Braun, Egidius

Lebensdaten
1925 – 2022
Geburtsort
Breinig (heute Stolberg) bei Aachen
Sterbeort
Aachen
Beruf/Funktion
Fußballfunktionär ; Unternehmer ; Funktionär
Konfession
römisch-katholisch
Normdaten
GND: 124033121 | GND-Explorer | OGND | VIAF
Namensvarianten

  • Braun, Egidius

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Zitierweise

Braun, Egidius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd124033121.html#indexcontent [10.05.2026].

CC0

  • Braun, Egidius

    1925 – 2022

    Fußballfunktionär, Unternehmer

    Egidius Braun war von 1977 bis 1992 Schatzmeister und von 1992 bis 2001 Präsident des Deutschen Fußball-Bunds sowie Vizepräsident, Mitglied des Exekutivkomitees und Schatzmeister der europäischen Fußballunion UEFA. Auf der Ebene des Weltfußballverbands FIFA gehörte er seit 1994 der WM-Organisations-Kommission an. Brauns Credo „Fußball – Mehr als ein 1:0!“ und seine Forderung, dass der Fußballsport gesellschaftliche Verantwortung übernehmen müsse, wurden nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven DFB-Amt in die Satzung der nach ihm 2001 benannten DFB-Stiftung Egidius Braun übernommen.

    Lebensdaten

    Geboren am 27. Februar 1925 in Breinig (heute Stolberg) bei Aachen
    Gestorben am 16. März 2022 in Aachen
    Grabstätte Waldfriedhof in Aachen
    Konfession römisch-katholisch
    Egidius Braun, Imago Images (InC)
    Egidius Braun, Imago Images (InC)
  • 27. Februar 1925 - Breinig (heute Stolberg) bei Aachen

    1935 - 1943 - Alsdorf bei Aachen

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Städtisches Gymnasium

    1943 - 1946 - Sowjetunion; Österreich

    Kriegsdienst (zuletzt Leutnant); Kriegsgefangenschaft

    1947 - 1971 - Breinig (heute Stolberg) bei Aachen

    Inhaber; Geschäftsführer

    Fa. Kartoffel Braun (Im- und Exportfirma für landwirtschaftliche Produkte)

    seit 1971 - Aachen

    selbstständiger Unternehmensberater

    1973 - 1992 - Köln; Hennef (Rheinland)

    Präsident

    Fußball-Verband Mittelrhein

    1977 - 2001 - Frankfurt am Main

    Schatzmeister; seit 1992 Präsident

    Deutscher Fußball-Bund (DFB)

    1980 - 2001

    Mitglied der EM-Organisationskommission (seit 1992 Vorsitzender)

    Union des associations européennes de football (UEFA)

    1988 - 2001

    Mitglied des Exekutivkomitees

    UEFA

    1992 - 2001

    Vizepräsident; seit 1997 auch Schatzmeister

    UEFA

    2001 - 2022 - Frankfurt am Main

    Ehrenpräsident

    DFB

    2001 - 2022 - Köln; Hennef

    Vorsitzender des Vorstands

    DFB-Stiftung Egidius Braun

    16. März 2022 - Aachen

    Braun besuchte bis zu seinem Abitur 1943 ein Gymnasium in Alsdorf bei Aachen und leistete anschließend Kriegsdienst in der Sowjetunion und Österreich. Nach US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft kehrte er 1946 nach Breinig (heute Stolberg) bei Aachen zurück und gründete die Im- und Exportfirma Kartoffel Braun, die er bis 1971 leitete. Danach war Braun als selbstständiger Unternehmensberater in Aachen tätig. Seit 1938 spielte er Fußball, war dem Sport später auch als Schiedsrichter verbunden und engagierte sich im Vorstand seines Heimatvereins SV Breinig (Vorsitzender 1956–1959). Von 1983 bis 1987 gehörte Braun dem Verwaltungsrat des 1. FC Köln an.

    Am 4. August 1973 zum Präsidenten des Fußball-Verbands Mittelrhein und drei Wochen später zum Vizepräsidenten des Westdeutschen Fußball-Verbands gewählt, förderte Braun v. a. den Jugendfußball in der Region. Am 29. Oktober 1977 wurde er Schatzmeister, am 24. Oktober 1992 als Nachfolger Hermann Neubergers (1919–1992) achter Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB); ebenfalls 1992 wurde er in das Präsidium des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (seit 2006 Deutscher Olympischer Sportbund) aufgenommen. Am 27. April 2001 trat Braun aus gesundheitlichen Gründen als DFB-Präsident zurück; sein Nachfolger wurde der baden-württembergische Politiker Gerhard Mayer-Vorfelder (1933–2015). Bald nach seinem Rücktritt wurde Braun zum DFB-Ehrenpräsidenten ernannt. In dieser Funktion gehörte er bis zu seinem Tod dem DFB-Präsidium an und war seit 2001 Vorsitzender des Vorstands der ihm gewidmeten DFB-Stiftung Egidius Braun, deren Ziel es ist, neben Sport und Kultur u. a. Erziehung, Jugendhilfe und Völkerverständigung zu fördern und für religiös, politisch oder rassistisch Verfolgte einzutreten.

    International wirkte Braun seit 1980 als Mitglied der EM-Organisationskommission der europäischen Fußball-Union UEFA (seit 1992 als deren Vorsitzender), deren Exekutivkomitee er seit 1988 angehörte, der er seit 1992 als Vizepräsident vorstand und für die er seit 1996 das Amt des Schatzmeisters übernahm. Nach seinem Ausscheiden aus diesen Funktionen 2000 wurde er UEFA-Ehrenmitglied.

    Große Anerkennung über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus und hohe Ehrungen erhielt Braun, der den Fußballsport in der Pflicht sah, gesellschaftliche und karitative Aufgaben zu übernehmen, für seinen Einsatz für Menschen in wirtschaftlich schwachen Staaten. So initiierte er 1986, angeregt durch seinen Besuch der Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko als Delegationsleiter, die bis heute bestehende Mexico-Hilfe des DFB, die u. a. eine Kindertagesstätte und ein Schulzentrum sowie ein Straßenkinderprojekt fördert, und begründete die Unterstützung des DFB für Kinder in Osteuropa. Braun veranlasste 1995 die Festschreibung der gesellschaftlichen Verantwortung des DFB in dessen Satzung; seine Forderung „Fußball – mehr als ein 1:0“ fand 2001 Eingang in die Präambel der nach ihm benannten DFB-Stiftung.

    Braun gab UEFA und DFB wichtige Impulse: Die von ihm entwickelten Vermarktungsansätze auch im Bereich des Pay-TV wirken bis heute nach. Für den DFB verhandelte Braun als Schatzmeister und später als Präsident wichtige Sponsoringvereinbarungen. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit und seinen Funktionärsaufgaben engagierte sich der gläubige Katholik Braun als Organist in einem Aachener Kloster.

    1975 Goldene Verdienstnadel des Aachener Turn- und Sportvereins Alemannia 1900 e. V.
    1979 Silberne Ehrennadel des Deutschen Fußball-Bunds (DFB)
    1983 Silberne Ehrennadel des Handballkreises Aachen
    1985 Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1991 Großes Verdienstkreuz, 1997 mit Stern, 2001 mit Stern und Schulterband)
    1986 Goldene Ehrennadel des DFB
    1987 Sportplakette des Landes Nordrhein-Westfalen
    1993 Ehrenmitglied des Landessportbunds Nordrhein-Westfalen
    1993 Ehrenvorsitzender und Ehrenring des Fußball-Verbands Mittelrhein
    1993 Ehrenplakette des Norddeutschen Fußball-Verbands
    1993 Ehrenmitglied des Nordostdeutschen Fußballverbands
    1995 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
    1996 Willi-Schwarz-Plakette des Rheinischen Turnerbunds
    1996 Großoffizierskreuz des Verdienstordens Ordre de Mérite du gran-duché de Luxembourg
    1997 Tecolote de Oro, Universidad Autonoma de Guadalajara (Mexiko)
    1997 Ehrenmitglied des Sportforums 2000 e. V.
    1997 Dr. h. c., Nationale Sportakademie, Sofia
    1997 Verdienstorden des Landes Berlin
    1998 Ehrenmitglied des Koninklijke Belgische Voetbalbond
    1998 Goldener Ehrenring der Stadt Aachen
    1999 Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen
    2000 Ehrenmitglied der UEFA
    2000 Georg Hohmann-Plakette der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie
    2001 Goldener Fußball des Berliner Fußball-Verbands
    2001 Ehrenpräsident des DFB
    2001 DFB-Stiftung Egidius Braun (weiterführende Informationen)
    2002 DJK-Ethik Preis des Sports
    2002–2018 Egidius-Braun-Preis der „Aachener Nachrichten“ und der „Aachener Zeitung“ (jährlich)
    2003 Jo van Marle Preis des Koninklijke Nederlandse Voetbal Bond
    2004 Verdienstorden in Diamant der UEFA
    2006 Verdienstorden der FIFA aufgrund seines außergewöhnlichen sozialen Engagements
    2007 Ehrenmedaille der Stadt Leipzig
    2007 Staatsorden Medarski Konnik (Bulgarien)
    2008 Steiger-Award für soziales und gesellschaftspolitisches Engagement im Fußball
    2008 Ehrenplakette des Landrats in Gold, Aachen
    seit 2010 Egidius-Braun-Preis für besonderes soziales Engagement des Fußball-Verbands Mittelrhein (dreijährlich) (weiterführende Informationen)
    2013 Ehrenzeichens des Orden Mexicana del Águila Azteca (höchste Auszeichnung des Staates Mexiko für Ausländer mit Verdiensten um das Land oder die Menschheit)

    Nachlass:

    Privatbesitz.

    Archiv des Deutschen Fußball-Bunds und DFB-Stiftung Egidius Braun, Frankfurt am Main. (sportpolitischer Nachlass)

    Monografien und Aufsätze:

    Horst Lachmund, „Fußball ist mehr als ein 1:0“. Biographie des DFB-Ehrenpräsidenten Dr. h. c. Egidius Braun, 2001. (P)

    Deutscher Fußball-Bund (Hg.), Die Ära Egidius Braun, 2001. (P) (Onlineressource)

    Michael Sachse, Egidius Braun, Über das runde Leder hinaus, in: Gerd Ruge/Jörg Schäfer (Hg.), Lebensbilder – Landesbilder. Geschichten aus und über Nordrhein-Westfalen, 2003, S. 177–188.

    Nachrufe und Gedenkartikel:

    Roland Zorn, Zum Tod von Egidius Braun. Mit Herz und Haltung, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.3.2022. (P) (Onlineressource)

    N. N., Dr. h. c. Egidius Braun, in: Deutscher Fußball-Bund, Offizielle Mitteilungen Nr. 3 v. 31.3.2022. (Onlineressource)

    N. N., Braun zum 100. Ehrenmann mit großem Fußballherz, in: DFB-Stiftung Egidius Braun v. 27.2.2025. (P) (Onlineressource)

    Fotografien, 1993–2011, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)

  • Autor/in

    Tobias Wrzesinski (Frankfurt am Main)

  • Zitierweise

    Wrzesinski, Tobias, „Braun, Egidius“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.04.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd124033121.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA