Lebensdaten
1822 bis 1881
Beruf/Funktion
österreichischer General
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 13894377X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pulz, Ludwig Freiherr von

Zitierweise

Pulz, Ludwig Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13894377X.html [10.12.2018].

CC0

  • Leben

    Pulz: Ludwig Freiherr von P. wurde am 18. August 1822 zu Ungarisch-Brod in Mähren als der Sohn des Rittmeister-Rechnungsführers Andreas Pulz und seiner Gattin Theresia geboren. Schon am 13. September 1838 wurde er als unobligater Regimentscadett zum Infanterieregiment Nr. 60 assentirt, und nachdem er den dreijährigen Curs in der k. k. Cadettencompagnie in Graz absolvirt hatte, wurde er am 16. September 1841 als Regimentscadett zum Chevauxlegers-Regiment Nr. 7 (jetzt Ulanenregiment Nr. 11) transferirt. Hier eignete er sich bald die cavalleristischen Kenntnisse an, und am 16. Juli 1844 erfolgte seine Beförderung zum Unterlieutenant. Am 4. April 1848 avancirte er zum Oberlieutenant, und sollte dem jungen, strebsamen Officier schon in nächster Zeit Gelegenheit geboten werden, vor dem Feinde Proben seiner Tüchtigkeit abzulegen. Die revolutionäre Bewegung des Jahres 1848 hatte auch Wien ergriffen und machte P. die Belagerung und Einnahme von Wien vom 12. bis 31. October, sowie das Treffen bei Schwechat mit. Am ungarischen Feldzug 1848—1849 nahm P. als Regimentsadjutant an fast allen stattgehabten Affären theil und wird besonders wegen seiner Leistungen in der Schlacht von Kápolna am 26. und 27. Februar und in den Gefechten bei Hatvan am 2. bis 5. April in den Gefechtsrelationen rühmlichst erwähnt. Einen großen Beweis von Tapferkeit und Unerschrockenheit legte er in dem Gefechte bei Puszta-Harkaly am 26. April 1849 ab, wo er den schwer verwundeten Obersten Kißlinger des 5. Cürassierregiments, der besinnungslos am Boden lag, in einer Entfernung von 50 Schritten vom Feinde nur dadurch vor der sichern Gefangenschaft rettete, daß er von seinem Pferde absprang, um den Obersten auf dasselbe hinaufzuheben; da dies aber infolge dessen schwerer Verwundung nicht möglich war, so trug er ihn mit der größten Gefahr für seine Person mit Hülfe eines Ulanen zurück und übergab ihn Leuten des rückwärts befindlichen Kürassierregiments. In Anerkennung seiner Leistungen in diesem Feldzuge wurde P., der am 20. Mai 1849 außertourlich zum Rittmeister 2. Classe befördert worden war, durch die Verleihung des Ordens der Eisernen Krone 3. Classe ausgezeichnet.

    Am 15. Jauuar 1851 erfolgte seine Transferirung zum Husarenregimente Nr. 2 bei gleichzeitiger Beförderung zum Rittmeister 1. Classe, jedoch bereits am 14. Februar desselben Jahres wird er wieder in sein früheres Regiment eingetheilt. Im J. 1852 war P. der Mission des Generals Brudermann nach Arabien beigegeben; General Brudermann hatte nämlich den Auftrag, arabische Vollblutpferde bester Qualität für die österreichischen Staatsgestüte anzukaufen und P. brachte einen solchen Transport von Damaskus nach Oesterreich.

    Am 1. Mai 1856 wurde P. zum Adjutantencorps transferirt und dort am 28. Februar 1857 zum Major befördert; gleichzeitig erhielt er seine Ernennung zum Corps-Adjutanten beim 3. Armeecorps und machte als solcher den Feldzug 1859 in Italien mit, in dessen Verlaufe er am 22. Mai 1859 zum Oberstlieutenant avancirte. Auch in diesem Feldzuge nahm er an einer Reihe von Affären theil, unter anderen an der Schlacht von Magenta am 4. Juni und Solferino am 24. Juni, und wurde für sein tapferes Verhalten in letztgenannter Schlacht mit dem Ritterkreuze des österreichischen Leopold-Ordens ausgezeichnet.

    Als mit Allerhöchster Entschließung vom 17. Januar 1860 aus den vierten Divisionen der Ulanenregimenter Nr. 1, 2, 8 und 10 das freiwillige Ulanenregiment Nr. 13 aufgestellt wurde, ward P. am 22. Januar 1860 zum Commandanten des Regiments ernannt, worauf am 15. August d. J. seine außertourliche Beförderung zum Obersten erfolgte, und befehligte dasselbe bis zum Ausbruche des Krieges mit Italien im J. 1866. In diesem Feldzuge war er Commandant einer Cavalleriebrigade; am Tage der Schlacht bei Custozza aber, deren Name mit dem von P. unzertrennlich ist, commandirte er die aus zwei Cavalleriebrigaden gebildete Reserve-Cavallerie der Südarmee. Die Waffenthat nun, auf Grund welcher sich P. ein ruhmvolles Blatt in der Kriegsgeschichte sicherte, war im allgemeinen folgende:

    Am 6. Juni bezog Oberst P. mit 8 Escadronen des Husarenregiments Kaiser Nr. 1 und des Ulanenregiments Graf Trani Nr. 13, dem 21. Jägerbataillon und der 4 pfündigen Batterie Nr. 8/V eine Aufstellung entlang dem Mincio, mit dem Brigadestab und Gros in Villafranca; seine Aufgabe bestand in der scharfen Ueberwachung der Mincio-Uebergangspunkte von Goito bis Salionze, in der Beobachtung der gegnerischen Vortruppen, deren Posten bei Goito, Borghetto und Monzambano standen, und dem Sammeln von Nachrichten über die Bewegungen des Feindes.

    Am 17. Juni erhielt er vom Armeecommando den Befehl, in anbetracht der Nähe feindlicher Heereskräfte die Uebergangspunkte zwischen Salionze und Goito scharf zu beobachten und an den Hauptcommunicationen auch eine vorpostenartige Beobachtung eintreten zu lassen. Oberst P. verschärfte daher den Beobachtungsdienst, zog das 21. Jägerbataillon von Valeggio, wo es bei einem feindlichen Einfalle zu gefährdet erschien, am 19. nach Custozza zurück und ließ den Sicherheitsdienst bei Valeggio nur mehr durch Cavallerie besorgen. Aus den von der Brigade Pulz gemachten Wahrnehmungen ging hervor, daß sich namentlich an den unteren Stellen des Mincio zahlreiche feindliche Truppen ansammelten und Goito selbst stark besetzt war. In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni überschritten die ersten feindlichen Abtheilungen den Mincio bei Goito; um 4 Uhr 30 Min. früh passirte die Liniencavalleriedivision Sonnaz den Fluß bei Goito und rückte in nördlicher Richtung vor, wodurch Oberst P. bewogen wurde, die in jener Gegend stehenden Abtheilungen gegen Villafranca zurückzunehmen. Zwischen 7 und 8 Uhr Morgens begann der allgemeine Uebergang der feindlichen Armee auf verschiedenen Punkten; während feindliche Cavallerie von Valeggio und Goito gegen Villafranca vorrückte, concentrirte Oberst P. daselbst seine Brigade, indem er gemäß den Weisungen des Armeecommandos jedem ernsten Gefechte mit dem Feinde auswich. Gegen Mittag zog er sich langsam gegen Verona zurück, von weitem gefolgt von der feindlichen Cavallerie. Bei Dossobuono ließ Oberst P. um 3 Uhr Nachmittags seine Brigade Aufstellung nehmen und die Batterie gab einige Schüsse ab, worauf sich die feindliche Reiterei entfernte und bei Villafranca die Eisenbahn und Telegraphenleitung zerstörte.|Das italienische Hauptquartier würde durch diesen schrittweise durchgeführten Rückzug und durch sonstige Nachrichten in der Meinung bestärkt, daß die kaiserliche Armee hinter der Etsch stände und auf die Vertheidigung des Landes zwischen diesem Fluß und dem Mincio gänzlich verzichtet hätte, eine Auffassung der Situation, welche von großem Einflusse auf die österreichische Armee war.

    Erzherzog Albrecht beschloß auf Grund eingelaufener Nachrichten und sonstiger Wahrnehmungen, dem über den Mincio gegangenen Feinde mit der am rechten Etsch-Ufer concentrirten Südarmee in die Flanke zu fallen und befahl zu diesem Zwecke die Bildung einer zweiten Cavalleriebrigade, bestehend aus je 3 Escadronen der Husarenregimenter Nr. 3 und 11 und 2 Escadronen des Ulanenregiments Nr. 12, unter Commando des Obersten Bujanovics. Die Oberleitung beider Brigaden behielt Oberst P. Am 24. Juni früh gegen 3 Uhr rückten beide Brigaden aus ihren Lagern bei Fort Gisela und S. Lucia in westlicher Hauptrichtung vor; ihre Aufgabe war zunächst, die linke Flanke des 9. Corps, überhaupt die linke Flanke der Armee zu decken. Die Brigade Bujanovics stieß zunächst auf den Feind; ihre Seitenhut drängte die Vorhut der feindlichen Division Prinz Humbert von Calori gegen Villafranca zurück, wurde aber hier heftig beschossen und zog sich daher auf das Gros der Brigade zurück, die sich eben bei Academia entwickelte.

    Oberst P. war unterdessen über Palazzina hinaus gelangt; als er das Geschützfeuer von Villafranca hörte, vermuthete er eine gegen die linke Flanke der Brigade Bujanovics gerichtete feindliche Vorrückung und beschloß, in der Richtung des Geschützfeuers vorzugehen, um dem aus Villafranca vorrückenden Gegner selbst in die Flanke zu fallen. Er verständigte Oberst Bujanovics von seiner Absicht und forderte ihn gleichzeitig auf, sich rechts zu halten, um dadurch die Vereinigung der gesamten Cavallerie zu bewirken. Bald darauf liefen Meldungen ein, daß sich größere Massen feindlicher Truppen aller Waffengattungen vor Villafranca befänden; nun beschloß Oberst P., ohne weiteren Befehl den Feind aufzusuchen und anzugreifen. Südlich Ganfardine wurde er der feindlichen Truppen ansichtig; sofort ließ Oberst P. zwei Geschütze auf der Straße, die anderen links derselben auffahren und das Feuer eröffnen. Die Kaiser-Husaren marschirten in der Nähe von Ganfardine auf, die Trani-Ulanen gingen gegen Villafranca vor. 500 Schritte südlich Canuova stieß das Ulanenregiment auf eine dichte Kette Bersaglieri, ritt die ersten Linien nieder, sprengte mehrere Carrées und machte die Bedienungsmannschaft zweier Geschütze nieder; durch einen breiten und tiefen Chausseegraben wurde aber die weitere Attacke aufgehalten und das tapfere Regiment mußte auf demselben Wege zurückgehen, überschüttet von feindlichen Geschossen. In der Nähe von Casino sammelte sich wieder das Regiment, von dem nicht viel mehr als 200 Reiter übrig geblieben waren. Mittlerweile war auch das Husarenregiment in der Nähe von Villafranca auf drei feindliche Escadronen gestoßen, die aber sofort Kehrt machten und die rückwärts formirten Infanteriebataillone demaskirten, worauf auch dieses Regiment mehrere Carrées niederritt, sich schließlich aber aus dem mörderischen Feuer des Feindes zurückziehen mußte.

    Unmittelbar nach diesen Vorfällen trat die Brigade Bujanovics ins Gefecht und rückte im lebhaften feindlichen Geschützfeuer gegen Villafranca vor; die anrückenden feindlichen Escadronen wurden zurückgeworfen und bis an die Carrées der Division Humbert gejagt, worauf die Brigade den Rückzug antrat und sich bei Canuova sammelte. Oberst P. führte hierauf beide Brigaden bis La Caserta zurück, die Trani-Ulanen formirten sich bei Sommacampagna.

    So groß auch die Opfer waren, wodurch dieser unbestrittene Erfolg der kaiserlichen Waffen erkauft war, so waren sie nicht umsonst gebracht. Der Gegner war eingeschüchtert und die Divisionen Prinz Humbert und Bixio in einer Stärke von 36 Bataillonen, 3 Cavallerieregimentern und 6 Batterien, überdies die Cavalleriedivision Sonnaz mit 4 Regimentern, beschränkten sich fortan auf die Defensive. Auf den Besitz des wichtigen Punktes Sommacampagna und selbst für die Entscheidung der Schlacht von Custozza war dies von großem Einfluß.

    Nachdem Oberst P. im weiteren Verlaufe der Schlacht durch vorgeschobene Abtheilungen den Feind stets im Auge behalten, rückte er mit dem Gros gegen 2 Uhr Nachmittags zur eventuellen Unterstützung des linken Flügels von La Caserta in der Richtung La Fredda—Cerchie vor, zog sich jedoch dann gegen Sommacampagna bis Palazzina zurück, um die Pferde wieder rasten und für den Entscheidungsmoment Kräfte schöpfen zu lassen. Gegen 5 Uhr erhielt er den Befehl des Erzherzogs, mit der Reiterei gegen den rechten Flügel der italienischen Armee zu wirken, um dadurch die Wegnahme der Höhen von Custozza zu erleichtern. Oberst P. rückte sofort in der Richtung Cerchie—Capella vor, machte bei 1000 Gefangene und schlug die feindliche Cavallerie vollkommen; infolge der großen Erschöpfung der Pferde, die seit 3 Uhr früh weder gefüttert noch getränkt waren, konnte aber an eine weitere Verfolgung des Feindes nicht gedacht werden. So endete um 8 Uhr Abends der letzte von Oberst P. gemachte Angriff, und nachdem er seine beiden Brigaden gesammelt hatte, führte er sie auf die früheren Lagerplätze bei Fort Gisela.

    Durch diesen mit unübertroffener Bravour ausgeführten Reiterangriff in der Ebene von Villafranca trug P. wesentlich zum glücklichen Ausgang der Schlacht von Custozza bei, und sich selbst erwarb er den Ruhm eines hervorragenden Reiterführers.

    Auf Grund seiner ausgezeichneten Leistungen in diesem Feldzuge wurde Oberst P. am 26. Juni 1866 zum Generalmajor im Großen Generalstabe ernannt und am 29. August mit dem Ritterkreuze des Maria-Theresienordens ausgezeichnet, worauf im J. 1867 seine Erhebung in den Freiherrnstand erfolgte. Nach dem Feldzuge erhielt P. das Commando einer Infanteriebrigade in Prag und blieb dortselbst bis zum 22. Juni 1871, wo er zum Commandanten der 17. Infanterietruppendivision in Großwardein ernannt wurde. Mit 28. April 1872 erfolgte seine Beförderung zum Feldmarschalllieutenant, am 6. März 1878 seine Ernennung zum Militärcommandanten in Kaschau. Am 8. November desselben Jahres wurde er in gleicher Eigenschaft nach Temesvar übersetzt. Auch hier sollte er bald wieder Gelegenheit finden, sich auszuzeichnen, und zwar war es gelegentlich der großen Ueberschwemmungen in den Jahren 1879 und 1881, wo Feldmarschalllieutenant Freiherr v. P. persönlich die zur Hülfeleistung aufgebotenen Truppen leitete und sich durch Rettung mehrerer Menschen vom Tode des Ertrinkens mit Hintansetzung des eigenen Lebens große Verdienste erwarb. Von Sr. Majestät wurde er hierfür durch Verleihung des Commandeurkreuzes des Leopoldordens ausgezeichnet. Am 20. August 1879 erhielt er die Würde eines Wirklichen Geheimen Rathes, am 2. August 1881 wurde er zum commandirenden General in Agram ernannt. Doch nur kurze Zeit sollte es diesem, um das Vaterland so verdienten General beschieden sein, sich seiner Stellung zu erfreuen, denn im J. 1881, wo er bei den Ueberschwemmungen das Leben seiner Mitmenschen rettete, zog er sich den Anfang einer Krankheit zu, der er bereits am 1. September 1881 zu Mödling bei Wien erlag.

    Ein tragisches Geschick wollte es, daß er, der dem Tode auf dem Schlachtfelde so oft ins Auge gesehen, niemals auch nur die kleinste Verwundung davontrug, sich bei einem Werke der Nächstenliebe den Todeskeim holen mußte.

    Feldmarschalllieutenant Freiherr v. P. blieb unvermählt. Was sein Aeußeres betrifft, so war er von großer Gestalt und kräftigem Körperbau; er war wohlwollend für seine Untergebenen und besaß ein weiches Herz unter einer rauhen Hülle.

    Außer den bereits angeführten österreichischen Decorationen besaß Feldmarschalllieutenant Freiherr v. P. noch folgende ausländische, und zwar: den kaiserlich russischen St. Wladimirorden 4. Cl. und den St. Annenorden 2. Cl., das Commandeurkreuz des königlich sicilianischen Ordens Franz I. und das Comthurkreuz des königl. bairischen St. Michael-Ordens.

    • Literatur

      Wurzbach, Biographisches Lexikon. — Dr. Hirtenfeld, Der militärische Maria-Theresienorden und seine Mitglieder. —
      Luckhardt, Deutsche Heereszeitung 1881. —
      Die Vedette 1881. — Oesterreichs Kämpfe 1866, bearbeitet durch den k. u. k. Generalstab. — Feldacte und sonstige authentische Behelfe des k. u. k. Kriegsarchivs.

  • Autor/in

    H. v. M.
  • Empfohlene Zitierweise

    M., H. von, "Pulz, Ludwig Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 142-146 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13894377X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA