Agnes, Lore
- Lebensdaten
- 1876 – 1953
- Geburtsort
- Bochum
- Sterbeort
- Köln
- Beruf/Funktion
- Politikerin ; Reichstagsabgeordnete ; Frauenrechtlerin ; Pazifistin ; Feministin ; Dienstmädchen
- Konfession
- evangelisch-lutherisch, seit spätestens 1919 konfessionslos
- Normdaten
- GND: 123440912 | OGND | VIAF: 23049592
- Namensvarianten
-
- Agnes, Laura Johanna Agnes
- Benning, Laura Johanna Agnes
- Agnes, Lore
- Agnes, Laura Johanna Agnes
- Benning, Laura Johanna Agnes
- Benning, Lore
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Agnes, Lore (geborene Laura Johanna Agnes Benning, geschiedene Lore Herzig)
1876 – 1953
Politikerin, Reichstagsabgeordnete, Frauenrechtlerin
Lore Agnes war eine führende Vertreterin der proletarischen Frauenbewegung und der Sozialdemokratie. Als Pazifistin während des Ersten Weltkriegs mehrfach verhaftet, gehörte sie 1919/20 für die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands der Weimarer Nationalversammlung an und war bis 1933 durchgehend Mitglied des Reichstags.
Lebensdaten
Lore Agnes (InC) -
Autor/in
→Laura Baumgarten (Kassel)
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Zitierweise
Baumgarten, Laura, „Agnes, Lore“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd123440912.html#dbocontent
Agnes besuchte die Volksschule in Bochum und arbeitete nach dem Tod des Vaters seit ca. 1889 als Dienstmädchen in Düsseldorf. Nach ihrer Heirat 1894 als Hausfrau in Bochum lebend, übersiedelte sie 1905 mit ihrem späteren zweiten Ehemann, dem sozialdemokratischen Journalisten Peter Agnes (1877–1942), nach Düsseldorf. Dort organisierte sie Frauenversammlungen für die SPD und war „Vertrauensperson der Genossinnen“, um trotz Verbot einer Parteimitgliedschaft SPD-nahestehende Frauen zu vernetzen und für Parteiziele zu agitieren. Als Frauen in Preußen die Mitgliedschaft in politischen Parteien erlaubt wurde, trat Agnes 1908 der SPD bei und gehörte seit 1911 dem Vorstand der Düsseldorfer SPD an. Sie engagierte sich in den Kinderschutzkommissionen für Arbeiterkinder und gewann als rhetorisch begabte Agitatorin zahlreiche junge Frauen für ihre Partei sowie für den Verband der Hausangestellten, an deren Aufbau sie seit 1906 maßgeblich beteiligt war.
In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete Agnes innerhalb des linken Parteiflügels der SPD eng mit Clara Zetkin (1857–1933) zusammen, die neben Rosa Luxemburg (1871–1919) ihr politisches Vorbild war. Nach Kriegsbeginn gehörte Agnes als Gegnerin der „Burgfriedenspolitik“ zur Parteiopposition, wurde nach einer Ansprache auf einer Friedenskundgebung in Düsseldorf 1914 inhaftiert und nach ihrer Haftentlassung trotz Freispruch 1915 mit Redeverbot belegt. Sie nahm an den Internationalen Frauenkonferenzen in Bern (1915) und Zürich (1917) teil, hielt Kontakt u. a. zu der Spartakus-Aktivistin Rosi Wolfstein (1888–1987) und trat 1917 zur Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) über, deren Kontrollkommission sie bis 1922 angehörte und deren Düsseldorfer Ortsverein sie 1917/18 de facto leitete.
Im Januar 1919 wurde Agnes für die USPD in die Verfassunggebende Nationalversammlung gewählt, wo sie Fraktionskollegin von Luise Zietz (1865–1922) wurde. Agnes gehörte bis 1933 durchgehend dem Reichstag an, seit 1922 wieder für die SPD, zu deren linken Parteiflügel sie mit ihrer Freundin Mathilde Wurm (1874–1935) zählte. Als Reichstagsabgeordnete v. a. in den Bereichen Sozialpolitik und Jugendfürsorge engagiert, war Agnes von 1919 bis 1932 als Schriftführerin Mitglied des Reichstagspräsidiums und wurde nach der nationalsozialistischen Machtübernahme am 3. März 1933 als eines der ersten Mitglieder der SPD-Reichstagsfraktion für zwei Wochen in „Schutzhaft“ genommen; am 23. März 1933 votierte sie gegen das Ermächtigungsgesetz.
Agnes’ Alltag im Nationalsozialismus war von Gestapo-Überwachung, wiederholten Hausdurchsuchungen und kurzzeitige Verhaftungen geprägt. Seit 1938 war sie erwerbslos. Agnes unterstützte die Arbeit ihrer für illegal erklärten Partei, verteilte in Düsseldorf Flugschriften und nahm an Zusammenkünften früherer SPD-Mitglieder teil; zeitweilig hielt sie sich nach eigenen Angaben in der Düsseldorfer Umgebung versteckt. Nach dem Attentat auf Adolf Hitler (1889–1945) vom 20. Juli 1944 wurde Agnes im Rahmen der „Aktion Gewitter“ inhaftiert, zunächst in Vorbeugehaft und bis Oktober 1944 in „Schutzhaft“. Einer im August 1944 angeordneten Verlegung in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück entging sie durch ein ärztliches Gutachten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützte Agnes mit ihrem Erfahrungswissen den Wiederaufbau der SPD und der Arbeiterwohlfahrt in Düsseldorf. Als Ehrengast nahm sie noch an zahlreichen Parteitagen und Frauenkonferenzen teil.
| um 1955 | Lore-Agnes-Straße, Duisburg-Walsum |
| 1976 | Lore-Agnes-Weg, Düsseldorf (weiterführende Hinweise) |
| seit 1997 | Lore-Agnes-Programm und Lore-Agnes-Preis der Universität Bochum (seit 2023 u. d. T. „Lore Agnes Vision Award“) |
| 2023 | Lore-Agnes-Raum, Volkshochschule und Stadtbücherei Bochum |
| Lore-Agnes-Haus der Arbeiterwohlfahrt, Essen | |
| Lore-Agnes Haus der Arbeiterwohlfahrt, Düsseldorf-Wersten | |
| Kindertagesstätte Lore-Agnes der Arbeiterwohlfahrt, Radevormwald bei Remscheid |
Nachlass:
nicht bekannt.
Weitere Archivmaterialien:
Stadtarchiv Düsseldorf, Bestand 5-4-0. (Plakate und Flugblätter bis 1945; Handzettel zu Wahlen 1919)
Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv, Essen, Bestand V 503 / AWO Bezirksverband Niederrhein e.V., Nr. 01-1637. (Informationssammlung zu Lore Agnes)
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Rheinland, Duisburg, NR 1002-PP, SBE Hauptausschuss Stadtkreis Düsseldorf NW 1002-PP, Nr. 6 896. (Onlineressource)
Franz Osterroth, Art. „Lore Agnes“, in: ders. (Hg.), Biographisches Lexikon des Sozialismus. Verstorbene Persönlichkeiten, Bd. 1, 1960, S. 9 f.
Marie Juchacz, Sie lebten für eine bessere Welt. Lebensbilder führender Frauen des 19. und 20. Jahrhunderts, 1971, S. 137–139.
Wilhelm Heinz Schröder, Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867–1933. Biographien, Chronik, Wahldokumentation. Ein Handbuch, 1985, S. 343 f.
Martin Schumacher, Art. „Agnes, geb. Benning, Lore“, in: ders. (Hg.), M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933–1945, 31994, S. 9 f.
Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert, hg. v. d. Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, 2000, S. 17 f.
Cornelia Baddack, Lore Agnes und die Düsseldorfer (Unabhängige) Sozialdemokratie während des Ersten Weltkrieges, in: Frank Jocob/Riccardo Altieri (Hg.), Krieg und Frieden im Spiegel des Sozialismus 1914–1918, 2018, S. 241–261.
Hartfrid Krause, Die Genossinnen in der USPD. USPD-Frauen in leitender Stellung, 2025.
Fotografie, ca. 1910, Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel. (Onlineressource)
Gruppenbild u. a. mit Luise Zietz, 1919, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs. (Onlineressource)
26 Fotografien, 1919–1952, Archiv der sozialen Demokratie, Bonn.
Fotografie, ca. 1924, Abbildung in: Reichstags-Handbuch. II. Wahlperiode. 1924, hg. v. Bureau des Reichstags, 1924, S. 620. (Onlineressource)
Fotografie, ca. 1930, Abbildung in: Reichstags-Handbuch. V. Wahlperiode. 1930, hg. v. Bureau des Reichstags, 1930, S. 527. (Onlineressource)
Gruppenbild u. a. mit Elisabeth Selbert, 1951, Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel. (Onlineressource)
zwei Fotografien, frühe 1950er Jahre, Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv, Essen, V 503 / AWO Bezirksverband Niederrhein e.V., Nr. 97-57 u. Nr. 97-60.