Zainer, Johannes

Lebensdaten
erwähnt 1465, gestorben nach 1493
Geburtsort
Reutlingen
Beruf/Funktion
Buchdrucker in Augsburg ; Ulm und Straßburg ; Drucker ; Buchhändler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118643479 | OGND | VIAF: 67258983
Namensvarianten

  • Zeiner, Johannes
  • Zainer, Johann
  • Zeiner, Johann
  • Zainer, Johannes der Ältere
  • Zeiner, Johannes der Ältere
  • Zainer, Johannes
  • Zeiner, Johannes
  • Zainer, Johann
  • Zeiner, Johann
  • Zainer, Johannes der Ältere
  • Zeiner, Johannes der Ältere
  • Zainer, Hans
  • Zainer, Hanns
  • Zainer, Johannes, der Ältere
  • Zainer, Johann, der Ältere
  • Czeiner, Johannes
  • Zamer, Johannes
  • Zainer, Johannes der Älthere
  • Zeiner, Johannes der Älthere
  • Zainer, Johannes, der Älthere
  • Zainer, Johann, der Älthere

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Zitierweise

Zainer, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118643479.html [29.01.2026].

CC0

  • Zainer, Johann(es) (der Ältere)

    | Buchdrucker und -führer in Augsburg, * Reutlingen, † nach Juni 1493.

  • Genealogie

    B Günther (s. 1);
    v. 28.5.1465 Susanne, T d. Hans Zuckswert, Maurer in Straßburg;
    6 K u. a. S Johann d. J. (erwähnt 1494v. April 1541), Buchdrucker u. -führer in Ulm (s. Reske, Buchdrucker).

  • Biographie

    Günther war der Erstdrucker in Augsburg.

    Obwohl seine Aktivitäten nur den relativ kurzen Zeitraum von 1468 bis 1478 abdecken, hatte er maßgebenden Einfluß auf die Druckerstadt Augsburg. Bei einer Gesamtproduktion von über 100 Drucken beträgt der Anteil in dt. Sprache 45 Prozent. Damit leitete er eine Entwicklung ein, die dazu führte, daß Augsburg das einzige bedeutende Druckzentrum in Europa wurde, in dem im 15. und 16. Jh. mehr dt.sprachige als lat. Bücher publiziert wurden.

    Erstmals faßbar ist Günther bei seiner Heirat in Straßburg, wodurch er 1463 in den Besitz des Straßburger Bürgerrechts kam und die Mitgliedschaft in der Maler- und Goldschmiedezunft erlangte, in welche auch die Drucker eingegliedert waren. Wie sein Bruder Johann, der zum Erstdrucker in Ulm wurde, erhielt Günther seine Druckerausbildung bei Johann(es) Mentelin (um 1410–78) (wofür einige Indizien sprechen) oder bei Heinrich Eggestein (um 1415/20 – n. 1488).

    Günthers erster Druck in Augsburg, die Bonaventura untergeschobenen „Meditationes de vita Christi“, erschien am 12.3.1468. Sehr wahrscheinlich kam er daher gemeinsam mit seinem Bruder Johann im Laufe des Vorjahrs von Straßburg nach Augsburg. Die erste Augsburger Druckerei wurde in einer geistlichen Immunität eingerichtet: vermutlich in der Bischofsstadt, möglicherweise aber auch innerhalb des Benediktinerklosters St. Ulrich und Afra. Finanzielle Anreize durch Kardinal Peter v. Schaumberg (1388–1469) mögen die Brüder nach Augsburg gelockt haben, denn aus dem Kolophon der „Catholicon“ -Ausgabe des Johannes Balbus ( 1298) vom 30.4.1469 geht eindeutig hervor, daß der Augsburger Fürstbischof die Drucklegung förderte. Zu den dortigen Benediktinern, deren Abt Melchior v. Stammheim ( 1474) große finanzielle Anstrengungen unternahm, um in St. Ulrich und Afra eine Druckerei einzurichten, hatte Günther ebenfalls enge Beziehungen.

    Der Abt vermittelte auch in einem Konflikt zwischen Günther, dem Augsburger zweiter Drucker Johann Schüßler ( 1473/74) und Formschneidern, die um ihre Existenz fürchteten. Die erste Klosteroffizin im dt.sprachigen Raum fand allerdings mit dem Tod des Abts 1474 ein schnelles Ende. Davor und danach erhielt Günther Druckaufträge von den Benediktinern – seine Gothico-Antiqua-Typen orientieren sich an der Schreibtradition von St. Ulrich und Afra. Eine wichtige Rolle in Günthers Leben spielten zudem die Kartäuser in Koblenz und Buxheim bei Memmingen, denen er Bücher aus eigener Produktion|verehrte. So sind im „Liber benefactorum“ der Kartause Buxheim seit 1474 umfangreiche Bücherschenkungen erwähnt.

    In den Augsburger Steuerbüchern ist Johann erstmals 1469 und Günther 1470 verzeichnet.

    Unter seinem vollständigen Namen wird Günther erstmals 1476 genannt, zuvor erscheint er als Günther Schreiber (1470–1473) und Günther Buchdrucker (1474–1475). Er wohnte zunächst in der Annastraße, ab 1473 in der Weismalergasse, beides Wohnquartiere des Patriziats und wohlhabender Kaufleute. 1472 ging Günther eine zweite Ehe ein, wohl mit Felicitas Schreyer, die seit 1463 unter der Pflegschaft des Kaufmanns und Augsburger Chronisten Hektor Mülich (um 1420–89/90) stand. Hierdurch erhielt Günther das Augsburger Bürgerrecht und endgültig Anschluß an die wirtschaftliche, politische und kulturelle Oberschicht der Reichsstadt. Durch diese vorteilhafte Heirat erklären sich auch die hohen Steuerleistungen ab 1473. 1472 trennten sich die Wege der Brüder Z.: Johann wurde von dem Frühhumanisten und Stadtarzt Heinrich Steinhöwel (1411/12–79) nach Ulm geholt, wo er mit dessen finanzieller Unterstützung eine eigene Offizin einrichten konnte. Dennoch blieben die Verbindungen nach Augsburg eng, denn ein Teil der Ulmer Buchproduktion wurde an den Augsburger Buchhandel geliefert. Ferner hat sich ein Vertragsentwurf erhalten, worin Günther für Kredite seines Bruders bürgt, die dieser bei der Ulmer Handelsgesellschaft von Peter Rottengatter aufgenommen hatte. Noch 1488 war Johann bei der Familie Rottengatter verschuldet. Am Ende seiner beruflichen Laufbahn kehrte er im Frühjahr 1493 nach Augsburg zurück, nachdem er wegen Zahlungsunfähigkeit aus Ulm ausgewiesen worden war.

    Hier half er Christoph Schnaitter (aktiv als Drucker 1493–94), der im Begriff war, eine neue Druckerei einzurichten, als Einkäufer für Metalle und als Schriftgießer. Dies ist die letzte sichere Nachricht von Ulms Erstdrucker.

    Kurz vor seinem Tod 1478 ging auch Günthers Offizin in Konkurs. Sein letzter datierter Druck erschien am 31.12.1477. Aufgrund der finanziellen und ideellen Unterstützung durch einflußreiche Geistliche war Günthers Druckprogramm zunächst auf die Bedürfnisse der Kirche ausgerichtet. Ab 1471 machten dt.sprachige, mit Holzschnitten illustrierte Werke einen zunehmenden Anteil seiner Buchproduktion aus. Beispiele hierfür sind die zwei dt. Bibeldrucke oder „Der Heiligen Leben“, ein Werk, das in Augsburg bis zur Reformation immer wieder aufgelegt wurde; ebenso die von Heinrich Steinhöwel übersetzte und bearbeitete Editio princeps eines spätantiken Romans mit dem Titel „Historie König Apollonius von Tyrus“ (1471). Wie soziale Beziehungen die Umsetzung von Druckprojekten beförderten, läßt sich an der moralisch-didaktischen Schrift „Das guldin spil“ des Dominikaners Meister Ingold ( 1440/50) zeigen. Wohl nach einer Vorlage aus der Schreibwerkstatt von Diepold Lauber (v. 1427 – n. 1471) fertigte Jörg Mülich ( 1501/02) eine Abschrift an, die von seinem Bruder Hektor mit Illustrationen ausgestattet wurde. Diese Handschrift diente als Vorlage für den Druck von 1472 (Gießen UB, Cod. 813).

    Günther gehört auch zu den Pionieren der Werbung für seine Produkte mit Hilfe gedruckter Handzettel und Plakate, die an Orten mit hoher Publikumsfrequenz ausgelegt bzw. ausgehängt wurden. Er wandte sich zudem direkt an potentielle Kunden und Auftraggeber. Als sich Ks. Friedrich III. 1473 in Augsburg aufhielt, überreichte Günther diesem ein Exemplar von „Leben der Heiligen“ (1471/72) aus eigener Produktion. Dafür verlieh ihm der Kaiser einen Wappenbrief, wobei das Wappen wohl identisch mit Günthers Druckermarke ist (Wilder Mann), und erteilte weitere Druckaufträge, wie z. B. „Anschlag wider die Türken“.

    Günthers Konkurs hatte zur Folge, daß seine Werkstattausstattung zur Begleichung der Schulden verpfändet bzw. verkauft wurde.

    Dadurch wurde sein Schriftmaterial zerstreut und in verschiedenen Augsburger Druckereien in den 1480er Jahren weiter verwendet.

  • Quellen

    Qu StadtA Augsburg; Buchproduktion vollst. nachgewiesen im Gesamtkat. d. Wiegendrucke.

  • Literatur

    |ADB 54;
    W. Wietig, Die Sprache d. ersten gedruckten hochdt. Plenars (Augsburg, G. Z. 1473), Diss. Greifswald 1913;
    P. Amelung, Der Frühdruck im dt. Südwesten 1473–500, Ausst.kat. Württ. Landesbibl. Stuttgart 1979;
    S. Corsten u. R. W. Fuchs, Der Buchdruck im 15. Jh., Eine Bibliogr., 2 T., 1988–93, S. 394–96, 755 (Günther Z.) u. S. 619 f. (Johannes Z.);
    H.-P. Pascher, Buch d. Kunst d. heilsamen Sterbens, Ein Druck aus Augsburg v. Günther Z., 1988;
    A. Fujii, Zum Graphemgebrauch in d. Drucken Günther Z.s zw. 1471 u. 1477, Einwand gegen d. Ansicht A. Schirokauers zu d. Druckersprachen in d. frühneuhochdt. Periode, in: Begegnung mit dem ‚Fremden‘, Grenzen–Traditionen–Vgl., Akten d. VIII. Internat. Germanisten-Kongresses Tokyo 1990, Bd. 3: Sprachgesch.–Sprachkontakte im german. Sprachraum, 1991, S. 49–59;
    ders., Über d. Möglichkeiten u. Grenzen d. Textsortenlehre f. d. frühneuhochdt. Periode, Eine Pilotstudie anhand d. 10 Drucke Günther Z.s zw. 1471 u. 1477, in: Bull. of the Graduate Division of Literature of Waseda Univ., Tokyo 37, 1992, S. 17–41;
    ders., Günther Z.s druckersprachl. Leistung, Unterss. z.|Augsburger Druckersprache im 15. Jh., 2007;
    J. E. Walsh, More Proof Sheets from Günther Z.’s Workshop and a Note on the „Head-over-Heels Binder ”, in: Gutenberg-Jb. 66, 1991, S. 340–43;
    H.-J. Künast, „Getruckt zu Augspurg“, Buchdruck u. Buchhandel in Augsburg zw. 1468 u. 1555, 1997;
    S. Kohushölter, Lat.-dt. Bücheranzeigen d. Inkunabelzeit, in: V. Honemann (Hg.), Einblattdrucke d. 15. u. 16. Jh., 2000, S. 445–65;
    H. v. Bohr, Die Frühdrucke d. Fam. Z. in d. Suso-Bibl., in: Heinrich-Suso-Gymn., Konstanz (Hg.), 400 J. Suso-Bibl., 2004, S. 27–44;
    E. Ornato, Autopsie d’un incunable, in: Roma donne libri tra Medioevo e Rinascimento, In ricordo di Pino Lombardi, 2004, S. 259–85;
    H. v. Bohr u. A. v. Rehlen, Die Z., e. süddt. Druckerfam., in: H. v. Bohr, Als d. Bücher in d. Wiege lagen, 2009, S. 68–83;
    W. Mayer, Zu einigen Johann Blaubirer zugeschriebenen Drucken in Günther Z.s Type 2, in: Archiv f. Gesch. d. Buchwesens 67, 2012, S. 183–89;
    C. L. Bolton, The Fifteeen-Century Printing Practices of Johann Z., Ulm, 1473–1478, 2016;
    A. Börckel, Günther Z. in Augsburg, in: Gutenberg u. seine berühmtesten Nachfolger im ersten Jh. d. Typogr. 1, 2018, S. 459–78;
    R. Reich, Tradierende Drucker, Überlegungen. z. Traditionsverhalten in d. Schachzabelbüchern dt. Frühdrucker, in: Daphnis 47, 2019, S. 380–406;
    Augsburger Stadtlex.;
    LGB².

  • Autor/in

    Hans-Jörg Künast
  • Zitierweise

    Künast, Hans-Jörg, "Zainer, Johann(es) (der Ältere)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 592-594 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118643479.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA