Thomas, Peter

Lebensdaten
1925 – 2020
Geburtsort
Breslau (Niederschlesien, heute Wrocław, Polen)
Sterbeort
Lugano (Kanton Tessin)
Beruf/Funktion
Komponist ; Filmkomponist ; Musiker ; Arrangeur ; Filmmusiker ; Schauspieler ; Bandleader ; Dirigent ; Singstimme
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 128824255 | OGND | VIAF: 63395775
Namensvarianten

  • Thomas, Peter Klaus Martin
  • Thomas, Peter
  • Thomas, Peter Klaus Martin
  • Томас, Пeтер
  • Thomas, Pether
  • Thomas, Pether Klaus Martin

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Zitierweise

Thomas, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128824255.html [03.02.2026].

CC0

  • Thomas, Peter Klaus Martin

    1925 – 2020

    Komponist, Filmkomponist, Musiker, Arrangeur

    Peter Thomas war mit seiner Musik zu rund 700 Kino- und Fernsehfilmen einer der produktivsten Filmmusikkomponisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Kombination aus Jazz, Alltagsgeräuschen, Klangeffekten und Tanzmusik stellte ein Novum in der Filmmusik der Bundesrepublik dar. Mit dem Soundtrack zu „Raumpatrouille Orion“ (1966), der ersten Science-Fiction-Serie im deutschen Fernsehen, begründete er den New Astronautic Sound.

    Lebensdaten

    Geboren am 1. Dezember 1925 in Breslau (Niederschlesien, heute Wrocław, Polen)
    Gestorben am 17. Mai 2020 in Lugano (Kanton Tessin)
    Grabstätte Waldfriedhof Dahlem (Feld 010-86) in Berlin
    Konfession evangelisch
    Peter Thomas, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Fruhstorfer (InC)
    Peter Thomas, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Fruhstorfer (InC)
  • 1. Dezember 1925 - Breslau (Niederschlesien, heute Wrocław, Polen)

    1926 - Berlin

    Übersiedlung

    seit ca. 1931 - Berlin

    Schulbesuch (Abschluss unbekannt)

    unbekannte höhere Schule

    1943 - 1944 - Frankfurt an der Oder (Rekrut)

    Arbeitseinsatz; Rekrut der Infanterie

    Reichsarbeitsdienst; Wehrmacht

    1944 - Mähren

    Offiziersanwärter

    1944 - Dezember 1945 - Westfront bei Aachen; bei Esbjerg (Dänemark); Sankt Peter-Ording (Nordfriesland)

    Kriegsdienst; britische Kriegsgefangenschaft

    1949 - 1953 - Berlin-West

    privates Musikstudium bei Hans Felix Husadel (1897–1964)

    1951 - 1956 - Berlin-West

    Komponist von Arrangements

    British Music Center

    um 1951/52 - Berlin-West; Hamburg

    Komponist

    AFN (US-amerikanischer Soldatensender); RIAS Berlin; Nordwestdeutscher Rundfunk

    seit 1957 - Berlin-West

    Fernsehauftritte mit eigenen Sendungen

    Sender Freies Berlin

    1959 - 2003

    Komponist für Fernsehserien und Kinofilme

    u. a. Westdeutscher Rundfunk; Rialto-Film; Constantin-Film

    1961 - Grünwald bei München

    Übersiedlung

    seit 1961 - Hamburg

    Musikproduzent

    Philips Deutschland GmbH

    1969 - Lugano (Kanton Tessin)

    Übersiedlung

    seit ca. 1975

    Komponist von Werbefilmen und Hörspielen, Musicals und Orchesterwerken für den Rundfunk

    17. Mai 2020 - Lugano (Kanton Tessin)

    alternativer text
    Peter Thomas, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Fruhstorfer (InC)

    Jugend und musikalische Anfänge in Berlin-West

    Thomas wuchs in Berlin auf und besuchte hier eine höhere Schule. Von seinem Großvater mütterlicherseits erhielt er Klavierunterricht, später wurde er in Posaune und Geige ausgebildet. Neben Militär- und Kirchenmusik prägte ihn besonders Filmmusik, v. a. jene Georg Haentzschels (1907–1992). 1943/44 zum Reichsarbeitsdienst und später als Rekrut zur Wehrmacht eingezogen, wurde er nach einer Ausbildung zum Offizier in Mähren im Herbst/Winter 1944 als Panzergrenadier in der Nähe von Aachen eingesetzt und schwer verwundet. Nach Kriegsende musste Thomas in britischer Kriegsgefangenschaft in Dänemark Landminen räumen. In einem Kriegsgefangenenlager in St. Peter-Ording (Nordfriesland) gründete er zur Unterhaltung der Gefangenen mit Heinz Mudrich (1925–2016) das Kabarett „Dünen-Quintett“, wobei erste Kompositionen entstanden. Im Dezember 1945 kehrte er nach Berlin zurück.

    In den ersten Nachkriegsjahren verdiente Thomas seinen Lebensunterhalt als Pianist in den Etablissements der vier Besatzungsmächte und erweiterte sein musikalisches Repertoire durch das Hören des US-amerikanischen Soldatensenders AFN und des RIAS Berlin. Den Plan, Medizin zu studieren, verwarf er und absolvierte von Herbst 1949 bis 1953 ein privates Musikstudium mit den Fächern Harmonielehre, transponierendes Musikdiktat, Kompositionslehre, Instrumentation für Große Orchester, Blasorchester und Spezialbesetzungen bei Hans Felix Husadel (1897–1964). 1951 war Thomas in dem von Martin Benrath (1926–2000), Horst Buchholz (1933–2003), Wolfgang Neuss (1923–1989) und Wolfgang Spier (1920–2011) gegründeten Theaterclub des British Music Center in Berlin-West für die musikalischen Arrangements neuer Aufführungen verantwortlich. Vom RIAS erhielt er Aufträge für Arrangements im Bereich der Unterhaltungsmusik sowie für Große Orchester. 1954 entstand „Die rollende Kugel“, seine erste Komposition für den Rundfunk. 1957/58 moderierte er mit Klaus Wüsthoff (1922–2021) beim Sender Freies Berlin die in der ARD ausgestrahlte Fernseh-Live-Sendung „Gewürfelte Musik“ sowie im Kinderprogramm „Musik mit Onkel Thomas“. Zudem schrieb er Arrangements für die RIAS-Kabarettsendung „Club der Insulaner“, gelegentlich auch für „Die Stachelschweine“.

    Durchbruch als Komponist innovativer Filmmusik in den 1960er Jahren

    Seit 1959 komponierte Thomas Filmmusiken, zunächst als Arrangements anderer Komponisten, dann als eigene Kompositionen. Beachtung in der Film- bzw. Musikbranche und bei der Kritik fand seine Musik für den Kinofilm „Flucht nach Berlin“ (1961) unter der Regie von Will Tremper (1928–1998). Ein Exklusivvertrag der Philips Deutschland GmbH verlieh ihm 1961 den Status eines Musikproduzenten. In deren Auftrag produzierte er seit 1963 u. a. erfolgreiche Lieder Esther Ofarims (geb. 1941). Im selben Jahr engagierte Horst Wendlandt (1922–2002) Thomas als Komponisten für die erfolgreichen Edgar Wallace-Verfilmungen; bis 1971 entstanden die Soundtracks zu 18 dieser Filme. Von 1965 bis 1969 komponierte er den „Jerry-Cotton-Marsch“ und die Soundtracks zu allen acht Jerry-Cotton-Kinofilmen. In den 1970er Jahren folgten Musiken zu mehreren Aufklärungs- und Sexfilmen.

    Thomas kombinierte in seiner Filmmusik Jazz, Alltagsgeräusche, Klangeffekte und Tanzmusik, was in den 1960er Jahren in der Bundesrepublik neu war. Bizarr wirkte seine legendäre Musik für die Edgar-Wallace-Verfilmung „Der Hexer“ (1964), in der er Pistolenschüsse, Frauenschreie, Männerröcheln und Sprechchor mit Swing und Bigband mischte. Für seine Klangeffekte verzerrte Thomas die Stimmen mit Vocoder. Mit dem Toningenieur Hans-Jörg Wicha (geb. 1933) entwickelte er 1968 das ThoWiPhon, einen Synthesizer mit zwölf Generatoren, der aus Kostengründen nicht in Serienproduktion ging und sich heute im Deutschen Museum in München befindet.

    Mit dem Soundtrack zur Fernsehserie „Raumpatrouille Orion“ (1966) begründete Thomas den New Astronautic Sound und schrieb Filmmusikgeschichte. Der Countdown zu Beginn war der einzige elektronische Effekt, alle anderen Musiken wurden konventionell mit Musikern aufgenommen: vier Posaunen, Stimmen und zwei Orgeln, erweitert um Bläser, Hammondorgel, Chor, Streicher und Vocoder.

    Kompositionen für Unterhaltungsmusik und weitere Genres seit den 1970er Jahren

    Seit Mitte der 1970er Jahre komponierte Thomas Werke für großes Unterhaltungsorchester, darunter die „Märchen für Orchester“, zu denen Curth Flatow (1920–2011) Texte beisteuerte. Daneben schrieb er Musik für Werbefilme, Hörspiele wie „Die Ampelmännchen“ (1984/89) und Library Music. Seine Musicals, z. B. „Lady Di – Diana, Königin der Herzen“ (2001) hatten dagegen nur mäßigen Erfolg.

    Thomas bevorzugte die Zusammenarbeit mit Jazzmusikern, darunter Klaus Doldinger (1936–2025), Ingfried Hoffmann (geb. 1935), Albert Mangelsdorff (1928–2005), Sigi Schwab (1940–2024) und Jiggs Whigham (geb. 1943). Bei den Filmmusiken notierte er meistens Grundideen, die die Musiker selbstständig ausarbeiteten. Seine bedeutendsten Ensembles waren „Pete’s Band“, „Peter Thomas Sound Orchestra“ und zuletzt „Peter Thomas Sound Orchester“.

    Rezeption

    Seit Ende der 1990er Jahre wurde Thomas’ Musik verstärkt rezipiert. DJs mixten in Clubs den Sound der „Raumpatrouille“ unter ihre Beats, auf CD u. a. in „Warp back to earth“ (1999) publiziert. Einzelne Titel der Science-Fiction-Serie gehören heute zum festen Bestandteil von Filmmusikkonzerten. Am 3. Oktober 2002 führte ein symphonisches Blasorchester unter Leitung von Thomas die Musik der „Raumpatrouille“ zur Wiedereröffnung des renovierten Brandenburger Tors in Berlin auf. Popgruppen wie Pulp und Stereolab verwendeten Samples von Thomas-Melodien in ihren Titeln. George Clooney (geb. 1961) zitierte in seinem Regiedebüt „Confessions of a Dangerous Mind“ (2002) den Thomas-Sound aus dessen Edgar-Wallace-Filmen. Nach Thomas’ Tod übernahm sein Sohn Philip den Verlag Editions Musicales Peter Thomas PTV und veröffentlicht dort unter dem Label MuZikBeater digitalisierte analoge Aufnahmen und bisher Unveröffentlichtes aus dessen Nachlass.

    1953 Mitglied der GEMA
    1961 Filmband in Gold in der Kategorie Beste Filmmusik für „Flucht nach Berlin“
    1963 Filmband in Gold in der Kategorie Beste Filmmusik für „Die endlose Nacht“
    1980 Deutscher Schallplattenpreis in der Kategorie Beste Filmmusik für „Café Wernicke“
    2008 SoundTrack Cologne Ehrenpreis für sein Lebenswerk
    2009 Deutscher Musikautorenpreis der GEMA für sein Lebenswerk
    2025 „Der Sound von Peter Thomas. Die Show zum 100.“ des rbb anlässlich des 100. Geburtstags im Großen Sendesaal des Funkhauses in der Berliner Masurenallee (3.  Dezember 2025)

    Nachlass:

    Familienbesitz.

    Weitere Archivmaterialien:

    WDR-Notenarchiv, Köln. (Musikhandschriften)

    Orchesterwerke:

    Hummel auf Erden, Schwips in B-Moll, Es war einmal ein Orchester, Der Elefant von Verona, Die Meisterswinger, Ein Wiener im Weltall (Wiener Marsmusik), 1976. (handschriftliches Notenmaterial im WDR-Notenarchiv)

    Suite nouveaux tableaux d’un exposition (Neue Bilder einer Ausstellung), Centre Pompidou, Paris, 1980.

    Heinz Erhardt, 10-Pfennig-Oper; bearb. von Peter Thomas u. d. T. als Noch ‘ne Arie oder Der Ritter Kunibert, 1978. (handschriftliches Notenmaterial im WDR-Notenarchiv)

    Musik für Kinofilme:

    Edgar-Wallace-Filme, 1961–1971, u. a. Die Seltsame Gräfin, 1961, Regie: Josef von Baky u. Der Hexer, 1964, Regie: Alfred Vohrer.

    Jerry-Cotton-Filme, 1965–1969, Regie: Fritz Umgelter/Harald Philipp.

    Willi ist der Beste, 1971, Regie: Werner Jacobs.

    The Big Boss, 1971, Regie: Wie Lo, dt. u. d. T. Bruce Lee. Die Todesfaust des Cheng Li, 1973.

    Tach, Herr Doktor. Der Heinz Becker Film, 1999, Regie: Gernot Roll/Gerd Dudenhöffer.

    Raumpatrouille Orion. Rücksturz ins Kino, 2003, Regie: Michael Braun/Theo Mezger.

    Musik für Fernsehserien:

    Raumpatrouille. Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffs Orion, 7 Folgen, ARD 1966.

    Der Kommissar, 23 Folgen, ZDF 1969–1973.

    Der Kurier der Kaiserin, 26 Folgen, ZDF 1970–1971.

    Derrick, 7 Folgen, ZDF 1974–1977.

    Der Alte, Titelmusik und mehrere Folgen, ZDF 1977–1985.

    Cafe Wernicke, 20 Folgen, SFB 1979–1980.

    Filmmusiken und Library Music:

    Peter Thomas Sound Orchestra: Raumpatrouille. Original-Soundtrack, 1966. (weiterführende Informationen)

    Peter Thomas. Full Speed @80, 2005. (weiterführende Informationen)

    Peter Thomas Sound Orchester, The Tape Masters, Vol. 1–2, 2024/25. (weiterführende Informationen)

    Filmografie und Diskografie:

    Gerd Naumann, Der Filmkomponist Peter Thomas. Von Edgar Wallace und Jerry Cotton zur Raumpatrouille Orion, 2009, S. 245–251.

    Michael Lange, Das offizielle Peter Thomas-Archiv, 2020. (Onlineressource)

    Johannes Binotto, Frauenschreie und Männerröcheln. Edgar Wallace, „Raumpatrouille“ oder „Schulmädchen-Report“ – das Beste daran sind die schrägen Sounds des Filmkomponisten Peter Thomas. Porträt einer lebenden Legende, in: Neue Züricher Zeitung am Sonntag v. 9.7.2006, S. 46.

    Gerd Naumann, Der Filmkomponist Peter Thomas. Von Edgar Wallace und Jerry Cotton zur Raumpatrouille Orion, 2009. (Q, W, L, P)

    Joachim Kramp/Gerd Naumann (Hg.), Das große Album der Edgar-Wallace-Filme, 2013.

    Nachrufe:

    Tobias Kniebe, Der Mann für die großen Träume. Nachruf, in: Süddeutsche Zeitung v. 19.5.2020. (Onlineressource)

    Hanns-Georg Rodek, Der Hexer. Hallo, hier spricht Peter Thomas… Ein Nachruf, in: Die Welt v. 22.5.2020, S. 21. (Onlineressource)

    Lexikonartikel:

    Kay Weniger, Art. „Thomas, Peter“, in: ders., Das große Personenlexikon des Films, Bd. 7, 2001, S. 660 f.

    Jutta Lambrecht, Art. „Thomas, Peter“, in: Musik in Geschichte und Gegenwart online, 2025. (zugangsbeschränkte Onlineressource)

    Dokumentarfilm:

    Hier spricht Edgar Wallace. Der Filmkomponist Peter Thomas, WDR 2011, Regie: Oliver Schwehm.

    Fotografien v. Georg Fruhstorfer (1915–2003), 1969, Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek, München.

    Fotografien, 1974 u. 2009, Abbildungen in: Gerd Naumann, Der Filmkomponist Peter Thomas. Von Edgar Wallace und Jerry Cotton zur Raumpatrouille Orion, 2009, S. 6 u. 236.

  • Autor/in

    Jutta Lambrecht (Bornheim)

  • Zitierweise

    Lambrecht, Jutta, „Thomas, Peter“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd128824255.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA