Zorn von Plobsheim, Wolff

Lebensdaten
1655 – 1721
Geburtsort
Mömpelgard (Württemberg, heute Montbéliard, Département Doubs, Frankreich)
Sterbeort
Gotha
Beruf/Funktion
Architekt ; Ingenieuroffizier ; Bauingenieur ; Offizier
Konfession
evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 136300952 | OGND | VIAF: 80669282
Namensvarianten

  • Zorn von Plobsheim, Wolf
  • Zorn von Plobsheim, Wolfgang Christoph
  • Zorn von Plobsheim, Wolff
  • Zorn von Plobsheim, Wolf
  • Zorn von Plobsheim, Wolfgang Christoph
  • Zorn von Plobsheim, Wolff Christoph
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  • Zorn von Plobsheim, Wolfgang Christof
  • Zorn von Plobsheim, Wolff Christof

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Zitierweise

Zorn von Plobsheim, Wolff, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136300952.html [23.02.2026].

CC0

  • Zorn von Plobsheim, Wolf (Wolfgang) Christoph

    1655 – 1721

    Architekt, Ingenieuroffizier

    Wolf Christoph Zorn von Plobsheim war seit 1703 als Baudirektor im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg für die Errichtung bedeutender barocker Bauwerke verantwortlich, v. a. das nach französischem Vorbild errichtete Schloss Friedrichsthal in der Residenzstadt Gotha und die Stadtkirche in Waltershausen. Neben Maximilian von Welsch (1671–1745), Gottfried Heinrich Krohne (1703–1756) und Johann David Weidner (1721–1784) zählt er zu den innovativsten Architekten im Thüringer Raum im 18. Jahrhundert.

    Lebensdaten

    Geboren am 20. Oktober 1655 in Mömpelgard (Württemberg, heute Montbéliard, Département Doubs, Frankreich)
    Gestorben am 9. Februar 1721 in Gotha
    Grabstätte Friedhof I (Alter Gottesacker) in Gotha
    Konfession evangelisch-lutherisch
  • 20. Oktober 1655 - Mömpelgard (Württemberg, heute Montbéliard, Département Doubs, Frankreich)

    1662 - Neuenstadt am Kocher

    Übersiedlung

    1668 - Straßburg (Elsass, heute Strasbourg, Frankreich)

    Übersiedlung

    1681 - Gotha

    Aufenthalt

    April 1684 - Friedrichswerth (heute Nessetal) bei Gotha

    Aufenthalt

    herzoglicher Hof

    16.6.1684 - Gotha; Friedrichswerth

    Leutnant; Junker; Amtshauptmann

    herzoglicher Hof

    16.5.1686 - Gotha

    Kammerjunker; Prinzenerzieher (Inspector)

    herzoglicher Hof

    1692 - 1693 - England; Niederlande

    1694 - Italien

    Bildungsreise mit Prinz Johann Wilhelm von Sachsen-Gotha-Altenburg

    1698 - Gotha

    Obristwachtmeister

    herzoglicher Hof

    1699 - Friedenstein (Gotha)

    Schlosshauptmann; Kommandant

    Festung

    1703 - Gotha

    Ingenieuroffizier; Oberst; Baudirektor; Leiter

    herzogliches Bauamt

    1712 - Gotha

    Generalmajor; Oberbaudirektor

    Juni 1713 - Gotha

    Kommandant

    Residenzstadt

    9. Februar 1721 - Gotha

    Zorn von Plobsheim wuchs in Mömpelgard (Württemberg, heute Montbéliard, Département Doubs, Frankreich) auf. 1662 zog er mit der Familie nach Neuenstadt am Kocher; 1668 übersiedelte die Familie nach Straßburg (Elsass, heute Strasbourg, Frankreich). Zorn von Plobsheim erhielt eine Ausbildung als Ingenieuroffizier, über die nichts Näheres bekannt ist. 1681 lässt sich sein erster, am 18. April 1684 ein zweiter Aufenthalt am Gothaer Hof Herzog Friedrichs I. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1646–1691) nachweisen; am 16. Juni 1684 wurde er als Leutnant und Hofjunker am Gothaer Hof angestellt. 1686 war Zorn von Plobsheim einige Monate Prinzenerzieher Friedrichs (II.) von Sachsen-Gotha-Altenburg (1676–1732); Mitte Mai 1686 stieg er zum Kammerjunker auf. 1692/93 begleitete er die herzoglichen Prinzen Friedrich (II.) und Johann Wilhelm von Sachsen-Gotha-Altenburg (1677–1707) auf ihrer Kavalierstour nach England und in die Niederlande. 1694 unternahm er mit Prinz Johann Wilhelm eine Bildungsreise nach Italien. In Gotha wirkte Zorn von Plobsheim unter Herzog Friedrich II. seit 1698 als Obristenwachtmeister, seit 1699 als Gothaer Schlosshauptmann und Kommandant der Artillerie. 1703 wurde er Oberst, Baudirektor und Leiter des herzoglichen Bauamts, 1712 herzoglich-sachsen-gothaischer Oberbaudirektor und Generalmajor und im Juni 1713 Kommandant der Residenzstadt Gotha.

    Zorn von Plobsheims Hauptwerk bildet neben dem für die herzogliche Leibwache 1704 bis 1706 errichteten Ordonnanzhaus der Gothaer Residenz das von 1708 bis 1711 als Lusthaus (Maison de plaisance) und fürstlicher Sommersitz erbaute Schloss Friedrichsthal, das zu den wenigen wirklichen Versailles-Rezeptionen im Heiligen Römischen Reich gehört. Die Spiegelgalerie gilt in der Forschung als verkleinerte Kopie des Spiegelsaals von Versailles. Die an der Académie royale d’architecture in Paris entstandenen Werke fanden Eingang in die Herzogliche Bibliothek, so dass Zorn von Plobsheim für seine Objektstudien u. a. auf François Blondels (um 1618–1686) „Cours d’architecture“, die Schriften von Jules Hardouin-Mansart (1646–1708) und André Le Nôtre (1613–1700) zu Schloss Clagny und den Tuileriengärten sowie auf André Félibiens (1619–1695) Arbeit über das Schloss und die Grotte von Versailles zurückgreifen konnte. Auch die Proportionen der Fassadengestaltung von Schloss Friedrichsthal orientieren sich an der zeitgenössischen französischen Architektur. Mit dem Grottenbauwerk im Schlossgarten nahm Zorn von Plobsheim die barocke Baugruppenkonzeption auf, die an die Dresdner Schloss- und Zwingerplanungen Matthäus Daniel Pöppelmanns (1662–1732) erinnert, während der Grottensaal Hermann Heckmann (1925–2016) zufolge eine selbstständige Leistung von hohem architekturräumlichen Niveau darstellt und sakral anmutet. Der außen nahezu quadratische Baukörper erhebt sich über eineinhalb Geschosse und mündet in einer achteckigen Laterne. Das mit Marienglas, Erzen und Muscheln kostbar ausgezierte Innere ist durch eine kreisrunde Öffnung mit der Laterne verbunden. Die Öffnung säumt ein barockes Balustergeländer, das sich in der Gestaltung der illusionistisch bemalten Decke wiederholt.

    1714 gestaltete Zorn von Plobsheim auf dem über Waltershausen gelegenen Tenneberg das Treppenhaus, den Festsaal und die Kapelle des gleichnamigen Schlosses, das als Jagdschloss genutzt wurde und als Witwensitz für Magdalena Augusta von Anhalt-Zerbst (1679–1740), Ehefrau Herzog Friedrichs II. von Sachsen-Gotha-Altenburg, bestimmt war. Bei der Wand- und Deckengestaltung des Saals griff Zorn von Plobsheim Johann Ulrich Krauss’ (1655–1719) „Tapisseries du Roy […] Königliche Französische Tapezereyen“ (1687) sowie italienische Vorbilder des 17. Jahrhunderts auf. Das Innovative war der Raum, den er von Grund auf modernisierte, so dass dieser mit annähernd doppelter Höhe und symmetrischer Wandaufteilung beiderseits einer Mittelachse der neuesten barocken Stilrichtung entsprach.

    Die Vollendung seines letzten Projekts, der evangelischen Stadtkirche „Zur Gotteshilfe“ in Waltershausen durch Johann Erhard Straßburger (1675–1754), erlebte Zorn von Plobsheim nicht mehr. Der Waltershäuser Kirchenbau war v. a. durch die Einführung der Zorn’schen Ellipse als neue architektonische Form in der Kirchenarchitektur des Spätbarocks innovativ. Ein elliptischer Zylinder beherrschte den kompletten Raum vom Grundriss, über die exakt ausgerichteten acht Pfeiler, das Gestühl, die Emporen, die Orgel bis hin zu Voute und Decke. Anders als beim Rund erhielt der Innenraum dadurch zwei Brennpunkte in Gestalt eines doppelt gerichteten Zentralbaus, während die horizontale Achse die Fluchtrichtung vom Eingang bzw. von der herzoglichen Loge hin zu den vertikal ausgerichteten Prinzipalstücken von Altar, Kanzel und Orgel betonte.

    Im Thüringer Raum war Zorn von Plobsheim, abgesehen von Maximilian von Welsch (1671–1745), der einzige hohe Offizier, der mit beachtlichen Bauten in Erscheinung trat, dabei die modernen Elemente französischer Architektur in Sachsen-Gotha einführte und für einen wesentlichen Innovationsschub sorgte.

    Nachlass:

    Archives de la Ville et de l'Eurométropole, Strasbourg, Papiers de la famille Zorn de Plobsheim, nefs et seigneuries, gestion des bien familiaux, 100 J 757–760. (weiterführende Informationen)

    Weitere Archivmaterialien:

    Friedenstein-Stiftung, Schlossmuseum Gotha, Inv.-Nr. G 87.I1, G 87.I-2 (Ansicht der Grotte, Schnitt durch die Grotte); Inv.-Nr. SG 125 (Innenansicht der Grotte, um 1730); Inv.-Nr. SG 749 (Wallgarten mit Lusthaus gen Norden, um 1710); Inv.-Nr. SG 774 (Wallgarten mit Lusthaus gen Süden, um 1710) u. Inv.-Nr. 1202. (Friedrichsthal mit Garten und Grotte, um 1710)

    Staatsarchiv Gotha, Geheimes Archiv E XII, Nr. 8 (Rechnungen Friedrichsthal, 1708); E XII, Nr. 8, No. 7 (Ordonnanzgarten, 1710/11), No. 205 (Lusthaus im Wallgarten, 1706/07); Nr. 228 (Ordonnanzgarten, 1709); E XII, Nr. 9 (Rechnungen Friedrichsthal); OO IV, Nr. 61 (Friedrichsthal, Haupttreppenhaus), um 1710; OO IV, Nr. 65/1+2 (Stadtkirche Waltershausen); OO IV, Nr. 73, Bl. 103, 108, 135 u. 143–147 (Herzoginnengarten mit Lusthaus; Friedrichsthal) Bl. 201 (Friedrichsthal); YY VIII, Nr. 9 (Friedrichsthal, Grotte); Kammer Immediate, Nr. 1291 (Friedrichsthal, Inventar, 1711); Nr. 1379 (Teilnachlass – Grafik) u. Staatsministerium, Kartenkammer, Nr. 178/3.

    Generallandesarchiv Karlsruhe, 72, Nr. 9613, Mutung ihrer hanau-lichtenbergischen Lehen durch die Zorn von Plobsheim. (Stammtafel der Familie von Wolf Christoph Zorn von Plobsheim und seiner sechs männlichen Geschwister, teils mit Lebensdaten und Familienangehörigen)

    Gedruckte Quellen:

    Andreas Rudolphi, Gotha Diplomatica. Oder Ausführliche Historische Beschreibung des Fürstenthums Sachsen-Gotha, T. 2, 1717, nach S. 166. (Ansicht Friedrichsthals)

    Johann Christian Bachoff, Tractatvs Ivridico Historicvs, De Rebvs Religiosis In Genere Illarvmqve Ivre, Ac In Specie De Sepvlcris Gothanis, 1724, S. 259–261.

    Roswitha Jacobsen (Bearb.), Friedrich I. von Sachsen-Gotha und Altenburg. Die Tagebücher 1667–1686, 3 Bde., 2003.

    Bauten:

    Gotha, Ordonnanzhaus, 1704–1706. (abgebrochen)

    Gotha, Schloss Friedrichsthal, 1708–1711.

    Gotha, Schloss Friedenstein, Räume im Ostflügel, 1709–1712.

    Gotha, Schloss Friedenstein, Lusthaus im östlichen Wallgarten, um 1710.

    Gotha, Waisen- und Zuchthaus mit Waisenhauskirche, Erfurter Straße 2, 1710–1712.

    Gotha, Grotte in Schloss Friedrichsthal, 1713–1717. (abgebrochen)

    Gotha, Friedrichskirche, Erfurter Landstraße, 1715. (mit Johann Erhard Straßburger, 1675–1754)

    Gotha, Hospital Maria Magdalena 1716–1719. (mit Johann Erhard Straßburger)

    Waltershausen, Schloss Tenneberg, Treppenhaus, Festsaal und Kirche, 1713–1722.

    Waltershausen, Stadt- und Residenzkirche Zur Gotteshilfe, 1716/19–1723.

    Infrastruktur:

    Gotha, Alleen vor dem Siebleber Tor, 1704–1706.

    Gotha, Wasserkunst zur Trinkwasserversorgung des Friedensteins, 1708–1712.

    Monografien und Beiträge:

    August Beck, Geschichte des gothaischen Landes, Bd. 2: Geschichte der Stadt Gotha, 1870, S. 453 f.

    Walther Volkland, Die Bau- und Kunst-Denkmäler der Stadt Gotha, in: Kurt Schmidt (Hg.), Gotha. Das Buch einer deutschen Stadt, Bd. 2, 1938, S. 19–23.

    Klaus Mertens, Die Stadtkirchen in Thüringen, 31982, S. 25 f., 32–34 u. 186 f.

    Helga Sciurie (Hg.), Deutsche Kunstdenkmäler. Thüringen, 31990, S. 33, 419 u. 454 f.

    Hermann Heckmann, Baumeister des Barock und Rokoko in Thüringen, 1999, S. 124–131.

    Hans-Jürgen Hinrichs, Lateinische und griechische Inschriften in Gotha und Umgebung, Teil 2, 1999, S. 261–269.

    Edith Ulferts, Große Säle des Barock. Die Residenzen in Thüringen, 2000, S. 82–89.

    Hartmut Ellrich, Bühnen für Gottes Wort, in: Konrad Scheurmann/Jördis Frank (Hg.), neu entdeckt. Thüringen – Land der Residenzen, Katalog der 2. Thüringer Landesausstellung, Schloss Sondershausen, 2004, S. 167–172 u. S. 173, Kat.-Nr. 164 u. 165.

    Sigmar Löffler, Geschichte der Stadt Waltershausen. Bd. 1, T. 2, hg. v. Lorenz G. Löffler, 2004, S. 235–244.

    Hartmut Ellrich, Die Waltershäuser Stadt- und Residenzkirche „Zur Gotteshilfe“. Ein Vorläufer der Frauenkirche in Dresden, in: Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch 11 (2005), S. 235–244.

    Heiko Laß, Jagd- und Lustschlösser des 17. und 18. Jahrhunderts in Thüringen, Petersberg 2008, S. 83–88, Abb. 76, 80 u. 84; S. 223–225, Abb. 240–243; S. 243–247, Abb. 262 f., 266–268, Kat.-Nr. 99.

    Udo Hopf, Die Bauten des Generals und Baudirektors, in: Thüringische Landeszeitung (Gotha) v. 10.3.2018.

    Anne-Katrin Kummer/Peggy Große/Joachim Stade, Evangelisch-Lutherische Stadtkirche „Zur Gotteshilfe“ Waltershausen, 2019.

    Achim Ilchmann, Die Ellipse im protestantischen Kirchenbau. Die Kirche „Zur Gotteshilfe“ in Waltershausen, in: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 16 (2024), H. 2, S. 241–247.

    Hartmut Ellrich, Schloss Friedrichsthal in Gotha. Die Geschichte eines barocken Gebäudes von seinen Anfängen bis zur Gegenwart, in: Gotha Illustre. Jahrbuch für Stadtgeschichte 9 (2026), S. 13–53.

    Lexikonartikel:

    N. N., Art. „Wolf Christoph Zorn von Plobsheim“, in: Ulrich Thieme/Felix Becker, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, hg. v. Hans Vollmer, Bd. 36, 1947, S. 558. (Onlineressource)

    Helmut Roob/Günter Scheffler, Art. „Wolf Christoph Zorn von Plobsheim“, in: Gothaer Persönlichkeiten. Taschenlexikon, hg. v. Urania Kultur- und Bildungsverein Gotha, 22006, S. 135 f.

  • Autor/in

    Hartmut Ellrich (Ohrdruf)

  • Zitierweise

    Ellrich, Hartmut, „Zorn von Plobsheim, Wolff“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd136300952.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA