Lebensdaten
1905 bis 1986
Geburtsort
Reichersdorf bei Landau (Niederbayern)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Alpinist ; Alpinschriftsteller ; Redakteur ; Verleger
Konfession
-
Normdaten
GND: 122396847 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmitt, Fritz

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Zitierweise

Schmitt, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122396847.html [21.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich;
    M Anna N. N.;
    1929 Maria Hamberger;
    1 T.

  • Leben

    S. besuchte die Volksschule in München und absolvierte danach eine Ausbildung zum Elektromonteur (Gesellenprüfung 1923). Seit 1929 war er bei der Dt. Reichsbahn beschäftigt und arbeitete u. a. an der Elektrifizierung der Bahnstrecke von Rosenheim nach Kufstein mit. Sozialistischen Ideen nahestehend, war er zeitweise Betriebsratsvorsitzender der Reichsbahndirektion München.

    Nachdem er schon vorher Bergwanderungen unternommen hatte, begann S. 1921 im Wilden Kaiser zu klettern. Bereits ein Jahr später bewältigte er dort schwierigste Routen wie die Durchsteigung der Fleischbank-Südostwand. Waren die leistungsstarken Kletterer damals fast ausschließlich Studenten und Akademiker, zählte der „Arbeiter-Bergsteiger“ S. zu den frühen Vertretern seiner sozialen Schicht im Alpinismus. Seine Tourenberichte für die bergsteigerische Elitesektion „Bayerland“ des „Dt. u. Oesterr. Alpenvereins“ (DOeAV) weisen rund 2 000 Gipfel mit 30 Erstbegehungen aus, mehrheitlich in den Ostalpen, sowie die Durchsteigung der meisten großen Wände.

    1927 begann S. für alpine Zeitschriften zu schreiben. Nachdem er 1933 aus politischen Gründen von der Reichsbahn entlassen worden war, wurde er hauptberuflicher Alpinpublizist. Als intimer Kenner dokumentierte und kommentierte er das Bergsteigen der 1930er und 40er Jahre. Nach kleinerer alpintechnischer Gebrauchsliteratur 1933-35 veröffentlichte er 1937 mit „Der Bergsteiger von heute“ das Standardwerk der Zeit. Das Lebensbild des Bergführers „Grill, gen. Kederbacher“ (1935, 131959), die Novellen „Mensch, Berg und Tod“ (1937) sowie „Der Berg ist Trumpf“ (1938) zeigen einen kernigbodenständigen Erzähler, aber auch den alpinhistorischen Forscher. Mit seinem „Buch vom Wilden Kaiser“ (1942, 41966, Nachdr. 1982) gelang ihm die fundierte, unterhaltsam geschriebene Monographie einer für das Klettern bedeutenden Gebirgsgruppe. S. bearbeitete überdies fremde Werke und redigierte als Schriftleiter des Bergverlages Rother 1939-44 die „Dt. Alpenzeitung“ sowie den „Winter“, die einzigen vereinsunabhängigen dt. Bergsportzeitschriften. Er zählt zu den bedeutendsten dt. Alpinschriftstellern und -publizisten seiner Zeit. S. verstand den Alpinismus nicht nur als eine sportliche Freizeitbeschäftigung, sondern sprach vom „Bergsteigen als Lebensform“.

    Um einer drohenden Verhaftung durch die Gestapo zu entgehen, trat S. Ende 1943/Anfang 1944 freiwillig in die Wehrmacht ein und erreichte seine Stationierung an der Gebirgssanitätsschule in St. Johann nahe des Wilden Kaisers. Nach Kriegsende als „Verfolgter des Nazi-Regimes“ eingestuft, erhielt er von der US-Militärregierung die Münchner Verlagslizenz Nr. 3. In seinem „Alpinen Verlag Fritz Schmitt“ erschienen seit 1946/47 wichtige alpine Bücher und Zeitschriften, seit 1948 publizierte S. auf eigene Kosten die „Mitteilungen des Alpenvereins“, seit 1951 das „Alpenvereins-Janrbuch“ und seit 1955 die Zeitschrift „Jugend am Berg“. Als freier Redakteur und Verleger des „Dt. Alpenvereins“ (DAV) in der Wiedergründungsphase bis 1967 publizierte er auch „Lehrschriften“ für die Alpenvereinsjugend.

    Schon 1945 versuchte S., einen dt. Nachfolgeverband für den vom Alliierten Kontrollrat aufgelösten DOeAV ins Leben zu rufen. Dem entschiedenen Gegner eines restaurativ-nationalistischen alpinen Vereins gelang es, 1947 beim Zusammenschluß der lizenzierten lokalen „Alpenklubs“ zu einer „Landesarbeitsgemeinschaft“ in Bayern eine junge, apolitische, aber bergsteigerisch aktive Vereinsspitze zu etablieren. Als Berater dieser Vorstandschaft und deren Mediensprecher wurde S. zu einem der wichtigsten Wegbereiter bei der Wiedergründung des „Dt. Alpenvereins“ (DAV).

  • Werke

    Weitere W Der Bergsteiger v. heute, 1937;
    Brettlhupfer u. Schwartlingritter, 1937;
    Kitzbühler Winterlob, 1942;
    Unterwegs, Gedichte, 1946;
    Bergnovellen, 1946;
    München – wie es war, 1946;
    Bergkal. 1946-49;
    Weihnachtslegende, 1947;
    Begegnungen mit Bergtieren, 1948;
    Parodie auf Berg u. Ski, 1978;
    Alpinmonografie Wetterstein, 1979;
    Erlebt u. belauscht, Tiere unserer Berge, 1980;
    Hans Dülfer, 1985;
    zahlr. Btrr. in alpinen Fachzss.;
    Hörbilder f. d. Bayer. Rundfunk.

  • Literatur

    F. Grassler, F. S. u. d. alpine Lit., in: Der Bayerländer 1985, S. 22-25;
    G. Welsch, ebd. 1988, S. 51 f.;
    ders., 100 J. Sektion Bayerland 1895-1995, ebd. 1995, S. 166-69;
    W. Welsch, ebd., 1962, S. 32-36;
    H. Hintermeier, in: Mitt. d. Dt. Alpenver., 1980, S. 347-50;
    F. März, in: Der Bergsteiger 1984, H. 6, S. 64 f. (P);
    P. Grimm u. a., F. S., Bergsteiger, Schriftst., Ghronist, 1987 (L).

  • Autor/in

    Peter Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Peter, "Schmitt, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 233-234 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122396847.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA