Dohnal, Johanna
- Lebensdaten
- 1939 – 2010
- Geburtsort
- Wien
- Sterbeort
- Grabern (Niederösterreich)
- Beruf/Funktion
- Politikerin ; österreichische Frauenministerin
- Konfession
- römisch-katholisch, seit 1975 konfessionslos
- Normdaten
- GND: 119085577 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Dohnal, Johanna Aloisia
- Dietz, Johanna Aloisia
- Dohnal, Johanna
- Dohnal, Johanna Aloisia
- Dietz, Johanna Aloisia
- Донал, Јохана
- Догнал, Йоганна
- Дональ, Иоганна
- يوهانا دونال
- ヨハンナ・ドーナル
- 요하나 도날
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Dohnal, Johanna Aloisia (geborene Johanna Aloisia Diez)
1939 – 2010
Politikerin, österreichische Frauenministerin
Johanna Dohnal war von 1979 bis 1990 als erste Frauenstaatssekretärin und von 1991 bis 1995 als erste Frauenministerin Österreichs die treibende Kraft hinter zahlreichen frauenpolitischen Initiativen. Sie prägte das feministische Bewusstsein des Landes nachhaltig. Ihr zentrales politisches Anliegen war die eigenständige Existenzsicherung von Frauen durch finanzielle Unabhängigkeit und die freie Wahl ihrer Lebensform.
Lebensdaten
Johanna Dohnal, Österreichische Nationalbibliothek (InC) -
Autor/in
→Maria Steiner (Wien)
-
Zitierweise
Steiner, Maria, „Dohnal, Johanna“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119085577.html#dbocontent
Kindheit und Ausbildung
Dohnal wurde als uneheliches Kind in Wien geboren und wuchs, da ihre Mutter an Tuberkulose erkrankt war, bei ihrer Großmutter in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule in Wien absolvierte sie seit 1953 eine Ausbildung zum „Industriekaufmann“ und arbeitete anschließend als Buchhalterin in der Kunstharzgießerei Lorenz in Wien. 1956 wurde sie Mitglied der SPÖ. 1969 fand sie, nach mehreren Jahren Heimarbeit wegen fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeiten, eine Anstellung als Sekretärin in einer Schlosserei.
Politische Karriere
Dohnals politische Karriere begann in der Regierungszeit von Bundeskanzler Bruno Kreisky (1911–1990). Zunächst organisierte sie innerhalb ihrer Sektion in der SPÖ soziale Projekte für Kinder und ältere Menschen. 1969 wurde sie Bezirksrätin in Wien-Penzing, 1973 Abgeordnete in Gemeinderat und Landtag Wiens und kämpfte mit Hartnäckigkeit und rhetorischem Geschick auch innerhalb ihrer Partei gegen bestehende Strukturen, die Frauen benachteiligten. 1978 gründete sie mit einer Gruppe engagierter Studentinnen der Sozialakademie der Wiener Arbeiterkammer das erste Wiener Frauenhaus für den Schutz misshandelter Frauen und ihrer Kinder und sensibilisierte die Öffentlichkeit für das Thema Gewalt in der Familie.
Der politische Durchbruch gelang Dohnal 1979, als sie zur Bundesfrauenvorsitzenden der SPÖ gewählt wurde: In dieser Funktion hatte sie großen Einfluss auf die frauenpolitische Agenda der Partei und machte Frauenpolitik zu einem zentralen Thema. Im selben Jahr berief Kreisky vier Staatssekretärinnen in die Regierung, darunter Dohnal, die im Bundeskanzleramt für allgemeine Frauenfragen zuständig war. Sie behielt diese Position, die geringes Budget und wenig personelle Ressourcen hatte, bis 1990 und suchte in verschiedenen Regierungsressorts ihre frauenpolitischen Ziele direkt umzusetzen, so 1984 mit der bildungspolitischen Aktion „Töchter können mehr – Berufsplanung ist Lebensplanung“, um Mädchen für technische Berufe zu interessieren und ihnen Zugang zu höher qualifizierten und besser bezahlten Tätigkeiten zu ermöglichen. Dohnal setzte sich ein für den Ausbau ganztägig geöffneter Kindergärten und Ganztagsschulen sowie für die Abschaffung geschlechtsspezifischer Lehrpläne in berufsbildenden Schulen. Sie etablierte interministerielle Arbeitsgruppen und überparteiliche Frauenforen unter Beteiligung konfessioneller und autonomer Frauengruppen und setzte sich für die rechtliche Gleichstellung von Frauen ein, etwa im Namensrecht, wodurch Frauen nach der Heirat ihren Geburtsnamen behalten konnten. 1989 wurde die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt und die Amtsvormundschaft bei ledigen Müttern beseitigt. An Schulen und Universitäten wurden Frauenquoten eingeführt.
Der Verlust der politischen Mehrheit der SPÖ bei den Nationalratswahlen 1983 und Kreiskys Rücktritt als Bundeskanzler und Parteivorsitzender schwächte Dohnals Position als Staatssekretärin für Frauenfragen. Gegen heftigen parteiinternen Widerstand setzte sie 1985 mit Unterstützung der SPÖ-Frauen eine Quotenregelung von 25 % für alle gewählten Funktionen in ihrer Partei durch, die 1993 auf 40 % erhöht wurde. Ein auf Initiative Dohnals erlassenes Gesetz von 1990 ermöglicht in Österreich Vätern und Müttern, sich die Karenzzeit nach der Geburt eines Kindes zu teilen oder wahlweise in Anspruch nehmen.
Erste Frauenministerin Österreichs
1991 von Bundeskanzler Franz Vranitzky (geb. 1937) zur ersten Frauenministerin Österreichs ernannt, novellierte und erweiterte Dohnal in ihrer Amtszeit das seit 1979 geltende Gleichbehandlungsgesetz für den Öffentlichen Dienst, das seit 1993 auch sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz umfasste. Unter Dohnal entstand das Gewaltschutzgesetz, das es ermöglicht, Gewalt ausübende Personen der Wohnung zu verweisen und gegen sie ein Kontaktverbot zu verhängen. 1995 wurde auf ihre Initiative mit der Reform des Ehegesetzes die rechtliche Grundlage für die partnerschaftliche Teilung der Versorgungsarbeit geschaffen.
Rezeption
Während ihrer politischen Karriere wurde Dohnal in den Medien heftig angegriffen, u. a. durch den Kolumnisten der auflagenstarken „Kronen-Zeitung“ Richard Nimmerrichter (1920–2022), der sie als „mit Abstand unnötigstes Regierungsmitglied“ bezeichnete. Auch ihr Privatleben mit ihrer Lebenspartnerin war Anlass zu Diffamierungen. Heute gilt sie, auch dank eines 2019 produzierten Dokumentarfilms von Sabine Derflinger (geb. 1963), als Ikone der deutschsprachigen Frauenbewegung. Dohnals unermüdliches Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter machte sie zu einer der wichtigsten Politikerinnen der Zweiten Republik.
| 1993 | Frau des Jahres der ORF-Redaktion WIR Frauen |
| 1994 | Großes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich |
| 2008 | Frauenpreis der Stadt Wien |
| 2009 | Titularprofessorin |
| 2011 | Johanna-Dohnal-Gemeindebau, Jenullgasse, Wien-Penzing |
| 2012 | Johanna-Dohnal-Platz, Wien-Mariahilf |
| 2022 | Johanna-Dohnal-Wohnhausanlage, Neudörfl (Burgenland) |
Nachlass:
Johanna Dohnal-Archiv im Kreisky-Archiv, Wien. (weiterführende Informationen)
Johanna Dohnal. Eine andere Festschrift, hg. v. Eva Kreisky, 1998. (Aufsatzsammlung)
Innensichten österreichischer Frauenpolitiken. Innsbrucker Vorlesungen. hg. v. Erika Thurner/Alexandra Weiss, 2008. (P)
Ein politisches Lesebuch, hg. v. Maria Mesner/Heidi Niederkofler, 2013. (Aufsatzsammlung)
Herausgeberschaften:
Test the West. Geschlechterdemokratie und Gewalt, Gewalt gegen Frauen gegen Gewalt 1. Kampagne der Bundesministerin für Frauenangelegenheiten 1992/93, 1993.
Im Namen der Liebe, Mai, Arbeits(g)eifer, Oktober, Männchen machen, November, Heimat, 1993. 2. Tagungsdokumentation, Gewalt gegen Frauen gegen Gewalt, Kampagne der Bundesministerin für Frauenangelegenheiten 1992/93, 1994.
Angelika Zach, Zur Geschichte des österreichischen Staatssekretariates für allgemeine Frauenfragen. Entstehungsbedingungen, Gründung und Aktivitäten bis zum Ende der Alleinregierung der SPÖ 1983, 1991.
Susanne Feigl, Was gehen mich seine Knöpfe an? Johanna Dohnal. Eine Biografie, 2002. (P)
Michaela Spiegel, WIENER DAMENHAFT. Eine Interviewcollage, 2005.
Festschrift:
Irmtraut Karlsson/Hans Waschek, Johanna ist fünfzig, 1989.
Dokumentarfilm:
Die Dohnal. Frauenministerin, Feministin, Visionärin, Regie: Sabine Derflinger, 2018, Erstausstrahlung ORF 9.3.2021.
Fotografien, Johanna Dohnal-Archiv im Kreisky-Archiv, Wien.