Lebensdaten
erwähnt 1507, gestorben 1519
Beruf/Funktion
Theologe ; Kanoniker ; Professor der Philosophie ; Rektor der Universität Erfurt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 104235136 | OGND | VIAF: 10278919
Namensvarianten
  • Jodocus Isenacensis
  • Trautwetter, Jodocus
  • Trutvetter, Jodocus
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Zitierweise

Jodocus von Eisenach, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd104235136.html [24.09.2020].

CC0

  • Leben

    Jodocus von Eisenach (Isenacensis), Theolog und Schriftsteller zu Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts. Zu Eisenach geboren (wann, ist nicht überliefert), war sein bürgerlicher Name Jodocus Trautvetter und so, oder auch Judocus Trutvetter, oder Justus Jodocus Trautvetter, begegnet er auf einigen seiner Schriften, aber schon zu seinen Lebzeiten wurde er schlechthin „Doctor Isenacensis“ genannt und hat diese Bezeichnung bis heute behalten. Nachdem er zu Erfurt Theologie und Philosophie studirt, auch die theologische Doctorwürde sich erworben hatte, wurde er später an dieser Hochschule Lehrer der genannten Disciplinen und hatte auch Luther zu seinem Schüler; zugleich bekleidete er ein Canonicat an der Kirche St. Maria. Bei seinen Zeitgenossen galt er als ein Mann von großer Gelehrsamkeit ("Theologus et Philosophus in Erfordiensi Gymnasio primarius"), als ausgezeichneter Redner und ganz besonders als scharfsinniger Dialektiker, In der scholastischen Philosophie war er ein Schüler und eifriger Nachahmer des Joh. Buridanus, jenes Philosophen des 14. Jahrhunderts, bekannt durch das berühmte Dilemma, womit er die unbestimmte Willkür der Thiere beweisen wollte und das nach ihm zum sprichwörtlichen „Buridanischen Esel“ ward. Als Lehrer scheint er durch seinen Vortrag sich beliebt gemacht zu haben, denn Megalander in einem Briefe an Luther (Epist. I. 59) nennt ihn „praeceptorem suavissimum“, Cob. Hessus feierte ihn in einem lateinischen Elogium und selbst Luther, der, als er zu Erfurt studirte, ihn nebst dem Joh. Gryphius zu besonderen Lehrmeistern hatte, hielt große Stücke auf ihn und „trug vor ihm große Ehrerbietung“. In Seckendorf's Historia Luthe-ranismi p. 21 findet sich über dieses Verhältniß folgende Stelle, welche ganz hier zu stehen verdient: „Sed vel maxime inter praecepores quoque Lutheri numerandus est Jodocus, quem ejus temporis more Doctorem Isennacensem vocabant. Extat ad eum epistola Lutheri Erfordiae anno 1518 data, qua suas theses paulo ante editas in scriptis defendit, cum minus recte valentem alloqui non posset“. In diesem Briefe aber sagt Luther: Miror quod credere potuisti, me fuisse auctorem coucremationis positionum Tezelianarum. Adeo mihi omnem sensum humanum perdidisse credis, ut tam iusignem injuriam ego religiosus et Theologus in loco non meo, hamini tanti officii, irrogarem?“ Dieses Verhältniß aber änderte sich gründlich, als Luther zu Wittenberg seine reformatorische Wirksamkeit begann und unter den Erfurter Theologen zeigte sich namentlich J. als ein erbitterter Gegner Luthers und seiner Freunde. In einem Briefe an Spalatin (a. a. O. S. 92) schreibt Luther: „Erffurdensibus mea Theologia bis mortem crambe, et inprimis Doctor Isenacensis omnibus placitis meis nigrum Thita praefigit, datis ad me litteris, quibus et dialecticae quoque ignarum nedum Theologiae argueret“. Des Ansehens wegen, in welchem J. zu Erfurt stand, wurde er von den sächsischen Fürsten bald nach Errichtung der neuen Universität Wittenberg als Professor der Theologie dahin berufen, allein er konnte sich mit den dortigen Zuständen nicht befreunden und kehrte bald wieder nach Erfurt zurück, wo er bis zu seinem Tode als Lehrer und schriftstellerisch beschäftigt lebte. Dieser erfolgte am 17. December (nicht am 9. Mai)|1519 nach einem Briefe Luther's, den zuerst aus einer Handschrift der Jenaer Bibliothek Joh. Fr. Buddeus in seiner „Nova collectio spistolarum Lutheri“ p.11 veröffentlichte und der in Betreff des J. folgendermaßen lautet: „Hac hora ex socero Lucae pictoris (Cranach) audivi excessisse e vivis D. Doctorem Isenacensem Erffordiae. Timeo et me causam acceleratae suae mortis fuisse, tantum aegritudinis fuit animo ejus, ex meis, ut dicitur, prophanitatibus et temeritatibus, quibus scholasticam Theologiam doluit incredibiliter contemni ...“ Unter den Schriften des J., welche zwar zu ihrer Zeit in großem Ansehen standen, jetzt aber zum Theil verschollen und nur dem Titel nach bekannt sind, befinden sich als seine Hauptwerke: „summa de Dialectica insignis", „summa grandis in totam Physicen“, „Epistolae“ und „Orationes“. An der Herausgabe mehrerer zum Drucke vorbereiteter Werke hatte ihn der Tod verhindert.

    • Literatur

      Joach. Joh. Mader, Scriptorum Centuria. Helmstad. 1660. N. LXIX.(nach einem anonym durch Conrad Wimpina 1514 verfaßten Manuscript). Sammlung von alt. u. neuen theolog. Sachen, 1732, S. 15—18. Hummel, Neue Biblioth. selt. Bücher, S. 159. Seckendorf, Hist. Lutheranismi (Frick), p. 51. Serapeum 1840, 369—75, woselbst zwölf seiner Werke nach Titel und Inhalt besprochen werden, die zum Theil bei Panzer und Hain fehlen.

  • Autor/in

    J. Franck.
  • Empfohlene Zitierweise

    Franck, Jakob; Liebmann, O., "Jodocus von Eisenach" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 111-112 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd104235136.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Trutvetter: Jodocus T., aus Eisenach, Licenciat der Theologie, war zu Anfang des sechzehnten Jahrhunderts Professor der Philosophie an der Universität in Erfurt, wo Luther bei ihm Vorlesungen über Logik hörte. Er hat eine „Summa totius logicae“, ein „Breviarium dialecticae“ (Ers. 1507) und ein „Systema, physicum“ herausgegeben und starb am 9. Mai 1519.

    • Literatur

      Jöcher's Allg. Gel.-Lex. IV, 1342. — Zedler's Univers.-Lex. XLV, 1333.

  • Autor/in

    O. Liebmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    CC-BY-NC-SA