Dattan, Adolph
- Lebensdaten
- 1854 – 1924
- Geburtsort
- Rudersdorf bei Sömmerda (heute Buttstädt, Thüringen)
- Sterbeort
- Naumburg an der Saale
- Beruf/Funktion
- Kaufmann ; Mäzen ; Mäzen
- Konfession
- evangelisch-lutherisch
- Normdaten
- GND: 1324655011 | GND-Explorer | OGND | VIAF
- Namensvarianten
-
- Dattan, Adolph Traugott Arthur
- Dattan, Adolf Vasilevič
- Dattan, Adolph
- Dattan, Adolph Traugott Arthur
- Dattan, Adolf Vasilevič
- dattan, adolf vasilevic
- Dattan, Adol'f Vasil'evič
- Dattan, Adolf
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Dattan, Adolph Traugott Arthur (russisch Adolf Vasilevič Dattan; erblicher russischer Adel 1914)
1854 – 1924
Kaufmann, Mäzen
Adolph Dattan stieg als gelernter Kaufmann vom ersten deutschen Angestellten zum Teilhaber des großen Handelshauses Kunst & Albers in Wladiwostok (Russland) auf. Er betätigte sich als Mäzen von dortigen Bildungseinrichtungen und in Europa als Förderer von Zoologie und Ethnologie. Im Russischen Reich erhielt er den Titel eines Wirklichen Staatsrats und wurde 1914 in den russischen Erbadel erhoben.
Lebensdaten
Adolph Dattan (InC) -
Autor/in
→Lothar Deeg (Bad Mergentheim)
-
Zitierweise
Deeg, Lothar, „Dattan, Adolph“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd1324655011.html#dbocontent
Dattan erhielt seine Schulbildung im Elternhaus, absolvierte von 1868 bis 1872 eine Kaufmannslehre im Kolonialwarengeschäft seines Schwagers in Naumburg an der Saale und ging anschließend nach Hamburg, wo er als Buchhalter in verschiedenen Firmen, u. a. bei dem Juwelier Fritz Albers, Bruder des in Wladiwostok tätigen Kaufmanns Gustav Albers (1833–1911), arbeitete. Dieser engagierte Dattan als Buchhalter und ersten deutschen Angestellten für sein Handelsgeschäft Magasin Gustawa Albers in Wladiwostok im russischen Fernen Osten und beauftragte ihn 1874 mit der Begleitung einer per Segelschiff dorthin verfrachteten Warenpartie. Dattan wurde 1881 Teilhaber des von Albers und Gustav Kunst (1836–1906) geführten Handelshauses und übernahm 1882 de facto die Geschäftsleitung in Wladiwostok. Die Firma betrieb seit 1878 eigene Schiffe, gründete 1880 in Hamburg ein Einkaufskontor unter dem Namen Kunst & Albers, hatte Handelsverbindungen nach London, Odessa, Sydney, in die USA sowie mit ostasiatischen Handelsplätzen und betätigte sich daneben als Bankhaus und Reederei, Versicherungs- und Schifffahrtsagentur sowie als Produzent eigener Waren wie Wodka und Farben. Seit 1886 firmierte das Unternehmen auch in Wladiwostok unter dem Namen Kunst & Albers. Dattan hielt zunächst 20 % des Firmenkapitals und trieb den Ausbau eines Filialnetzes im russischen Fernen Osten voran: Bis 1913 wuchs das Unternehmen zum führenden Handelshaus der Region mit einem Netz aus 32 Niederlassungen und 1200 Angestellten.
Dattan förderte Zoologie und Ethnologie und stiftete im russischen Fernen Osten zusammengestellte Sammlungen ethnologischer Artefakte und zoologischer Exponate an völkerkundliche und naturhistorische Museen in Braunschweig, Dresden, Wien, Oslo und Leiden. In Wladiwostok war er langjähriger Ehrenkurator des Knabengymnasiums und des Orientalischen Instituts, der ersten Hochschule in Russisch-Fernost, finanzierte den Bau eines Wohnheims für beide Institute mit 150 000 Rubel und stiftete seine Villa als Lehrerwohnhaus. Für seine Verdienste vielfach ausgezeichnet, wurde er im Januar 1914 in den erblichen russischen Adel erhoben.
Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Dattan verdächtigt, für das Deutsche Reich zu spionieren, wurde 1915 verhaftet und nach Kolpaschewo im Gebiet Tomsk (Westsibirien) verbannt. Anfang 1920 kehrte er nach Wladiwostok, dann nach Naumburg an der Saale zurück. 1924 überschrieb Dattan seinen Besitz in der Sowjetunion an seinen Kompagnon Alfred Albers (1877–1931). Nach Enteignungen 1925 musste das Unternehmen in der Sowjetunion schließen, blieb jedoch noch bis 1945 unter der Geschäftsführung von Dattans Sohn Georg von Dattan (1892–1969) in China aktiv.
| 1881 | Mitglied und Kaufmann der 2. Gilde in Wladiwostok (1885 1. Gilde) |
| 1884 | Direktor und Schatzmeister des Wladiwostoker Gefängnis-Treuhandkomitees |
| 1884 | Ehrenmitglied der Wladiwostoker Wohlfahrtsgesellschaft |
| 1885/1886 | Komturkreuz des Ordens Heinrich des Löwen (1896 Ritterkreuz 2. Klasse, 1911 Kommandeurkreuz) (Herzogtum Braunschweig) |
| 1887 | Goldene Medaille „für den Eifer“ am Stanislaw-Band (1890 am Wladimir-Band, 1893 am Andreas-Band) (Russland) |
| 1887 | Mitglied der Wladiwostoker Kaufmännischen Gesellschaft |
| 1888 | Stadtverordneter ersten Ranges |
| 1891 | Ehrenkurator des Knabengymnasiums Wladiwostok |
| 1894 | Orden des Heiligen Schatzes 4. Stufe (1897 Kommandeursorden 3. Stufe) (Japan) |
| 1896 | St.-Stanislaw-Orden 4. Stufe (1902 2. Stufe) (Russland) |
| 1898 | Ritterkreuz 1. Klasse des St.-Olaf-Ordens (Norwegen) |
| 1899 | Erblicher Ehrenbürger (Wladiwostok) |
| 1899 | St.-Anna-Orden 3. Klasse (Russland) |
| 1900 | Kommerzienrat (Russland) |
| 1900 | Wirklicher Ehrenkurator des Orientalischen Instituts in Wladiwostok |
| 1903 | Orden des Doppelten Drachens 2. Klasse, 3. Grad (China) |
| 1903 | Offizierskreuz des Franz-Joseph-Ordens (1911 Komturkreuz) (Österreich) |
| 1904 | Staatsrat (Russland) |
| 1906 | Fürst-Wladimir-Orden 4. Stufe (Russland) |
| 1911 | Wirklicher Staatsrat (Russland) |
| 1914 | erblicher Adel (Russland) |
| 2021 | Theaterstück „Adolph Dattan. Hingabe und Verrat“ im Puschkin-Theater, Wladistostok (Russland) |
Nachlass:
nicht bekannt.
Weitere Archivmaterialien:
Historisches Staatsarchiv St. Petersburg, Fond 1343/35, Archivsache № 7 092, Blatt 2403. (Dienstliste, 5. April 1914)
Stadtarchiv Naumburg an der Saale. (Unterlagen zu Adolph Dattan)
Istoritscheski otscherk paswitija priamurskoj torgowli [Historischer Abriss der Entwicklung des Handels im Priamur-Gebiet], 1897.
George F. Kennan, The Sisson Documents, in: The Journal of Modern History 28 (1956), H. 2, S. 130–154.
Dietrich Bernecker, Hommage an Adolph und Marie Dattan, 2000, Addendum 1, 2003. (Typoskripte)
Axel Steinmann, „Eine Allerhöchste Auszeichnung für eine schöne Collection“. Adolph Traugott Dattan (Adolf Wasiljewitsch Dattan) Katalognummern 30. 1–30. 3, in: Wilfried Seipel, Die Entdeckung der Welt, die Welt der Entdeckungen, Ausstellungskatalog des Kunsthistorischen Museums und des Museums für Völkerkunde Wien 2001, S. 401.
N. Mys/A. Sidorow/G. Turmow, Russkij nemez Adolf Wassilewitsch Dattan [Der russische Deutsche Adolph Wassilewitsch Dattan], 2002.
Lothar Deeg, Kunst & Albers Wladiwostok, Ein deutsches Handelshaus jenseits von Sibirien (1864–1924), 2020.
Fotografie, Gruppenbild u. a. mit Gustav Albers (1833–1911) u. Gustav Kunst (1836–1906), Wladiwostok, 1880. (Onlineressource)