Brice, Pierre
- Lebensdaten
- 1929 – 2015
- Geburtsort
- Brest (Département Finistère, Frankreich)
- Sterbeort
- Compiègne (Département Oise, Frankreich)
- Beruf/Funktion
- Schauspieler ; Filmschauspieler ; Musiker
- Konfession
- römisch-katholisch
- Normdaten
- GND: 122544943 | OGND | VIAF: 165923584
- Namensvarianten
-
- Bris, Pierre Louis le
- Winnetou
- Brice, Pierre
- Bris, Pierre Louis le
- Winnetou
- Bris, Pierre Louis de
- le Bris, Pierre Louis
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Brice, Pierre (geborener Pierre Louis le Bris)
1929 – 2015
Schauspieler
Der Franzose Pierre Brice erlangte seit 1962 in den deutschsprachigen Ländern eine außergewöhnliche Popularität durch seine cineastische Verkörperung des Indianerhäuptlings Winnetou, einer Romanfigur Karl Mays (1842–1912). Mit dieser Rolle in elf Kinofilmen, meist an der Seite von Lex Barker (1919–1973) als Old Shatterhand, wurde er zeitlebens identifiziert.
Lebensdaten
Pierre Brice, Imago Images (InC) -
Autor/in
→Michael Petzel (Gronau)
-
Zitierweise
Petzel, Michael, „Brice, Pierre“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd122544943.html#dbocontent
Brice wuchs in bescheidenen Verhältnissen in der Bretagne auf. Nach eigener Aussage übermittelte er während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg konspirative Nachrichten der Résistance. 1945 verließ er gegen den Willen der Eltern die Schule ohne Abschluss und absolvierte eine Ausbildung zum Marinefüselier in der Marineschule Loctudy (Département Finistère, Frankreich), im Centre Siroco in Cap Matifou (Algerien) und an der Offiziersschule von Saint-Cyr in Coëtquidan (Département Morbihan). Seit 1948 nahm er als freiwilliger Marinesoldat am Indochinakrieg teil; 1951 quittierte er den Militärdienst und nahm verschiedene Gelegenheitsjobs an. Er wurde Vertreter für Schreibmaschinen, verdingte sich bei der Artistengruppe „Trio Ganser“ als Tänzer, posierte als Modell auf Zeitschriftentiteln und machte Werbeaufnahmen für Anzüge, Schuhe und Rasierapparate. 1954 spielte er erstmals unter dem Namen Pierre Brice eine kleine Rolle in dem Abenteuerfilm „Ça va barder“ mit Eddie Constantine (1917–1993) in der Hauptrolle; in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre nahm er in Paris Schauspielunterricht bei Gregory Chmara (1878–1970). Seit Mitte der 1950er Jahre wurde er von seiner Lebensgefährtin und Managerin, der Balletttänzerin Irena (Irene) Aleksandrovska (1909–1985), gefördert.
Die Bekanntschaft mit der Schauspielerin Michèle Morgan (1920–2016) verhalf Brice 1958 zu seiner ersten größeren Nebenrolle in dem Krimidrama „Le miroir à deux faces“ (Regie: André Cayatte). 1959 ließ er sich in Rom nieder, wo er Hauptrollen in Mantel- und Degenfilmen übernahm. Als 1962 der Münchner Constantin-Filmverleih die Verfilmung des Jugendbuch-Klassikers „Der Schatz im Silbersee“ von Karl May (1842–1912) als internationale Co-Produktion vorbereitete, verpflichtete der Berliner Filmproduzent Horst Wendlandt (1922–2002) Brice für die Rolle des Indianerhäuptlings Winnetou. Mit der Verkörperung dieser märchenhaft-mythischen Figur wurde er schlagartig berühmt, obwohl Lex Barker (1919–1973) und Götz George (1938–2016) die eigentlichen Stars des Films sein sollten. Die Attraktion seiner Rolle beruhte nicht zuletzt auf dem wortkargen Erscheinungsbild des Apatschenhäuptlings. Mit elf Karl-May-Verfilmungen von 1962 bis 1968 gehörte Brice zu den Publikumslieblingen des bundesdeutschen Films. Er und Marie Versini (1940–2021) in der Rolle seiner Filmschwester „Nscho-tschi“ wurden von der Teenagerzeitschrift „Bravo“ zum Kino-Traumpaar der 1960er Jahre erkoren.
Im Anschluss an die Karl-May-Filme spielte Brice in mittelmäßigen Abenteuerfilmen mit, ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Bedingt durch die sich verschärfende Kinokrise arbeitete er seit Anfang der 1970er Jahre verstärkt für das Fernsehen, wo er hauptsächlich in Unterhaltungsserien eingesetzt wurde.
1976 wurde Brice von dem Leiter der Karl-May-Festspiele Elspe (Sauerland), Jochen Bludau (1941–2023), für die Rolle des Winnetou auf der Freilichtbühne gewonnen. Mit seinen Auftritten in den folgenden zehn Jahren führte er die vormaligen Provinz-Festspiele zu Besucherrekorden, in der Spitze über 400 000 Zuschauer pro Saison. Seine Bühnenlaufbahn setzte er zwischen 1988 und 1991 bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) fort. Im Zuge einer wiedererwachten Karl-May-Begeisterung wurde er 1980 vom WDR für die Titelrolle der TV-Serie „Mein Freund Winnetou“ verpflichtet. Die Serie entstand nach einer Idee von Brice und sollte ein realistisches Bild der nordamerikanischen Indigenen zeigen, knüpfte allerdings nicht an den Erfolg der einstigen Karl-May-Kinofilme an. Ebenfalls scheiterte 1998 ein Versuch des ZDF, an den früheren Erfolg mit dem Zweiteiler „Winnetous Rückkehr“ anzuschließen. Ein letztes Mal kehrte Brice 1999 als Regisseur des Stücks „Halbblut“ an die Freilichtbühne in Bad Segeberg zurück.
Brice bediente sich seiner Popularität als Winnetou auch als Schlagersänger (u. a. „Ich steh' allein“, 1965) und wirkte als Bühnendarsteller in Boulevardstücken mit. Seit den 1980er Jahren trat er im Fernsehen in seichten Unterhaltungsserien („Traumschiff“, „Ein Schloss am Wörthersee“, „Klinik unter Palmen“) auf. Obwohl mit Ausnahme von „Les Tricheurs“ (1958, Regie: Marcel Carné) in keinem Werk von filmgeschichtlichem Rang mitwirkend, war sein Erfolg bei den Kinozuschauern groß, was sich in der Vielzahl von Publikums- und Filmpreisen niederschlug, darunter fünf Bambis des Burda-Verlags und die Goldene Kamera der Fernsehzeitschrift Hörzu.
| 1964–1972 | Bravo-Otto |
| 1964 u. 1967-68 | Bambi |
| 1987 u. 1990 | Bambi |
| 1992 | Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland |
| 1999 | Scharlih, Karl-May-Ehrenpreis |
| 2007 | Ritter der französischen Ehrenlegion |
| 2010 | Goldene Kamera, Hörzu |
Nachlass:
Privatbesitz Hella Brice.
Weitere Archivmaterialien:
Artur-Brauner Archiv, Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main. (Korrespondenz, Filmverträge)
Karl-May-Archiv, Göttingen. (Foto- und Pressearchiv, Verträge)
Gedruckte Quellen:
Hella Brice, Pierre – wie ich dich sehe, 2005.
Hella Brice, „…und über Nacht war ich Winnetou“, 2018.
Hella Brice, „…und plötzlich war ich wieder Winnetou“, 2019.
Hella Brice, „…und dann blieb ich ewig Winnetou“, 2022.
Autobiografie:
Winnetou und ich. Mein wahres Leben, 2004. (P)
Rollen in Kinofilmen:
ungenannte Rolle, in: Ça va barder (Harte Fäuste – Heisses Blut), 1954, Regie: John Berry.
Jacques, in: Le miroir à deux faces (Der Tag und die Nacht), 1958, Regie: André Cayatte.
Bernard, in: Les tricheurs (Die sich selbst betrügen), 1958, Regie: Marcel Carné.
Boris Sarubin, in: I Cosacchi (Aufstand der Tscherkessen), 1959, Regie: Viktor Tourjanski/Giorgio Venturini.
Gini Luciani, in: Il Rossetto (Unschuld im Kreuzverhör), 1959, Regie: Damiano Damiani.
Hans von Arnim, in: Il mulino delle donne di pietra (Die Mühle der versteinerten Frauen), 1960, Regie: Giorgio Ferroni.
Amosis, in: La donna dei faraoni (Die Frau der Pharaonen), 1960, Regie: Viktor Tourjanski.
Dionysus, in: Le baccanti (Die Bacchantinnen), 1961, Regie: Giorgio Ferroni.
Col. Jan Ketusky, in: Col ferro e col fuoco (Ritt in die Freiheit), 1961, Regie: Fernando Cerchio.
El Senorito, in: Los atracadores, 1961, Regie: Francisco Rovira Beleta.
Maddy, in: Douce Violence (Sie nennen es Liebe), 1961, Regie: Max Pécas.
Winnetou, in: Der Schatz im Silbersee, 1962, Regie: Harald Reinl.
Don Fiego, in: L'invincibile cavaliere mascherato (Robin Hood in der Stadt des Todes), 1962, Regie: Umberto Lenzi.
Zorro/Ramon, in: Zorro contro Maciste (Zorro gegen Maciste – Kampf der Unbesiegbaren), 1963, Regie: Umberto Lenzi.
Titelrolle, in: Winnetou, 1. Teil, 1963, Regie: Harald Reinl.
Winnetou, in: Old Shatterhand, 1964, Regie: Hugo Fregonese.
Jim, in: Die goldene Göttin vom Rio Beni, 1964, Regie: Eugenio Martin/Franz Eichhorn.
Titelrolle, in: Winnetou, 2. Teil, 1965, Regie: Harald Reinl.
Winnetou, in: Unter Geiern, 1964, Regie: Alfred Vohrer.
Philippe Tissot, in: Schüsse im Dreivierteltakt, 1965, Regie: Alfred Weidemann.
Reese, in: Die Hölle von Manitoba, 1965, Regie: Sheldon Reynolds.
Winnetou, in: Der Ölprinz, 1965, Regie: Harald Philipp.
Titelrolle, in: Winnetou, 3. Teil, 1965, Regie: Harald Reinl.
Winnetou, in: Old Surehand, 1. Teil, 1965, Regie: Alfred Vohrer.
Agent Brice, in: Gern hab ich die Frauen gekillt, 1966, Regie: Alberto Cardone.
Titelrolle, in: Winnetou und das Halbblut Apanatschi, 1966, Regie: Harald Philipp.
Titelrolle, in: Winnetou und sein Freund Old Firehand, 1966, Regie: Alfred Vohrer.
Septimius Severus, in: Dacii (Kampf der Titanen gegen Rom), 1966, Regie: Sergiu Nicolaescu.
Pierre Guilhem, in: Le regret de Pierre Guilhem (Die Reue des Pierre Guilhem), 1968, Regie: Jean De Nesles.
Titelrolle, in: Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten, 1968, Regie: Harald Reinl.
Jacques, in: Féminin-féminin, 1973, Regie: Henri Calef/João Correa.
Salvatore, in: La pupa del gangster (Die Puppe des Gangsters), 1975, Regie: Giorgio Capitani.
Winnetou, in: Zärtliche Chaoten, 1987, Regie: Franz Josef Gottlieb.
Rollen in Fernsehfilmen:
Gérard Rémy, in: Madame, ȇtes-vous libre? (Sind Sie frei, Mademoiselle?), 1970, Regie: Claude Heymann.
Sergeant Desgrais, in: Die Marquise von B., 1970, Regie: Franz Peter Wirth.
Akam, in: Star Maidens (Die Mädchen aus dem Weltraum), 1976, Regie: Freddie Francis.
Titelrolle, in: Mein Freund Winnetou, 1980, Regie: Marcel Camus.
Robert Dumont, in: Das Traumschiff, 1983, Regie: Alfred Vohrer.
Jean-Pierre, in: Schöne Ferien, 1985, Regie: Hans-Jürgen Tögel.
Michel Camus, in: Die Hütte am See (1. und 2. Staffel), 1991/92, Regie: Georg Tressler/Peter Wekwerth.
André Blondeau, in: Ein Schloss am Wörthersee, 17 Folgen, 1991/93, Regie: Horst Kummeth/Peter Hill/Otto Retzer.
Pierre Latouche, in: Der blaue Diamant, 1993, Regie: Otto Retzer.
Titelrolle, in: Winnetous Rückkehr, 1998, Regie: Marijan David Vajda.
William, in: Utta Danella: Hochzeit auf dem Lande, 2003, Regie: Gloria Behrens.
Alfons Bernstein, in: Rote Rosen, 2008, Regie: Daniel Anderson/Steffen Mahnert.
Nicolas, in: Kreuzfahrt ins Glück. Hochzeitsreise nach Marrakesch, 2009, Regie: Hans-Jürgen Tögel.
Rollen bei den Karl-May-Spielen, Elspe:
Winnetou, in: Der Ölprinz, 1976.
Winnetou, in: Der Schatz im Silbersee, 1977.
Titelrolle, in: Winnetou I, 1978.
Titelrolle, in: Winnetou II, 1979.
Titelrolle, in: Winnetou III, 1980.
Winnetou. in: Der Schatz im Silbersee, 1982.
Winnetou. in: Der Ölprinz, 1983.
Titelrolle, in: Winnetou 1, 1984.
Titelrolle, in: Winnetou 2, 1985.
Titelrolle, in: Winnetou 3, 1986.
Rollen bei den Karl-May-Spielen, Bad Segeberg:
Titelrolle, in: Winnetou, der Apache, 1988.
Winnetou, in: Der Schatz im Silbersee, 1989.
Titelrolle, in: Winnetous letzter Kampf, 1990.
Titelrolle, in: Winnetou. Das Vermächtnis, 1991.
Winnetou, in: Halbblut, 1999. (Regie)
Filmografie:
Michael Petzel, Pierre Brice. Unvergesslicher Winnetou. Bilder seines Lebens, 2015, S. 199 f.
Monografien:
Michael Petzel, Karl-May-Filmbuch. Stories und Bilder aus der deutschen Traumfabrik, 21999.
Michael Petzel, Pierre Brice. Unvergesslicher Winnetou. Bilder seines Lebens, 2015. (P)
Michael Petzel (Hg.), Karl-May-Filmbildgeschichten, 2015.
Michael Petzel, 50 Jahre Winnetou-Film, 2012, Neuaufl. u. d. T. 60 Jahre Winnetou-Film, 2022.
Lexikonartikel:
Kay Weniger, Art. „Pierre Brice“, in: ders., Das große Personenlexikon des Films, Bd. 1, 2001, S. 553 f. (W)
Michael Petzel, Art. „Pierre Brice“, in: ders., Karl-May-Stars, 2002, S. 50–55.
Michael Petzel/Jürgen Wehnert, Art. „Pierre Brice“, in: dies., Das neue Lexikon rund um Karl May, 2002, S. 65 f.
Nachrufe:
Barbara Möller, In den ewigen Jagdgründen, in: Welt am Sonntag, Nr. 23 v. 7.6.2015. (Onlineressource)
Michael Huber, Einmal Apache, immer Apache, in: Kurier (Wien) v. 7.6.2015.
Christine Dössel, Der ewige Häuptling, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 128 v. 8.6.2015.
Andreas Böhme, Der ewige Winnetou, in: Neue Ruhr-Zeitung, Nr. 129 v. 8.6.2015.
Felicitas von Lovenberg, Ein echter Indianer kennt keinen Schmerz, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 129 v. 8.6.2015.
Georg Seesslen, Im Zwischenreich, in: Die Zeit, Nr. 24 v. 11.6.2015.
Dokumentarfilme:
Pierre Brice. Winnetou darf nicht sterben, 2009, Regie: Oliver Schwehm.
Wie Winnetou nach NRW kam, 2014, Regie: Monika Siegfried-Hagenow.
Fotografien v. Lothar Winkler (1927–2000), Karl-May-Archiv, Göttingen. (Privat- und Filmfotos aus den 1960er Jahren)
Fotografien v. Peter Langenbach, Karl-May-Archiv, Göttingen. (Privatfotografien während der Karl-May-Spiele in Elspe und von Brice’s Privatanwesen Domaine des Moinets, Crépy-en-Valois)
Bronzebüste „Winnetou“ v. Erwin Pfister, 1966, Karl-May-Archiv, Göttingen.