Lebensdaten
1859 bis 1937
Geburtsort
Riga
Sterbeort
Hohensalza (Inowroclaw)
Beruf/Funktion
Eisenhüttenmann
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 127750649 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dichmann, Carl
  • Dichmann, Karl

Orte

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Zitierweise

Dichmann, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd127750649.html [18.11.2018].

CC0

  • Leben

    D. studierte nach Besuch des Rigaer Gymnasiums an dem dortigen Polytechnikum zuerst Handelswissenschaften, dann Chemie und legte 1881 die Abschlußprüfung als Ingenieur-Chemiker ab. Er war dann bei einer chemischen Fabrik in Riga tätig, fand aber schon bald den Weg zur Eisenindustrie. Auf mehreren polnischen Stahlwerken lernte er als Assistent und Betriebsleiter vornehmlich den Bessemer- und Siemens-Martin-Betrieb gründlich kennen und hatte wiederholt Gelegenheit, selbst Siemens-Martin-Anlagen zu erbauen. Besonders erfolgreich gestaltete sich seine Tätigkeit auf dem südrussischen Werk Jurjewka, wo er 1899 bis 1905 das Stahl- und Walzwerk betreute. Als damals die Nachfrage nach Roheisen nachließ und eine andere Verwendung für das anfallende Roheisen gefunden werden mußte, gelang es D., angeregt durch das Bertrand-Thiel-Verfahren, den Roheiseneinsatz im Stahlwerk allmählich so zu erhöhen, daß er seine Öfen schließlich nur mit flüssigem, unmittelbar vom Hochofen kommenden Roheisen betrieb. So wurde er einer der Bahnbrecher für das Roheisen-Erz-Verfahren mit flüssigem Einsatz in feststehenden Öfen. Mit der Umwälzung in Rußland 1905 gab er seine Stellung in Jurjewka auf und war vorübergehend in Gleiwitz als beratender Ingenieur für verschiedene Stahlwerke tätig. Dann kehrte er 1906 noch einmal, jetzt als Generaldirektor, nach Jurjewka zurück, schied aber 1907 endgültig aus. Die nächsten Jahre verbrachte D. als beratender Ingenieur in Riga und entfaltete daneben eine fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit. Hervorzuheben ist namentlich sein Buch „Der basische Hochofenprozeß“, das auch ins Englische und Italienische übersetzt wurde. 1912 kehrte D. in die Praxis zurück, und zwar als Leiter des Hüttenwerkes B. Hantke in Czenstochau, welche Stellung er mit dem unglücklichen Ausgang des ersten Weltkrieges verlor. Er arbeitete darauf mehrere Jahre als Leiter des chemischen Laboratoriums und der Eisengießerei einer Maschinenfabrik in Posen und von 1928 bis 1930 als Chefchemiker des Milowicer Eisenwerks. Seitdem lebte er in Hohensalza im Ruhestand. In Anerkennung seiner bedeutenden Leistungen für die eisenschaffende Industrie verlieh ihm der Verein deutscher Eisenhüttenleute 1911 die Karl-Lueg-Denkmünze.

  • Werke

    W Üb. d. Verarbeitung flüssigen Roheisens im basisch zugestellten Martinofen, in: Stahl u. Eisen 25, 1905, S. 1337-46 u. 1429-37;
    Der basische Herdofenprozeß, 1910, 21920;
    Zur Beurteilung d. Generatorganges auf Grund d. Gasanalyse, in: Rigasche Industrie-Ztg. 36, 1910, S. 1-6 u. 33-35;
    Ein Versuch z. Klärung d. Rolle d. Schlacke in unseren Hüttenprozessen, in: Stahl u. Eisen 31, 1911, S. 749-59, 797-804 u. 891-97;
    Die Anwendung d. Gesetze d. Hydraulik auf d. Berechnung d. Flammöfen, ebd. 31, 1911, S. 2000-05 u. 2047-52;
    Üb. d. Wesen d. Flamme unserer techn. Feuerungen, in: Rigasche Industrie-Ztg. 38, 1912, S. 1-5, 17-20, 33-35, 49-51 u. 65-67;
    Grundlagen f. d. richtige Entwerfen v. Ofenanlagen, in: Stahl u. Eisen 33, 1913, S. 860-64 u. 939-43;
    Fortschritte auf d. Gebiete d. Siemens-Martin-Verfahrens in Amerika im J. 1926, ebd. 47, 1927, S. 1453 f.;
    Feuerfeste Baustoffe f. Siemens-Martin-Öfen, ebd. 48, 1928, S. 624 f.

  • Literatur

    Album academicum d. Polytechnikums zu Riga 1862-1912, Riga 1912, S. 76;
    Stahl u. Eisen 58, 1938, S. 156 (P).

  • Autor/in

    Hugo Racine
  • Empfohlene Zitierweise

    Racine, Hugo, "Dichmann, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 634 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd127750649.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA