Lebensdaten
gestorben Anfang 12. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Augustinerchorherr in Lille
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102507104 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liebert
  • Lietbert
  • Letbert
  • mehr

Quellen(nachweise)

Zitierweise

Letbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102507104.html [18.04.2019].

CC0

  • Leben

    Letbert (auch Liebert, Lietbert) lebte in der zweiten Hälfte des 11. und noch zu Anfang des 12. Jahrhunderts und war nach den Verfassern der Hist. lit. de la Trance ein regulirter Chorherr des St. Petersstiftes zu Lille oder Ryssel (Insulae) in Flandern. Die wenigen über ihn erhaltenen Nachrichten verdankt man einem Briefe des Bischofs Walther von Maguelone (Montpellier, 1104—28, nach Gams, Series episcoporum, p. 579) an seinen Verwandten Robert, Propst in Lille (abgedruckt in Mabillon, Vet. analecta. Tom. I. p. 289, 2. Ausg. p. 461), worin er angibt, daß er vor seiner Erhebung zur Bischofswürde selbst die Propstei zu Lille innegehabt und den L. unter seinen Chorherren gezählt hätte. Er spendet demselben großes Lob ob seiner Gottesliebe und seines Seeleneifers und nennt ihn einen „seligen“ und „heiligen“ Mann. Sein Eifer soll ihm auch, wie die Verfasser der Hist. lit. aus einem Schreiben Gregors VII. vom J. 1079 vermuthen, Feindseligkeiten und Verfolgungen von Seite seiner Mitkanoniker zugezogen haben, weshalb ihn der genannte Papst in dem erwähnten Schreiben in Schutz nahm. Um das J. 1110 wurde er zur Leitung des Klosters zum hl. Rufus zu Valence in der Dauphins berufen, in welchem (nach Mabillon, Annales, Tom. IV. p. 588) eine neue Reform für regulirte Chorherren nach der Regel des hl. Augustin beobachtet wurde. Er lebte daselbst höchstens bis gegen das Ende des J. 1114. L. hinterließ einen Kommentar über die Psalmen unter dem Titel „Flores psalmorum“, zum größten Theile ein Auszug aus Augustin, Cassiodor u. a. alten Kirchenschriftstellern, welchen Bischof Walther auf Bitten des Kanonikers Hescelin dem Chorherrenstifte zu Lille laut seines obenerwähnten Briefes übersandte. Er fand sich handschriftlich in vielen Bibliotheken Englands, der Niederlande und besonders Frankreichs. Dem Drucke scheint er nie übergeben worden zu sein. Ferner sind uns von L. noch zwei Briefe erhalten (gedruckt bei Martene und. Durand, Thesaurus novus anecdotorum, Tom. I. p. 329 sq.), von denen der erste die hohen Vorzüge des Ordens der regulirten Chorherren preist, und der zweite die Cleriker vor dem vertrauten Umgange mit dem Frauengeschlechte warnt. Sie entsprechen der Charakterschilderung, die Walthers Brief von L. gibt.

    • Literatur

      Vgl. Histoire littéraire de la Trance, Tom. 9, p. 570 sq.

  • Autor/in

    P., Ant. , Weis.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weis, P. Anton, "Letbert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 458 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102507104.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA