Lebensdaten
um 1420 bis 1489 oder 1490
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Augsburger Chronist ; Bürger ; Kramer ; Zunftmeister, Ratsherr in Augsburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11873735X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Muelich, Hektor
  • Muelich, Hector
  • Mülich, Hector
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Zitierweise

Mülich, Hektor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11873735X.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Jörg ( 1462), 1434-47 Vertr. d. Kramerzunft im Inneren Rat in A., S d. Johann ( 1420), Mitgl. d. Kramerzunft u. Ratsherr in A., u. d. Elisabeth Kochner aus Bopfingen;
    M Anna, T d. Konrad Peutinger, Goldschmied in A.;
    B Jörg ( um 1501/02), Kaufm. in A. (s. Vf.-Lex. d. MA; L);
    1) um 1460 Ottilia ( 1466/73), T d. Peter Conzelmann, Ratsherr in A., 2) 1468 Anna (1444–85), T d. Jakob Fugger, Kaufm. ( 1469, s. NDB V*); Schwager Jakob Fugger (1459–1525), Kaufm. (s. NDB V); Schwager d. 2. Ehefrau Wilhelm Rem (1462–1528/29), Chronist (s. ADB 53); mindestens 5 S, davon 4 Faktoren im Unternehmen d. Fugger.

  • Leben

    Wie seine Vorfahren beteiligte sich M. als wohlhabender Kaufmann und Ratsherr aktiv am Fernhandel und versteuerte 1486 ein Vermögen von 6000 Gulden. Damit stand er an 39. Stelle der Augsburger Steuerzahler. 1465-85 ist er als Ratsherr nachweisbar, 1466 erstmals als Zunftmeister der Kramer. In den 1470er Jahren bekleidete er mehrere wichtige Ratsämter und kann als einer der führenden Politiker Augsburgs gelten.

    Bereits M.s Großvater war literarisch interessiert. Zusammen mit seinem Bruder Jörg, der einen Bericht über seine Pilgerreise nach Jerusalem 1449 verfaßte, schrieb M. einige noch erhaltene deutschsprachige Handschriften ab und versah einen Teil davon eigenhändig mit Illustrationen. Seiner 1457 datierten Abschrift der deutschen Fassung der frühhumanistischen „Augsburger Chronik“ Sigmund Meisterlins schloß M. seine erste historiographische Arbeit an, eine Fortsetzung für den Zeitraum 1348-1456. Ebenfalls in direktem zeitlichen Anschluß an Meisterlins Werk erstellte er danach seine umfangreiche, bis 1487 reichende Chronik. Bis etwa 1440 von älteren Vorlagen, u. a. der Chronik des mit ihm entfernt verwandten Erhard Wahraus abhängig, ist sie für die von M. selbst erlebte Zeit eine hervorragende Quelle. In nüchternem Stil notierte M. denkwürdige Ereignisse in Stadt, Region, Reich und europ. Nachbarländern, wobei ihm das Nachrichtenwesen der Kaufmannschaft und der Zugang zu amtlichen Unterlagen zugute kamen. Bei der Darstellung der kriegerischen Konflikte und Fehden, in welche die Reichsstädte und Augsburg verwickelt waren, läßt M. eine dezidiert städtische Sichtweise erkennen. Sein materialreiches Werk übte großen Einfluß auf die Augsburger Historiographie in der ersten Hälfte des 16. Jh. aus. Konrad Peutinger und Clemens Sender benutzten es, Georg Demer, Matthias Manlich, Marx Walther und Wilhelm Rem setzten es fort.

  • Werke

    Chron. d. H. M. 1348-1487, hrsg. v. F. Roth (Die Chroniken d. dt. Städte, Bd. 22), 1892;
    Meisterlin-Forts., hrsg. v. D. Weber (s. L), S. 263-73.

  • Literatur

    ADB 22;
    F. Roth (s. W);
    P. Joachimsohn, Ges. Aufsätze, hrsg. v. N. Hammerstein, Bd. 2, 1983, S. 206-12, 465-74;
    H. Lehmann-Haupt, Schwäb. Federzeichnungen, 1929, S. 34-39, 49-59;
    D. Weber, Gesch.schreibung in Augsburg, H. M. u. d. reichsstädt. Chronistik d. Spätma., 1984;
    Augsburger Stadtlex., hrsg. v. W. Baer, 1985;
    450 J. Staats- u. Stadtbibl. Augsburg, 1987, S. 20 f.;
    Jörg Mülich, Beschreibung d. hl. Stätten zu Jerusalem u. Pilgerreise nach Jerusalem, hrsg. v. U. Seelbach, 1993, S. 64-66;
    ThB;
    Vf.-Lex. d. MA.

  • Autor/in

    Klaus Graf
  • Empfohlene Zitierweise

    Graf, Klaus, "Mülich, Hektor" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 303 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11873735X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Mülich: Hector M., über dessen Leben und Stellung sich keine Nachrichten finden, hat sich durch seine Augsburgische Chronik, welche dem Ende des 15. Jahrhunderts angehört, einen Namen gemacht. Sie ist nicht nur die bedeutendste chronistische Arbeit, welche Augsburg aus jener Zeit aufzuweisen hat, sondern zugleich auch das Muster und die Grundlage einer ganzen Reihe von Arbeiten der nächstfolgenden Zeit, deren Werth zumeist darin besteht, daß sie die Mülich'sche Chronik fortsetzten. Letztere selbst reicht bis zum Jahre 1487 und erzählt eingehend die Ereignisse des 15. Jahrhunderts. Steht dem auch, was M. über das 14. Jahrhundert berichtet, an Bedeutung nach, so verleiht doch der Umstand, daß er aus guten und zum Theil nicht mehr vorhandenen Quellen schöpft, immerhin seinen Nachrichten einen Werth. Jörg Demer setzte Mülich's Chronik bis zum Jahre 1512, Matthäus Manlich, der sie in eine chronologische Chronik brachte, bis zum Jahre 1545 fort. Auch Wilhelm Ram steht unter Mülich's Einfluß.

    • Literatur

      Die Chroniken der deutschen Städte, Bd. IV.

  • Autor/in

    Wilhelm Vogt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogt, Wilhelm, "Mülich, Hektor" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 491 unter Mülich, Hector [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11873735X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA