Cranz, Christl

Lebensdaten
1914 – 2004
Geburtsort
Uccle bei Brüssel
Sterbeort
Oberstaufen-Steibis (Allgäu)
Beruf/Funktion
Skisportlerin ; Sportlehrerin ; Sportlerin ; Skiläuferin
Konfession
unbekannt
Normdaten
GND: 105203521 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Cranz, Christel Franziska Antonia / geborene
  • Cranz-Borchers, Christel Franziska Antonia / verheiratete
  • Cranz, Christl
  • Cranz, Christel Franziska Antonia / geborene
  • Cranz-Borchers, Christel Franziska Antonia / verheiratete
  • Cranz, Christiane Franziska Antonia
  • Borchers, Christl Cranz-

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Zitierweise

Cranz, Christl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd105203521.html#indexcontent [05.11.2026].

CC0

  • Cranz, Christl (geborene Christel Franziska Antonia Cranz, verheiratete Cranz-Borchers)

    1914 – 2004

    Skisportlerin, Sportlehrerin

    Christl Cranz war eine der international erfolgreichsten alpinen Skirennläuferinnen. Ihre Erfolge feierte sie in der Zeit des Nationalsozialismus. Sie gewann zwölf Weltmeisterschaften und 1936 die erste olympische Goldmedaille im alpinen Skilauf. Nach dem Zweiten Weltkrieg übersiedelte sie von Freiburg im Breisgau nach Steibis (heute Oberstaufen) im Allgäu, wo sie eine Skischule gründete. Sie engagierte sich national und international für die Belange des Skisports und war Autorin zahlreicher Publikationen zum Skisport.

    Lebensdaten

    Geboren am 1. Juli 1914 in Uccle bei Brüssel
    Gestorben am 28. September 2004 in Oberstaufen-Steibis (Allgäu)
    Grabstätte Friedhof in Oberstaufen-Steibis
    Christl Cranz, Imago Images (InC)
    Christl Cranz, Imago Images (InC)
  • 1. Juli 1914 - Uccle bei Brüssel

    1918 - Lichtenstein (Schwäbische Alb); seit 1920 Interlaken (Kanton Bern)

    Übersiedlung der Familie aus Brüssel

    1918 - 1933 - Freiburg im Breisgau

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    (vermutlich) Hindenburgschule (heute Goethe-Gymnasium)

    1933 - 1936 - Berlin

    Studium (Abschluss: Sportlehrerexamen)

    Deutsche Hochschule für Leibesübungen

    nach 1933

    Mitglied; später Scharführerin

    Bund Deutscher Mädel

    1936 - 1945 - Freiburg im Breisgau

    Dozentin

    Institut für Leibesübungen der Universität

    1938

    Mitglied

    Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen

    1939

    Frauenfachwartin

    Deutscher Skiverband

    1945 - 1946 - nahe Freiburg im Breisgau

    Internierung

    französisches Straflager

    30.4.1947 - 12.10.1947 - Tosterglope bei Lüneburg

    Aufenthalt

    1948 - Sonthofen

    Entnazifizierungsverfahren (Einstufung als „Mitläuferin“)

    Spruchkammer

    1947 - 1980er Jahre - Steibis (heute Oberstaufen) im Allgäu

    Übersiedlung; Skilehrerin und Skischulleiterin

    Christl Cranz Skischule

    28. September 2004 - Oberstaufen-Steibis (Allgäu)

    alternativer text
    Christl Cranz, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Bernhard Johannes und Nachfolger (InC)

    Cranz wuchs in Brüssel, seit 1918 in Lichtenstein (Schwäbische Alb) und seit 1920 in Interlaken (Kanton Bern) auf. Nach der Trennung der Eltern übersiedelte sie 1928 mit der Mutter und ihren Brüdern nach Freiburg im Breisgau, wo sie seit 1918 bereits besuchte eine Schule, vermutlich die Hindenburgschule (heute Goethe-Gymnasium), besuchte. Während ihrer Schulzeit erlernte Cranz das Skifahren und trat in Freiburg im Breisgau dem dortigen Skiclub bei, der sie gezielt förderte.

    Im Anschluss an das Abitur 1933 studierte Cranz, unterstützt durch ein Stipendium des Reichssportministers Hans von Tschammer und Osten (1887–1943), an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin. 1936 legte sie das Examen als Sportlehrerin ab und lehrte danach als Dozentin am Institut für Leibesübungen der Universität Freiburg im Breisgau. Während ihrer Schul- und Studienzeit sowie der folgenden Tätigkeit an der Universität Freiburg war sie z. T. monatelang freigestellt, um zu trainieren und sich auf Wettkämpfe vorzubereiten.

    Seit 1934 siegte Cranz bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettkämpfen. In diesem Jahr gewann sie die erstmals ausgetragene Deutsche Meisterschaft in der Alpinen Kombination, einer aus einem Abfahrtslauf und zwei Slalomdurchgängen bestehenden Disziplin. 14 weitere deutsche Meisterschaften in verschiedenen alpinen Disziplinen folgten. Ebenfalls 1934 wurde Cranz in St. Moritz (Kanton Graubünden) Skiweltmeisterin im Slalom und in der Alpinen Kombination. Ihren größten Erfolg errang sie 1936 bei den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen, wo sie die Goldmedaille in der erstmals als olympischer Disziplin etablierten Alpinen Kombination der Frauen gewann. Da der Wettbewerb der Frauen vor jenem der Männer stattfand, gewann Cranz als erste Athletin überhaupt eine olympische Goldmedaille im alpinen Skilauf. Ihr letztes Rennen bestritt Cranz 1941 bei den international nicht anerkannten Skiweltmeisterschaften in Cortina d’Ampezzo (Italien).

    Nach ihrem Olympiasieg wurde Cranz zu einer gefeierten Nationalheldin und diente bereitwillig der nationalsozialistischen Propaganda. So unterstützte sie die NSDAP beim Reichstagswahlkampf im März 1936. Ihren wohl bedeutendsten öffentlichen politischen Auftritt hatte sie 1942 im Rahmen der Propagandakampagne „Skier an die Ostfront“, mit der die Bevölkerung aufgefordert wurde, Skier und Winterausrüstung für deutsche Soldaten an der Ostfront zu spenden. Die medienwirksame Übergabe ihrer eigenen Skier wurde im „Reichssportblatt“ und in der „Deutschen Wochenschau“ veröffentlicht.

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs musste Cranz mehrere Monate Zwangsarbeit in einem französischen Internierungslager in der Nähe von Freiburg im Breisgau leisten, nachdem sie laut späterer eigener Aussage unter Spionageverdacht geraten war. 1947 übersiedelte sie nach Steibis (heute Oberstaufen) im Allgäu. In ihrem Entnazifizierungsverfahren wurde sie als „Mitläuferin“ eingestuft und mit Strafgebühren belegt. Als Begründung wurden ihre Mitgliedschaft im Bund Deutscher Mädel seit 1933, ihre Funktion als Jungmädelbund-Scharführerin, ihre Mitgliedschaft im Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen seit 1938 sowie ihre Tätigkeit als Frauenfachwartin im Deutschen Skiverband seit 1939 angeführt.

    Mit dem früheren Skirennläufer Erwin Egle gründete Cranz 1947 in Steibis eine Skischule, durfte aber erst nach dem Erhalt ihres in Oberstdorf erworbenen Diploms als staatlich geprüfte Skilehrerin 1948 und der Ausstellung des Skilehrerzeugnisses 1949 Kurse geben. Sie war damit eine der ersten, möglicherweise sogar die erste hauptberufliche Skilehrerin Deutschlands, da es Frauen gesetzlich nur in Ausnahmefällen gestattet war, diesen Beruf auszuüben. Neben dieser Tätigkeit führte sie mit ihrem Ehemann seit 1950 ein Skiheim für Kinder in Steibis.

    Cranz hatte zahlreiche nationale und internationale Ehrenämter im Skisport inne. Auf lokaler Ebene war sie 1948 Gründungsmitglied und bis 1978 Vorsitzende des Ski-Clubs Steibis-Aach. Im Deutschen Skiverband fungierte sie von 1948 bis 1968 als Beauftragte für Frauenfragen und leitete bis 1957 den Frauen- und Mädelausschuss. 1951 zählte sie als einzige Frau zu den zehn Gründungsmitgliedern der Deutschen Olympischen Gesellschaft und gehörte seit diesem Jahr sowohl dem Frauenkomitee der Fédération Internationale de Ski als auch bis 1963 dem Frauenbeirat des Deutschen Sportbunds an. Bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d’Ampezzo, 1960 in Squaw Valley (Kalifornien, USA) und 1964 in Innsbruck war Cranz als Kampfrichterin und Betreuerin der deutschen Frauen-Skimannschaft tätig. Darüber hinaus veröffentlichte sie zahlreiche Schriften zum Skisport und hielt zeitlebens Vorträge.


    Sportliche Erfolge

    1934 Goldmedaillen im Slalom und in der Alpinen Kombination; Silbermedaille in der Abfahrt bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften St. Moritz (Graubünden)
    1935 Goldmedaille in der Abfahrt und in der Alpinen Kombination; Silbermedaille im Slalom bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften Mürren (Kanton Bern)
    1935 Siegerin in der Alpinen Kombination bei den Deutschen Meisterschaften Garmisch-Partenkirchen
    1936 Goldmedaille in der Alpinen Kombination bei den Olympischen Winterspielen Garmisch-Partenkirchen
    1936 Siegerin in der Alpinen Kombination bei den Deutschen Meisterschaften Oberstdorf
    1937 Siegerin im Slalom und in der Alpinen Kombination im Arlberg-Kandarhar-Rennen Mürren (Kanton Bern)
    1937 Goldmedaille in der Abfahrt, im Slalom und in der Alpinen Kombination bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften Chamonix-Mont-Blanc (Département Haute-Savoie, Frankreich)
    1937 Siegerin in der Alpinen Kombination bei den Deutschen Meisterschaften Rottach-Egern (Tegernsee)
    1938 Goldmedaille im Slalom und in der Alpinen Kombination; Silbermedaille in der Abfahrt bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften Engelberg (Kanton Obwalden)
    1938 Siegerin in der Abfahrt, im Slalom und in der Alpinen Kombination bei den Deutschen Meisterschaften Feldberg (Schwarzwald)
    1939 Goldmedaille in der Abfahrt, im Slalom und in der Alpinen Kombination bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften Zakopane (Polen)
    1939 Siegerin in der Abfahrt, im Slalom und in der Alpinen Kombination bei den Deutschen Meisterschaften Kitzbühel (Tirol)
    1940 Siegerin in der Abfahrt, im Slalom und in der Alpinen Kombination bei den Deutschen Meisterschaften Ruhpolding
    1941 Siegerin im Slalom und in der Alpinen Kombination bei den Deutschen Meisterschaften

    1951 Mitglied des Frauenkomitees der Fédération Internationale de Ski
    1991 Mitglied der Hall of Fame of International Women’s Sports
    1993 Mitglied der International Ski Hall of Fame
    2000 Georg von Opel-Preis der Adam Opel AG

    Nachlass:

    Schwarzwälder Skimuseum, Hinterzarten. (schriftlicher Nachlass, Fotografien, Goldmedaille, Erinnerungsstücke)

    Weitere Archivmaterialien:

    Universitätsarchiv Freiburg im Breisgau, Generalia, Leibesübungen, B1 3603.

    Staatsarchiv Augsburg, Sonthofen B238. (Spruchkammerakte)

    Skilauf für die Frau, 1935, 21936/37.

    Skilauf, in: Gertrud Pfister (Hg.), Frau und Sport [1935], 1980, S. 180–185.

    Wir brauchen Nachwuchs, in: Durch Pulver und Firn. Das Buch der Deutschen Skiläufer. Jahrbuch des Nationalsozialistischen Reichsbundes/Fachamt Skilauf (1939/40), S. 48–52.

    Christel Cranz/Rudi Cranz, Erprobtes und „Erfahrenes“. Skiläufer und ihr Gerät, 1939.

    Skilauf Bauernsport, in: Odal 12 (1940), S. 949–951.

    Christl Cranz-Borchers, Christl erzähl! Plaudereien aus meinem Skifahrerleben, 1949, 31950. (Autobiografie)

    Christl Cranz-Borchers, Wir laufen Ski, 1958, Neuaufl. 1966.

    Christl Cranz-Borchers, Ein Leben für den Skisport, o. J. (ungedr. Manuskript im Nachlass)

    Birgit Heidtke, Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg, in: dies./Christina Rössler (Hg.), Margarethas Töchter. Eine Stadtgeschichte der Frauen von 1800 bis 1950 am Beispiel Freiburgs, 1995, S. 340–417.

    Adolf J. Schmid, Christl Cranz. Die Freiburger Skilegende, in: Freiburger Almanach (1999), S. 117–122.

    Birgit-Cathrin Duval, Christl Cranz. „Ich konnte das einfach!“. Von der erfolgreichsten deutschen Skiläuferin aller Zeiten, in: Hochschwarzwald v. 1.11.2014. (P) (Onlineressource)

    Annette Hofmann, Christl Cranz, Germany’s Ski Icon of the 1930s. The Nazis’ Image of the Ideal German Woman?, in: Sport in Society 19 (2016), S. 1–17.

    Annette R. Hofmann, Christ(e)l Cranz-Borchers, in: Michael Fahlbusch/Ingo Haar/Alexander Pinwinkler (Hg.), Handbuch der völkischen Wissenschaften, Teilbd. 1, 2017, S. 120–122).

    Annette R. Hofmann, Christ(e)l Cranz. Einblicke in das Leben einer Pionierin des deutschen Skisports, in: Rudolf Müllner/Christof Thöny (Hg.), Skispuren. Internationale Konferenz zur Geschichte des Wintersports, 2019, S. 39–52.

    Hans Heimann, Wie Christl Cranz im Oberland zur Weltmeisterin reifte, in: Berner Zeitung v. 11.2.2025. (P) (Onlineressource)

    Annette R. Hofmann, Christl Cranz. Die Lebensgeschichte einer Olympiasiegerin zwischen Skisport und NS-Politik, 2026. (P)

    13 Fotografien, 1936–1941, Bayerische Staatsbibliothek, München, Bildarchiv. (Onlineressource)

    fünf Fotografien, Februar 1936, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)

  • Autor/in

    →Annette R. Hofmann (Filderstadt)

  • Zitierweise

    Hofmann, Annette R., „Cranz, Christl“, in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd105203521.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA