Lebensdaten
1653 bis 1716
Geburtsort
Schmartsch (seit 1937 Dörfel) Kreis Breslau
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Besitzer von Zinkerzgruben ; Fabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 136449662 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Giesche, Georg Ritter von (seit 1712)
  • Giesche, Georg von
  • Giesche, Georg Ritter von (seit 1712)
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Zitierweise

Giesche, Georg von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136449662.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adam G. (um 1615-n.1680), 18 J. in kaiserl. Diensten, dann Erbsasse zu Sch.;
    Breslau 10.2.1681 Anna Marie (1684–1729), T d. Partiekramers Abraham Schmied in B. u. d. Sabine Zobe;
    9 K, u. a. Gg. Chrstn. (1695–1723), Kaufm., Mitinh. d. Galmeigeschäfts, Frdr. Wilh. (1696–1754), Kaufm., Inh. d. Galmeigeschäfts, Susanne Elis. (⚭ Joh. Matthias Siebeln v. Siebelegg, 1756, techn. Leiter d. Galmeigruben), Joh. Helene (⚭ Joh. Christoph v. Wildenstein, 1769), Christiane Eleonore (⚭ Gg. Wilh. v. Pogrell).

  • Leben

    G. gilt als Begründer der neueren oberschlesischen Galmeigräberei, aus der sich die gewaltige Zinkproduktion des Reviers entwickelte. Über die Persönlichkeit G.s liegen nur wenige Nachrichten vor. 1679 und 1680 als „Kaufmannsdiener“ und „Handlungsbedienter“ bezeichnet, wurde er noch 1680 selbständig und erwarb als „ehrenfester Bürger und Handelsmann“ einige Kaufkammern auf dem Breslauer Ring, deren Besitz ausschließlich an das Recht des Gewandschnitts oder des Tuchhandels gebunden war. Eigene Handelsbeziehungen auf dem Gebiete des Tuchgeschäftes nach Danzig und Leiden sind nachzuweisen. G. galt als eine prozeßlustige Natur. Neben dem Tuchhandel (1723 von den Erben eingestellt) befaßte er sich mit Geldgeschäften aller Art in Ober- und Niederschlesien. Unter anderem trieb er auch Handel mit Galmei, von dem 1702 die erste Nachricht vorliegt (Transport einer Quantität dieses Erzes von Bobrek bei Beuthen nach Breslau). Dieser Galmeihandel wurde fortan zum Hauptgeschäft im Leben G.s. Die Geschäfte führte er von seinem Breslauer Haus auf der Junkernstraße 32. In demselben Gebäude hatte schon Fugger aus Augsburg während des 17. Jahrhunderts bedeutenden Kupferhandel getrieben. 1704 erwarb dann G. für sich und seine Leibeserben von Leopold I. das Recht des alleinigen Galmeigrabens in Oberschlesien (bis 1802 mehrmals erneuert). Das Erz wurde auf der Oder norddeutschen und schwedischen Messingfabriken zugeführt. – Nach dem Tode seines kinderlosen Sohnes Friedrich Wilhelm fiel 1754 das Erbe an die 3 verheirateten Töchter. Erst 1860 fand durch die Gründung der „Bergwerksgesellschaft Georg von Giesches Erben“ die Umwandlung des bisherigen Galmeigeschäfts in eine rentable Zinkindustrie auf breitester Grundlage statt. Die Erweiterung der Galmeigewinnung (unter anderem durch Ankauf von Gruben in Polen und Ungarn), die Übernahme und der Aufbau von Zinkhütten und der Erwerb von Kohlengruben (zum Beispiel 1867 Giesche-Grube, 1890 Heinitz-Grube) ließen die Gesellschaft zu einem der größten Unternehmen auf den Gebieten der Zinkindustrie und des Kohlehandels im oberschlesischen Revier mit internationaler Bedeutung werden.

  • Literatur

    ADB 49;
    K. Wutke, F. Bernhardi u. H. Wendt, Gesch. d. Bergwerksges. G. v. G.s Erben, Festschr. z. 200j. Jubiläum, 4 Bde., 1904;
    Kaisig-Bellée, Oberschles. Bibliogr. II, 1938, S. 38 (Register);
    A. Perlick, Oberschles. Berg- u. Hüttenleute,|1953, S. 73 f., 245 f. (L);
    Gothaisches Genealog. Taschenbuch d. Briefadel. Häuser, 1916.

  • Autor/in

    Alfons Perlick
  • Empfohlene Zitierweise

    Perlick, Alfons, "Giesche, Georg von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 376 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136449662.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Giesche: Georg v. G., der Begründer der neueren oberschlesischen Galmeigräberei, aus dem sich in der Folge die großartige Zinkproduction entwickelte, die noch jetzt von der Bergwerksgesellschaft Georg v. Giesche's Erben in immer steigendem Umfang betrieben wird, wurde am 29. October 1653 als der Sohn eines Bauern in Schmartsch, einem Dorfe bei Breslau, geboren und wurde erst am 29. April 1712 von Kaiser Karl VI. geadelt. Sein Vermögen erwarb er zunächst als Tuchkaufmann in Breslau von 1680 ab. Der Tuchhandel war von alten Zeiten her in Breslau der lebendigste und lohnendste Handelszweig, und obwol er im 17. Jahrhundert schon im Rückgang war, da das östlich gelegene Hinterland sich je länger je mehr dagegen abzuschließen suchte, so lohnte er doch, wie Giesche's Beispiel zeigt, auch damals noch reichlich einen fleißigen und intelligenten Betrieb. Erst im Anfang des 18. Jahrhunderts warf sich G. auf den Handel mit dem in Oberschlesien in der Gegend von Tarnowitz gegrabenen Galmei, den man damals gar nicht als ein Mineral ansah, und dessen Gehalt an Zink die Wissenschaft noch nicht festgestellt hatte, obwol ihn die Technik seit langer Zeit zur Messingbereitung verwerthete. Norddeutsche und schwedische Messingwerke waren denn auch die Hauptabnehmer Giesche's. Die Oder ermöglichte einen billigen Transport des schweren Massenguts. Seitdem G. unter dem 22. November 1704 von Kaiser Leopold I. für sich und seine Erben auf 20 Jahre das alleinige Recht des Bergbaus auf Galmei und des Handels damit für ganz Schlesien erhalten hatte, steckte er den größten Theil seines allmählich erworbenen Vermögens in dies vielversprechende Geschäft. Er erschloß dadurch ein Unternehmen, das im Laufe von zwei Jahrhunderten zu immer steigender Größe sich entwickelt und seinen Erben einen reichen Gewinn abgeworfen hat und noch abwirft, während es zugleich Tausenden von Arbeitern einen reichlichen Verdienst gewährt. Das hebt seine Person weit über die Classe der reichgewordenen Kaufleute hinaus und sichert ihm unter den Wohlthätern seines Heimathlandes einen ehrenvollen Platz. Er selbst führte das Geschäft bis zu seinem Tode am 25. April 1716, seinen Erben wurde das Privileg von 1704 wiederholt von der österreichischen und später von der preußischen Regierung erneuert, sodaß sie ein volles Jahrhundert das Monopol des Galmeigrabens und des Galmeihandels hatten. Nach dem Tode des kinderlosen Sohnes Friedrich Wilhelm 1754 fiel das Geschäft zu gleichen Theilen an die von den drei Töchtern herstammenden adeligen Sippen und vererbte sich unter ihnen, im wesentlichen mit Ausschluß|anderer Theilnehmer, ein Jahrhundert hindurch. Erst seit Erlangung der Corporationsrechte 1860 hat die „Bergwerksgesellschaft Georg von Giesches Erben“ dadurch, daß zahlreiche Mitglieder durch Ankauf von Antheilen in sie eintraten, eine breitere Basis gewonnen.

    Während des ganzen 18. Jahrhunderts blieb das Galmeigeschäft, obwol es einen sicheren und reichlichen Gewinn abwarf, in mäßigem Umfang und primitivem Betriebe, und drohte sogar beim Erlöschen des Exclusivprivilegs im J. 1802 unter den damaligen ungünstigen Zeitverhältnissen ein völliger Eingang desselben. Diese Krisis war dadurch herbeigeführt worden, daß man gegen das Ende des 18. Jahrhunderts erkannte, der Werth des Galmeis beruhe einzig in dem in ihm enthaltenen Zink, welches sich mit Kupfer zu Messing legire, und daß man das Verfahren der Ausschmelzung des Zinks aus dem Galmei erfand. Die dadurch nöthig gewordene Umwandlung des bisherigen Galmeigeschäfts in ein Zinkgeschäft erschien als ein Risiko, zu dem sich die schwerfällige Leitung des Geschäfts der „Erben“ nur zögernd entschloß. Als der Schritt aber einmal gethan war, belohnte er sich auf das glänzendste, und das Geschäft wuchs nun im Laufe des 19. Jahrhunderts zu ungeahntem Umfang an. Je mehr sich mit der raschen Entwicklung der Industrie in diesem Jahrhundert der Zinkbedarf steigerte, desto mehr mußten sich die Galmeigruben ausdehnen und die Zahl der Zinkhütten sich mehren. Dann führte der steigende Kohlenbedarf für diese zur Erwerbung von Kohlengruben, und deren wachsende Ausbeute wieder zum Kohlenhandel und zur Vergrößerung der Zinkproduction. So gehören v. Giesche's Erben heute zu den größten Kohlengrubenbesitzern und Zinkindustriellen Oberschlesiens, dessen Zinkproduction fast zwei Drittel der gesammten Production Deutschlands ausmacht.

  • Autor/in

    Markgraf.
  • Empfohlene Zitierweise

    Markgraf, "Giesche, Georg von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 49 (1904), S. 340-341 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136449662.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA