Dassler, Armin A.

Lebensdaten
1929 – 1990
Geburtsort
Herzogenaurach
Sterbeort
Herzogenaurach
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Sportartikelproduzent
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 1060141825 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Dassler, Armin Adolf
  • Dassler, Armin A.
  • Dassler, Armin Adolf
  • Dassler, Armin Adolph

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Zitierweise

Dassler, Armin A., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd1060141825.html#indexcontent [06.08.2026].

CC0

  • Dassler, Armin Adolf

    1929 – 1990

    Unternehmer, Sportartikelproduzent

    Armin Dassler gehörte einer Unternehmerfamilie an, die im 20. Jahrhundert die Geschichte der Sportartikelindustrie und Sportbranche national und international mitbestimmte. Der Neffe des adidas-Gründers Adolf (Adi) Dassler (1900–1978) formte aus der von seinem Vater Rudolf Dassler (1898–1974) 1948 gegründeten PUMA Schuhfabrik einen internationalen Sportartikelkonzern. Zu seinem Werdegang zählen aber auch strategische Fehlentscheidungen, die PUMA in eine schwere Krise rissen.

    Lebensdaten

    Geboren am 15. September 1929 in Herzogenaurach
    Gestorben am 14. Oktober 1990 in Herzogenaurach
    Grabstätte Friedhof in Herzogenaurach
    Konfession römisch-katholisch
    Armin A. Dassler, Imago Images (InC)
    Armin A. Dassler, Imago Images (InC)
  • 15. September 1929 - Herzogenaurach

    - bis 1949 - Erlangen

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Gymnasium

    1952 - Herzogenaurach

    Eintritt in die Geschäftsleitung

    PUMA Schuhfabrik Rudolf Dassler

    1959 - Herzogenaurach

    Teilhaber

    PUMA-Sportschuhfabriken Rudolf Dassler KG

    1962 - 1968 - Salzburg

    Übersiedlung; Gründer und Geschäftsführer der ersten Tochtergesellschaft in Österreich

    PUMA Austria

    1968 - Herzogenaurach

    Rückkehr; Mitglied der Geschäftsleitung

    PUMA-Sportschuhfabriken Rudolf Dassler KG

    1974 - 1986 - Herzogenaurach

    Geschäftsführender Gesellschafter

    PUMA-Sportschuhfabriken Rudolf Dassler KG; 1986 PUMA AG

    Juni 1986 - Januar 1987 - Herzogenaurach

    Aufsichtsratsvorsitzender

    PUMA AG

    Januar 1987 - Oktober 1987 - Herzogenaurach

    Vorstandsvorsitzender

    PUMA AG

    1989

    Verkauf seiner Beteiligung an die Cosa Liebermann SA

    14. Oktober 1990 - Herzogenaurach

    Dassler trat nach dem Schulbesuch in Herzogenaurach und Erlangen (Abitur 1949) auf Wunsch der Eltern in den väterlichen Betrieb ein, arbeitete im Bereich Public Relations und seit 1952 in der Geschäftsleitung der PUMA Schuhfabrik Rudolf Dassler, v. a. beim Aufbau des Vertriebs in den USA. Anhaltende Spannungen mit seinem Vater Rudolf Dassler (1898–1974) führten zu Beginn der 1960er Jahre zu seiner Übersiedlung nach Salzburg. Er ließ sich 1961 aus der deutschen PUMA KG auszahlen, übersiedelte 1962 nach Salzburg, wo er mit PUMA Austria die erste Auslandstochter der Firma aufbaute, als geschäftsführender Gesellschafter leitete und sich als eigenständiger, international agierender Unternehmer profilierte. Seit Februar 1962 produzierte PUMA Austria 500 Paar Sportschuhe pro Woche, v. a. Fußballschuhe. Dassler entwickelte unter dem Namen Condor-Dassler neue Schuhmodelle in Eigenregie, die u a. in England und mit hohen Verkaufszahlen in den USA abgesetzt wurden. 1964 erzielte das Unternehmen mit Condor-Dassler-Schuhen einen Umsatz von 1,3 Millionen D-Mark.

    Ende 1968 kehrte Dassler auf Bitte seines Vaters als Mitglied der Geschäftsleitung in das Familienunternehmen nach Herzogenaurach zurück. In einer Zeit beschleunigter Kommerzialisierung des Sports setzte er konsequent auf prominente Sportler als Markenbotschafter, v. a. aus dem Profifußball, und nahm zahlreiche Weltstars unter Vertrag wie Johan Cruyff (1947–2016), Diego Armando Maradona (1960–2020), Günter Netzer (geb. 1944) und Pelé (1940–2022). Er trieb die Internationalisierung des Unternehmens voran: 1972 lag der Anteil des Auslandsgeschäfts bei rund 60 %, das Unternehmen exportierte in 128 Länder.

    Nach dem Tod seines Vaters 1974 setzte Dassler seinen Anspruch aus dem Gesellschaftsvertrag auf 60 % der Firmenanteile gegen seinen Bruder Gerd (1939–2020), den Rudolf Dassler aufgrund der innerfamiliären Konflikte testamentarisch zum Alleinerben erklärt hatte, gerichtlich durch und folgte seinem Vater als Geschäftsführender Gesellschafter der PUMA-Sportschuhfabriken Rudolf Dassler KG nach. Dassler trieb die Expansion und den Aufbau von PUMA zu einer globalen Marke konsequent voran und steigerte den Weltumsatz von ca. 70 Millionen D-Mark bis 1978 auf ca. 500 Millionen D-Mark. Mitte der 1980er Jahre wurde die Grenze von 1 Milliarde D-Mark überschritten. Das Wachstum wurde getragen von technischen Innovationen wie der faltbaren Duoflex-Sohle (1982) und dem RS-Computer-Laufschuh mit integriertem Sensor, der Laufdaten auf den Computer übertrug (1985). Daneben blieben die Marketingerfolge mit Spitzensportlern wichtig, allen voran mit Boris Becker (geb. 1967), der mit PUMA-Schuhen und -Schlägern auftrat, was dem Unternehmen zusätzliche Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe einbrachte. 1986 wandelte Dassler die Firma in eine Aktiengesellschaft um, deren Aktien kurzfristig stark im Wert stiegen, zog sich kurz darauf mit seinem Bruder Gerd aus dem Vorstand zurück und wechselte als Vorsitzender in den Aufsichtsrat.

    Dem eindrucksvollen Aufstieg des Unternehmens folgte eine spektakuläre Krise: Allein für 1987 wurde bei einem Umsatz von 636 Millionen D-Mark ein Verlust von 32 Millionen D-Mark ausgewiesen, verursacht durch das schlechte USA-Geschäft, das 1985 noch die Hälfte des Gesamtumsatzes der Firma ausgemacht hatte und schon 1986 unter dem Vorstandsvorsitz Dasslers um 50 % eingebrochen war. Dassler räumte ein, wesentliche Markttrends und die veränderten Wünsche der Konsumenten in den USA nach billigen, modischen und bunten Sportartikeln unterschätzt zu haben. Er nahm mit seinem Bruder einen Kredit von 62 Millionen D-Mark bei der Deutschen Bank AG auf und reichte ihn an die PUMA AG weiter, um die Verluste auszugleichen. Im Januar 1987 kehrte er als Vorstandsvorsitzender in das operative Geschäft zurück, wurde jedoch unter dem Einfluss der Deutschen Bank im Oktober 1987 wieder als Vorstandsvorsitzender abgelöst, was die wirtschaftliche Talfahrt nicht aufhielt.

    Dassler und sein Bruder Gerd verkauften im April 1989 ihre etwa 72 %ige Beteiligung an die Schweizer Handelsgruppe Cosa Liebermann SA, im Januar 1990 übernahm der schwedische Mischkonzern Atmos 49,9 % der Anteile und erhöhte seine Beteiligung im Februar 1991 auf 72 %. Bei Dasslers Tod hatten er und seine Familie ihre Funktion als Eigentümer von PUMA vollständig verloren.

    1984 Bayerischer Verdienstorden
    1986–1990 Präsident des Bundesverbands der Deutschen Sportartikelindustrie
    1986–1989 Vizepräsident des Weltverbands der Sportartikelindustrie
    Fachbeiratsvorsitzender der Sportartikelmesse Ispo
    Vorsitzender der Vereinigung Mittelständischer Unternehmer

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Weitere Archivmaterialien:

    Unternehmensarchiv PUMA. (kein geschlossener Bestand)

    Unternehmensarchiv adidas. (kein geschlossener Bestand)

    Patente:

    Sportschuh mit Schalen-Außensohle und speziellen Spannvorrichtungen, US4069 598A, 1978.

    Federelastische Kunststoffsohle und spezielle Rippen im Ballen- und Gelenkbereich für Fußballschuhe, US4507 879A, 1985.

    Laufschuh mit Zwischensohle und auswechselbaren Dämpfungscheiben in Zylindern, EP143 285B1, 1986.

    Nachweis weiterer deutscher und ausländischer Patente in der Datenbank des Deutschen Patent- und Markenamts. (weiterführende Informationen)

    Monografien:

    Wilfried Geldner, Adi Dassler, 1999. (P)

    Rolf-Herbert Peters, Die Puma-Story, 2007. (P)

    Barbara Smit, Die Dasslers. Drei Streifen gegen Puma. Zwei verfeindete Brüder und der Kampf um die Weltmarktführerschaft, 2017. (P)

    Rainer Karlsch/Christian Kleinschmidt/Jörg Lesczenski/Anne Sudrow, Unternehmen Sport. Die Geschichte von adidas, 2018. (P)

    Klaus Werner Müller, Der Krieg der Schuhe. Adidas gegen Puma, 2025.

    Aufsätze und Artikel:

    Schritt rückwärts. Schwierigkeiten bei der Boris-Becker-Firma Puma. In Amerika gingen 50 Millionen Mark verloren, in: Der Spiegel, Nr. 4 v. 18.1.1987.

    Puma. Von der Konkurrenz gejagt., in: Die Zeit, Nr. 5 v. 23.1.1987.

    Prächtig ausgestattet. Wer kauft Puma? Ein Großaktionär soll die Sanierung des Sportartikel-Herstellers erleichtern, in: Der Spiegel, Nr. 37 v. 11.9.1987.

    Rainer Karlsch/Christian Kleinschmidt, Spitzensport und Marktstrategien. Adidas zwischen „Wirtschaftswunder“ und „Weltmarkt“, in: Sport und Gesellschaft 16 (2019), S. 302–332.

    Fernsehfilme:

    Duell der Brüder. Die Geschichte von Adidas und Puma, Drehbuch: Christian Schnalke, Regie: Oliver Dommenget, 2016.

    Deutschlands große Clans. Die Adidas Story, TV-Reihe ZDFzeit, Regie: Uli Weidenbach, 2018.

    Die Dasslers. Pioniere, Brüder und Rivalen, Regie: Cyrill Boss u. Philipp Stennert, ARD 14.4.2020.

  • Autor/in

    Jörg Lesczenski (Frankfurt am Main)

  • Zitierweise

    Lesczenski, Jörg, „Dassler, Armin A.“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd1060141825.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA