Bayern (1636–1679) eine Generation später seine Ehefrau. Der Briefwechsel des Herzogpaars zeugt allerdings von gegenseitiger Wertschätzung und Zuneigung. Mit der Übernahme der pfälzischen Kurfürstenwürde durch Maximilian I. 1623 erhielt Elisabeth auch den Rang einer Kurfürstin.

    Nach dem Einfall der Schweden in Bayern während des Dreißigjährigen Kriegs sorgte Elisabeth dafür, dass der Schatz der Altöttinger Kapelle von April bis November 1632 nach Salzburg in Sicherheit gebracht wurde. Im Winter 1634/35 floh das Kurfürstenpaar von München in das Augustiner-Chorherrenstift Ranshofen bei Braunau am Inn, um einer Pestepidemie zu entkommen.

    Elisabeths Leichnam wurde 1635 in der Wittelsbacher Gruft der Münchner Hofkirche St. Michael beigesetzt, ihr Herz und ein Teil der Eingeweide auf Maximilians Wunsch in der Altöttinger Gnadenkapelle bestattet, womit die dortige, bis 1954 reichende Tradition der Herzurnenbestattung der Wittelsbacher begründet wurde.

    Ungedruckte Quellen:

    Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abteilung Fürstensachen Nr. 572, 573 u. 575. (Korrespondenz)

    Monacensia im Hildebrandhaus. Literaturarchiv und Bibliothek, München, Autographensammlung, Elisabeth Renata A III/1. (Korrespondenz)

    Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, A 71 Bü 1707. (Korrespondenz)

    Institut de France, Paris, Ms Godefroy 299, fol. 237. (Ehevertrag)

    Bibliothèque nationale de France, Paris, Arsenal, Ms-4107, tome 2. (Ehevertrag)

    Bibliothèque nationale de France, Paris, Manuscrits français 4846, tome 2, fol. 741. (Erbverzicht Elisabeths von Lothringen)

    Gedruckte Quellen:

    Felix Stieve (Hg.), Wittelsbacher Briefe aus den Jahren 1590–1610, 1884, Bd. 17, S. 387–498 (Abt. I); Bd. 18, 1888, S. 115–216 (Abt. II), 443–560 (Abt. III); Bd. 19, 1890, S. 119–258 (Abt. IV); Bd. 20, 1893, S. 57–185 (Abt. V), S. 363–514 (Abt. VI), S. 661–800 (Abt. VII) u. Bd. 22, 1902, S. 1–88 (Abt. VIII). (Onlineressource)

    Jeremias Drexel, Tugendspiegel oder Kleinodschatz welchen der welt nach ihrem ableiben hinterlassen die Durchleüchtigst Churfürstin und Hertzogin in Obern vnd Nidern Bayrn [e]tc. Elisabeth Hochseeligster gedechtnus, weilandt des Durchleüchtigsten Churfürstens Maximiliani Hertzogen in Obern und Nidern Bayrn [e]tc. gewessten gmahel, 1636, S. 139 f. (Onlineressource)

    Johannes Vervaux, Boicae Gentis Annalium, 1662/63, Pars 3, S. 343–348. (Onlineressource)

    Helmut Dotterweich, Der junge Maximilian. Biographie eines bayerischen Prinzen. Jugend und Erziehung des bayerischen Herzogs und späteren Kurfürsten Maximilian I. von 1573 bis 1593, 1980, S. 131 f.

    Margit Ksoll, Der Hofstaat der Kurfürstin von Bayern zur Zeit Maximilians, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 52 (1989), S. 59–69. (Onlineressource)

    Andreas Kraus, Maximilian I. Bayerns großer Kurfürst, 1990, S. 29 u. 333.

    Dieter Albrecht, Maximilian I. von Bayern 1573–1651, 1998, S. 69, 120, 128–131, 162, 324 f. u. 898 f. (Onlineressource)

    Helga Czerny, Die Wittelsbacher und der Wallfahrtsort Altötting. Tradition und Traditionsbildung im bayerischen Herrscherhaus, 2018, S. 76, 78, 145, 152, 186–189, 199, 204 f., 236 u. 240.

    Kupferstich v. Lucas Kilian (1579–1637), 1598, Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Inventar-Nr. LKilian AB 3.214. (Onlineressource)

    Gemälde (Öl/Leinwand), um 1600, Residenzmuseum München, Schwarzer Saal, Südwand, Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Alte Pinakothek München, Inv.-Nr. 7 488. (Onlineressource)

    Miniaturbildnis (Öl/Holz) v. Engelhard de Pee (1540–1605), um 1600, Residenzmuseum München, Herzkabinett.

    Gemälde (Öl/Holz) eines Schülers v. Nikolaus Prugger (um 1620–1694), undatiert, Schloss Schleißheim, Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Alte Pinakothek München, Inv.-Nr. 2510. (Onlineressource)

    Kupferstich v. Crispijn van de Passe der Ältere (1564–1637), 1603, Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Inv.-Nr. CdPasse d. Ä. AB 3.280. (Onlineressource)

    kolorierter Kupferstich (Eheeinsegnung) v. Wolfgang Kilian (1581–1662), 1619, Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, Inventar-Nr. P-Slg. illum. 3.22. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Britta Kägler (Passau)

  • Zitierweise

    Kägler, Britta, „Elisabeth Renata von Lothringen“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118836218.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA