Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Kaufherrenfamilie
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 138893810 | OGND | VIAF: 95507270
Namensvarianten
  • Loytz( ADB)
  • Loitz
  • Loytz( ADB)
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Zitierweise

Loitz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138893810.html [13.04.2021].

CC0

  • Leben

    Das Stettiner Handelshaus der Familie war im 16. Jh. eines der bedeutendsten im Ostseeraum. Hans († 1448), seit 1433 Stettiner Bürger, 1447/48 im Rat, war im Heringshandel tätig. Sein Sohn Michael (1438–94), 1484-94 Bürgermeister, und dessen Sohn Hans ( 1539), 1529-39 Bürgermeister, mehrten durch geschäftlichen Erfolg und eheliche Verbindungen mit reichen Geschlechtern den Wohlstand der Familie. Mit letzterem, der als Anhänger des alten Glaubens während heftiger konfessioneller Auseinandersetzungen zeitweilig die Stadt verlassen mußte, begann die eigentliche Größe des Hauses. Seine Geschäftsbeziehungen reichten bis nach Holland und Dänemark. Neben dem Handel mit Getreide und Heringen wandte er sich dem Salzhandel zu. Nach seinem Tode übernahmen die vier Söhne Michael (1501–61), Stephan (1507–84), Simon und Hans ( 1575) die Handelsfirma mit Hauptsitz in Stettin und weiteten ihre Aktivitäten vor allem im Getreide- und Salzhandel aus. Durch die Heirat Stephans mit Beata v. Dassel wurde umfangreicher Pfannenbesitz an der Lüneburger Saline erworben. Die wichtigste Filiale bestand in Danzig, wo Michael und Simon tätig waren und in Ratsgeschlechter einheirateten, weitere in Lüneburg, Leipzig, Frankfurt a. d. Oder, Breslau und Prag. Weitverzweigte Geschäftsverbindungen und politische Kontakte förderten das Gedeihen des Unternehmens, das sich „mit so ziemlich allem befaßte, was Geld einbrachte“ (Papritz), und dessen Tätigkeitsbereich sich von Narwa im Osten bis nach England erstreckte. Der Getreidehandel der L. reichte vom Baltikum bis nach Südfrankreich, Bergbaubeteiligungen bestanden im Harz, in Ungarn, Polen, Schweden und wahrscheinlich auch in England. In Dänemark erreichte die Firma, daß ihr der gesamte Handel mit isländ. Schwefel als Monopol übertragen wurde.

    Mit der Zeit traten mehr und mehr Geldgeschäfte neben den Handel. Seit etwa 1538 gewährte die Firma, der vor allem der pommersche Adel Depositen anvertraute, Kf. Joachim II. von Brandenburg Anleihen in zunehmender Höhe. Bei der Geldaufnahme am Finanzplatz Stolp kam es gelegentlich zu für das norddeutsche Wirtschaftsgebiet beispiellosen Tagesumsätzen von mehr als 100 000 Talern. Auch anderweitig traten die L. mit Kf. Joachim in Geschäftsbeziehungen. Als ein geplanter gemeinsamer Ankauf von 15 000 Ochsen in der Walachei scheiterte, ließ der verärgerte Kurfürst 1546 Michael und Hans arretieren und ihr Vermögen beschlagnahmen. Hans kam erst 1549 frei, nachdem der Kaiser auf dem Reichstag von 1548 mit der Sache befaßt worden war. In einem Vergleich mit den L. erkannte der Kurfürst 1551 Schulden in Höhe von 29 000 fl. an, die durch die Überlassung des Biergeldes abgegolten werden sollten. In den folgenden Jahren wurden auch Zolleinnahmen und andere Einkünfte sowie umfangreicher Grundbesitz an die L. verpfändet, die Kf. Joachim wie auch Hzg. Albrecht von Preußen weiter hohe Darlehensbeträge zur Verfügung stellten, u. a. 1561 – gemeinsam mit dem Kaufmann Andreas Lindholz ( 1589) aus Cölin – 72 000 Taler, davon das meiste für Bau und Armierung der Festung Spandau, und zwar z. T. durch Lieferung von Pulver, Eisenkugeln und Kupfer für Geschütze. Ein weiterer wichtiger Kunde der L. war der König von Polen, dem sie praktisch alles lieferten, was für die Hofhaltung benötigt wurde. Als Kriegslieferanten für die dän. Truppen betätigten sie sich im Nordischen Krieg.

    Seit etwa 1560 unternahmen die L. den Versuch, den Salzhandel in weiten Teilen Nordosteuropas unter ihre Kontrolle zu bringen. Von Kf. Joachim erhielten sie – wohl im Zusammenhang mit dem großen Darlehen desselben Jahres – ein Privileg für die Salzschiffahrt auf der Oder nach Schlesien und der Lausitz. Mit einer Flotte von Schiffen schafften sie Meersalz (Bay- oder Boisalz) von der franz. Atlantikküste durch den Sund nach Stettin und Danzig, doch konnten sie ihr Oder-Privileg nicht nutzen, da es von den Städten Stettin und Frankfurt sowie von rivalisierenden Kaufleuten – vor allem dem umtriebigen Joachim Grieben (ca. 1530 - ca. 1576) aus Leipzig – angefochten und vom Kurfürsten nicht nachhaltig unterstützt wurde. Durch Odersperren Stettins und Frankfurts komplizierte sich die Lage. Kaiser Ferdinand I. schaltete sich als schles. Landesherr in die Auseinandersetzung ein. 1563 löste er das Privileg der L. aus, indem er sich verpflichtete, das Salz zu einem höheren als dem marktüblichen Preis von ihnen zu kaufen und es auf eigenen Schiffen nach Schlesien zu bringen. Den L. brachte dieses Geschäft ohne Risiko 18 000 Taler ein. Einen großen Teil des importierten Salzes leiteten sie nach Polen weiter, wo sie ebenfalls weitgehende Handelsprivilegien erhalten hatten.

    Seit etwa 1567 begannen sich schwere geschäftliche Probleme abzuzeichnen. Die L. fielen in Dänemark in Ungnade, wo sie Kg. Frederik II zahlreiche Anleihen vermittelt hatten. Nach der Sperrung des Sunds bemühten sie sich um eine Freigabe der Elbe für ihre Salztransporte, hatten damit auch 1571 Erfolg, vermochten jedoch daraus kaum noch Gewinn zu ziehen. Sie gerieten in rasch wachsende Schwierigkeiten, weil sich hohe Darlehensforderungen als uneinbringlich erwiesen. Kf. Joachim, der geltend machte, die L. seien ihren Lieferungsverpflichtungen nicht nachgekommen und hätten Wucherzinsen berechnet, und Kg. Sigismund von Polen verweigerten die Rückzahlung von Darlehen in Höhe von mehreren 100 000 Talern. Nach dem Regierungswechsel in Brandenburg 1571 wurden die L. angeklagt, die bisherige finanzielle Mißwirtschaft am Hofe wucherisch ausgenutzt zu haben. Der neue Kf. Johann Georg erkannte die Schulden seines Vaters zum größten Teil nicht an. Die L., die ihrerseits Verbindlichkeiten von etwa 2 Mill. Talern hatten, fallierten im Frühjahr 1572. Hans und Stephan mußten vor ihren Gläubigern aus Stettin fliehen und zogen sich auf ihren großen Grundbesitz Tiegenhof bei Danzig zurück. Eine Klage, die sie gegen den Kurfürsten persönlich anstrengten, scheint erfolglos geblieben zu sein.

    Wegen der Lückenhaftigkeit der Quellen lassen sich die vielfältigen und weitverzweigten Unternehmungen und Transaktionen der L. nicht vollständig rekonstruieren. In den wenigen Jahrzehnten der Blüte ihrer Firma tätigten sie vor allem als Getreide- und Salzhändler, Montanunternehmer und „Hofbankiers“ Geschäfte eines Umfanges, der einen Vergleich mit den großen oberdeutschen Gesellschaften des Frühkapitalismus nicht abwegig erscheinen läßt. Auch der für den norddeutsch-hansischen Wirtschaftsraum ungewöhnliche Aufbau der Firma als Familienunternehmen legt einen solchen Vergleich nahe. Der Bankrott der L., bei dem vor allem zahlreiche Adelsfamilien ihr Geld verloren, hat Pommern wirtschaftlich für längere Zeit zurückgeworfen.

  • Literatur

    ADB 19;
    Hering, Die Loytzen, in: Balt. Stud. 11, 1845, S. 80-92;
    J. Strieder, Stud. z. Gesch. kapitalist. Organisationsformen, 21925, S. 99-101 (L);
    J. Papritz, Das Stettiner Handelshaus d. L. u. d. Boisalzhandel d. Odergebiets, Diss. Berlin 1932 (L);
    ders., Das Handelshaus d. L. zu Stettin, Danzig u. Lüneburg, in: Balt. Stud. NF 44, 1957, S. 73-95 (P v. Michael II. u. Hans IV);
    ders., H. Rachel u. P. Wallich, Berliner Großkaufleute u. Kapitalisten I, 1934 (auch ausführl. zu Andreas Lindholz u. Joachim Grieben);
    Altpr. Biogr.

  • Autor/in

    Hans Jaeger
  • Empfohlene Zitierweise

    Jaeger, Hans, "Loitz" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 141 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138893810.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA