Lebensdaten
1777 bis 1846
Geburtsort
Schöller bei Elberfeld
Sterbeort
Bilk bei Düsseldorf
Beruf/Funktion
Physiker ; Publizist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119019930 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Benzenberg, Johann Friedrich
  • Benzenberg, J. F.
  • Benzenberg, Johann F.
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Zitierweise

Benzenberg, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119019930.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1744–1809), Pfarrer und theologischer Schriftstéller in Delling und Schöller, S des Johann, Lehrer und Gerber in Süchteln, und der Cath. Sieben;
    M Johanna Elisabeth, T des Johann Isaak Fues(s), Kaufmann und Papierfabrikant in Gladbach, und der Cath. Elisabeth Schneider;
    Elberfeld 1807 Charlotte (1789–1809), T des Kaufmanns Friedrich Platzhoff und der Elisabeth Simons.

  • Leben

    B. studierte in Herborn und Marburg Theologie, in Göttingen als Schüler J. Ch. Lichtenbergs Naturwissenschaften und promovierte 1800 in Duisburg. Am Düsseldorfer Lyzeum lehrte er Mathematik, ferner betrieb er astronomische Forschungen. Mit H. W. Brandes führte er die ersten korrespondierenden Sternschnuppenbeobachtungen zu deren Höhenbestimmungen durch und erbrachte erstmalig den experimentierten Nachweis der östlichen Abweichung fallender Körper. Später wandte sich sein Interesse auch ballistischen Untersuchungen zu. Umfangreich ist sein Schrifttum über astronomische, physikalische und geodätische Fragen. Er gründete 1844 in Bilk bei Düsseldorf eine Privatsternwarte, die nach seinem Tod in den Besitz der Stadt Düsseldorf überging und auf der fast ein Jahrhundert lang regelmäßig beobachtet wurde. B. leitete 1805-10 die Landesvermessung des damaligen Herzogtums Berg und erwarb sich durch die geschickte Anlage der Triangulation, vor allem aber durch die Organisation der bergischen Katastervermessung, sowie durch seine Vorschläge für die Einrichtung des geometrischen Unterrichts für das Personal der Landesvermessung anerkannte Verdienste.

    Auch als Publizist, namentlich auf verfassungspolitischem und volkswirtschaftlichem Gebiet trat B. hervor. 1817/18 gab er den „Deutschen Beobachter“ in Hamburg heraus, in anderen Zeitschriften, z. B. Görres' „Rheinischem Merkur“, schrieb er als geschätzter und einflußreicher Beiträger. Vom Geist der Befreiungskriege wurde auch er ergriffen, obwohl er zunächst Napoleon bewundert hatte. Innenpolitisch redete der „Doktor der Konstitutionen“ einer gemäßigt liberalen Entwicklung das Wort. Er gehörte zum Kreis Gneisenaus; in Hardenberg sah er lange den Bürgen eines allmählichen Durchdringens des Verfassungsstaates, für dessen organische Ausgestaltung er unermüdlich geistige Vorarbeit leistete. Die Revolution von 1830 wandelte den „ersten Rheinischen Liberalen“; fortan befürwortete er vor allem die Stärkung der monarchischen Zentralgewalt und wollte den Kammern nur mehr beratende Befugnisse zugestehen. Er ist zeitlebens der Aufklärung verpflichtet geblieben. Sein Geschichtsdenken wurde zu gleichen Teilen von der Göttinger Schule und von Justus Moser gespeist, von dem auch seine liberal gefärbte Germanität ihren Ausgangspunkt nahm. Er vertrat religiöse Toleranz und hielt sich an das Reformationsverständnis der Aufklärung; doch war seine persönliche Gläubigkeit positiv christlich.

  • Werke

    Versuche, d. Entfernung, d. Geschwindigkeit u. d. Bahnen d. Sternschnuppen z. bestimmen, 1800 (mit H. W. Brandes);
    Üb. d. Bestimmung d. geogr. Länge durch Sternschnuppen, 1802;
    Versuche üb. d. Gesetz d. Falls, üb. d. Widerstand d. Luft u. üb. d. Umdrehung d. Erde…, 1804;
    Vollst. Hdb. d. angewandten Geometrie…, 1813;
    Wünsche u. Hoffnungen eines Rheinländers od. üb. landständ. dt. Verfassung. 21815 (anonym, auch Paris 1815);
    Üb. Verfassung, 1816, 21816;
    Üb. d. Cataster, 2 Bde., 1818;
    Üb. Handel u. Gewerbe, Steuern u. Zölle, 1819;
    Üb. Preußens Geldhaushalt u. neues Steuersystem, 1820;
    Frdr. Wilh. III., 1821;
    Die Verwaltung d. Staatskanzlers Fürsten v. Hardenberg, 1821: Preußen u. Frankreich, 1834;
    Die Staatsverfassungen Dtld.s, 1834, 21845;
    s. a. Pogg. I u. Kat. d. Landesbibl. Düsseldorf (nichtastronom. Schrr.).

  • Literatur

    ADB II;
    G. H. Pertz-H. Delbrück, N. v. Gneisenau, Bd. 5, 1880;
    C Reinhertz, J. F. B. als Geodät, in: Zs. f. Vermessungswesen, Bd. 32, 1903, S. 17 bis 25, 52-57, 65-92;
    J. Heyderhoff, J. F. B., der erste rhein. Liberale, 1909;
    ders., Der junge B., 1927 (Briefe);
    ders., B. d. Rheinländer u. Preuße. 1928 (Briefe);
    ders., J. F. B. u. das Vincke'sche Haus…, 1810-1816…, Briefwechsel mit Ludwig u. Lore v. Vincke u. Friedr. v. Syberg-Busch, in: Die Heimat 10, 1928, S. 243-47, 266-70;
    ders., J. F. B. u. d. Fockesche Haus in Bremen, in: Bremer Jb. 31, 1928, S. 305-34;
    O. Röbel, J. F. B. als Nationalökonom, Steuer- u. Finanzpolitiker, Diss. Leipzig 1926;
    K. Ketter, J. F. B., Ein verspätetes Gedenkwort zu seinem 150. Geburtstag, in: Allg. Vermessungsnachrr., 1927, Jg. 39, S. 385 f.;
    W. Lindemann, J. F. B., Leben u. Vermächtnis eines niederrhein. Astronomen, in: Sternenwelt 3, 1951, S. 163-66.

  • Portraits

    in: H. Aubin u. F. Frings, Rhein. Archiv, Arbb. z. Landes- u. Kirchengesch. 7, 1928.

  • Autor/in

    Heinz Gollwitzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Gollwitzer, Heinz, "Benzenberg, Johann Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 60 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119019930.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Benzenberg: Johann Friedrich B., geb. am 5. Mai 1777 zu Schöller bei Elberfeld, am 8. Juni 1846 in Bilk bei Düsseldorf. Er war der einzige Sohn eines Landpredigers, studirte zuerst in Marburg Theologie, widmete sich aber dann in Göttingen unter Lichtenberg und Kästner der Physik und Mathematik. Mit einem Studienfreund H. W. Brandes beobachtete er zuerst auf|wissenschaftlichem Wege die Sternschnuppen und bestimmte Zahl, Entfernung, Geschwindigkeit derselben, gab auch die Methode an, die geographische Länge eines Ortes durch Beobachtungen von Sternschnuppen zu bestimmen. Als er sich 1804 in Hamburg aufhielt, stellte er auf dem hohen Michaelisthurm Versuche mit fallenden Bleikugeln an, um daraus die Gesetze des Falles, den Widerstand der Luft und die Umdrehung der Erde zu beweisen. Dann begab er sich nach Paris und nach seiner Rückkehr beschäftigte er sich in einem Kohlenschachte zu Schlebusch von neuem mit Fallversuchen. Im Jahre 1805 ernannte ihn der Kurfürst von Baiern zum Professor der Physik und Astronomie am Lyceum zu Düsseldorf und da seit 1801 eine neue Catastrirung Baierns unternommen, wurde ihm die Leitung der Landesvermessung übertragen, welche Stellung ihn zu der Herausgabe einiger Werke über Visiren, Höhenmessen und angewandte Geometrie für Feldmesser veranlaßte. Als Feind Napoleons und der Franzosen gab er in Folge der Regierungsveränderung im Bergischen sein Amt auf, ging 1810 nach der Schweiz, wo er sich als Privatmann hauptsächlich mit Höhenmessungen vermittelst des Barometers beschäftigte. Nach dem Frieden ging er nochmals nach Paris und gab seine erste politische Schrift heraus: „Wünsche und Hoffnungen eines Rheinländers“, der später noch andere über „Provinzialverfassung mit besonderer Rücksicht auf Jülich, Cleve, Berg und Mark“ (2 Bde. 1819—22), über „Preußens Geldhaushalt und neues Steuersystem“ (1822), „Ueber die Staatsverwaltung des Fürsten von Hardenberg“ (1821), „Friedrich Wilhelm III.“ (1821) etc. folgten, wodurch er sich die Ungunst der preußischen Regierung zuzog. Er kehrte zu wissenschaftlichen Arbeiten zurück, schrieb 1830 über die Dalton'sche Theorie, das Höhenmessen mit der Quecksilberwaage, hielt die Sternschnuppen für Steine aus den Mondvulkanen, worüber noch 1834 in Bonn eine eigene Schrift erschien. Er publicirte noch andere Arbeiten über Sternschnuppen (1839), Versuche über die Umdrehung der Erde neu berechnet (1845). Eine kleine Besitzung in Bilk bei Düsseldorf richtete er 1844 zu einer Sternwarte ein, die er Charlottenruhe nannte, erbaute eine auf Kugeln sich bewegende Drehkuppel, stattete die Warte mit einem nicht unbedeutenden Instrumentenvorrath aus, dessen Werth er auf 3000 Thlr. angab und legte bei der Stadt Düsseldorf ein Capital von 5000 Thalern nieder, von dessen Zinsen ein junger Astronom besoldet werden sollte. Noch während B. lebte, war Julius Schmidt (geb. in Eutin, gegenwärtig in Athen) sein Observator, dessen Nachfolger 1848 Brünnow wurde, dem 1851 Dr. Robert Luther folgte, der die Sternwarte zu Bilk durch Entdeckung einer großen Anzahl kleiner Planeten (20 bis 1875) zu einer Berühmtheit gebracht hat.

  • Autor/in

    Bruhns.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bruhns, Christian, "Benzenberg, Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 348-349 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119019930.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA